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Wer die beiden Basisblöcke der oberen Extremität sicher beherrscht, kann aus derselben Sonoanatomie weitere Zugänge ableiten. Sie lösen spezielle Probleme: Schulter ohne Phrenikusparese, Klavikula und Skapula, schwierige Gerinnung oder unvollständige Blockaden.
Neufassung für das E-Learning aus Kursunterlagen zur Regionalanästhesie (2024) und aktueller Literatur. Fremde Abbildungen der Vorlage sind durch eigene Schemata und Platzhalter für eigene Aufnahmen ersetzt.
Leitlinienstatus, Registerstand 18.09.2026
001-044 Prävention und Therapie der systemischen Lokalanästhetika-Intoxikation (LAST) (S1, Stand 01/2020, gültig bis 07.01.2025, in Überarbeitung): Gültigkeit abgelaufen. ergänzend ASRA-Checkliste 2020
Abgelaufene Leitlinien bleiben der letzte konsentierte Stand; Aussagen dieser Lerneinheit, die sich darauf stützen, vor der Anwendung mit neueren Studien und der Nachfolgefassung abgleichen. Aktueller Stand: Leitlinienregister.
Lernziele
Phrenikusschonende Alternativen für die Schulter nach Prinzip und Beleg auswählen.
Supraklavikulär mit Rippe als Endpunkt und Doppelinjektion planen.
Kostoklavikulären und paracoracoidalen Zugang unterscheiden und die Kontraindikation gestörte Gerinnung beachten.
Klavikula und Skapula nach ihrer Innervation blockieren.
Einzelnervenblockaden sicher setzen und die Sulci meiden.
Zu dieser Lerneinheit
Sechs Lektionen mit Schulterblock-Wähler, zwei Fälle, Aufgabenblock, Abschlussquiz, Nachschlagen.
Vier eigene Schemata, fünf Platzhalter für Originalaufnahmen.
Schulter ohne Phrenikusparese: Truncus superior, kostoklavikulär, Schulternerven
Wenn eine Zwerchfellparese nicht toleriert wird (COPD, Adipositas, kontralaterale Parese, eingeschränkte Reserve), braucht die Schulter einen anderen Weg. Drei Prinzipien: weiter distal am Plexus blockieren, wo der N. phrenicus sich entfernt, oder die Schulternerven einzeln erfassen.
Tabelle 1: Phrenikusschonende Alternativen zum interskalenären Block
Verfahren
Prinzip
Belege
Beachten
Truncus superior
Injektion am Truncus superior, distal des Abgangs des N. suprascapularis
Zwerchfellparese 4,8 gegen 71,4 % bei gleicher Analgesie (Kim 2019)
N. suprascapularis zieht als erster Ast nach lateral unter den M. omohyoideus; sicher miterfassen
kostoklavikulär
Faszikel unter der Klavikula, alle lateral der Arterie
Zwerchfellparese 0 gegen 100 %, Anschlag 21,6 gegen 14,0 min, n = 44 (Aliste 2019)
Alle Patienten mit intermediärem Zervikalplexusblock; N. suprascapularis unvollständig
N. suprascapularis plus N. axillaris
Schulternerven einzeln, anterior oder posterior
Analgesie in der Frühphase etwas geringer als interskalenär, weniger Atemnebenwirkungen (Hussain 2017)
Haut und vordere Kapsel (N. pectoralis lateralis) fehlen
supraklavikulär
Trunci und Divisionen
Parese seltener als interskalenär, abhängig vom Volumen
N. suprascapularis kann fehlen; Pleura
Aus der Praxis: Truncus superior
Weil N. axillaris, N. suprascapularis und N. pectoralis lateralis aus den Wurzeln C5 und C6 hervorgehen, genügt für Schulteroperationen häufig ein Block des Truncus superior. Gegenüber dem klassischen interskalenären Block hat er den Vorteil, dass er etwas weiter distal und lateral liegt und damit seltener eine vollständige Phrenikusparese verursacht, ohne die Analgesie an der Schulter wesentlich einzubüßen. Der N. suprascapularis ist der erste Abgang des Truncus superior und zieht nach lateral unter den lateralen Bauch des M. omohyoideus; dort lässt er sich auch einzeln blockieren, was bei Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Lungenfunktion eine zwerchfellschonende Alternative eröffnet, meist kombiniert mit einer Blockade des N. axillaris.
