In den europäischen Kohortenstudien APRICOT (31 127 Narkosen bei Kindern bis 15 Jahre) und NECTARINE (5 609 Narkosen bei Neugeborenen und Säuglingen) gehörten kardiovaskuläre Ereignisse, meist Hypotonien, zu den häufigsten kritischen Ereignissen. Typische Auslöser sind Einleitungshypnotika und Volumenmangel, seltener eine nicht rechtzeitig reduzierte Konzentration des Inhalationsanästhetikums nach der Einleitung. Eine Fallserie von sechs Säuglingen mit postoperativer Enzephalopathie (McCann 2014) hat die Aufmerksamkeit für Blutdruck, CO₂ und Hämoglobin während der Narkose geschärft; ein ursächlicher Beweis steht aus.
Messen
Das Kreislaufmonitoring beim Kind ist einfach, verlangt aber Augenmaß. Gemessen wird oszillometrisch alle drei bis fünf Minuten, dazu kommen Herzfrequenz und Sättigung; bei Risikokindern ergänzt die zerebrale Nahinfrarotspektroskopie das Bild, weil sie Veränderungen der Hirnoxygenierung früher anzeigt als der Blutdruck. Ein Ausgangswert vor der Einleitung ist wertvoll, kann ein ängstliches Kind aber zusätzlich belasten; ein praktikabler Kompromiss ist die erste Messung unmittelbar nach dem Einschlafen. Als Zielgröße eignet sich der mittlere arterielle Druck am besten, weil er weniger von der Manschettengröße und von Artefakten abhängt als der systolische Wert und den Perfusionsdruck der Organe besser abbildet.
Grenzen
Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Verwendet werden ein relativer Abfall (zum Beispiel mehr als 20 % vom Ausgangswert) und absolute Grenzen. Pragmatisch ist die 40/50/60-Regel für den MAD: Neugeborene und Säuglinge über 40, Klein- und Vorschulkinder über 50, Schulkinder über 60 mmHg. Die ERC-Leitlinien 2025 nennen die 5. Perzentile des Blutdrucks als Mindestziel; die Werte der Regel liegen teils knapp darunter.
Zeichen eingeschränkter Perfusion
Eine Minderperfusion erkennt man beim Kind an mehreren Zeichen, die zusammen gelesen werden. Die Rekapillarisierungszeit über zwei Sekunden, geprüft nach fünf Sekunden Druck auf Sternum oder Stirn, ist das einfachste; Blässe, Marmorierung und kühle Haut kommen hinzu, können aber auch durch eine kalte Umgebung entstehen. Ein Abfall des Perfusionsindex sowie eine atemsynchron schwankende oder flache Plethysmographiekurve am Pulsoxymeter weisen auf einen Volumenmangel hin. Ein Abfall des endtidalen CO₂ bei unveränderter Beatmung zeigt ein sinkendes Herzzeitvolumen an, weil weniger Blut durch die Lunge fließt. Und im Verlauf sprechen weniger Urin, steigendes Laktat und eine sinkende zerebrale Sättigung für eine anhaltende Minderperfusion.