Im Aufwachraum entscheiden Übergabe und Beobachtung. Die Übergabe folgt einem festen Schema, etwa SBAR, und umfasst Vorgeschichte und Verlauf, den Atemweg, wobei die passende Maske mitgeht, sowie die Anordnungen für Schmerz, Übelkeit und Erbrechen, Kältezittern, Delir und Flüssigkeit, außerdem, was das Kind trinken darf und ob abweichende Entlassungskriterien gelten. Die Aufgaben im Aufwachraum sind die engmaschige Überwachung der Vitalfunktionen bis zur Stabilität, das Aufrechterhalten der zehn Grundregeln der Überwachung, das rechtzeitige Erkennen von Komplikationen wie Atemdepression, Atemwegsverlegung, Nachblutung, Übelkeit, Delir oder zu engem Verband, der Aufbau einer Schmerztherapie, die auf Station fortgeführt werden kann, und die Einbeziehung der Bezugsperson, deren Anwesenheit Unruhe und Delir mindert.
Kinderanästhesie, Komplikationen und Aufwachraum
Aufwachraum, Emergence Delir und PONV
Die Aufwachphase entscheidet, wie Kind und Eltern die Narkose in Erinnerung behalten. Wer Schmerz, Delir und Erbrechen unterscheidet, vorbeugt und strukturiert entlässt, verkürzt Aufenthalte und verhindert Zwischenfälle.
- 001-035 Prävention und Therapie des pädiatrischen Emergence Delir (S2e, Stand 03/2026, gültig bis 21.11.2030): gültig
- Ein Kind strukturiert an den Aufwachraum übergeben und nach klaren Kriterien verlegen.
- Emergence Delir und schmerzbedingte Agitation mit ED-I-Skala und KUSS unterscheiden.
- Prävention und Therapie des Emergence Delir nach der Leitlinie 2026 anwenden.
- Das PONV-Risiko mit dem POVOC-Score einschätzen und eine Prophylaxe wählen.
Zu dieser Lerneinheit
- Drei Lektionen mit Verlegungscheck, ED-I-Rechner mit Therapiepfad und POVOC-Rechner, eine Fallsimulation in vier Schritten, Aufgabenblock, Abschlussquiz und Nachschlagen.
- Zwei eigene Abbildungen: Therapiepfad bei Unruhe nach Narkose und PONV-Risiko nach Faktoren.
- Verwandt: Schmerztherapie, Angst und Prämedikation, Postoperative Überwachung.
Lektion 1
Übergabe, Aufgaben und Verlegungskriterien
Verlegungscheck
Alle Kriterien bestätigen. Maßstab ist jeweils auch der präoperative Zustand; individuellen Kontext (Eingriff, Vorerkrankung) berücksichtigen.
Kriterien nach DGAI/BDA 2009 in eigener Formulierung. „SpO₂ über 95 %“ gilt nicht für Kinder mit zyanotischem Herzfehler oder chronischer Lungenerkrankung: dort zählt der Ausgangswert.
Übung 1.1
Lektion 2
Emergence Delir nach der Leitlinie 2026
Das pädiatrische Emergence Delir ist eine Bewusstseins- und Aufmerksamkeitsstörung mit Desorientierung, gestörter Wahrnehmung, hyperaktiver Motorik und Überreaktion auf Reize in der Aufwachphase. Pathognomonisch ist, dass das Kind nicht kontaktierbar ist und seine Umgebung nicht wahrnimmt. Häufiger als ein echtes Delir ist eine Agitation durch Schmerz, Hunger, Durst, Angst oder einen störenden Zugang.
