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Regionalanästhesie, Basisblockaden · Stufe WBJ 1
Die sieben Basisblockaden: Konzept, Neurostimulation und Lokalanästhetika
Sieben Blockaden, sicher und reproduzierbar beherrscht, sind wertvoller als ein Katalog seltener Zugänge. Diese Einheit legt den gemeinsamen Rahmen: welche sieben, wie Ultraschall und Nervenstimulation zusammenarbeiten und wie man Lokalanästhetika sicher dosiert.
Neufassung für das E-Learning aus der Übersichtsarbeit zu den sieben Basisblockaden (Die Anaesthesiologie 2026), Kursunterlagen zur Regionalanästhesie (2024) und zwei KI-gestützten Infografiken des Autors.
Leitlinienstatus, Registerstand 18.09.2026
001-014 Hygieneempfehlungen für die Regionalanästhesie (S1, Stand 04/2025, gültig bis 07.04.2030): gültig
001-022 Regionalanästhesie bei ambulanten Patienten (S1, Stand 03/2021, gültig bis 16.03.2026): Gültigkeit abgelaufen
001-044 Prävention und Therapie der systemischen Lokalanästhetika-Intoxikation (LAST) (S1, Stand 01/2020, gültig bis 07.01.2025, in Überarbeitung): Gültigkeit abgelaufen. ergänzend ASRA-Checkliste 2020
Abgelaufene Leitlinien bleiben der letzte konsentierte Stand; Aussagen dieser Lerneinheit, die sich darauf stützen, vor der Anwendung mit neueren Studien und der Nachfolgefassung abgleichen. Aktueller Stand: Leitlinienregister.
Lernziele
Die sieben Basisblockaden benennen und von erweiterten und Expertenblockaden abgrenzen.
Dual Guidance und Dual Safety unterscheiden und die Nervenstimulation richtig einstellen und deuten.
Die Stimulationsschwellen einordnen und wissen, wann nie injiziert wird.
Dosis, Summe und Anteil am Richtwert berechnen und Adjuvanzien nach Evidenz einordnen.
Katheter je nach Zugang richtig vorschieben und die Entfernung dokumentieren.
Zu dieser Lerneinheit
Vier Lektionen mit Stimulator-Simulator, Dosisrechner und zwei Rechenaufgaben, zwei Fälle, Aufgabenblock, Abschlussquiz, Nachschlagen.
Zwei KI-gestützte Infografiken des Autors, vier eigene Schemata.
In den letzten 15 Jahren hat sich die Zahl der beschriebenen Nerven- und Faszienblockaden vervielfacht. Die Weiterbildungsordnung verlangt nachgewiesene Handlungskompetenz statt fester Zahlen, legt aber nicht fest, welche Blockaden das sind. Ein deutscher Vorschlag benennt sieben Basisblockaden, die jede Fachärztin und jeder Facharzt für Anästhesiologie sicher beherrschen soll (Huppertz-Thyssen 2026). Alles Weitere ist Spezialisierung: erweiterte Blockaden und Expertenverfahren für besondere Indikationen.
Abbildung 1: Die sieben Basisblockaden und die Grundprinzipien der modernen Technik. Eigene Darstellung (Ulrich Frey), mit KI-Grafikwerkzeug erstellt, Textfehler korrigiert
Auswahlkriterien
Die Auswahl der sieben Basisblockaden folgt vier Kriterien. Sie sind in der täglichen Versorgung häufig und bedeutsam, decken also die Eingriffe ab, die tatsächlich anfallen. Sie spielen eine klare Rolle, entweder als vollwertige Alternative zur Allgemein- oder rückenmarksnahen Anästhesie oder als opioidsparender Baustein, und zwar als Single Shot ebenso wie als Katheterverfahren. Sie sind in Risiko und Schwierigkeit beherrschbar: Sie liegen oberflächlich oder sind gut darstellbar, ihre Sonoanatomie ist klar, und die Schwere möglicher Komplikationen ist gering. Und sie haben eine große Reichweite: Die sieben decken obere und untere Extremität, die Hüfte sowie Bauch- und Brustwand ab. Wer sie beherrscht, versorgt damit den größten Teil des regionalanästhesiologischen Alltags.
