Kinderanästhesie, Vor der Narkose

Nüchternheit bei Kindern

Kinder sollen vor der Narkose so kurz wie sicher möglich nüchtern sein. Das Problem im Alltag sind selten zu kurze, fast immer zu lange Nüchternzeiten.

Neufassung für das E-Learning. Diese Lerneinheit stammt nicht aus dem Repetitorium. Sie beruht auf der ESAIC-Leitlinie zur präoperativen Nüchternheit bei Kindern (2022), der deutschen S1-Leitlinie Perioperative Nüchternzeiten bei Kindern und Jugendlichen (AWMF 001-047, 2022, gültig bis Februar 2027) und der Kohortenstudie EUROFAST (BJA 2025) (Recherchestand September 2026).
Leitlinienstatus, Registerstand 18.09.2026
  • 001-047 Perioperative Nüchternzeiten bei Kindern und Jugendlichen (S1, Stand 03/2022, gültig bis 28.02.2027): gültig
Aktueller Stand: Leitlinienregister.
Lernziele
  • Die 6-4-3-1-Regel anwenden und Eltern präzise anleiten.
  • Klare Flüssigkeit, Milch und kleine, leichte Mahlzeit sicher unterscheiden.
  • Die Evidenz für kurze Karenzen klarer Flüssigkeit und für „sip til send“ einordnen.
  • Wissen, welche Vorerkrankungen keine anderen Nüchternzeiten erfordern.
  • Die Magensonographie bei unklarer Nüchternheit einordnen.
EmpfehlungEs gilt die 6-4-3-1-Regel nach ESAIC 2022 und DGAI 2022. „Sip til send“ (Trinken klarer Flüssigkeit bis zum Abruf in den OP) wird als Option mit Evidenzeinordnung dargestellt und ist für Kinder bislang kein Leitlinienstandard.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Vier Lektionen, dann Merksätze mit Aufgabenblock, Abschlusstest und Nachschlagen.
  2. Zwei eigene Abbildungen: die Nüchternzeiten als Zeitleiste und die berichteten Aspirationsraten aus EUROFAST.
  3. Im selben Teil: Präoperative Evaluation im Kindesalter, Das Kind mit Atemwegsinfekt.

Lektion 1

Warum kurz, und die 6-4-3-1-Regel

Nüchternheit soll das Risiko einer pulmonalen Aspiration senken, wenn Anästhetika die Schutzreflexe dämpfen. Kleine Kinder haben aber bezogen auf ihr Gewicht einen höheren Stoffwechsel und Flüssigkeitsumsatz als Erwachsene. Lange Nüchternzeiten führen bei ihnen zu Durst, Hunger, Unruhe und schlechter Kooperation, zu Ketoazidose, Dehydratation und zu Blutdruckabfällen bei der Einleitung. Die tatsächlichen Nüchternzeiten liegen in vielen Kliniken weit über den vorgegebenen Mindestzeiten.

Stunden vor der NarkoseeinleitungStart1 h2 h3 h4 h5 h6 hvollwertige Mahlzeit: bis 6 h vorherleichte Mahlzeit, Milch: bis 4 h vorherMuttermilch: bis 3 h vorherklare Flüssigkeit: bis 1 h vorherFarbig: erlaubt; hell: Karenz bis zur Einleitung (Start).Nach dem Eingriff klare Flüssigkeit nach Wunsch (0 h).Eigene Darstellung nach S1-Leitlinie 2022 und ESAIC 2022.
Abbildung 1: Die 6-4-3-1-Regel als Zeitleiste vor der Narkoseeinleitung. Eigene Darstellung nach S1-Leitlinie 2022 und ESAIC 2022
Tabelle 1: Nüchternzeiten für Kinder von 0 bis 18 Jahren vor elektiven Eingriffen
Mindestabstand zur EinleitungWas
6 hvollwertige Mahlzeit mit fester Nahrung
4 hkleine, leichte Mahlzeit (Tabelle 2); Fertigmilch, Kuhmilch, Kakao und andere nicht klare Flüssigkeiten
3 hMuttermilch, auch angereicherte Muttermilch
1 hklare Flüssigkeit: Wasser, Tee (auch mit Zucker), verdünnter Fruchtsaft ohne Fruchtfleisch; Kinder sollen bis dahin zum Trinken ermuntert werden
0 h nach dem Eingriffklare Flüssigkeit nach Wunsch, sobald das Kind wach ist und keine Kontraindikation besteht
Evidence BoxDie ESAIC-Leitlinie 2022 empfiehlt die Verkürzung der Karenz für klare Flüssigkeit auf 1 h, für Muttermilch auf 3 h und die frühe postoperative Flüssigkeitsaufnahme mit Evidenzgrad 1B bis 1C. Für Fertigmilch nach 4 h und die kleine, leichte Mahlzeit nach 4 h ist die Evidenz schwächer; die Leitlinie hält die Mahlzeit für gut verträglich, wenn sie klar definiert und kontrolliert wird. Die deutsche S1-Leitlinie hat diese Empfehlungen 2022 übernommen.

