Häufige Notfallursachen im Kindesalter sind respiratorische und neurologische Notfälle, Verletzungen, Vergiftungen, Verbrennungen und Infektionen wie Meningitis und Sepsis. Der klassische Einsatz lautet: akute Atemnot bei einem zweieinhalbjährigen Kind mit inspiratorischem Stridor und bellendem Husten.
Warum Kinder so schnell dekompensieren
Der Durchmesser der kindlichen Atemwege ist klein, und der Strömungswiderstand steigt bei laminarer Strömung mit der vierten Potenz des Radius. Eine Schleimhautschwellung von einem Millimeter verengt die Trachea eines Säuglings dramatisch und vervielfacht die Atemarbeit, während sie beim Erwachsenen kaum auffällt. Aus Luftnot folgt Unruhe, aus Unruhe eine höhere Atemfrequenz und noch mehr Atemarbeit; dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden, und der erste Schritt dazu ist Beruhigung.
Krupp-Syndrom
Das Krupp-Syndrom, auch Pseudokrupp oder subglottisch stenosierende Laryngitis, entsteht durch eine entzündliche Schwellung der Schleimhaut unterhalb der Stimmritze, meist durch Erkältungsviren, vor allem Parainfluenzaviren. Typisch sind ein akut, meist nachts oder in den frühen Morgenstunden einsetzender bellender Husten, Heiserkeit, inspiratorischer Stridor und Atemnot bei Klein- und Vorschulkindern, gehäuft in der kalten Jahreszeit, meist bei leichtem Infekt mit nur gering erhöhter Temperatur.
Die Therapie ist einfach und wirksam. An erster Stelle steht die Beruhigung von Kind und Eltern, weil Aufregung die Symptome verstärkt. Ein systemisches Kortikosteroid ist die Standardtherapie: International ist Dexamethason 0,15 bis 0,6 mg/kg als einmalige orale Gabe erste Wahl, in Deutschland ist rektales Prednison, etwa 100 mg als Zäpfchen, verbreitet. Bei ausgeprägtem Stridor in Ruhe wird zusätzlich Adrenalin inhaliert, das innerhalb von Minuten abschwellt; die Wirkung hält etwa ein bis zwei Stunden an, weshalb diese Kinder überwacht werden müssen. Sauerstoff wird bei einer Sättigung unter 92 % gegeben. Ein venöser Zugang ist meist nicht nötig und erzeugt nur weitere Aufregung. Die früher empfohlene kalte oder befeuchtete Luft hat in kontrollierten Studien keinen Nutzen gezeigt; sie schadet aber nicht, und das Beruhigende daran wirkt.
Epiglottitis
Die akute Epiglottitis ist eine bakterielle Infektion, früher fast immer durch Haemophilus influenzae Typ b; seit Einführung der Impfung ist sie bei Kindern selten geworden und betrifft heute häufiger Erwachsene. Die Kinder sind schwer krank, hochfiebernd und in deutlich reduziertem Allgemeinzustand. Typisch sind eine kloßige Sprache, starker Speichelfluss, weil das Schlucken schmerzt, das Fehlen von Heiserkeit und bellendem Husten und die sitzende Haltung mit nach vorn geneigtem Oberkörper, in der die Atemwege am offensten sind.
Das Vorgehen unterscheidet sich grundlegend vom Krupp. Bei hochgradiger Atemnot, Zyanose oder Verdacht auf eine Epiglottitis erfolgt der sofortige, ärztlich begleitete Transport unter pulsoxymetrischer Überwachung und Sauerstoffgabe in die nächste Kinderklinik, mit Voranmeldung. Eine tiefe Racheninspektion ist obsolet, denn jede Manipulation kann die Atemnot verschlimmern und einen Laryngospasmus oder eine vollständige Verlegung auslösen. Das Kind wird in der Position belassen, die es selbst einnimmt, und nicht hingelegt. Wird eine Intubation nötig, erfolgt sie in der Klinik in Intubationsnarkose mit endoskopischer Möglichkeit und Bereitschaft zur Nottracheotomie.
Zum MitnehmenBellender Husten, Heiserkeit, nachts: Krupp, gut behandelbar mit Steroid und bei Bedarf inhalativem Adrenalin. Hochfieberndes, sitzendes, sabberndes Kind ohne Husten: Epiglottitis, nicht in den Rachen schauen, nicht hinlegen, sofort in die Klinik.