| Aussage | Grad |
|---|---|
| Diagnose im Aufwachraum mit validierter Skala; vorgeschlagen: ED-I-Skala (erste drei Items der PAED-Skala), ab 9 Punkten | A |
| Schmerz immer parallel mit validierter Skala erfassen (zum Beispiel KUSS) | A |
| Risikofaktoren: Kindergarten- und frühes Grundschulalter, präoperative Angst, Schmerz, Eingriffe an Kopf und Hals, Sevofluran oder Desfluran ohne Prophylaxe, Maskeneinleitung, lange Nüchternheit | Statement |
| Eltern über das Delir aufklären | EK |
| Nichtmedikamentöse Anxiolyse | B |
| Präemptive, leitliniengerechte Analgesie bei allen schmerzhaften Eingriffen | A |
| Regionalverfahren ergänzend | B |
| Bei Risikofaktoren TIVA statt balancierter Anästhesie ohne Prophylaxe | A |
| Bei Sevofluran oder Desfluran im vulnerablen Alter intraoperative Prophylaxe | A |
| Propofol als Bolus zum OP-Ende (Studien 0,5 bis 3 mg/kg) oder Infusion 2 bis 3 mg/kg/h | B |
| Dexmedetomidin oder Clonidin perioperativ | B |
| Esketamin | 0 |
| Midazolam i.v. intraoperativ (zum Beispiel 0,05 mg/kg zum OP-Ende) | 0 |
| Keine generelle Kombination mehrerer medikamentöser Maßnahmen; keine generelle Kombination von Propofol und Esketamin | B |
| Therapie bei Eigen- oder Fremdgefährdung: Propofol 0,5 bis 1 mg/kg oder Dexmedetomidin 0,5 µg/kg; alternativ Clonidin 1 bis 2 µg/kg oder Esketamin 1 mg/kg | 0 |
ED-I-Rechner mit Therapiepfad
Das Kind … (gar nicht = 4 Punkte, sehr viel = 0 Punkte). Dazu den KUSS-Wert und eine mögliche Gefährdung angeben.
Übung 2.1
Übung 2.2
Übung 2.3, Rechenaufgabe
Kind 18 kg, Sevofluran-Narkose. Sie geben zum OP-Ende Propofol 1 mg/kg (10 mg/ml) zur Delirprophylaxe. Später besteht ein Delir mit Eigengefährdung; Sie wählen Dexmedetomidin 0,5 µg/kg. Wie viele ml Propofol und wie viele µg Dexmedetomidin?
Lektion 3
Übelkeit und Erbrechen nach der Narkose
Bei Kindern wird vor allem das Erbrechen (POV) erfasst. Der POVOC-Score (Eberhart 2004) zählt vier Faktoren: Operationsdauer 30 Minuten oder länger, Alter ab 3 Jahren, Strabismuschirurgie, frühere PONV des Kindes oder PONV bei Eltern oder Geschwistern. Die vierten Konsensusleitlinien (Gan 2020) empfehlen, bei mittlerem und hohem Risiko zwei Antiemetika verschiedener Klassen zu kombinieren; die Tonsillektomie gilt als eigener Risikoeingriff.
| Substanz | Dosis | Hinweis |
|---|---|---|
| Dexamethason | 0,15 mg/kg i.v., höchstens 5 mg | zu Beginn; zusätzlich koanalgetisch |
| Ondansetron | 0,1 mg/kg i.v., höchstens 4 mg | gegen Ende; QT-Zeit beachten |
| Droperidol | 10 bis 15 µg/kg i.v. | Reserve; QT-Zeit |
| Dimenhydrinat | 0,5 mg/kg i.v. | Reserve; sedierend |
Dazu gehören eine TIVA bei hohem Risiko, das Vermeiden unnötiger Opioide durch Regionalanästhesie und Nichtopioide, kurze Nüchternzeiten und keine Trinkpflicht vor der Entlassung.
POVOC-Rechner
Übung 3.1
Lektion 4
Fallsimulation: Jan, 4 Jahre, Strabismusoperation
Ausgangslage
Jan, 4 Jahre, 17 kg, Strabismusoperation beidseits, geplant 50 Minuten. Er ist sehr ängstlich, bei der letzten Narkose schrie und schlug er im Aufwachraum. Die Mutter erbrach nach ihren eigenen Narkosen.
Schritt 1: Risiko
Schritt 2: Narkoseplan
Schritt 3: Unruhe im Aufwachraum
Schritt 4: Verlegung
Lektion 5
Pitfalls, Merksätze und Aufgabenblock
Pitfalls
- Jede Unruhe als Delir behandeln, ohne Schmerz zu messen.
- Delir mit Opioiden sedieren.
- Mehrere sedierende Prophylaxen kombinieren.
