Magnesiumsulfat
Magnesium wirkt über einen Antagonismus am NMDA-Rezeptor, über kalziumantagonistische Effekte, über die Dämpfung der neuronalen Erregbarkeit sowie vasodilatatorisch und zerebroprotektiv. Für die Anästhesie sind zwei Punkte entscheidend. Erstens die Toxizität: Mit steigenden Spiegeln verschwinden zunächst die Sehnenreflexe, danach drohen Atemdepression und Störungen der AV-Überleitung; bei eingeschränkter Nierenfunktion kumuliert die Substanz, weshalb Reflexe, Atemfrequenz und Diurese überwacht werden. Zweitens die Interaktion mit Muskelrelaxanzien: Magnesium potenziert nichtdepolarisierende Relaxanzien erheblich, sodass die quantitative Relaxometrie hier nicht Kür, sondern Pflicht ist.
Blutdrucktherapie
Mittel der ersten Wahl in der Akuttherapie sind nach der S2k-Leitlinie Urapidil i. v., Nifedipin p. o. und Dihydralazin i. v.; Labetalol ist international verbreitet und wird in der Leitlinie für Österreich und die Schweiz genannt. Nach der S2k-Leitlinie 2024 wird eine Hypertonie ab 160/110 mmHg sofort gesenkt; Zielwerte sind systolisch höchstens 135 mmHg und diastolisch höchstens 85 mmHg, ohne drastischen Abfall, weil sonst die Plazenta minderperfundiert wird. Eine Überkorrektur gefährdet die uteroplazentare und die mütterliche Organperfusion, und eine aggressive Volumenexpansion unterbleibt. Bei schweren Verläufen wird die invasive Blutdruckmessung früh etabliert, weil antihypertensive und vasopressorische Therapie bei derselben Patientin nacheinander oder sogar gleichzeitig nötig sein können.
Vasopressoren nach Spinalanästhesie
Phenylephrin ist die historische Referenzsubstanz mit solider Blutdruckkontrolle, aber ausgeprägter Bradykardieneigung. Noradrenalin wird zunehmend bevorzugt, weil es weniger Bradykardie verursacht und das Herzzeitvolumen besser erhält; Metaanalysen der Jahre 2024 und 2025 stützen seinen Einsatz auch bei Präeklampsie. Ephedrin ist heute meist nicht mehr erste Wahl, weil Nebenwirkungsprofil und Datenlage dagegen sprechen. Die spezifische Evidenz bei Präeklampsie wächst, bleibt aber begrenzt.
Zum MitnehmenMagnesium schützt vor dem Anfall und verlängert die Wirkung von Relaxanzien: Relaxometrie ist Pflicht. Blutdruckziel höchstens 135/85 mmHg ohne drastischen Abfall, kein Volumenbolus als Routine. Noradrenalin und Phenylephrin sind nach Spinalanästhesie gleichermaßen geeignet; Noradrenalin verursacht weniger Bradykardie.