Atemweg im Schockraum
Die Indikation zur Atemwegssicherung im Schockraum ergibt sich aus fehlenden Schutzreflexen, einer Hypoxämie trotz Sauerstoffgabe, einem schweren Schädel-Hirn-Trauma, einer Verbrennung der Atemwege, einer drohenden Verlegung oder einer Unruhe mit Eigengefährdung. Vorbereitet wird wie beim physiologisch schwierigen Atemweg: Präoxygenierung, Stabilisierung des Kreislaufs, bereitgestellter Vasopressor, Videolaryngoskop, funktionsgeprüfte Absaugung, Pläne B bis D und die manuelle Inline-Stabilisierung der Halswirbelsäule. Das Hypnotikum wird reduziert dosiert, weil der Schockpatient auf jede Dosis empfindlicher reagiert; die RSI-Studie von 2025 zeigte zudem unter Ketamin häufiger einen kardiovaskulären Kollaps als unter Etomidat. Die Kapnographie ist obligat, und nach der Intubation wird eine Normokapnie angestrebt, besonders beim Schädel-Hirn-Trauma, weil sowohl Hyper- als auch Hypokapnie die Hirndurchblutung ungünstig verändern.
Schädel-Hirn-Trauma
Beim Schädel-Hirn-Trauma entscheidet die Vermeidung von Sekundärschäden über das Ergebnis. Hypotonie, Hypoxie, Hyperkapnie, Hypokapnie, Hypoglykämie und Fieber sind die klassischen sekundären Insulte; schon einzelne Episoden verschlechtern in Registerdaten das neurologische Ergebnis deutlich. Der Oberkörper wird um 30 Grad erhöht und der Kopf gerade gelagert, damit der venöse Abfluss nicht behindert wird, die Normothermie wird gehalten, eine ausreichende Analgosedierung verhindert Anstiege des Hirndrucks, und Krampfanfälle werden behandelt. Bei Zeichen eines erhöhten Hirndrucks erfolgt die osmotische Therapie nach Protokoll und sofort die neurochirurgische Abklärung. Und Antikoagulation oder Thrombozytenhemmung werden gezielt erfragt und, wenn möglich, antagonisiert, weil sie die Größe einer Blutung entscheidend beeinflussen.
Evidence Box, Atemweg und Schädel-Hirn-TraumaFür die Notfallintubation gelten dieselben geprüften Befunde wie auf der Intensivstation: Die Präoxygenierung mit nichtinvasiver Beatmung halbierte in PREOXI die Hypoxämie (9,1 gegen 18,5 Prozent), die Videolaryngoskopie erhöhte in DEVICE den Erfolg im ersten Versuch (85,1 gegen 70,8 Prozent), und in der RSI-Studie 2025 trat unter Ketamin häufiger ein kardiovaskulärer Kollaps auf als unter Etomidat (22,1 gegen 17,0 Prozent). Für das Schädel-Hirn-Trauma beruhen die Blutdruckziele auf Kohortendaten und Leitlinienkonsens, nicht auf randomisierten Studien.
Bildgebung
Instabile Patienten werden nicht in den Computertomographen gefahren, sondern blutungskontrolliert; eFAST, Röntgen von Thorax und Becken sowie die klinische Untersuchung steuern das Vorgehen. Sobald der Kreislauf es zulässt, folgt beim Polytrauma die Ganzkörper-Computertomographie mit Kontrastmittel. Nach der Erstversorgung ist die vollständige, wiederholte Untersuchung wichtig, um übersehene Verletzungen zu finden.