Übung 1.1

Übung 1.2

Lektion 2

Klar, Milch, leichte Mahlzeit, und wer davon abweicht

Klare Flüssigkeit

Klar ist, was man durchsehen kann und kein Fett, keine Milch und kein Fruchtfleisch enthält. Nichtkalorische Getränke wie Wasser und Tee verlassen den Magen regelhaft in weniger als einer Stunde. Isoosmolale Getränke (verdünnter Saft, Tee mit Zucker) tun das ebenfalls, wenn die Trinkmenge unter etwa 5 ml/kg liegt; größere Mengen stark kalorischer Getränke können länger brauchen. In den letzten zwei Stunden vor der Einleitung sind deshalb Wasser und verdünnte Säfte zu bevorzugen.

Kleine, leichte Mahlzeit

Die leichte Mahlzeit bis 4 h vor der Einleitung muss klinikintern klar definiert sein; vor der Einleitung wird gefragt, was und wie viel das Kind tatsächlich gegessen hat. Die S1-Leitlinie nennt Beispiele:

Tabelle 2: Beispiele für eine kleine, leichte Mahlzeit 4 h vor der Einleitung (nach S1-Leitlinie 2022)
BeispielMenge
Toastbrot mit Marmelade oder Honig1 Scheibe je 10 kg Körpergewicht, höchstens 3
Getreideflocken mit Milch oder Pudding1 Schale
Brei1 Glas
Joghurt1 Becher
Milch oder Kakao1 Becher
Obst1 Banane oder 1 Apfel

Fettreiche, frittierte oder fleischreiche Mahlzeiten zählen nicht dazu. Kaugummi muss vor der Einleitung ausgespuckt werden; er erhöht das Magensaftvolumen nicht relevant.

Neugeborene und Säuglinge

Muttermilch verlässt den Magen nach etwa 3 h, Fertig- und Kuhmilch nach etwa 4 h. Am besten wird der normale Trinkrhythmus berücksichtigt und die Narkose vor der nächsten Mahlzeit eingeleitet; Säuglinge sollen im OP-Programm früh eingeplant werden.

Vorerkrankungen und Medikamente

Für besondere Gruppen gilt kein eigenes Regelwerk. Für Frühgeborene und für Kinder mit gastroösophagealem Reflux, funktioneller Dyspepsie, Adipositas, angeborenem Herzfehler oder Typ-1-Diabetes sind nach der aktuellen Evidenz keine grundsätzlich anderen Nüchternzeiten erforderlich; die frühere Praxis, diese Kinder länger nüchtern zu lassen, hat keinen Vorteil gezeigt und verschlechtert Kreislauf, Blutzucker und Befinden. Für eine Anpassung wegen Medikamenten fehlt ebenfalls ausreichende Evidenz; bei Kindern unter Opioiden, die die Magenentleerung verzögern, ist die Bedeutung unklar. Sondenkost über Magensonde oder Gastrostoma folgt denselben Regeln wie orale Nahrung, eingeteilt nach Art der Nahrung in klare Flüssigkeit, Milch und Sondenkost.

Messfehler BoxDie Uhr misst nicht den Mageninhalt. Magenentleerungszeiten streuen stark, und in großen Registern traten Aspirationen auch nach regelgerechter Nüchternheit auf, meist bei flacher Narkose mit Husten und Pressen. Ausreichende Narkosetiefe und eine drucklimitierte Maskenbeatmung schützen mindestens so sehr wie die letzte Stunde Karenz.

Übung 2.1

Übung 2.2

Übung 2.3, Rechenaufgabe

Ein gestillter Säugling soll um 13 Uhr eingeleitet werden. Bis wann darf er spätestens Muttermilch trinken, und bis wann klare Flüssigkeit? Geben Sie die volle Uhrzeit an.

Übung 2.4, Rechenaufgabe

Ein Kind wiegt 20 kg. Wie viele Scheiben Toast darf es als leichte Mahlzeit 4 h vor der Einleitung essen, und bis zu welcher Trinkmenge (ml) leert sich isoosmolale klare Flüssigkeit sicher innerhalb einer Stunde (5 ml/kg)?

