Intensivmedizin, Infektion und Sepsis

Antimikrobielle Therapie

Right dose, right now: Die Lösung liegt nicht in neuen Wundermitteln, sondern in der klügeren Anwendung der vorhandenen Substanzen.

Leitlinienstatus, Registerstand 18.09.2026
  • 020-013 Nosokomiale Pneumonie bei Erwachsenen (S3, Stand 03/2024, gültig bis 28.02.2029): gültig
  • 067-011 Antibiotikatherapie schwerer Infektionen mit multiresistenten Bakterien (S3, Stand 02/2026): gültig
  • 082-006 Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen (S2k, Stand unbekannt): Gültigkeit im Register prüfen. Datum im Register prüfen
  • 092-001 Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotika-Anwendung im Krankenhaus (S3, Stand 2019): Gültigkeit abgelaufen. laut Register abgelaufen
  • 113-005 Invasive pulmonale Aspergillose bei kritisch Kranken (S1, Stand 01/2025): gültig
Abgelaufene Leitlinien bleiben der letzte konsentierte Stand; Aussagen dieser Lerneinheit, die sich darauf stützen, vor der Anwendung mit neueren Studien und der Nachfolgefassung abgleichen. Aktueller Stand: Leitlinienregister.
Lernziele
  • Das Ausmaß der Krankheitslast durch bakterielle Infektionen und multiresistente Erreger mit den Zahlen der Global-Burden-of-Disease-Studie belegen.
  • Die ESKAPE-Erreger und ihre Resistenzmechanismen benennen und den Stellenwert neuer Reserveantibiotika einordnen.
  • Die Veränderungen von Verteilungsvolumen, Clearance und Proteinbindung bei Sepsis erklären und ihre Folgen für die Dosierung ableiten.
  • Antibiotika den drei PK/PD-Klassen zuordnen und daraus Dosis und Applikationsart ableiten.
  • Loading Dose, Erhaltungsdosis und Gewichtsbezug patientenbezogen bestimmen und Zielwerte des Therapeutischen Drug Monitorings anwenden.
  • Die kalkulierte Therapie nach der Tarragona-Strategie planen, nach 48 bis 72 Stunden reevaluieren, deeskalieren und PCT-gesteuert beenden.
  • Die Kernelemente von Antibiotic Stewardship im Stationsalltag umsetzen.

Zu dieser Lerneinheit

Grundlage ist das Thema „Antimikrobielle Therapie“ des Repetitoriums mit den Abschnitten Problemstellung, Prinzipien und Optimierung, Resistenzen, Pharmakokinetik und Pharmakodynamik, individuelle Dosierung, Therapeutisches Monitoring, Antibiotic Stewardship und Prüfungsfragen. Diese Abschnitte behandeln dieselben Kernaussagen mehrfach aus verschiedenen Blickwinkeln. In der Lerneinheit steht jede Aussage einmal, vollständig und an der fachlich passenden Stelle; die zehn Prüfungsfragen des Repetitoriums bilden den Kern des Abschlusstests.

  1. Acht Lektionen mit Übungen, fünf davon mit einer Rechenaufgabe, dann Pitfalls und Merksätze, ein Aufgabenblock und der Abschlusstest.
  2. Tabellen, Zielwerte und kleine Rechner zum schnellen Nachschlagen am Bett stehen in Antiinfektiva kompakt.
  3. Die Pharmakokinetik der Sepsis knüpft an die Lerneinheit Sepsis und an die Mikrozirkulation in Kurs 9 an.
  4. Ergänzungen und Korrekturen, die über den Text des Repetitoriums hinausgehen, sind als Boxen gekennzeichnet.
Intensiv Box, HinweisKonkrete Substanzen, Dosierungen und Zielwerte in dieser Lerneinheit sind Beispiele aus der Literatur. Maßgeblich sind die Fachinformation, die lokale Resistenzstatistik, die SOPs Ihrer Klinik und die Beratung durch das ABS-Team und die Klinikapotheke.

Lektion 1

Problemstellung: Krankheitslast, Mismatch und Umdenken

Die Antibiotikatherapie kritisch kranker Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation ist vielschichtig und eine tägliche Herausforderung. Die Problemstellung lässt sich in drei Hauptbereiche gliedern: die zunehmende Bedrohung durch bakterielle Resistenzen, die komplexen pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Veränderungen bei kritisch Kranken sowie die Notwendigkeit einer optimierten, individualisierten Therapie, die oft nicht umgesetzt wird.

Hohe Krankheitslast durch bakterielle Infektionen

Bakterielle Infektionen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Nach der Global-Burden-of-Disease-Studie waren sie 2019 nach der koronaren Herzkrankheit die zweithäufigste Todesursache überhaupt: Etwa ein Achtel aller Todesfälle weltweit, rund 7,7 Millionen, stand im Zusammenhang mit 33 häufigen bakteriellen Erregern. Besonders beunruhigend ist die Entwicklung der Resistenzen: 1,2 Millionen Todesfälle waren 2019 unmittelbar auf multiresistente Erreger zurückzuführen, weitere Millionen standen mit ihnen in Zusammenhang. Fünf Erreger, die „Big Five“ aus Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Streptococcus pneumoniae, Klebsiella pneumoniae und Pseudomonas aeruginosa, verursachten 54,9 % aller bakteriellen Todesfälle. Die wichtigsten Krankheitsbilder dahinter sind die Pneumonie, abdominelle Infektionen, Blutstrominfektionen und vor allem die Sepsis, die als gemeinsame Endstrecke dieser Infektionen gilt. Für die Intensivmedizin folgt daraus zweierlei: Die einzelne Therapieentscheidung entscheidet über das Überleben des Patienten, und die Summe aller Entscheidungen entscheidet darüber, welche Antibiotika künftigen Patienten noch zur Verfügung stehen.

Tabelle 1: Bakterielle Infektionen weltweit, GBD 2019
KennzahlWert
Rang unter den Todesursachen2 (nach der koronaren Ischämie)
Anteil an allen Todesfällenetwa jeder achte
Todesfälle mit 33 häufigen bakteriellen Infektionen7,7 Millionen
Todesfälle unmittelbar durch multiresistente Erreger1,2 Millionen
Anteil der „Big Five“ an den Todesfällen54,9 %

Das Mismatch zwischen Pathogen und Pharmakon

Während sich die Pathogene stetig weiterentwickeln und resistenter werden, stagniert die Entwicklung neuer Antibiotikaklassen mit grundlegend neuen Wirkmechanismen seit den späten 1980er-Jahren (Gude, Manuskript Antibiotic Stewardship). Das Ergebnis ist ein Mismatch zwischen mikrobiologischer Realität und pharmakologischer Entwicklung und ein begrenzter therapeutischer Werkzeugkasten, obwohl der klinische Bedarf wächst.

Kollateralschäden durch Breitbandantibiotika: Der unkritische Einsatz von Breitspektrumantibiotika, etwa bestimmter Cephalosporine, Fluorchinolone und Carbapeneme, selektiert weitere Resistenzen und sollte restriktiv gehandhabt werden.

Veränderte Pharmakologie bei kritisch Kranken

Sepsis und andere kritische Zustände verändern Verteilung, Clearance und Proteinbindung (Lektion 3). Standarddosierungen sind deshalb oft ineffektiv oder toxisch und verfehlen häufig die PK/PD-Ziele. Pharmakokinetische und pharmakodynamische Aspekte werden bei Therapieentscheidungen auf deutschen Intensivstationen oft nicht ausreichend berücksichtigt, und eine reine Orientierung an MHK-Werten kann wegen der Variabilität der Analytik zu einer signifikanten Unterdosierung führen.