Messfehler Box, SchulterInfraklavikuläre Blockaden erfassen die Schulter unvollständig, weil der N. suprascapularis den Plexus oberhalb der Klavikula verlässt, nicht wegen des N. axillaris. Die Aussage „der interskalenäre Block ist obsolet“ ist nicht gedeckt: Er bleibt Basisblock; die Alternativen sind für Patienten mit eingeschränkter Lungenfunktion gedacht.
Schulterblock-Wähler
Lungenfunktion
Narkose
Gerinnung
Vorschlag
Beachten
Höhenzuordnung und Gefahrenräume am Hals
Die Segmentzuordnung erfolgt über die Form des Querfortsatzes. Am sechsten Halswirbel ist das vordere Tuberkel auffällig prominent und wird klinisch als Tuberculum caroticum bezeichnet. Am fünften Halswirbel sind vorderes und hinteres Tuberkel vorhanden, aber deutlich schlanker. Am siebten Halswirbel ist das vordere Tuberkel nur rudimentär angelegt; dafür ist die A. vertebralis davor sichtbar, weil sie erst ab dem sechsten Halswirbel in das Foramen transversarium eintritt und deshalb im klassischen Tuberkelschnitt von C6 durch den Knochenschatten verdeckt bleibt.
Der Ramus ventralis liegt jeweils im Sulcus nervi spinalis zwischen den Tuberkeln.
Der Ramus ventralis aus C5 liegt immer am nächsten an der Fascia praevertebralis. Wird die Zuordnung allein darüber vorgenommen, kann der Ramus ventralis aus C4 aus dem Plexus cervicalis mit C5 verwechselt werden.
Muskelbrücken zwischen M. scalenus anterior und medius sind häufig und behindern die Ausbreitung des Lokalanästhetikums. Seltener findet sich ein M. scalenus minimus, der die A. subclavia vom Plexus trennt und an der ersten Rippe ansetzt.
Messfehler Box, tiefes HalsdreieckMedial des Plexus liegt das Trigonum scalenovertebrale. Erreicht das Lokalanästhetikum den M. longus colli, wird der Grenzstrang erfasst; die Folge ist ein Horner-Syndrom und gegebenenfalls eine Beteiligung von N. laryngeus recurrens und N. vagus. Die räumliche Enge erklärt, warum hohe Volumina, rasche Injektion und hoher Injektionsdruck hier besonders problematisch sind.
Der supraklavikuläre Plexus ist die Fortsetzung des interskalenären Bildes nach kaudal: Trunci und Divisionen liegen dicht gepackt lateral der A. subclavia über der ersten Rippe. Ein Block, der mit kleinem Volumen den ganzen Arm erfassen kann, aber Pleura und A. subclavia liegen im Stichkanal.
Abbildung 1: Supraklavikuläre Blockade mit zwei Injektionen. Eigene schematische Darstellung
Aus der Praxis: supraklavikulär
Beim supraklavikulären Block gelten einige Regeln, die aus der Nähe zur Pleura folgen. Die Rippe wird als knöcherner Endpunkt dargestellt, weil sie einen gewissen Schutz vor einer Pleurapunktion bietet. Die erste Injektion erfolgt in die sogenannte corner pocket zwischen Rippe und Arterie, wo der Truncus inferior liegt, der sonst am häufigsten ausgespart bleibt; die zweite Injektion liegt oberflächlicher. Ein trennendes Septum innerhalb der Plexusscheide ist nicht selten, weshalb zwei Injektionen nötig sind, um alle Anteile zu erreichen. Für Schulteroperationen ist der Abgang des N. suprascapularis zu beachten und seine Blockade gesondert sicherzustellen, weil er den Plexus hier bereits verlassen haben kann. Technisch erleichtert eine 50-mm-Nadel statt einer 80-mm-Nadel die Nadelführung, und ein Katheter wird nur 1 bis 2 cm über die Nadelspitze vorgeschoben, weil er sonst aus der engen Zielregion herausläuft.
Evidence BoxGezielte „intracluster“-Injektionen beschleunigen den Anschlag, lagen in einer Leichenstudie aber in 24 % subperineural (Retter 2019; Kommentar „too close for comfort“, Gadsden 2019). Die Doppelinjektion an corner pocket und oberflächlichem Plexusanteil ist der sicherere Standard (Techasuk 2014).