Abbildung 2: Stufen der peripheren Regionalanästhesie in der Weiterbildung. Eigene Darstellung nach Huppertz-Thyssen 2026
Evidence Box, EinordnungInternational verfolgen mehrere Gruppen dasselbe Ziel: „a few for the many, not many for the few“ mit wenigen Plan-A-Blöcken für alle (Turbitt 2020), ein Delphi-Konsens mit vier peripheren Blockaden für die Weiterbildung außerhalb einer Fellowship (Chuan 2021) und Konsense zu den Strukturen, die im Ultraschall für Basis- und fortgeschrittene Blockaden identifiziert werden müssen (Bowness 2022, Ashken 2022). Die Auswahl der sieben ist ein Vorschlag für die deutsche Weiterbildung; sie schließt andere Verfahren nicht aus.
Messfehler Box, zwei ListenDie Auswahl „Magnificent Seven“ ist nicht identisch mit den britischen Plan-A-Blöcken: Dort stehen unter anderem Adduktorkanal-, Rektusscheiden- und Erector-spinae-plane-Block, hier PENG-, TAP- und Serratus-Block. Wer Literatur liest, sollte die jeweilige Liste kennen.
Übung 1.1
Übung 1.2
Lektion 2
Ultraschall und Nervenstimulation: Dual Guidance und Dual Safety
Ultraschall zeigt Anatomie, Nadel und Ausbreitung: die Sicht. Nervenstimulation prüft, ob die Struktur ein Nerv ist und wie nah die Nadel liegt: die Funktion. Ultraschall erhöht die Erfolgsrate und senkt die systemische Toxizität (Barrington 2013, Neal 2016). Für die Kombination aus Ultraschall und Nervenstimulation, ergänzt um Injektionsdruckmessung, gibt es Hinweise auf weniger intraneurale Injektionen und unbeabsichtigte Nervenkontakte (Gadsden 2021, Coudray 2021).
Abbildung 3: Moderne Prinzipien der Regionalanästhesie: Dual Guidance, pharmakologische Strategie, Sicherheit. Eigene Darstellung (Ulrich Frey), mit KI-Grafikwerkzeug erstellt; Textfehler korrigiert, unter anderem Ropivacain 0,375 statt 0,275 %
Dual Guidance oder Dual Safety
Ultraschall und Nervenstimulator lassen sich auf zwei verschiedene Weisen kombinieren, und die Unterscheidung ist mehr als eine Begriffsfrage. Bei der Dual Guidance dient die Stimulation der Lokalisation: Sie hilft, einen im Bild unklaren Nerv zu identifizieren, etwa bei schlechten Schallbedingungen; dann beginnt man gegebenenfalls mit einer Impulsdauer von 1 ms, reduziert auf 0,1 ms und senkt anschließend den Strom. Bei der Dual Safety führt der Ultraschall, und der Stimulator läuft nur als Warnsystem mit: Eine Reizantwort ist gar nicht erwünscht, entscheidend ist die korrekte Ausbreitung des Lokalanästhetikums unter Sicht. Wichtig ist dabei die Einsicht, dass eine Reizantwort kein Beweis für den richtigen Injektionsort ist; sie kann auch bei intraneuraler Lage ausbleiben oder bei extraneuraler Lage auftreten. Ultraschallbild, Stimulationsantwort und Injektionsdruck werden deshalb immer gemeinsam bewertet.
Evidence Box, warum zweite SicherheitsebeneIn einer Leichenstudie lagen 24 % der gezielten „intracluster“-Injektionen supraklavikulär subperineural, obwohl alle sonographisch im Cluster lagen; weder Anwender noch nachträgliche Reviewer konnten das im Bild sicher erkennen (Retter 2019). Klinisch apparente Nervenläsionen nach peripheren Blockaden sind selten, bleibende Schäden nach einem Jahr etwa 2 bis 4 von 10 000 (Lemke 2024). Histologische und elektrophysiologische Schäden dürften häufiger sein.