Auch das „Mantra“ der frühzeitigen Antibiotikatherapie wird kritisch betrachtet: Jede Stunde Verzögerung kann die Sterblichkeit erhöhen, zugleich muss die Therapie personalisiert werden. Schnell und richtig schließen sich nicht aus, aber schnell allein genügt nicht.

Notwendigkeit und Hürden der individualisierten Therapie

Zahlreiche Leitlinien empfehlen inzwischen die Personalisierung der antiinfektiven Therapie. Das Motto für 2024 lautet: „Right dose, right now: Customized drug dosing in the critically ill“. Die Dosierung muss an individuelle Faktoren angepasst werden: Nierenfunktion einschließlich Nierenersatzverfahren (RRT, CRRT, SLED), Körpergewicht abhängig von der Hydrophilie oder Lipophilie der Substanz, Leberfunktionsstörungen, Sepsis, Adipositas und extrakorporale Verfahren wie ECMO und Zytokinadsorber. Dazu kommen die mikrobiologischen Eigenschaften des Erregers wie MHK und ECOFF.

Umsetzungshürden im klinischen Alltag sind mangelnde Zeit für die Reevaluation, fehlende Kulturergebnisse, Unsicherheit bei der Substanzwahl und die „Machen-wir-immer-so“-Routine.

Die Problemstellung fordert ein Umdenken im klinischen Alltag: weg von reflexhafter Breitbandtherapie, hin zu rationaler Empirie, Dosierungsindividualisierung, frühzeitiger Reevaluation und gezielter Deeskalation, unterstützt durch strukturierte Prozesse des Antibiotic Stewardship (ABS).

Evidence Box, ErgänzungDie Zahlen stammen aus zwei Auswertungen der GBD-Studie 2019: zur Krankheitslast der 33 häufigsten bakteriellen Erreger (GBD 2019 Antimicrobial Resistance Collaborators, Lancet 2022; 400:2221) und zur Resistenz (Antimicrobial Resistance Collaborators, Lancet 2022; 399:629). Die 1,2 Millionen Todesfälle sind dort als direkt der Resistenz zuschreibbar ausgewiesen; mit Resistenz assoziiert waren knapp 5 Millionen.

Übung 1.1

Übung 1.2

Lektion 2

Resistenzen: ESKAPE-Erreger, Mechanismen und Reserveantibiotika

Die Antibiotikaresistenz ist eine der gravierendsten globalen Gesundheitsbedrohungen und ein zentrales Problem der Antibiotikatherapie, insbesondere bei kritisch kranken Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation.

Problemkeime: das Akronym ESKAPE

ESKAPE beschreibt klinisch relevante multiresistente Bakterien, die häufig bei nosokomialen Infektionen auf Intensivstationen auftreten:

Tabelle 2: ESKAPE-Erreger
BuchstabeErregerTypische Resistenz
EEnterococcus faeciumVancomycin-resistent (VRE)
SStaphylococcus aureusMethicillin-resistent (MRSA)
KKlebsiella pneumoniaeCarbapenem-resistent, ESBL-Bildner
AAcinetobacter baumanniimultiresistent
PPseudomonas aeruginosamultiresistent
EEnterobacteralesExtended-Spectrum-Betalaktamase-Bildner (ESBL)

Resistenzmechanismen

Diese Erreger entwickeln vielfältige Mechanismen, die etablierte Antibiotikaklassen unterlaufen:

Tabelle 3: Resistenzmechanismen
MechanismusBeispieleWirkung
Beta-Lactamase-ProduktionESBL, AmpC, KPC, OXA, NDMZerstörung des β-Lactam-Rings von Penicillinen, Cephalosporinen und Carbapenemen
Veränderte Zielstrukturenveränderte Penicillin-bindende Proteine (PBP) bei MRSAreduzierte Affinität für β-Lactam-Antibiotika
EffluxpumpenMexAB-OprM bei Pseudomonasaktiver Auswurf des Antibiotikums aus der Zelle
Porinverlustvor allem gramnegative Erregerreduzierte Permeabilität der äußeren Membran
Biofilmbildungauf medizinischen Gerätenmechanischer und metabolischer Schutz

Die Mechanismen können gleichzeitig auftreten. Die Folgen sind eingeschränkte Therapieoptionen, verlängerte Hospitalisierung und erhöhte Mortalität. Auf der Intensivstation erhöhen Resistenzen das Risiko für Therapieversagen, verlängerte Beatmungszeiten und vermeidbare Todesfälle.

Breitspektrumantibiotika wie Carbapeneme, Cephalosporine und Fluorchinolone selektieren Resistenzen und sollten restriktiv eingesetzt werden, um Kollateralschäden zu vermeiden, etwa Clostridioides difficile nach Cephalosporinen oder MRSA nach Chinolonen.

Neue Kombinationspräparate

Die jüngsten Entwicklungen erweitern bekannte Substanzgruppen um innovative Beta-Lactamase-Inhibitoren wie Avibactam, Vaborbactam und Relebactam. Sie zielen auf Carbapenemase-bildende gramnegative Erreger und multiresistente Pseudomonas aeruginosa. Beispiele sind Ceftazidim/Avibactam, Ceftolozan/Tazobactam, Meropenem/Vaborbactam und Imipenem/Relebactam.

Diese Substanzen sind keine „Gamechanger“, sondern eine „letzte Rettung“. Sie verlängern den Handlungsspielraum bei MRE-Infektionen, ihr unkritischer Einsatz würde ihre Lebensdauer aber drastisch verkürzen. Sie sollen deshalb nur nach mikrobiologischem Erregernachweis mit entsprechender Resistenzlage, nur bei fehlender Therapiealternative und idealerweise nach Rücksprache mit dem ABS-Team eingesetzt werden.

Evidence Box, ErgänzungNicht jede Kombination deckt jede Carbapenemase ab. Avibactam, Vaborbactam und Relebactam hemmen Serin-Carbapenemasen wie KPC, aber keine Metallo-β-Lactamasen wie NDM; Ceftolozan/Tazobactam richtet sich vor allem gegen multiresistente Pseudomonas ohne Carbapenemase. Deshalb ist der Nachweis des Resistenzmechanismus, nicht nur des Erregers, Voraussetzung für die Auswahl (Tamma et al., IDSA-Leitlinie 2024). Für Metallo-β-Lactamase-Bildner wie NDM nennt die IDSA-Leitlinie Aztreonam in Kombination mit Avibactam und Cefiderocol als Optionen; Aztreonam/Avibactam ist in der EU seit 2024 als Fixkombination zugelassen.

Übung 2.1

Übung 2.2

Lektion 3

Pharmakokinetik und Pharmakodynamik bei kritisch Kranken

Definitionen

Zwei Begriffe beschreiben, was zwischen Medikament und Körper geschieht. Die Pharmakokinetik beschreibt, was der Organismus mit dem Arzneistoff macht: Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechselung und Ausscheidung, zusammengefasst als ADME-Prozesse. Die Pharmakodynamik beschreibt, was der Arzneistoff mit dem Organismus macht; bei Antibiotika ist das die Abtötung der Erreger in Abhängigkeit vom Verlauf der Konzentration über die Zeit. Aus der Verbindung beider ergeben sich die Zielgrößen der Therapie, und sie unterscheiden sich je nach Substanzklasse. Bei den β-Lactamen zählt die Zeit oberhalb der minimalen Hemmkonzentration: Angestrebt wird, dass die freie Konzentration über einen möglichst großen Teil des Dosisintervalls über der Hemmkonzentration liegt, bei kritisch Kranken über das gesamte Intervall und mit einem Sicherheitsabstand zum Mehrfachen der Hemmkonzentration. Bei den Aminoglykosiden zählt die Spitzenkonzentration im Verhältnis zur Hemmkonzentration, weshalb sie einmal täglich hoch dosiert gegeben werden. Bei Vancomycin, Linezolid und Fluorchinolonen zählt die Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve im Verhältnis zur Hemmkonzentration; für Vancomycin wird heute ein Verhältnis von etwa 400 bis 600 angestrebt, statt sich allein am Talspiegel zu orientieren.