Lektion 3

Wie sicher ist Trinken bis kurz vor der Narkose?

Aspirationen sind bei elektiven Kindernarkosen so selten, dass randomisierte Studien mit ausreichender Fallzahl praktisch nicht durchführbar sind. Die Evidenz stammt deshalb aus großen Beobachtungsstudien.

Zwei große Untersuchungen haben die Verkürzung der Karenzzeiten gestützt. Die deutsche prospektive Multicenterstudie NiKs mit 12 093 Kindern (2020) fand bei einer Karenz für klare Flüssigkeit von ein bis zwei Stunden keine höhere Aspirationsrate; bemerkenswert war, dass die tatsächlich erreichten Nüchternzeiten dort am kürzesten waren, wo die Kinder bis zum Abruf trinken durften, weil starre Zeitvorgaben in der Praxis regelmäßig überschritten werden. Die prospektive Kohortenstudie EUROFAST an 31 Zentren auf vier Kontinenten wertete 306 900 Narkosen bei Kindern unter 16 Jahren aus (BJA 2025) und verglich drei Karenzregeln für klare Flüssigkeit miteinander. Zusammen mit den Empfehlungen der europäischen Fachgesellschaften stützen sie die Regel, klare Flüssigkeit bis eine Stunde vor der Einleitung zu erlauben.

Bestätigte pulmonale Aspirationen je 10 000 Narkosenmindestens 2 h (Kontrolle)n = 21 8511,83mindestens 1 h (ESAIC)n = 251 0210,96sip til sendn = 34 0281,18Beide liberalen Regeln nicht unterlegen gegenüber 2 h; keine Todesfälle durch Aspiration.Beobachtungsstudie, 31 Zentren, 306 900 Narkosen bei Kindern unter 16 Jahren (BJA 2025).Eigene Darstellung der publizierten Werte; Konfidenzintervalle der Differenzen im Text.
Abbildung 2: Bestätigte pulmonale Aspirationen je 10 000 Narkosen in EUROFAST nach Karenzregel für klare Flüssigkeit. Eigene Darstellung der publizierten Werte
Tabelle 3: Ergebnisse von EUROFAST (Frykholm und Mitarbeiter, BJA 2025)
Regel für klare FlüssigkeitNarkosenBestätigte Aspiration je 10 000Differenz zur 2-h-Regel, 95 % KI je 10 000
mindestens 2 h (Kontrolle)21 8511,83Bezug
mindestens 1 h (ESAIC)251 0210,96−0,34 bis 3,76
sip til send34 0281,18−1,48 bis 3,63

Beide liberalen Regeln waren gegenüber der 2-h-Regel nicht unterlegen, für bestätigte Aspirationen ebenso wie für vorübergehende Regurgitation und für Ereignisse mit Behandlungseskalation oder Intensivaufnahme. Todesfälle durch Aspiration gab es nicht. Unter den Kindern mit Aspiration, die eine Intensivbehandlung brauchten, hatte keines weniger als eine Stunde vorher klare Flüssigkeit getrunken.

Evidence Box, EinordnungEUROFAST ist eine Beobachtungsstudie ohne Randomisierung; die Zentren wählten ihre Regel selbst, Unterschiede in Narkoseführung und Meldeverhalten können das Ergebnis beeinflussen, und die Kontroll- und die sip-til-send-Gruppe erreichten die geplante Größe von je 60 000 Narkosen nicht. Für die 1-h-Regel ist die Datenlage belastbar (ESAIC 2022, NiKs, EUROFAST). „Sip til send“ ist in EUROFAST ebenfalls nicht unterlegen, beruht aber auf kleineren Gruppen. Die Autoren überlassen die Wahl zwischen beiden Strategien den Kliniken. Empfehlung: 6-4-3-1 (ESAIC 2022). „Sip til send“ (6-4-3-0) kommt nur nach ausdrücklicher Festlegung der Klinik in Betracht; bei sehr schnellen Transporten ist darauf zu achten, dass die reale Karenz nicht zu kurz wird.

Übung 3.1

Übung 3.2

Übung 3.3, Rechenaufgabe

Eine Klinik führt jährlich 5 000 Kindernarkosen durch. Wie viele bestätigte Aspirationen pro Jahr wären bei den Raten aus EUROFAST rechnerisch zu erwarten, mit der 1-h-Regel (0,96 je 10 000) und mit der 2-h-Regel (1,83 je 10 000)? Auf eine Nachkommastelle.

