Das Vorgespräch verfolgt fünf Ziele, die sich gegenseitig bedingen. Es soll den Entwicklungs- und Gesundheitszustand erfassen, also Vorerkrankungen, Allergien, Gedeihen, Entwicklungsstand und Kooperationsfähigkeit, denn danach richten sich Verfahren und Vorbereitung. Es soll das Risiko einschätzen und senken, indem beeinflussbare Faktoren wie ein akuter Infekt, ein schlecht eingestelltes Asthma, eine Anämie oder ein kürzlicher Impftermin vor elektiven Eingriffen optimiert werden. Es soll das Verfahren planen und erklären, von den Nüchternzeiten über die Oberflächenanästhesie der Haut vor der Venenpunktion und die medikamentöse Prämedikation bis zur Einleitungsart, zur Schmerztherapie und zum Aufwachraum. Es soll Kind und Eltern psychosozial vorbereiten, damit beide wissen, was sie erwartet. Und es soll Vertrauen zwischen Behandlungsteam, Kind und Familie aufbauen, weil ein Kind, das dem Team vertraut, ruhiger einschläft und weniger Prämedikation braucht.
Rechte von Kindern im Krankenhaus
Die Charta der European Association for Children in Hospital (EACH) fasst in zehn Artikeln zusammen, was für jedes Kind im Krankenhaus gelten soll. Für die Anästhesie sind vor allem diese Punkte praktisch wichtig:
| Grundsatz | Umsetzung im Alltag |
|---|---|
| Stationäre Aufnahme nur, wenn ambulant oder tagesklinisch nicht möglich | ambulante Eingriffe planen, wo Kind und Eingriff es zulassen |
| Recht auf die Anwesenheit einer Bezugsperson | Begleitung bis zur Einleitung und ab dem Aufwachraum ermöglichen |
| Information in altersgerechter und verständlicher Form | Kind direkt ansprechen, Bilder und Ablaufbeschreibungen nutzen |
| Mitentscheidung von Eltern und Kind | Wünsche zur Einleitungsart erfragen und, wo vertretbar, berücksichtigen |
| Schutz vor unnötigen Untersuchungen und Behandlungen | Labor und Bildgebung nur mit Konsequenz |
| Betreuung durch geschultes Personal | kinderanästhesiologische Erfahrung im Team sicherstellen |
| Behandlung mit Takt und Verständnis, Achtung der Intimsphäre | Umkleiden, Lagerung und Gespräche kindgerecht gestalten |
Eltern in das perioperative Konzept einbinden
Die Eltern gehören zur Vorbereitung, und ihre Rolle wird ausdrücklich besprochen. Ihre Sorgen und Ängste werden aktiv erfragt und im Verlauf aufgegriffen, weil Kinder die Anspannung ihrer Eltern übernehmen. Für jede Phase wird verabredet, was gilt: Trennung vor dem Saal oder Begleitung bei der Einleitung, Anwesenheit im Aufwachraum; Kinder werden ruhiger, wenn sie spüren, dass ihre Eltern mit dem Vorgehen einverstanden sind, während eine sichtbar verängstigte Begleitperson den Effekt umkehren kann. Die Eltern werden auf typische Reaktionen nach der Narkose vorbereitet, also Unruhe, Schmerzen, Emergence Delirium und Übelkeit, und es wird erklärt, wer was tut. Die Verhaltensregeln im Aufwachraum werden vorab besprochen, damit dort keine Diskussion entsteht. Und kindgerechte Materialien helfen, am besten klinikeigene Bildergeschichten oder Filme zum Ablauf, weil das Kind sich dann an vertraute Bilder erinnert.