Originalaufnahme folgtSupraklavikulärer Plexus im Ultraschall
Linearsonde in der Fossa supraclavicularis: A. subclavia, Plexus lateral davon, erste Rippe, Pleura; mit und ohne farbiger Markierung der beiden Injektionsorte.
Bilddatei: bilder/p32-supraklav-sono.jpg
Abbildung 2: Supraklavikulärer Plexus im Ultraschall. Eigene Aufnahme vorgesehen. Vorlage zum Suchen: Hadzic: Peripheral Nerve Blocks and Anatomy for Ultrasound-Guided Regional Anesthesia, 2. Aufl.; Karmakar et al. Reg Anesth Pain Med 2020;45:344–350Abbildung 3: Aufstellung supra- und infraklavikulär links. Eigene Darstellung
Übung 2.1
Übung 2.2
Lektion 3
Infraklavikulär und kostoklavikulär
Infraklavikulär liegen die drei Faszikel um die A. axillaris. Zwei Zugänge haben sich bewährt. Auch wer supraklavikulär oder axillär blockiert, sollte den infraklavikulären Bereich regelmäßig schallen: Das trainiert die dreidimensionale Vorstellung. Punktiert wird in der Regel in-plane.
Abbildung 4: Kostoklavikulärer und paracoracoidaler Zugang. Eigene schematische Darstellung
Die infraklavikulären Zugänge unterscheiden sich vor allem in der Lage der Faszikel zur Arterie. Beim kostoklavikulären Zugang, medial und direkt unter der Klavikula, liegen alle drei Faszikel dicht beieinander auf einer Seite lateral der Arterie; die Zieldarstellung entspricht im Grunde der supraklavikulären, und man muss nicht medial der Arterie injizieren, um den Fasciculus medialis zu erreichen. Punktiert wird von lateral nach medial. Beim klassischen parakorakoidalen Zugang weiter lateral sind die Faszikel um die Arterie verteilt, die Punktion verläuft von kranial nach kaudal und liegt tiefer, was die Nadeldarstellung erschwert. Auch hier findet sich häufig ein Septum, sodass auf beiden Seiten injiziert wird.
Aus der Praxis: infraklavikulär
Für beide periklavikulären Zugänge gilt eine wichtige Einschränkung: Wegen der Nähe zu nicht komprimierbaren Gefäßen, vor allem der A. subclavia und ihrer Äste, sind sie bei pathologischen Gerinnungswerten oder positiver Blutungsanamnese nicht geeignet; der Farbdoppler ist an beiden Orten obligat. Hinzu kommt eine ehrliche Selbsteinschätzung: In der Literatur sehen die Bilder immer gut aus, je nach Habitus gelingen Winkel und Nadeldarstellung aber nicht sicher. Im Zweifel wird der axilläre Block gewählt, der dieselbe Abdeckung erreicht und dessen Punktionsort gut komprimierbar ist.
Evidence Box, RegisterIm deutschen Register hatte der infraklavikuläre Zugang die meisten Katheterinfektionen, der axilläre die meisten Block- und Katheterversagen; insgesamt war keiner eindeutig überlegen (Kubulus 2026).
Originalaufnahme folgtKostoklavikulärer und paracoracoidaler Schnitt im Vergleich
Links kostoklavikulär: M. pectoralis major, A. axillaris, lateraler, posteriorer und medialer Faszikel lateral davon; rechts paracoracoidal: M. pectoralis major und minor, Faszikel um die Arterie. Optional ein Bild mit Septum.
Bilddatei: bilder/p32-kostoklav-sono.jpg
Abbildung 5: Kostoklavikulärer und paracoracoidaler Schnitt im Vergleich. Eigene Aufnahme vorgesehen. Vorlage zum Suchen: Chin KJ. Brachial plexus below the clavicle. In: Jankovic, Peng (Hrsg.) Regional Nerve Blocks in Anesthesia and Pain Therapy, 2022
Zwei infraklavikuläre Positionen und die Rotation der Faszikel
Infraklavikulär sind zwei Anlotungen zu unterscheiden, die sich anatomisch grundlegend unterscheiden. In der medialen, kostoklavikulären Position liegen alle drei Faszikel gebündelt lateral der A. subclavia, im Sagittalschnitt kranial und lateral zur Arterie; die V. subclavia liegt dann lateral und kaudal davon, der M. serratus anterior tief zum Plexus. Diese Position entspricht der ursprünglich beschriebenen vertikalen infraklavikulären Blockade und liegt etwa in der Mitte zwischen Jugulum und dem ventralen Anteil des Akromions. In der weiter lateral gelegenen transpektoral-sagittalen Position haben die Faszikel bereits um die Arterie rotiert und müssen einzeln erreicht werden.