Lektion 4

Umsetzung, Magensonographie und nach dem Eingriff

Umsetzung in der Klinik

Ob die kurzen Karenzzeiten im Alltag ankommen, hängt an der Organisation. Die Eltern erhalten beim Vorgespräch schriftliche, präzise Vorgaben mit Uhrzeiten und nicht nur den Satz „ab Mitternacht nüchtern“, der regelmäßig zu zwölf Stunden Karenz führt. Vor der Einleitung wird die tatsächliche letzte Aufnahme erfragt und dokumentiert. Was als klare Flüssigkeit und als leichte Mahlzeit gilt, wird klinikintern definiert, und die Stationen bieten aktiv zu trinken an, statt auf Nachfrage zu warten. Als Organisationsformen haben sich der Trinkstopp auf Anruf aus dem Operationssaal, das Trinken bis zum Abruf und Kartensysteme bewährt; Qualitätsprojekte zeigen, dass sich vor allem die Karenz für klare Flüssigkeit deutlich verkürzen lässt. Neugeborene und Säuglinge profitieren am meisten und werden deshalb früh im Programm eingeplant.

Magensonographie

Bei unklarer Nüchternheit oder vor Notfalleingriffen kann eine Sonographie des Magenantrums erwogen werden, am zuverlässigsten in Rechtsseitenlage und nach festem Protokoll. Qualitative Aussagen (leer oder gefüllt, flüssig oder fest, kleines oder großes Volumen) sind verlässlicher als berechnete Volumina; einen gesicherten Grenzwert für ein unbedenkliches Volumen gibt es nicht. Der Befund hilft bei der Entscheidung für Magensonde und Einleitung als kontrollierte RSI.

Anästhesie Box, nicht nüchternIst ein Kind nicht nüchtern und der Eingriff dringlich, wird die Narkose als kontrollierte Rapid Sequence Induction eingeleitet: ausreichende Narkosetiefe und Relaxierung, sanfte, drucklimitierte Maskenbeatmung bis zur Intubation, Absaugung bereit. Details in der Lerneinheit Aspirationsrisiko und Einleitung bei vollem Magen.

Nach dem Eingriff

Kinder sollen nach Wunsch früh klare Flüssigkeit trinken dürfen, sofern keine chirurgische Kontraindikation besteht. Das verbessert das Wohlbefinden und senkt in Studien Opioidverbrauch, Aufenthaltsdauer im Aufwachraum und Erbrechen. Bei kurzen Eingriffen ohne relevanten Blutverlust und mit kurzen Nüchternzeiten ist jenseits des Neugeborenenalters eine intraoperative Grundinfusion nicht zwingend.

Übung 4.1

Übung 4.2

Lektion 5

Pitfalls, Merksätze und Aufgabenblock

Pitfalls

  • „Ab Mitternacht nüchtern“ anordnen.
  • Muttermilch wie Fertigmilch behandeln (3 h, nicht 4 h).
  • Kakao oder Saft mit Fruchtfleisch als klare Flüssigkeit werten.
  • Kinder mit Reflux oder Diabetes ohne Grund länger nüchtern lassen.
  • Die tatsächliche Nüchternzeit vor der Einleitung nicht erfragen.
  • Nach dem Eingriff Trinken unnötig verbieten.

Merksätze

  • 6-4-3-1: Mahlzeit, leichte Mahlzeit und Milch, Muttermilch, klare Flüssigkeit.
  • Bis 1 h vor der Einleitung zum Trinken ermuntern.
  • Keine Sonderregeln für Frühgeborene, Reflux, Adipositas, Herzfehler, Diabetes Typ 1.
  • EUROFAST: 1 h und sip til send nicht unterlegen gegenüber 2 h; Beobachtungsdaten.
  • Unklar nüchtern: Magensonographie, bei vollem Magen kontrollierte RSI.
  • Nach dem Eingriff: trinken nach Wunsch.

Fälle

Aufgabe 1: OP-Plan verschiebt sich

Gegeben:
5 Jahre, Paukenröhrchen, Einleitung um 9 Uhr geplant. Das Kind hat um 6 Uhr Wasser getrunken. Wegen eines Notfalls verschiebt sich der Eingriff auf 12 Uhr.

Frage:
Was tun Sie mit Blick auf die Nüchternheit?

Lösung

Dem Kind sofort erneut klare Flüssigkeit anbieten und bis 11 Uhr trinken lassen. Wenn der Eingriff sicher nicht vor 12 Uhr beginnt, wäre bis 8 Uhr sogar eine leichte Mahlzeit möglich gewesen; bei einer Verschiebung am frühen Morgen kann die Station das anbieten, wenn die Nüchternzeiten gewahrt bleiben. Ziel ist, dass die reale Nüchternzeit nahe an den Mindestzeiten liegt.

