Klare Flüssigkeit
Klar ist, was man durchsehen kann und kein Fett, keine Milch und kein Fruchtfleisch enthält. Nichtkalorische Getränke wie Wasser und Tee verlassen den Magen regelhaft in weniger als einer Stunde. Isoosmolale Getränke (verdünnter Saft, Tee mit Zucker) tun das ebenfalls, wenn die Trinkmenge unter etwa 5 ml/kg liegt; größere Mengen stark kalorischer Getränke können länger brauchen. In den letzten zwei Stunden vor der Einleitung sind deshalb Wasser und verdünnte Säfte zu bevorzugen.
Kleine, leichte Mahlzeit
Die leichte Mahlzeit bis 4 h vor der Einleitung muss klinikintern klar definiert sein; vor der Einleitung wird gefragt, was und wie viel das Kind tatsächlich gegessen hat. Die S1-Leitlinie nennt Beispiele:
Tabelle 2: Beispiele für eine kleine, leichte Mahlzeit 4 h vor der Einleitung (nach S1-Leitlinie 2022)
| Beispiel | Menge |
| Toastbrot mit Marmelade oder Honig | 1 Scheibe je 10 kg Körpergewicht, höchstens 3 |
| Getreideflocken mit Milch oder Pudding | 1 Schale |
| Brei | 1 Glas |
| Joghurt | 1 Becher |
| Milch oder Kakao | 1 Becher |
| Obst | 1 Banane oder 1 Apfel |
Fettreiche, frittierte oder fleischreiche Mahlzeiten zählen nicht dazu. Kaugummi muss vor der Einleitung ausgespuckt werden; er erhöht das Magensaftvolumen nicht relevant.
Neugeborene und Säuglinge
Muttermilch verlässt den Magen nach etwa 3 h, Fertig- und Kuhmilch nach etwa 4 h. Am besten wird der normale Trinkrhythmus berücksichtigt und die Narkose vor der nächsten Mahlzeit eingeleitet; Säuglinge sollen im OP-Programm früh eingeplant werden.
Vorerkrankungen und Medikamente
Für besondere Gruppen gilt kein eigenes Regelwerk. Für Frühgeborene und für Kinder mit gastroösophagealem Reflux, funktioneller Dyspepsie, Adipositas, angeborenem Herzfehler oder Typ-1-Diabetes sind nach der aktuellen Evidenz keine grundsätzlich anderen Nüchternzeiten erforderlich; die frühere Praxis, diese Kinder länger nüchtern zu lassen, hat keinen Vorteil gezeigt und verschlechtert Kreislauf, Blutzucker und Befinden. Für eine Anpassung wegen Medikamenten fehlt ebenfalls ausreichende Evidenz; bei Kindern unter Opioiden, die die Magenentleerung verzögern, ist die Bedeutung unklar. Sondenkost über Magensonde oder Gastrostoma folgt denselben Regeln wie orale Nahrung, eingeteilt nach Art der Nahrung in klare Flüssigkeit, Milch und Sondenkost.
Messfehler BoxDie Uhr misst nicht den Mageninhalt. Magenentleerungszeiten streuen stark, und in großen Registern traten Aspirationen auch nach regelgerechter Nüchternheit auf, meist bei flacher Narkose mit Husten und Pressen. Ausreichende Narkosetiefe und eine drucklimitierte Maskenbeatmung schützen mindestens so sehr wie die letzte Stunde Karenz.