Abbildung 4: Mindeststrom für eine motorische Antwort bei Nadel außerhalb und innerhalb des Nervs. Eigene Darstellung der publizierten Werte (Bigeleisen 2009)
Aus der Praxis
Ultraschall ist Standard; die Nervenstimulation ergänzt ihn als zweite Sicherheitsebene (Dual Guidance), auch wenn sie die Erfolgsrate kaum erhöht (Gadsden 2021). Die Einweisung in den Stimulator erfolgt nach Medizinprodukte-Betreiberverordnung und wird dokumentiert.
Start bei guten Schallbedingungen: 0,1 ms Impulsdauer, höchstens 5 mA, 2 Hz, Sollstrom 1 mA. Beim Eintritt der Nadel auf Sollstrom gleich Iststrom achten; ein Unterschied spricht für Kabelbruch, Elektrodenablösung oder Gerätedefekt.
Unter 0,2 mA hohe Wahrscheinlichkeit einer intraneuralen Lage: nie injizieren, Nadel zurückziehen. Über 0,5 mA ist eine extraneurale Lage wahrscheinlicher.
Probeinjektion mit Glukose 5 % (die Stimulation bleibt erhalten), dann Lokalanästhetikum fraktioniert. Jede Injektion muss im Ultraschall sichtbar sein; keine Injektion gegen hohen Anfangsdruck; bei fraglich subepineuraler Lage korrigieren.
Dokumentation der Schwelle im Narkoseprotokoll, zum Beispiel „keine motorische Antwort bis 0,3 mA“.
Abbildung 5: Ablauf mit Nervenstimulation als zweiter Sicherheitsebene. Eigene Darstellung
Grenzen der Nervenstimulation
Die Grenzen der Nervenstimulation sollte man kennen. Es gibt keine gesicherten Grenzwerte für eine sicher extraneurale Lage; die Regel lautet deshalb, lieber etwas weiter vom Nerv entfernt zu bleiben als zu nah heranzugehen. Die Antwort hängt von der Injektionslösung ab: Kochsalzlösung leitet und löscht die Reizantwort, Glukose 5 % nicht, weshalb sie sich als Probeinjektion eignet; außerdem von der Lokalisation des Blocks und von der Stromverteilung an der Nadelspitze. Bei Neuropathie, etwa diabetisch oder nach Chemotherapie, sind höhere Ströme oder längere Impulse nötig: Man beginnt mit 1 ms, geht bei Bedarf über 1 mA und reduziert anschließend auf 0,3 oder 0,1 ms; bleibt nahe am Nerv eine Antwort aus, wird die Impulsdauer erhöht. Bei schrittmacherabhängigen Patienten wird möglichst nicht stimuliert; ist es unverzichtbar, nur mit Schutzstrom, also 0,1 ms und 0,3 mA, und unter Beobachtung eines möglichen Pulsdefizits. Schließlich kostet die Stimulation Gerät, Personal und Zeit, was bei der Entscheidung mitzählt.
Welches Lokalanästhetikum, in welcher Konzentration und welchem Volumen? Die Antwort hängt von der Rolle der Blockade ab (alleinige Anästhesie oder Analgesie neben einer Allgemeinanästhesie), von Eingriffsdauer, Motorikwunsch, Katheterplan und Patient. Drei Grundregeln sind gut belegt:
Dosis = Volumen × Konzentration. 1 % entspricht 10 mg/ml. Die Summe aller Injektionen eines Patienten zählt, nicht die Dosis je Block.
Das Volumen bestimmt die Ausbreitung, die Konzentration Dichte und Dauer des Blocks. Mehr Volumen heißt auch mehr Ausbreitung in Nachbarstrukturen: interskalenär senkte ein kleineres Volumen die Zwerchfellparese bei vergleichbarer Analgesie (Riazi 2008).
Wirkbeginn und Dauer unterscheiden sich nach Substanz: Lidocain, Mepivacain und Prilocain wirken schnell und kürzer, Ropivacain und Bupivacain langsamer und länger (Tabelle in der Einführung).