- Kinder vor der Verlegung zum Trinken zwingen.
- SpO₂-Grenze starr anwenden bei Kindern mit zyanotischem Herzfehler.
Merksätze
- ED I ab 9 und KUSS unter 4: Delir; KUSS ab 4: zuerst Analgesie.
- Nur bei Gefährdung medikamentös: Propofol 0,5 bis 1 mg/kg oder Dexmedetomidin 0,5 µg/kg.
- Prophylaxe bei Sevofluran im vulnerablen Alter, eine Substanz genügt.
- POVOC: Dauer, Alter ab 3, Strabismus, Anamnese.
- Ab mittlerem Risiko zwei Antiemetika.
Fälle
Aufgabe 1: Das ruhige Delir
Gegeben:
3 Jahre nach Adenotomie; das Kind schreit, erkennt die Mutter nicht, lässt sich nicht trösten, ist aber nicht gefährdet. ED I 11, KUSS 2.
Frage:
Was tun Sie?
Delir ohne Gefährdung: konservativ. Ruhe, gedämpftes Licht, Mutter beim Kind, Zugang sichern; Eltern erklären, dass es selbstlimitierend ist. Kein Medikament, solange keine Gefährdung besteht.
Aufgabe 2: Midazolam
Gegeben:
Nach kurzer Paukendrainage und oralem Midazolam ist ein Kind nach einer Stunde weiter hochgradig verwirrt und unruhig, ohne Schmerzhinweise.
Frage:
Welche Option nennt die Leitlinie?
Nach kurzen Eingriffen mit oralem Midazolam und anhaltendem Delir kann Flumazenil (0,02 mg/kg) erwogen werden (Empfehlungsgrad 0, Fallberichte). Monitoring, da die Wirkung kürzer sein kann als die von Midazolam.
Aufgabe 3: Die Tonsillektomie
Gegeben:
7 Jahre, Tonsillektomie, 40 Minuten, keine PONV-Anamnese.
Frage:
Welche PONV-Prophylaxe?
Zwei POVOC-Faktoren (Dauer, Alter) plus Risikoeingriff Tonsillektomie: zwei Antiemetika, zum Beispiel Dexamethason 0,15 mg/kg zu Beginn und Ondansetron 0,1 mg/kg gegen Ende; opioidsparende Analgesie.
Aufgabenblock abschließen
Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle drei Fälle gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.
Abschlussquiz, etwa 10 Minuten
Abschlussquiz
Zwölf Fragen, davon drei Rechenaufgaben. Bestanden ab 80 %.
Zum Nachschlagen
Begriffe und Literatur
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| pädED | pädiatrisches Emergence Delir |
| PAED-Skala | Pediatric Anesthesia Emergence Delirium Scale (Sikich und Lerman 2004), 0 bis 20 |
| ED I | die drei Delir-Items der PAED-Skala, 0 bis 12, Delir ab 9 |
| POVOC | Postoperative Vomiting in Children, Risikoscore mit vier Faktoren |
| SBAR | Situation, Background, Assessment, Recommendation: Übergabeschema |
Literatur
- DGAI, DGKJ. S2e-Leitlinie Prävention und Therapie des pädiatrischen Emergence Delir, AWMF 001-035, Version 2, 2026.
- Locatelli BG, Ingelmo PM, Emre S, et al. Emergence delirium in children: a comparison of sevoflurane and desflurane anesthesia using the Paediatric Anesthesia Emergence Delirium scale. Paediatr Anaesth 2013;23:301–308.
- Sikich N, Lerman J. Development and psychometric evaluation of the pediatric anesthesia emergence delirium scale. Anesthesiology 2004;100:1138–1145.
- Gan TJ, Belani KG, Bergese S, et al. Fourth consensus guidelines for the management of postoperative nausea and vomiting. Anesth Analg 2020;131:411–448.
- Eberhart LH, Geldner G, Kranke P, et al. The development and validation of a risk score to predict the probability of postoperative vomiting in pediatric patients. Anesth Analg 2004;99:1630–1637.
- Nöldge-Schomburg G, et al. Überwachung nach Anästhesieverfahren. Empfehlung der DGAI und des BDA. Anästh Intensivmed 2009;50:S486–S489.
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