Die kostoklavikuläre Position ist anatomisch zu bevorzugen: Der Plexus liegt oberflächlicher, die Faszikel liegen gebündelt, und es bestehen weniger mechanische Barrieren.
In der transpektoral-sagittalen Position erschweren Artefakte der dorsalen Schallverstärkung und der lateralen Schattenbildung die Abgrenzung der Faszikel zusätzlich.
Zwischenpositionen sind häufig und keiner der beiden Varianten eindeutig zuzuordnen.
Lagerung unter sonographischer Kontrolle
Für die klassische Technik mit Nervenstimulation kann der Arm neutral gelagert bleiben, die Hand auf dem Bauch, sodass motorische Antworten der Finger gut erkennbar sind. Für die ultraschallgestützte Blockade reicht das nicht aus, weil Sonde und vollständige Darstellung des Plexus mehr Platz benötigen. Zwei Maßnahmen sind entscheidend: das Anheben der Schulter und die Abduktion des Arms, jeweils aktiv oder passiv. Beides verlagert das laterale Ende der Klavikula nach kranial, öffnet den Raum nach medial und holt den Plexus aus dem Schallschatten des Schlüsselbeins. Die beste Lagerung wird deshalb nicht nach Schema, sondern unter sonographischer Kontrolle eingestellt.
Sonde, Kanüle und Aufstellung
Lineares Array, das mit ausreichender Energie Strukturen bis etwa 6 cm Tiefe darstellt. Bei schmalen Schultern kann eine Sonde mit kleinerer Auflagefläche den nötigen Raum schaffen.
Die Faszikel werden quer dargestellt; dazu wird die Sonde dem Verlauf des Plexus folgend leicht gedreht und nicht streng sagittal geführt.
Echogene Kanüle 22 Gauge, 50 mm. Der Vorteil gegenüber einer unmodifizierten Kanüle ist bei steilem Einstichwinkel erheblich.
Bildschirm, Punktionsrichtung und Blickachse sollen in einer Linie liegen. Bei Stichrichtung von lateral nach medial steht die punktierende Person auf der ipsilateralen Seite und das Gerät kontralateral; bei Stichrichtung von kranial nach kaudal steht sie am Kopfende und das Gerät ipsilateral.
Messfehler Box, Platzproblem unter der KlavikulaFür die In-plane-Technik in kostoklavikulärer Position muss die Kanüle unmittelbar unter der Klavikula eingebracht werden, während die Sonde nicht bis an den Knochenrand angelotet werden kann. Der Plexus erscheint dann häufig nur am Bildrand, und nur ein Ausschnitt des Bildfelds steht für die Blockade zur Verfügung. Die Out-of-plane-Technik erlaubt hier einen steilen, sondennahen Einstich und nutzt die Schichtdicke zur Darstellung von Spitze und distalem Schaft.
Gefäße in der Fossa infraclavicularis
Die Region ist gefäßreich. Arteriell sind die Abgänge aus A. subclavia und A. axillaris relevant, insbesondere die A. thoracoacromialis mit ihren Verzweigungen sowie die Trunci thyreocervicalis und costocervicalis. Venös münden unter anderem die Vv. pectorales, die V. jugularis externa, die V. dorsalis scapulae und die V. cephalica; die Einmündung der V. cephalica in die V. axillaris verdient besondere Aufmerksamkeit, weil sie in der Punktionsrichtung des lateralen Zugangs liegt. Für die Blockade ist es unerheblich, aus welchem Stamm ein Gefäß genau entspringt. Entscheidend ist, es als Gefäß zu erkennen, um Fehlpunktionen und insbesondere eine intravasale Injektion zu vermeiden. Die Identifikation gelingt auch ohne Farbdoppler durch Verfolgen im Graubild mit Gleitmanövern von medial nach lateral und zurück.