Evidence Box, HöchstdosenHöchstdosen sind Richtwerte, keine festen Grenzen: Die verträgliche Menge hängt vom Injektionsort (Resorption), vom Adrenalinzusatz, von Alter, Leber-, Nieren- und Herzfunktion und von der Summe aller gleichzeitig gegebenen Lokalanästhetika ab (Rosenberg 2004). Die Plattform verwendet einheitlich die Richtwerte der Tabelle in der Einführung (etwa Ropivacain 3 mg/kg, Prilocain 6 mg/kg, Lidocain ohne Adrenalin 4,5 mg/kg, Bupivacain 2 mg/kg); maßgeblich sind die Fachinformation und die DGAI-S1-Leitlinie zur Lokalanästhetika-Intoxikation (Wiesmann 2020). Für den Ernstfall gehört die ASRA-Checkliste griffbereit an jeden Blockplatz (Neal 2021).
Adjuvanzien und Rebound
Evidence Box, Adjuvanzien und ReboundAußer Adrenalin ist die perineurale Gabe von Adjuvanzien off label. Perineurales und systemisches Dexamethason verlängern die Analgesie peripherer Blockaden in ähnlicher Größenordnung (Baeriswyl 2017); Nutzen, Nebenwirkungen und Zulassungsstatus der übrigen Adjuvanzien fasst Desai 2021 zusammen. Nach Abklingen eines Single Shot tritt häufig ein Rebound-Schmerz auf; jüngeres Alter, Knochenchirurgie und fehlendes perioperatives Dexamethason erhöhen das Risiko, vorausschauende orale Analgesie und Aufklärung sind die wichtigsten Gegenmittel (Barry 2021).
Aus der Praxis: Adjuvanzien und Katheter
Dexamethason verlängert die Blockadedauer um mehrere Stunden. Intravenös gegeben ist der Effekt nur wenig geringer als perineural, und die intravenöse Gabe ist zulassungskonform, die perineurale nicht (Pehora 2017, Baeriswyl 2017). Eine Einzeldosis erhöht die Rate postoperativer Wundinfektionen nicht (PADDI, Corcoran 2021); für Patientinnen und Patienten mit Neutropenie unter Chemotherapie fehlen Daten, dort wird individuell abgewogen. Wird eine längere Wirkung gebraucht, ist ein Katheter die steuerbare Alternative. Die Entfernung eines Katheters wird dokumentiert, mit der Feststellung, dass er vollständig entfernt wurde und die Einstichstelle keinen pathologischen Befund zeigt.
Dosisrechner: Summe und Anteil am Richtwert
Lösung
Dosis
Anteil am Richtwert
Richtwerte ohne Adrenalin nach der Einführung (Fachinformation beachten): Ropivacain 3, Prilocain 6, Mepivacain 4, Bupivacain 2 mg/kg. Der Rechner gibt keine Dosisempfehlung.
Übung 3.1
Übung 3.2
Übung 3.3
Übung 3.4, Rechenaufgabe
Ein Femoraliskatheter läuft mit Ropivacain 0,2 % und 6 ml/h. Wie viele mg erhält der Patient in 24 Stunden?
Übung 3.5, Rechenaufgabe
Beispiel ohne Empfehlungscharakter: 15 ml Ropivacain 0,5 %, Patient 70 kg. Wie viele mg, und wie viele mg/kg?
Lektion 4
Die sieben im Überblick und Katheterpraxis
Die sieben werden in dieser Gliederung an einer Stelle vertieft geübt. Die Einordnung nach Blutungsrisiko folgt der ESAIC/ESRA-Leitlinie 2022 und der Übersichtsarbeit zu den sieben; der interskalenäre Block liegt nahe an nicht komprimierbaren Gefäßen, etwa der A. vertebralis, und verlangt bei Gerinnungsstörung eine individuelle Abwägung.