PK und PD spielen eine entscheidende Rolle für den Erfolg der Antibiotikatherapie. Die „traditionelle“ Antibiotikatherapie stützt sich überwiegend auf klinisch-infektiologische und mikrobiologische Evidenz und berücksichtigt diese pharmakologischen Aspekte oft unzureichend.

Was die Sepsis verändert

Kritisch Kranke, vor allem mit Sepsis oder septischem Schock, zeigen relevante Veränderungen der substanzspezifischen Pharmakokinetik. Nach Brinkmann et al. (2024) sind eine gesteigerte Clearance und ein erhöhtes Verteilungsvolumen, besonders aber kompromittierte Organfunktionen mit verminderter Arzneistoffausscheidung in septischen Zuständen häufig. Die Folge sind unwägbare Konzentrationen am Wirkort mit dem Risiko fehlender Wirksamkeit (Unterdosierung) oder unerwünschter Arzneimittelwirkungen (Überdosierung).

Beim kritisch Kranken sind die pharmakokinetischen Voraussetzungen grundlegend verändert, und zwar in beide Richtungen. Das Verteilungsvolumen steigt: Kapillarleck, große Flüssigkeitszufuhr, Ödeme, Hypalbuminämie und eine veränderte Plasmaproteinbindung vergrößern das extrazelluläre Kompartiment. Betroffen sind vor allem hydrophile Substanzen wie β-Lactame, Aminoglykoside und Glykopeptide, die sich in diesem Kompartiment verteilen; die Folge sind zu niedrige Konzentrationen im Blut und am Infektionsort, besonders in den ersten Stunden. Deshalb ist eine Initialdosis („loading dose“) unabhängig von der Nierenfunktion so wichtig.

Die Clearance schwankt stark. In der frühen, hyperdynamen Phase der Sepsis, besonders bei jungen, zuvor gesunden Patienten mit hohem Herzzeitvolumen, tritt eine gesteigerte renale Ausscheidung auf, die „augmented renal clearance“ mit einer Kreatinin-Clearance über etwa 130 ml/min; Standarddosierungen sind dann zu niedrig, obwohl das Kreatinin normal aussieht. Umgekehrt ist bei akutem Nierenversagen oder Leberfunktionsstörung die Elimination vermindert, und Nierenersatzverfahren greifen zusätzlich erheblich in die Ausscheidung ein, abhängig von Verfahren, Filter und Dosis der Therapie. Die Albuminbindung verschiebt das Gleichgewicht: Eine Hypalbuminämie erhöht den Anteil der freien, wirksamen Substanz, beschleunigt aber zugleich deren Elimination, was besonders stark proteingebundene Substanzen wie Ceftriaxon und Ertapenem betrifft. Und Störungen der Mikrozirkulation können die Penetration ins Gewebe beeinträchtigen, während ein Kapillarleck die Konzentration im Interstitium erhöhen kann. Zwei Patienten mit gleicher Dosis können deshalb völlig verschiedene Konzentrationen aufweisen.

Physiologie Box, Einordnung und KorrekturIm Repetitorium steht zur Albuminbindung „schnellerer Clearance-Verlust“. Gemeint ist das Gegenteil eines Verlusts: Der freie Anteil wird glomerulär filtriert und verteilt sich ins Gewebe, die Gesamtclearance steigt. Bei stark proteingebundenen Substanzen wie Ceftriaxon, Flucloxacillin oder Teicoplanin fallen die Talspiegel dadurch trotz höherem freiem Anteil. Zum Kapillarleck: Das größere Interstitium verdünnt den Wirkstoff insgesamt; der schnellere Übertritt ins Gewebe kann die interstitielle Konzentration früh anheben, verlängert aber nicht die Zeit über der MHK. Beides spricht für Loading Dose und TDM.
C = Dosis / VdBei gleicher Dosis sinkt die Anfangskonzentration, wenn das Verteilungsvolumen wächst. Die Clearance bestimmt, wie schnell sie danach abfällt.

Standarddosierungen verfehlen bei Intensivpatientinnen und -patienten häufig die PK/PD-Ziele. Das ist der Ausgangspunkt für die Individualisierung in den Lektionen 4 bis 6.

Übung 3.1

Übung 3.2, Rechenaufgabe

Ein hydrophiles Antibiotikum hat bei einem gesunden 70-kg-Patienten ein Verteilungsvolumen von 0,25 l/kg. In der Sepsis steigt es durch Kapillarleck und Volumentherapie auf 0,4 l/kg. Welche Anfangskonzentration erreicht eine Dosis von 2 g jeweils (mg/l, auf eine Nachkommastelle)?

Lektion 4

Die drei PK/PD-Klassen und die optimierte Applikation

Antibiotika werden nach ihrer Abtötungskinetik in drei Klassen eingeteilt. Die Klasse bestimmt, ob eine hohe Einzeldosis, eine lange Zeit über der MHK oder die Gesamtexposition zählt.

Konzentrationsabhängige Wirkung: Cmax/MHK

Entscheidend ist die Spitzenkonzentration (Cmax) im Verhältnis zur minimalen Hemmkonzentration (MHK). Beispiele sind Aminoglykoside (Gentamicin, Tobramycin, Amikacin), Daptomycin und Fluorchinolone (Ciprofloxacin, Moxifloxacin, Levofloxacin). Nach Brinkmann et al. profitieren konzentrationsabhängig wirksame Substanzen von möglichst hohen Einzeldosen, die im besten Fall an das Körpergewicht angepasst und zumeist als Kurzinfusion gegeben werden. Lange Dosisintervalle minimieren die Toxizität; vor der nächsten Gabe muss ein niedriger Talwert sichergestellt sein, zum Beispiel Gentamicin unter 0,5 mg/l.

Zeitabhängige Wirkung: fT>MHK

Entscheidend ist die Zeit, in der die freie Konzentration oberhalb der MHK liegt (fT>MHK). Beispiele sind alle β-Lactam-Antibiotika: Penicilline, Cephalosporine und Carbapeneme. Ein Index von 50 bis 100 % fT>MHK war in klinischen Studien mit besserem klinischem Outcome und höherer Wahrscheinlichkeit klinischer und mikrobiologischer Heilung verbunden; 100 % fT>4×MHK kann das Auftreten neuer Resistenzen vermindern.

Zeitabhängig wirksame Substanzen profitieren von einer verlängerten Applikation (prolongierte Infusion, Dauerinfusion) und von an die Ausscheidungskapazität angepassten Erhaltungsdosen. Studien zeigen, dass prolongierte oder kontinuierliche Infusionen von β-Lactamen mit einer verringerten Sterblichkeit und einer verbesserten Heilungsrate verbunden sein können. Die traditionelle intermittierende Bolusgabe ist dagegen ein Risikofaktor für das Nichterreichen der PK/PD-Ziele.

Evidence Box, ErgänzungDie größte Einzelstudie, BLING III (Dulhunty et al., JAMA 2024; 7 031 Patientinnen und Patienten mit Sepsis), zeigte unter kontinuierlicher Infusion eine 90-Tage-Sterblichkeit von 24,9 % gegenüber 26,8 % unter intermittierender Gabe; der Unterschied verfehlte knapp die Signifikanz. Die begleitende Metaanalyse aller randomisierten Studien (Abdul-Aziz et al., JAMA 2024) fand eine signifikant niedrigere 90-Tage-Sterblichkeit (relatives Risiko 0,86) und eine höhere klinische Heilungsrate. Die Surviving Sepsis Campaign empfiehlt die prolongierte Infusion nach der Loading Dose.