Aufgabe 2: Kakao im Wartebereich

Gegeben:
7 Jahre, Metallentfernung, Einleitung in 90 Minuten. Die Mutter berichtet, das Kind habe vor 30 Minuten einen Becher Kakao getrunken, weil es „nur Flüssigkeit“ sei.

Frage:
Wie gehen Sie vor?

Lösung

Kakao ist keine klare Flüssigkeit, sondern zählt wie Milch (4 h). Bei einem elektiven Eingriff wird die Einleitung auf frühestens 4 h nach dem Kakao verschoben und das Programm umgestellt; bis 1 h vorher darf das Kind klare Flüssigkeit trinken. Der Mutter ohne Vorwurf erklären, warum; die schriftliche Information prüfen, ob sie verständlich war.

Aufgabe 3: Säugling mit Reflux

Gegeben:
4 Monate, gastroösophagealer Reflux, Fertigmilch alle 3 Stunden, Leistenhernie. Die Station möchte ihn „zur Sicherheit“ ab Mitternacht nüchtern lassen.

Frage:
Was empfehlen Sie?

Lösung

Reflux erfordert keine anderen Nüchternzeiten. Fertigmilch bis 4 h, klare Flüssigkeit (zum Beispiel Tee mit Zucker) bis 1 h vor der Einleitung, den Säugling als ersten Patienten einplanen und die Einleitung an den Trinkrhythmus anpassen. Lange Karenz führt bei Säuglingen zu Hypoglykämie, Dehydratation und Blutdruckabfall.

Aufgabenblock abschließen

Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle drei Fälle gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.

Abschlusstest, etwa 10 Minuten

Abschlusstest

Zwölf Fragen, davon zwei Rechenaufgaben. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
6-4-3-1-RegelMindestzeiten in Stunden für Mahlzeit, leichte Mahlzeit und Milch, Muttermilch, klare Flüssigkeit
Sip til sendTrinken klarer Flüssigkeit bis zum Abruf in den OP (6-4-3-0)
Klare FlüssigkeitWasser, Tee mit oder ohne Zucker, verdünnter Fruchtsaft ohne Fruchtfleisch
NiKsdeutsche Beobachtungsstudie zu Nüchternheit und Aspiration bei Kindern (12 093 Kinder)
EUROFASTinternationale Kohortenstudie zu Karenzregeln für klare Flüssigkeit (306 900 Narkosen)
NichtunterlegenheitStudienziel, bei dem eine neue Regel nicht mehr als eine vorher festgelegte Grenze schlechter sein darf

Literatur

  1. Frykholm P, Disma N, Andersson H, et al. Pre-operative fasting in children: a guideline from the European Society of Anaesthesiology and Intensive Care. Eur J Anaesthesiol 2022; 39:4–25.
  2. Sümpelmann R, Beck C, Rudolph D, et al. S1-Leitlinie Perioperative Nüchternzeiten bei Kindern und Jugendlichen. AWMF-Register 001-047. Anästh Intensivmed 2022; 63:320–328.
  3. Frykholm P, Modiri AR, Klaucane A, et al.; EUROFAST Collaborative Group. Impact of liberal preoperative clear fluid fasting regimens on the risk of pulmonary aspiration in children (EUROFAST): an international prospective cohort study. Br J Anaesth 2025; 135:141–147.
  4. Schmitz A, Kuhn F, Hofmann J, et al. Incidence of adverse respiratory events after adjustment of clear fluid fasting recommendations to 1 h: a prospective, observational, multi-institutional cohort study. Br J Anaesth 2024; 132:66–75.

Hintergrund, älter als fünf Jahre

  1. Beck CE, Rudolph D, Mahn C, et al. Impact of clear fluid fasting on pulmonary aspiration in children undergoing general anesthesia: results of the German prospective multicenter observational (NiKs) study. Paediatr Anaesth 2020; 30:892–899.
  2. Andersson H, Zaren B, Frykholm P. Low incidence of pulmonary aspiration in children allowed intake of clear fluids until called to the operating suite. Paediatr Anaesth 2015; 25:770–777.

© 2026 Ulrich Frey. Alle Rechte vorbehalten. Neufassung für das E-Learning, Recherchestand September 2026. Die Inhalte dienen der Aus- und Weiterbildung und ersetzen keine Leitlinie, keine Fachinformation und keine lokalen Standards.