Die Klavikula ist komplex innerviert: Haut und oberes Periost über die Nn. supraclaviculares (C3, C4), Muskeln, Bänder und tiefes Periost über N. axillaris, N. suprascapularis, N. subclavius und die Nn. pectorales (C5 bis C7). Es gibt deshalb mehrere Varianten für ausgeprägte Analgesie oder Anästhesie.
Abbildung 6: Klavikula: Nn. supraclaviculares plus C5/C6 mit einem Einstich. Eigene Darstellung
Aus der Praxis: Klavikula und Zervikalplexus
Der Zervikalplexusblock ist für die Karotischirurgie etabliert; Lokal- und Allgemeinanästhesie erzielten in der GALA-Studie gleichwertige Ergebnisse (GALA 2008). Für Schulteroperationen in reiner Regionalanästhesie wird der Zervikalplexus zumindest teilweise mitblockiert, weil die Haut über der Schulter aus C3 und C4 versorgt wird. Bei Operationen an der Klavikula werden regelhaft nur die Nn. supraclaviculares blockiert: Die übrigen Äste des Zervikalplexus bleiben frei, was den Komfort deutlich erhöht, denn eine komplette Blockade führt zu Beschwerden wie einem tauben Ohr. Technisch wird wie interskalenär dargestellt, aber in-plane von lateral punktiert: zuerst in die Faszie oberhalb des Plexus, deutlich weiter kaudal als beim oberflächlichen Zervikalplexusblock, für die Nn. supraclaviculares, dann durch den M. scalenus medius auf Höhe C5/C6. Ohne ausdrücklichen C7-Block besteht meist volle Schmerzfreiheit. Ohne Allgemeinanästhesie ist auf die Ausbreitung bis C7 zu achten. Mit einer Phrenikusparese ist nahezu regelhaft zu rechnen; Patienten mit Klavikulafraktur sind meist jung und gesund und tolerieren sie gut. Als Alternative bietet sich der Zervikalplexus am Erb-Punkt an, dessen Leitstruktur der N. auricularis magnus an seinem Umschlagpunkt um den lateralen Rand des M. sternocleidomastoideus ist.
Originalaufnahme folgtOberflächlicher und intermediärer Zervikalplexus im Ultraschall
Querschnitt am Hinterrand des M. sternocleidomastoideus auf Höhe C4: Faszienschichten, N. auricularis magnus am Umschlagpunkt, darunter Plexus; zweites Bild mit Nadelweg 1 (Faszie) und 2 (C5/C6) für die Klavikulatechnik.
Bilddatei: bilder/p32-zervikalplexus-sono.jpg
Abbildung 7: Oberflächlicher und intermediärer Zervikalplexus im Ultraschall. Eigene Aufnahme vorgesehen. Vorlage zum Suchen: Seidel R. Cervical plexus block. In: Gray AT (Hrsg.) Atlas of Ultrasound-Guided Regional Anesthesia, 3. Aufl.; Sonawane K et al. Open J Orthop Rheumatol 2021;6:19–29
Übung 4.1
Übung 4.2
Lektion 5
Skapula und Schultergürtel
Osteosynthesen der Skapula sind selten; häufiger sind in der Tumorchirurgie Teilresektionen, Skapulektomien bis zur interskapulothorakalen (forequarter) Amputation. Dann muss neben der Klavikula auch die Skapula abgedeckt sein: Haut (Nn. supraclaviculares, dorsale Äste Th1 bis Th5), Muskeln und Gelenk (N. suprascapularis, N. axillaris, Nn. subscapulares, Nn. pectorales).
Aus der Praxis: Doppelinjektion für die Skapula
Für Eingriffe an der Schulter in reiner Regionalanästhesie werden zwei Injektionen kombiniert. Die erste umfasst den Zervikalplexus zusammen mit einem interskalenären Block mit höherem Volumen, sodass die Wurzeln C5 bis C7 und die Nn. supraclaviculares aus C3 und C4 erfasst sind; die Technik entspricht der bei Klavikulaeingriffen. Die zweite Injektion deckt die dorsale Thoraxwand und die Achselregion ab, entweder als Erector-spinae-plane-Block als Single Shot auf etwa Höhe Th2 oder alternativ als Serratus-anterior-plane-Block.
