MINS
Der Myokardschaden nach nichtkardialer Operation (myocardial injury after noncardiac surgery) ist ein postoperativer Troponinanstieg ischämischer Ursache, meist ohne Brustschmerz. Er ist häufig und mit einer höheren 30-Tage-Sterblichkeit verbunden (VISION-Kohorten, Hintergrund). Die ESC 2022 empfiehlt bei hohem Risiko Troponinkontrollen 24 und 48 Stunden nach dem Eingriff, bezogen auf den präoperativen Ausgangswert. Ein Anstieg führt zur kardiologischen Einordnung (Typ-1- oder Typ-2-Infarkt, andere Ursachen) und zur Sekundärprophylaxe.
Evidence Box, POISE-3 und PROTECTZwei große Studien testeten Maßnahmen gegen perioperative kardiovaskuläre Ereignisse bei Risikopatienten. POISE-3 (NEJM 2022, 9 535 Patienten): Tranexamsäure senkte schwere Blutungen (9,1 % gegen 11,7 %), ohne die vaskulären Komplikationen erkennbar zu erhöhen (14,2 % gegen 13,9 %). PROTECT (Lancet 2022, 5 013 Patienten): Eine Zieltemperatur von 37 °C statt 35,5 °C änderte Myokardschaden, Herzstillstand und Tod nicht (9,9 % gegen 9,6 %). Details in der Einheit
Intraoperative Komplikationsprävention.
Pulmonales Risiko
Postoperative pulmonale Komplikationen (Atelektase, Pneumonie, respiratorische Insuffizienz) sind häufiger als kardiale. Risikofaktoren: höheres Alter, niedrige präoperative Sättigung, Atemwegsinfekt im letzten Monat, Anämie, Oberbauch- und Thoraxeingriffe, lange Operationsdauer, Notfall (ARISCAT-Score, Hintergrund), außerdem Rauchen, COPD und Schlafapnoe. Vorbeugung: Rauchstopp, Atemtraining, lungenprotektive Beatmung, vollständige Relaxansaufhebung, gute Analgesie, Frühmobilisation.
Anämie
Eine präoperative Anämie ist ein unabhängiger Risikofaktor für Transfusion und Komplikationen. Patient Blood Management: Anämie vor elektiven Eingriffen erkennen und abklären, Eisenmangel behandeln (intravenöses Eisen bei ausreichender Vorlaufzeit), Blutverlust minimieren (Tranexamsäure, maschinelle Autotransfusion), restriktive Transfusion.
Gebrechlichkeit und Kognition
Gebrechlichkeit (zum Beispiel Clinical Frailty Scale ab 5) sagt Komplikationen, Delir, Pflegebedürftigkeit und Sterblichkeit besser voraus als das Alter. Sie gehört ins Gespräch über Ziele und Alternativen, in die Delirprävention und in die Planung der Nachsorge.