Akute Pankreatitis als intensivmedizinisches Problem: Die akute Pankreatitis, insbesondere schwere Verläufe mit Nekrosen und Organdysfunktion, führt zu hoher Morbidität und Mortalität und erfordert oft intensivmedizinische Betreuung.
Pathophysiologie und Rationale
Eine zentrale Rolle in der Pathophysiologie der akuten Pankreatitis spielt die Störung der Mikrozirkulation der Bauchspeicheldrüse. Sie führt zu Minderperfusion, Ischämie und Nekrosen und bestimmt damit den Schweregrad wesentlich mit. Ausgelöst wird sie durch mehrere ineinandergreifende Mechanismen: Die freigesetzten aktivierten Pankreasenzyme schädigen das Endothel, setzen Gewebefaktor frei und aktivieren Thrombozyten, sodass die Gerinnungskaskade in Gang kommt. Volumenverluste in den dritten Raum und die daraus folgende Hämokonzentration verschärfen die Minderdurchblutung; die frühe Volumentherapie ist deshalb etabliert, kann die Mikrozirkulationsstörung aber nicht vollständig verhindern. Die begleitende Koagulopathie mit Hyperkoagulabilität und gleichzeitiger Aktivierung der Fibrinolyse gilt als entscheidend für den Übergang vom milden zum schweren, nekrotisierenden Verlauf mit Organversagen. Gestützt wird das durch den Nachweis von Mikrothromben in Gewebeschnitten von Patienten mit akuter Pankreatitis und durch das erhöhte Risiko makroskopischer thromboembolischer Ereignisse, etwa der Pfortader- und Milzvenenthrombose. Die Störungen betreffen nicht nur das Pankreas, sondern auch andere Organe und tragen so zu Multiorganversagen und Sterblichkeit bei. Vor diesem Hintergrund liegt der Versuch nahe, den Verlauf über Mikrozirkulation und Gerinnung zu beeinflussen.
Niedermolekulares Heparin (LMWH) als Therapieansatz
Niedermolekulares Heparin ist dafür aus mehreren Gründen interessant. Neben der gerinnungshemmenden werden ihm antiinflammatorische Eigenschaften zugeschrieben: Es bindet Entzündungsmediatoren, hemmt die Adhäsion von Leukozyten am Endothel und schützt die Glykokalyx. Tierexperimentell waren die Ergebnisse vielversprechend, vor allem wenn die Behandlung früh im Krankheitsverlauf begann. Die klinischen Studien waren bisher klein und uneinheitlich: Eine chinesische Studie mit sehr niedriger Dosis fand deutliche Vorteile mit weniger ARDS, weniger Organversagen und geringerer Sterblichkeit, eine indische Studie mit höherer Dosis weniger Nekrosen und Thrombosen, aber keinen signifikanten Überlebensvorteil.