Zeit- und konzentrationsabhängige Wirkung: AUC/MHK

Entscheidend ist die Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve (AUC) im Verhältnis zur MHK, also die gesamte Exposition über die Zeit. Beispiele sind Vancomycin und Linezolid. Für Vancomycin kann die Ziel-AUC von 400 bis 600 mg·h/l sowohl intermittierend als auch als Dauerinfusion erreicht werden. Auf der Intensivstation wird die Dauerinfusion bevorzugt, weil sie besser nierenverträglich ist und sich die Blutspiegel einfacher einstellen lassen; die Ziel-Serumkonzentration liegt dann bei (17 bis) 20 bis 25 mg/l.

AUC24 = Css × 24 hUnter Dauerinfusion ist die Konzentration im Fließgleichgewicht (Css) konstant; die Tages-AUC ist das Produkt aus Konzentration und 24 Stunden.
Tabelle 4: PK/PD-Klassen
KlasseIndexBeispieleDosierungsstrategie
konzentrationsabhängigCmax/MHKAminoglykoside, Daptomycin, Fluorchinolonehohe, gewichtsadaptierte Einzeldosis als Kurzinfusion, lange Intervalle, Talwert sichern
zeitabhängigfT>MHK, Ziel 50 bis 100 %Penicilline, Cephalosporine, CarbapenemeLoading Dose, dann prolongierte oder kontinuierliche Infusion; Erhaltungsdosis nach Ausscheidung
zeit- und konzentrationsabhängigAUC/MHKVancomycin, Linezolidausreichende Tagesexposition; Vancomycin auf der Intensivstation bevorzugt als Dauerinfusion

Übung 4.1

Übung 4.2

Übung 4.3, Rechenaufgabe

Welche Konzentration im Fließgleichgewicht entspricht unter Vancomycin-Dauerinfusion der unteren und der oberen Grenze der Ziel-AUC von 400 bis 600 mg·h/l (mg/l, auf eine Nachkommastelle)?

Lektion 5

Individuelle Dosierung: Loading Dose, Erhaltungsdosis, Gewicht, extrakorporale Verfahren

Die individuelle Dosierung ist ein zentrales Prinzip der modernen Intensivmedizin. Weil Standarddosierungen die PK/PD-Ziele oft verfehlen, empfehlen zahlreiche nationale und internationale Leitlinien die individuelle Anpassung von Applikation und Dosierung.

Loading Dose (LD)

Bei erhöhtem Verteilungsvolumen, wie es in der Sepsis häufig ist, sind initial hohe Dosen nötig, um rasch therapeutische Wirkstoffspiegel zu erreichen. Ein Beispiel ist die initiale Gabe von 4 g Piperacillin als Bolus vor einer prolongierten Infusion. Die Loading Dose richtet sich nach dem Verteilungsvolumen und wird nicht an die Nierenfunktion angepasst.

LD = CZiel × VdErgänzung: Die Anfangsdosis füllt das Verteilungsvolumen auf die Zielkonzentration; die Clearance spielt dafür keine Rolle.

Anpassung der Erhaltungsdosis (Maintenance Dose, MD)

  • Organfunktion: Die meisten Antiinfektiva werden über die Niere ausgeschieden. Akutes Nierenversagen, gesteigerte renale Clearance (ARC) und Nierenersatzverfahren (RRT, CRRT, SLED) erfordern erhebliche Dosisanpassungen. Bei nicht überwiegend renal eliminierten Substanzen wie Linezolid ist eine Anpassung nur auf Basis gemessener Blutspiegel möglich. Die hepatische Metabolisierung ist bei Leberfunktionsstörungen zu berücksichtigen.
  • Körpergewicht: Eine gewichtsadaptierte Dosis ist notwendig. Bei Adipositas oder Kachexie entscheidet die Wahl des Referenzgewichts: totales Körpergewicht (TBW), ideales Körpergewicht (IBW), Magergewicht (LBW) oder angepasstes Körpergewicht (ABW). Bei hydrophilen Antibiotika (β-Lactame, Aminoglykoside, Glykopeptide) wird in der Regel das IBW oder ABW herangezogen, um Überdosierungen zu vermeiden. Bei lipophilen Antibiotika (Fluorchinolone, Makrolide) kann das TBW verwendet werden.
  • Extrakorporale Verfahren: ECMO und Zytokinadsorber beeinflussen die Pharmakokinetik. Lipophile Arzneistoffe können an ECMO-Systeme adsorbieren, hydrophile sind weniger betroffen. Zytokinadsorber können Arzneistoffe eliminieren. Dosisanpassung und zeitnahes TDM stellen hier wirksame Konzentrationen sicher.
Physiologie Box, Ergänzung: ReferenzgewichteIdeales Körpergewicht nach Devine: Männer 50 kg + 0,91 × (Größe in cm − 152,4), Frauen 45,5 kg + 0,91 × (Größe in cm − 152,4). Angepasstes Körpergewicht: ABW = IBW + 0,4 × (TBW − IBW). Der Faktor 0,4 bildet ab, dass Fettgewebe wenig Wasser enthält und hydrophile Substanzen sich nur zu einem Teil darin verteilen. Für Aminoglykoside ist das ABW üblich, für Vancomycin wird die Loading Dose oft auf das TBW bezogen und die Erhaltungsdosis über TDM gesteuert.
Tabelle 5: Einflussfaktoren auf die Erhaltungsdosis
FaktorWirkungKonsequenz
Augmented Renal Clearanceschnellere renale Eliminationhöhere Erhaltungsdosis, bei β-Lactamen verlängerte Infusion, TDM
Akutes Nierenversagenverminderte EliminationErhaltungsdosis reduzieren, Loading Dose unverändert
Nierenersatzverfahrenzusätzliche, verfahrensabhängige EliminationDosis nach Verfahren und Dialysedosis, zum Beispiel mit CADDy; TDM
Adipositasgrößeres Verteilungsvolumen, Fettanteilhydrophil: IBW oder ABW; lipophil: TBW
ECMO, ZytokinadsorberAdsorption oder EliminationDosisanpassung, zeitnahes TDM
Nicht renale Elimination (Linezolid)keine Schätzung aus der Nierenfunktion möglichAnpassung nur über gemessene Spiegel

Übung 5.1

Übung 5.2

Übung 5.3, Rechenaufgabe

Ein Mann, 175 cm, wiegt 130 kg. Berechnen Sie das ideale Körpergewicht nach Devine und das angepasste Körpergewicht für die Dosierung eines Aminoglykosids (kg, auf eine Nachkommastelle).

Lektion 6

Therapeutisches Drug Monitoring und modellbasierte Dosiskalkulation

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) und Dosiskalkulationstools sind unverzichtbare Instrumente, um adäquate Blutspiegel sicherzustellen und Unter- wie Überdosierung zu vermeiden. Nach Brinkmann et al. finden sich individuelle Applikation und Dosierung sowie die Anpassung der Dosis an gemessene Blutspiegel mithilfe von TDM inzwischen als konkrete Empfehlungen in nationalen und internationalen Leitlinien. TDM verbindet die theoretischen Überlegungen zur Dosisindividualisierung mit ihrer klinischen Umsetzung anhand patientenspezifischer Merkmale und gewährleistet vergleichbar wirksame und sichere Konzentrationen.