Tabelle 1: Die sieben Basisblockaden im Überblick
Block
Indikation
Rolle
Gerinnung
Reizantwort
Lektion
1 Axillärer Plexus
Hand, Unterarm, Ellenbogen
Anästhesie oder Analgesie
oberflächlich, komprimierbar
Hand und Finger; N. musculocutaneus: Ellenbogenbeugung
Grundregel: etwa 3 bis 5 cm über die Kanülenspitze vorschieben; längere Strecken erhöhen das Risiko von Aufrollen und Fehllage (Ilfeld 2011). Parallel zum Nerv eingelegte Katheter dislozieren seltener als senkrecht eingelegte (Fujino 2023).
N. femoralis: out-of-plane entlang von Nerv und Fascia iliaca; in-plane angelegte Katheter knicken leicht nach kaudal um.
N. ischiadicus: Nerv im Querschnitt, Punktion out-of-plane im Längsverlauf, Vorschub im Zielkompartiment etwa 3 bis 5 cm.
Axillär: out-of-plane entlang der Gefäß-Nerven-Scheide.
Supraklavikulär: nur 1 bis 2 cm über die Nadelspitze.
Interskalenär: out-of-plane entlang des Plexus.
Evidence Box, RegisterIm deutschen Register (26 947 Plexusblockaden 2007 bis 2022) hatte der axilläre Zugang die höchsten Risiken für Blockversagen, Katheterversagen und neurologische Störungen nach Katheteranlage, der infraklavikuläre die meisten Katheterinfektionen; insgesamt war kein Zugang eindeutig überlegen (Kubulus 2026).
Übung 4.1
Übung 4.2
Ergänzung aus den Fortbildungen 2026
Ausbildung, Simulation und Kompetenzerwerb
Die Zeit des „see one, do one, teach one“ ist vorbei. Moderne Ausbildung in der Regionalanästhesie folgt strukturierten Curricula mit definierten Lernzielen, Bewertungsinstrumenten und Mindestfallzahlen; in Europa ist der Lehrplan der europäischen Fachgesellschaft für Regionalanästhesie etabliert, in Nordamerika das ACGME-Rahmenwerk. Sie umfassen theoretisches Wissen, praktische Fertigkeiten, Ultraschallanatomie, Komplikationsmanagement und professionelle Aspekte.
Als Orientierung für die Zertifizierung in ultraschallgestützten Nervenblockaden nennt das Ultraschallmodul des Autors zwei bis vier Stunden theoretische Weiterbildung und mindestens zehn qualitätskontrollierte Blockaden unter Supervision. Der Weg dorthin verläuft in vier Stufen: theoretisches Wissen zu Anatomie, Pharmakologie, Indikationen, Kontraindikationen und Komplikationsmanagement; Simulationstraining mit Phantomen, Ultraschallanatomie und Virtual-Reality-Systemen; überwachte Blockaden am Patienten mit direktem Feedback, beginnend mit einfachen Verfahren; und schließlich die selbstständige Durchführung nach definierter Fallzahl und Bewertung, mit fortlaufender Qualitätssicherung. Weil die Verfahren stark von der Hand-Augen-Koordination abhängen, eignen sich standardisierte Instrumente der direkten Beobachtung am besten zur Bewertung.
Für das Phantomtraining als erstem Schritt genügen einfache Mittel: gelatinebasierte Phantome, Wasserbäder für die Nadelplatzierung, Tofu und verschiedene Fleisch- und Tiergewebe; kommerzielle Phantome bieten zusätzlich ein realistisches taktiles Feedback. Die Investition in Simulation und strukturierte Supervision zahlt sich in kürzeren Lernkurven und weniger Komplikationen aus.
Praktisch gehört zur Durchführung beim wachen Patienten auch die Analgosedierung, weil operative Lagerungen über längere Zeit schmerzhaft werden; das Ultraschallmodul nennt dafür Propofol 1 bis 2, maximal 4 mg/kg/h und Remifentanil 0,02 bis 0,06, maximal 0,08 µg/kg/min, jeweils unter Standardmonitoring und mit erhaltener Spontanatmung.
Zum MitnehmenErst Theorie, dann Phantom, dann supervidierte Blockaden, dann selbstständig: mindestens zehn qualitätskontrollierte Blockaden je Verfahren als Orientierung, mit standardisierter Beobachtung als Bewertungsinstrument.