Ablauf eines strukturierten TDM

  1. Schnelle Diagnostik und Stabilisierung der Patientin oder des Patienten.
  2. Zeitnahe erste Bolusgabe eines individuell geeigneten Breitspektrumantibiotikums unter Berücksichtigung von Fokus, lokaler Resistenzsituation, Vorbefunden, Vorbehandlungen, Organinsuffizienzen, Komorbiditäten und Körpergewicht.
  3. Optimale Applikationsart und empirische Dosierung unter Berücksichtigung der individuellen PK/PD-Einflussfaktoren.
  4. Blutabnahme und Konzentrationsmessung in Plasma oder Serum, idealerweise nach Erreichen des Fließgleichgewichts (Steady State). Für Aminoglykoside und Vancomycin gibt es routinemäßig schnelle, preiswerte immunologische Methoden; für β-Lactame und Linezolid sind aufwendigere chromatographische Methoden in Speziallaboratorien oder Klinikapotheken nötig.
  5. Fundierte Dosisanpassung und gegebenenfalls Änderung der Applikationsart auf Basis der dokumentierten Dosierung, der Applikationsart, des genauen Zeitpunkts der Probengewinnung und des Messergebnisses.

Beispiele für Zielwerte

Tabelle 6: TDM-gesteuerte Dosierungsziele
SubstanzZielAnmerkung
VancomycinAUC 400 bis 600 mg·h/l; unter Dauerinfusion (17 bis) 20 bis 25 mg/lDauerinfusion auf der Intensivstation bevorzugt
GentamicinTalwert unter 0,5 mg/l vor der nächsten Gabeminimiert Toxizität
DaptomycinTalwert unter 24 mg/l
Meropenem, sensibler P. aeruginosa (ECOFF 2 mg/l)Dauerinfusion, Steady-State-Konzentration über 8 (bis 16) mg/l
Meropenem, MHK 4 mg/l „sensibel bei erhöhter Exposition“Dauerinfusion, Zielkonzentration über 16 mg/lDosis entsprechend anpassen
Messfehler Box, ErgänzungDie Meropenem-Ziele entsprechen dem Index 100 % fT>4×MHK aus Lektion 4: 4 × 2 mg/l = 8 mg/l, 4 × 4 mg/l = 16 mg/l. „Sensibel bei erhöhter Exposition“ ist die EUCAST-Kategorie I: Der Erreger ist behandelbar, aber nur mit höherer Dosis oder angepasster Applikation. Das Kürzel steht nicht mehr für „intermediär“. ECOFF ist der epidemiologische Grenzwert, oberhalb dessen ein Erreger wahrscheinlich einen Resistenzmechanismus trägt.

Evidenz und Verfügbarkeit

TDM-gesteuerte Dosierung zeigte in prospektiv-randomisierten Studien bisher keinen signifikanten Effekt auf die Sterblichkeit, aber eine signifikant bessere klinische und mikrobiologische Heilungsrate und weniger Toxizität. Wegen der ausgeprägten PK-Veränderungen bei Sepsis und des hohen Risikos für Unter- und Überdosierung wird TDM in aktuellen Leitlinien und Positionspapieren empfohlen. In Deutschland ist TDM für Aminoglykoside und Vancomycin regelhaft verfügbar, für β-Lactame wie Meropenem und Piperacillin jedoch selten.

Evidence Box, ErgänzungDie TARGET-Studie (Hagel et al., Intensive Care Med 2022) verglich TDM-gesteuerte kontinuierliche Piperacillin-Gabe mit Standarddosierung bei Sepsis und fand keinen signifikanten Unterschied im mittleren SOFA-Score. Eine Metaanalyse zum β-Lactam-TDM (Pai Mangalore et al., Clin Infect Dis 2022) bestätigte das Muster aus dem Text: bessere klinische und mikrobiologische Heilung, weniger Therapieversagen, kein Mortalitätsunterschied.

Modellbasierte Dosiskalkulation (MIPD)

MIPD nutzt populationspharmakokinetische Modelle (PopPK), die die ADME-Prozesse mathematisch beschreiben. Sie quantifizieren und erklären die interindividuelle Variabilität über patientenspezifische Kovariaten: Alter, Geschlecht, Körpergewicht, Organfunktion, Begleiterkrankungen und Komedikation. Zwei Vorgehensweisen sind möglich:

  • Initialdosierung (a priori dosing): Optimiert die Anfangsdosis anhand des Modells und der Kovariaten und erhöht die Wahrscheinlichkeit, Zielkonzentrationen früh zu erreichen.
  • Folgedosierung (Bayes'sche Dosierung): Kombiniert das Vorwissen des Modells mit TDM-Messwerten, präzisiert die Dosisempfehlung und passt das Modell an die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten an. Die Messzeitpunkte sind flexibel und müssen nicht im Steady State liegen.

Dosiskalkulationstools

  • TDMx (www.tdmx.eu) kombiniert PopPK-Modelle mit TDM zu personalisierten Dosierungsvorschlägen.
  • MeroEasy und VancoEasy (www.doseeasy.de) unterstützen die Dosisberechnung im klinischen Alltag.
  • CADDy (Calculator to Approximate Drug-Dosing in Dialysis, www.thecaddy.de) unterstützt die Dosisfindung bei eingeschränkter Nierenfunktion und unter Nierenersatzverfahren, weil es Dialyseparameter einbezieht.

Alle Tools sind kostenlos. Ärztinnen und Ärzte müssen ihre Ergebnisse im Zusammenhang mit dem klinischen Zustand der Patientin oder des Patienten und anderen relevanten Faktoren interpretieren. TDM, unterstützt durch modellbasierte Verfahren und Tools, ist ein unverzichtbarer Bestandteil der individualisierten Therapie, um die Wirksamkeit zu maximieren und die Toxizität zu minimieren.

Übung 6.1

Übung 6.2

Übung 6.3, Rechenaufgabe

Eine Pneumonie mit P. aeruginosa wird mit Meropenem als Dauerinfusion behandelt. Das Antibiogramm zeigt eine MHK von 4 mg/l („sensibel bei erhöhter Exposition“). Der gemessene Steady-State-Spiegel beträgt 11 mg/l. Welche Zielkonzentration nach dem Prinzip 100 % fT>4×MHK ist anzustreben, und um welchen Faktor müsste die Tagesdosis bei unveränderter Clearance mindestens steigen (auf eine Nachkommastelle)?

Lektion 7

Kalkulierte Therapie, Deeskalation und Therapiedauer

Früh und adäquat

In der MEDUSA-Studie hatten Patientinnen und Patienten mit adäquater Antibiotikatherapie eine signifikant geringere Sterblichkeit (30,3 % gegenüber 40,9 %, p < 0,001), und jede Stunde Verzögerung der Antibiotikatherapie ging mit einem Anstieg der Sterblichkeit um 2 % einher (nach Brinkmann et al. 2024).

Evidence Box, EinordnungMEDUSA (Bloos et al., Crit Care 2014) ist eine deutsche Beobachtungsstudie an 1 011 Patientinnen und Patienten mit schwerer Sepsis und septischem Schock. Die 2 % sind ein Anstieg der Chance (Odds) zu versterben je Stunde Verzögerung, kein absoluter Anstieg um 2 Prozentpunkte. Die Surviving Sepsis Campaign (2021, bestätigt 2026) fordert die Antibiotikagabe innerhalb einer Stunde beim septischen Schock und bei hoher Wahrscheinlichkeit einer Sepsis, sonst eine zügige Abklärung innerhalb von drei Stunden.