Lektion 5
Fälle, Merksätze und Aufgaben
Fall 1: Schrittmacherabhängig
Handchirurgie in axillärer Plexusblockade; der Patient ist schrittmacherabhängig.
Fall 1
Fall 2: Keine Antwort bei Neuropathie
Diabetiker mit Polyneuropathie, Femoralisblock; die Nadel liegt sonographisch am Nerv, keine motorische Antwort bei 1 mA und 0,1 ms.
Fall 2
Merksätze
Sieben Basisblöcke sicher, alles andere ist Spezialisierung.
Ultraschall ist die Sicht, der Stimulator die Funktion.
Unter 0,2 mA nie injizieren.
Eine Reizantwort ist kein Garant für den richtigen Ort; die sichtbare Ausbreitung entscheidet.
Probeinjektion mit Glukose 5 %, nicht mit Kochsalz.
Neuropathie: mit 1 ms beginnen.
Dosis = Volumen × Konzentration; 1 % sind 10 mg/ml.
Single Shot: abends orale Analgesie einplanen.
Keine perineuralen Adjuvanzien außer Adrenalin; Dexamethason intravenös.
Höchstdosis je Patient, nicht je Block; Richtwerte nach Fachinformation, Summe aller Lokalanästhetika zählt.
Aufgaben
Aufgabe 1: Zwei Blockaden, eine Summe
Gegeben: Patient 60 kg, Femoralisblock mit 20 ml Ropivacain 0,375 %, dazu Ischiadicusblock mit 20 ml Ropivacain 0,5 %.
Frage: Wie hoch ist die Gesamtdosis, und wie verhält sie sich zum Richtwert?
Lösung
20 ml × 3,75 mg/ml = 75 mg plus 20 ml × 5 mg/ml = 100 mg, zusammen 175 mg, also 2,9 mg/kg. Das liegt knapp unter dem Richtwert von 3 mg/kg (180 mg): keine Reserve für eine zusätzliche Infiltration durch den Operateur. Vorher absprechen, fraktioniert injizieren, Lipid und ASRA-Checkliste bereithalten.
Aufgabe 2: Die fehlende Reizantwort
Gegeben: Poplitealer Block: Nerv sicher dargestellt, Nadel an der Paraneuralscheide, keine Antwort bis 1 mA.
Frage: Darf injiziert werden?
Lösung
Ja. Bei Dual Safety ist eine Reizantwort nicht erforderlich; entscheidend ist die korrekte, sichtbare Ausbreitung. Probeinjektion mit Glukose 5 %, dann fraktioniert, ohne hohen Druck. Dokumentation „keine motorische Antwort bis 1 mA“.
Aufgabe 3: Dexamethason
Gegeben: Tumororthopädischer Patient, Leukozyten 2,1 G/l unter Chemotherapie, Resektion am distalen Femur mit Ischiadicuskatheter.
Frage: Geben Sie Dexamethason?
Lösung
Individuell abwägen: Eine Einzeldosis Dexamethason erhöht die Rate postoperativer Wundinfektionen nicht (PADDI, Corcoran 2021). Für Patientinnen und Patienten mit Neutropenie unter Chemotherapie fehlen Daten; bei ausgeprägter Leukopenie wird eher verzichtet und bei Bedarf ein Katheter gelegt. Perineural ist Dexamethason nicht zugelassen; intravenös wirkt es fast ebenso.
Aufgabenblock abschließen
Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle drei Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.
Abschlussquiz, etwa 12 Minuten
Abschlussquiz
Zwölf Fragen. Bestanden ab 80 %.
Zum Nachschlagen
Begriffe und Literatur
Begriff
Bedeutung
Dual Guidance
Nervenlokalisation mit Ultraschall und Stimulation
Dual Safety
Stimulation als Warnsystem neben dem Ultraschall
Triple Guidance
zusätzlich Messung des Injektionsdrucks
Sollstrom, Iststrom
eingestellter und tatsächlich fließender Strom
Rebound-Schmerz
Schmerzanstieg nach Abklingen einer Single-Shot-Blockade
Plan-A-Blöcke
britische Liste von Basisblöcken für alle Anästhesisten
Literatur
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