Die drei Achsen der Therapieentscheidung

Tabelle 7: Drei-Achsen-Entscheidung
AchseZu berücksichtigen
Patientin, PatientAlter, Gewicht, Komorbiditäten, Organfunktion, Immunstatus, Vortherapien
Erregerlokale Epidemiologie, Infektionsspektrum, Resistenz- und Kolonisationsstatus
ArzneistoffWirksamkeit, PK/PD-Eigenschaften, Nebenwirkungsprofil

Die Tarragona-Strategie

  • Look at your patient: Anamnese, Klinik und Immunstatus beachten.
  • Listen to your hospital: lokale Resistenzen und Verbrauchsstatistiken berücksichtigen.
  • Hit hard and early: hochdosierte Breitspektrumantibiotika frühzeitig verabreichen.
  • Get to the point: Gewebepenetration und Fokus berücksichtigen.
  • Focus, focus, focus: gezielte Therapie nach Erregernachweis.
Messfehler Box, KorrekturIm Repetitorium heißt der erste Grundsatz einmal „Have your patient“. Die Strategie geht auf Sandiumenge et al. (Intensive Care Med 2003) zurück und beginnt mit „Look at your patient“. „Get to the point“ meint dort die Wahl einer Substanz, die den Infektionsort erreicht; im Repetitorium ist es mit „Focus, focus, focus“ zusammengefasst.

Rationale Substanzwahl

Wo möglich, sind Penicillin-basierte Kombinationen zu bevorzugen. Cephalosporine und Fluorchinolone sind restriktiv einzusetzen, weil sie Resistenzen selektieren. Carbapeneme sind „Last-line“-Therapeutika und nur bei gesichertem Bedarf indiziert.

Deeskalation

Nach Gude ist die gezielte Verkürzung und Eingrenzung der antibiotischen Therapie eine der wirksamsten Maßnahmen gegen resistente Erreger und unnötige Nebenwirkungen. Deeskalation bedeutet die Umstellung von einer initial breiten auf eine gezielte, schmal wirksame Substanz, sobald klinisches Ansprechen und Erregernachweis vorliegen. Das Ziel ist, den Resistenzdruck zu reduzieren und unnötige Nebenwirkungen zu vermeiden.

Therapiedauer und PCT

Die früher verbreitete Meinung „mehr ist mehr“ ist bei der Therapiedauer obsolet. Eine kurze, zielgerichtete Therapie ist oft gleichwertig oder überlegen; die Dauer richtet sich nach dem klinischen Heilungseffekt.

Procalcitonin-(PCT-)Algorithmen können die Therapiedauer steuern. Ein Absetzen wird empfohlen, wenn der PCT-Wert unter 0,5 ng/ml gefallen ist oder um mindestens 80 % gegenüber dem Maximalwert abgefallen ist. Das verkürzt die Antibiotikadauer im Mittel um 1,22 Tage auf etwa 5 Tage, ohne die Mortalität zu beeinflussen.

Messfehler Box, KorrekturIm Repetitorium steht „Rückgang auf 80 % des Maximalwertes“. Das Kriterium der SAPS-Studie (de Jong et al., Lancet Infect Dis 2016) ist ein Abfall um mindestens 80 %, also auf höchstens 20 % des Maximums. Ein Rückgang auf 80 % wäre bereits nach einem Tag fast immer erreicht und würde die Therapie zu früh beenden. In SAPS betrug die mediane Therapiedauer 5 gegenüber 7 Tagen; die 28-Tage-Sterblichkeit war in der PCT-Gruppe nicht höher, sondern niedriger (19,6 % gegenüber 25,0 %).

Übung 7.1

Übung 7.2

Übung 7.3, Rechenaufgabe

Bei einer Patientin mit Urosepsis lag das PCT-Maximum an Tag 2 bei 15 ng/ml. Unterhalb welches Wertes ist das Absetzkriterium „Abfall um mindestens 80 %“ erfüllt (ng/ml)?

Lektion 8

Antibiotic Stewardship

Antibiotic Stewardship (ABS) sichert eine rationale, evidenzbasierte und pharmakodynamisch optimierte Antibiotikatherapie. Es ist ein Qualitätssicherungsinstrument zum Schutz der Patientinnen und Patienten und angesichts zunehmender MRE und stagnierender Antibiotikaentwicklung unverzichtbar. Das Motto „Right dose, right now“ verbindet die Dosisindividualisierung eng mit den Prinzipien des ABS.

Warum ABS nötig ist

Daraus ergeben sich drei Problemfelder. Erstens besteht ein Missverhältnis zwischen Erreger und Wirkstoff: Die Resistenzen nehmen zu, während die Entwicklung wirklich neuer Wirkmechanismen stagniert; die meisten neuen Substanzen sind Weiterentwicklungen bekannter Klassen. Zweitens sind Pharmakokinetik und Pharmakodynamik bei kritisch Kranken verändert, sodass Standarddosierungen häufig unwirksam oder toxisch sind; Untersuchungen wie die DALI-Studie fanden bei einem erheblichen Teil der Intensivpatienten Konzentrationen unterhalb der pharmakodynamischen Zielwerte. Drittens hat eine inadäquate Therapie Folgen: Sie wirkt nicht, sie erzeugt unerwünschte Wirkungen wie Nephro- und Neurotoxizität, und sie selektiert und induziert Resistenzen, besonders wenn unnötig breit behandelt wird.

Ziele

Die Ziele einer individualisierten Antiinfektivatherapie lassen sich daher so zusammenfassen: den Resistenzdruck senken und unnötige Nebenwirkungen vermeiden; die Wirksamkeit der vorhandenen Substanzen ausschöpfen, statt auf neue zu warten; höhere klinische und mikrobiologische Heilungsraten bei geringerer Toxizität erreichen; die Dosisindividualisierung als gemeinsame Aufgabe von Intensivmedizin, Mikrobiologie, Infektiologie und Apotheke verstehen; und die Wirksamkeit der Antibiotika für künftige Patientinnen und Patienten erhalten. Praktisch am wirksamsten sind dabei zwei Maßnahmen: die verlängerte oder kontinuierliche Infusion der β-Lactame nach einer Initialdosis und das therapeutische Drug-Monitoring. Zur kontinuierlichen Infusion liegen inzwischen große randomisierte Studien vor; die bislang größte fand einen Trend zu geringerer Sterblichkeit, der das Signifikanzniveau knapp verfehlte, und eine Metaanalyse aller Studien zeigte einen Überlebensvorteil bei Sepsis. Die Fachgesellschaften empfehlen die verlängerte Gabe deshalb zunehmend als Standard bei schwerkranken Patienten.

Kernelemente im Stationsalltag

  1. Klare Indikationsstellung und Dokumentation: Jede Therapie wird begründet; geplante Dauer, Ziele (zum Beispiel PCT-gesteuerter Stopp) und Reevaluationszeitpunkt werden dokumentiert. Keine „Sicherheitsgabe“ ohne klinische oder labordiagnostische Evidenz.
  2. Frühzeitige Diagnostik: Blutkulturen, Sekret- und Gewebeproben möglichst vor der ersten Gabe gewinnen.
  3. Rationale Substanzwahl nach der Drei-Achsen-Entscheidung und der Tarragona-Strategie (Lektion 7).
  4. Dosisindividualisierung und optimierte Applikation: Loading Dose, verlängerte oder kontinuierliche Infusion der β-Lactame, Anpassung an Organfunktion, Gewicht und extrakorporale Verfahren (Lektionen 4 und 5).
  5. TDM, MIPD und Dosiskalkulationstools (Lektion 6).
  6. Regelmäßige Reevaluation nach 48 bis 72 Stunden: bei klinischer Besserung oder Erregernachweis auf eine gezielte, schmaler wirksame Substanz umstellen oder die Therapie beenden, gegebenenfalls PCT-gesteuert.
  7. Kommunikation und interdisziplinäre Zusammenarbeit: Therapieentscheidungen klar kommunizieren; ABS gemeinsam mit Mikrobiologie, Infektiologie und Apotheke leben; Unterstützung durch ABS-Teams mit Visiten, Fortbildungen und lokalen Antibiogrammen.
  8. Digitalisierung und Entscheidungshilfen: elektronische Kurvenführung mit Erinnerungsfunktion, Apps und Datenbanken wie AntiBiotikApp, AWMF online, Dosing.de und TDM-Software.

Hürden und Lösungen

Tabelle 8: Umsetzung von ABS
HürdeLösungsansatz
Mangelnde Zeit für die Reevaluationfeste Zeitfenster für die Reevaluation
Fehlende KulturergebnisseDiagnostik konsequent einfordern
Unsicherheit bei der SubstanzwahlABS-Leitlinien und klinikinterne SOPs
„Machen wir immer so“Schulungen, Resistenzdaten aufzeigen

Fazit

Die Intensivmedizin muss sich an eine mikrobiologische Realität anpassen, in der Erreger ihre Resistenzmechanismen stetig weiterentwickeln und neue Antibiotika rar sind. Die Lösung ist nicht die Suche nach einem neuen Wundermittel, sondern die klügere Anwendung der vorhandenen Substanzen: rationale empirische Therapie statt reflexhafter Breitbandanwendung, konsequente Dosisindividualisierung nach PK/PD-Prinzipien mit TDM und Dosiskalkulationstools, frühzeitige Reevaluation und gezielte, idealerweise PCT-gesteuerte Deeskalation, und ABS als festes Qualitätsmerkmal des klinischen Alltags. Die Zukunft der Intensivmedizin hängt maßgeblich davon ab, wie verantwortungsvoll und präzise Antibiotika eingesetzt werden.

„Antibiotika sind die einzigen Medikamente, deren Anwendung bei einem Patienten die Wirksamkeit für andere, einschließlich zukünftiger Patienten, beeinflussen kann.“ Infectious Diseases Society of America, zitiert nach Gude.

„Jeder unnötige Antibiotikatag ist einer zu viel, und jeder konsequent gestoppte Tag ein Gewinn für den Patienten und die Gesellschaft.“ Gude, Manuskript Antibiotic Stewardship.

Intensiv Box, ErgänzungIn Deutschland verpflichtet § 23 Infektionsschutzgesetz die Krankenhäuser, Antibiotikaverbrauch und Resistenzen fortlaufend zu erfassen und daraus Konsequenzen für den Einsatz von Antibiotika abzuleiten. Die S3-Leitlinie „Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotika-Anwendung im Krankenhaus“ (AWMF 092-001) beschreibt die Struktur eines ABS-Teams. Fragen Sie auf Ihrer Station nach, wer Ansprechpartner ist und wo die lokale Resistenzstatistik liegt.

Übung 8.1

Übung 8.2

Lektion 9

Pitfalls, Merksätze und Kurzfazit

Pitfalls, die aktiv vermieden werden müssen

  • Die Loading Dose an die Nierenfunktion anpassen. Sie hängt vom Verteilungsvolumen ab; reduziert wird erst die Erhaltungsdosis.
  • β-Lactame als Bolus alle 8 Stunden geben und sich auf die Standarddosis verlassen. Bei ARC und großem Verteilungsvolumen liegt die Konzentration dann lange unter der MHK.
  • Hydrophile Substanzen bei Adipositas auf das Gesamtgewicht dosieren. Das führt zur Überdosierung; Referenz ist IBW oder ABW.
  • Einen Linezolid-Spiegel aus der Kreatininclearance schätzen. Linezolid wird überwiegend nicht renal eliminiert; nur die Messung hilft.
  • Eine Breitspektrumtherapie nach 72 Stunden „vorsichtshalber“ weiterführen. Reevaluation, Deeskalation und dokumentiertes Stoppdatum gehören auf jede Visite.
  • Reserveantibiotika ohne Erregernachweis, Resistenzmechanismus und ABS-Rücksprache einsetzen. Das verkürzt ihre Lebensdauer für alle.
  • Das PCT-Kriterium falsch lesen: Abfall um 80 %, nicht auf 80 %.

Merksätze

  • Bakterielle Infektionen: Todesursache Nummer zwei, 7,7 Millionen Tote, davon 1,2 Millionen unmittelbar durch MRE; die Big Five verursachen 54,9 %.
  • ESKAPE: Enterococcus faecium, Staphylococcus aureus, Klebsiella, Acinetobacter, Pseudomonas, Enterobacterales.
  • Sepsis: Vd hoch, Clearance hoch oder niedrig, Albumin niedrig, Ergebnis unvorhersehbar. Deshalb: Loading Dose, Individualisierung, TDM.
  • Cmax/MHK: Aminoglykoside, Daptomycin, Fluorchinolone. fT>MHK: β-Lactame. AUC/MHK: Vancomycin, Linezolid.
  • Vancomycin: AUC 400 bis 600, unter Dauerinfusion 20 bis 25 mg/l. Gentamicin: Tal unter 0,5. Daptomycin: Tal unter 24. Meropenem: über 4 × MHK.
  • Tarragona: Look at your patient, listen to your hospital, hit hard and early, get to the point, focus.
  • Reevaluation nach 48 bis 72 Stunden, Deeskalation, kurze Dauer, PCT unter 0,5 oder Abfall um 80 %.

Kurzfazit

Die richtige Substanz in der falschen Dosis ist die falsche Therapie. Auf der Intensivstation ist die Standarddosis die Ausnahme, die individuelle Dosis die Regel: Loading Dose nach Verteilungsvolumen, Applikation nach PK/PD-Klasse, Erhaltungsdosis nach Clearance und Gewicht, kontrolliert durch Spiegel. Und jede Therapie trägt ihr Enddatum von Anfang an in sich.

Übung 9.1

Übung 9.2

Lektion 10

Aufgabenblock

Bearbeiten Sie die Aufgaben zuerst schriftlich im Notizfeld, dann klappen Sie die Lösung auf. Ihre Notizen werden lokal gespeichert.

Aufgabe 1: Die erste Stunde

Gegeben:
Patient, 34 Jahre, 80 kg, zuvor gesund, septischer Schock bei ambulant erworbener Pneumonie, Noradrenalin 0,3 µg/kg/min, Kreatinin 0,6 mg/dl, Diurese 2,5 ml/kg/h nach 3 l Kristalloid. Geplant ist Piperacillin/Tazobactam.

Frage:
Welche pharmakokinetischen Veränderungen erwarten Sie, und wie verordnen Sie die ersten 24 Stunden?

Lösung

Jung, zuvor gesund, hyperdyname Phase, niedriges Kreatinin und hohe Diurese: typisch für eine Augmented Renal Clearance. Dazu ein großes Verteilungsvolumen durch Kapillarleck und Volumentherapie. Beides senkt die Konzentration eines hydrophilen, zeitabhängig wirksamen β-Lactams. Verordnung: Blutkulturen und Sekret vor der ersten Gabe, dann ohne Verzögerung eine Loading Dose (zum Beispiel 4 g Piperacillin als Bolus), unmittelbar danach prolongierte oder kontinuierliche Infusion nach lokaler SOP; keine Reduktion wegen Nierenfunktion, eher hochdosiert. TDM, wenn verfügbar, sonst Dosisrechner (zum Beispiel TDMx). Reevaluation und Stoppdatum dokumentieren.

Aufgabe 2: Tag 3

Gegeben:
Patientin, 71 Jahre, postoperative Peritonitis, seit drei Tagen Meropenem. Blutkultur: E. coli, sensibel auf Piperacillin/Tazobactam, Ceftriaxon und Meropenem, kein ESBL. Fokus saniert, Noradrenalin ausgeschlichen, PCT von 22 auf 6 ng/ml gefallen.

Frage:
Was ändern Sie, und wann denken Sie an das Absetzen?

Lösung

Klinisches Ansprechen und Erregernachweis liegen vor: Deeskalation von Meropenem, einem Last-line-Therapeutikum, auf eine schmalere Substanz, bevorzugt eine Penicillin-basierte Kombination; bei intraabdominellem Fokus mit anaerober Beteiligung ist Piperacillin/Tazobactam eine Option, nach lokaler SOP und Rücksprache mit dem ABS-Team. Das PCT ist um 73 % gefallen; das Absetzkriterium ist ein Abfall um mindestens 80 %, also unter 4,4 ng/ml, oder ein Wert unter 0,5 ng/ml. Bei saniertem Fokus ist eine kurze Therapiedauer anzustreben; Stoppdatum und nächste PCT-Kontrolle dokumentieren.

Aufgabe 3: Vancomycin unter CRRT

Gegeben:
Patient, 62 Jahre, 95 kg, MRSA-Bakteriämie, kontinuierliche Nierenersatztherapie, Vancomycin als Dauerinfusion. Steady-State-Spiegel am Tag 2: 13 mg/l.

Frage:
Wie bewerten Sie den Spiegel, und wie gehen Sie vor?

Lösung

13 mg/l × 24 h ergibt eine AUC von 312 mg·h/l, also unter dem Ziel von 400 bis 600 mg·h/l; unter Dauerinfusion wird ein Spiegel von (17 bis) 20 bis 25 mg/l angestrebt. Die Dosis ist bei unveränderter Clearance etwa um den Faktor 20 / 13 ≈ 1,5 zu erhöhen, bei rascher Korrektur mit einem zusätzlichen Bolus. Die Elimination hängt von der CRRT-Dosis ab: Änderungen am Verfahren (Filterwechsel, Pausen, Dosis) mit einem Tool wie CADDy oder einem Bayes'schen Programm einbeziehen und den Spiegel nach Anpassung erneut messen. Probenzeitpunkt, Dosis und Infusionsrate genau dokumentieren.

Aufgabenblock abschließen

Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle drei Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.

Abschlusstest, etwa 15 Minuten

Abschlusstest

Vierzehn Fragen: die zehn Prüfungsfragen des Repetitoriums und vier Anwendungsfragen, davon zwei Rechenaufgaben. Bestanden ab 80 %. Der Test ist beliebig oft wiederholbar.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

Tabellen, Zielwerte und Rechner für den Stationsalltag stehen gesammelt in Antiinfektiva kompakt.

BegriffBedeutung
ABSAntibiotic Stewardship, strukturierte Sicherung rationaler Antibiotikaanwendung
ADMEAbsorption, Distribution, Metabolismus, Exkretion
ARCAugmented Renal Clearance, gesteigerte renale Clearance, vor allem in der frühen hyperdynamen Sepsis bei Jüngeren
AUCFläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve
Cmax, CssSpitzenkonzentration; Konzentration im Fließgleichgewicht
ECOFFepidemiologischer Grenzwert der MHK, oberhalb dessen ein Resistenzmechanismus wahrscheinlich ist
ESBL, AmpC, KPC, OXA, NDMBeta-Lactamasen; KPC, OXA-48 und NDM sind Carbapenemasen, NDM eine Metallo-β-Lactamase
ESKAPEEnterococcus faecium, Staphylococcus aureus, Klebsiella pneumoniae, Acinetobacter baumannii, Pseudomonas aeruginosa, Enterobacterales
fT>MHKAnteil des Dosisintervalls, in dem die freie Konzentration über der MHK liegt
IBW, ABW, LBW, TBWideales, angepasstes, mageres und totales Körpergewicht
LD, MDLoading Dose, Maintenance Dose (Erhaltungsdosis)
MHKminimale Hemmkonzentration
MIPDModel-Informed Precision Dosing, modellbasierte Dosiskalkulation
PopPKpopulationspharmakokinetisches Modell
RRT, CRRT, SLEDNierenersatztherapie; kontinuierlich; verlängerte, niedrigeffiziente Dialyse
Sensibel bei erhöhter ExpositionEUCAST-Kategorie I: wirksam nur mit höherer Dosis oder angepasster Applikation
TDMTherapeutisches Drug Monitoring
VdVerteilungsvolumen

Quellen des Repetitoriums

  1. Brinkmann et al., 2024, S. 52 bis 57 (im Repetitorium als Kurzbeleg zitiert; vollständige Angabe folgt).
  2. Gude, 2024, S. 2 bis 14 (im Repetitorium als Kurzbeleg zitiert; vollständige Angabe folgt).
  3. Gude, Manuskript Antibiotic Stewardship, Version 1, S. 2 bis 11 (unveröffentlicht).

Literatur zu den Ergänzungen

  1. GBD 2019 Antimicrobial Resistance Collaborators. Global mortality associated with 33 bacterial pathogens in 2019. Lancet 2022; 400:2221.
  2. Antimicrobial Resistance Collaborators. Global burden of bacterial antimicrobial resistance in 2019. Lancet 2022; 399:629.
  3. Rice LB. Federal funding for the study of antimicrobial resistance in nosocomial pathogens: no ESKAPE. J Infect Dis 2008; 197:1079.
  4. Tamma PD et al. Infectious Diseases Society of America 2024 guidance on the treatment of antimicrobial-resistant gram-negative infections. Clin Infect Dis 2024.
  5. Dulhunty JM et al. (BLING III). Continuous vs intermittent β-lactam antibiotic infusions in critically ill patients with sepsis. JAMA 2024; 332:629.
  6. Abdul-Aziz MH et al. Prolonged vs intermittent infusions of β-lactam antibiotics in adults with sepsis or septic shock: a systematic review and meta-analysis. JAMA 2024; 332:638.
  7. Rybak MJ et al. Therapeutic monitoring of vancomycin for serious methicillin-resistant Staphylococcus aureus infections: a revised consensus guideline. Am J Health Syst Pharm 2020; 77:835.
  8. Hagel S et al. (TARGET). Effect of therapeutic drug monitoring-based dose optimization of piperacillin/tazobactam on sepsis-related organ dysfunction in patients with sepsis. Intensive Care Med 2022; 48:311.
  9. Pai Mangalore R et al. Beta-lactam antibiotic therapeutic drug monitoring in critically ill patients: a systematic review and meta-analysis. Clin Infect Dis 2022; 75:1848.
  10. Bloos F et al. (MEDUSA). Impact of compliance with infection management guidelines on outcome in patients with severe sepsis. Crit Care 2014; 18:R42.
  11. Evans L et al. Surviving Sepsis Campaign: international guidelines for management of sepsis and septic shock 2021. Crit Care Med 2021; 49:e1063.
  12. Sandiumenge A et al. Therapy of ventilator-associated pneumonia: a patient-based approach based on the ten rules of „The Tarragona Strategy“. Intensive Care Med 2003; 29:876.
  13. de Jong E et al. (SAPS). Efficacy and safety of procalcitonin guidance in reducing the duration of antibiotic treatment in critically ill patients. Lancet Infect Dis 2016; 16:819.
  14. de With K et al. S3-Leitlinie Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotika-Anwendung im Krankenhaus. AWMF 092-001.

© 2026 Ulrich Frey. Alle Rechte vorbehalten. Die Inhalte dienen der Aus- und Weiterbildung und ersetzen keine klinische Beurteilung, keine Fachinformation, keine lokalen Standards und keine Leitlinien. Übungen, Aufgaben, Boxen und ergänzende Testfragen sind didaktisch aus dem Text des Repetitoriums und der angegebenen Literatur abgeleitet. Stand: September 2026.