Die Zielsetzung: möglichst viele der beteiligten Nerven ausreichend blockieren; die passende Kombination richtet sich nach dem Operationsfeld. Die Gesamtdosis beider Injektionen addieren. Technik des ESP-Blocks: wirbelsäulennahe Blockaden.
Originalaufnahme folgtInnervation der Skapula nach Operationsschritt
Tabelle oder Grafik: Hautschnitt (Nn. supraclaviculares, N. cutaneus brachii lateralis superior, Rr. dorsales Th1 bis Th5), oberflächliche Präparation (N. axillaris, N. suprascapularis), tiefe Präparation und Gelenk (zusätzlich Nn. subscapulares, N. pectoralis lateralis), dorsale und ventrale Skapulafläche.
Bilddatei: bilder/p32-skapula-innervation.jpg
Abbildung 8: Innervation der Skapula nach Operationsschritt. Eigene Aufnahme vorgesehen. Vorlage zum Suchen: Sonawane K et al. Regional anesthesia for scapular fracture surgery: an educational review of anatomy and techniques. Reg Anesth Pain Med (online first)
Mit standardisierter Ultraschalltechnik sind Rettungsblockaden nur noch selten nötig. Die Nerven werden wie beim axillären Block nach distal verfolgt und eindeutig identifiziert; blockieren lassen sie sich an jedem Punkt von Ober- und Unterarm.
Aus der Praxis: Einzelnerven
Für die peripheren Blockaden am Oberarm und Unterarm gelten drei praktische Hinweise. Auch mid-humeral ist eine Nervenstimulation möglich, weil das axillär injizierte Lokalanästhetikum proximal des Stimulationsortes bleibt und die Nerven dort noch erregbar sind. Der N. ulnaris und der N. radialis werden nie in ihrem jeweiligen Sulcus blockiert: Dort kann der Nerv der Nadel nicht ausweichen, und die Injektion erzeugt einen hohen Druck auf den Nerv innerhalb eines engen knöchernen Kanals, was Schädigungen begünstigt. Distal am Unterarm führt die Blockade des R. superficialis des N. radialis zu keiner, die des N. ulnaris nur zu geringer motorischer Einschränkung. Soll die Motorik weitgehend erhalten bleiben, wird der N. medianus besser am Handgelenk blockiert, wohin er sich sonographisch gut verfolgen lässt.
Tabelle 2: Einzelnervenblockaden am Unterarm
Nerv
Ort
Leitstruktur
Motorik
N. radialis superficialis
distaler Unterarm, radial
A. radialis, Radius
keine
N. medianus
mittlerer bis distaler Unterarm oder Handgelenk
zwischen oberflächlichen und tiefen Fingerbeugern
Thenar, am Handgelenk gering
N. ulnaris
mittlerer bis distaler Unterarm
A. ulnaris, Sehne des M. flexor carpi ulnaris
gering (Hypothenar, Mm. interossei)
Evidence Box, FingerAdrenalin in niedriger Konzentration bei Fingerblockaden: Ein Cochrane-Review fand in den eingeschlossenen Studien keine digitale Ischämie, bewertete die Evidenz aber als unzureichend für eine sichere Aussage (Prabhakar 2015). Die alte Regel „kein Adrenalin an Endstrombahnen“ ist damit relativiert: In einer großen prospektiven Serie traten nach Lidocain mit Adrenalin an Fingern keine Nekrosen auf (Lalonde 2005); bei Durchblutungsstörungen wird weiter darauf verzichtet.
Originalaufnahme folgtN. radialis superficialis, N. medianus und N. ulnaris am Unterarm
Drei Querschnitte mit Nadel in-plane und Sondenposition: N. radialis superficialis neben der A. radialis über dem Radius, N. medianus zwischen den Fingerbeugern, N. ulnaris neben der A. ulnaris.
Bilddatei: bilder/p32-unterarm-sono.jpg
Abbildung 9: N. radialis superficialis, N. medianus und N. ulnaris am Unterarm. Eigene Aufnahme vorgesehen. Vorlage zum Suchen: Gray AT. Atlas of Ultrasound-Guided Regional Anesthesia, 3. Aufl., Kapitel 36 bis 38
Übung 6.1
Lektion 7
Fälle, Merksätze und Aufgaben
Fall 1: Klavikulafraktur
Junger, gesunder Patient, Plattenosteosynthese der Klavikula in Allgemeinanästhesie.
Fall 1
Fall 2: Schlechte Sicht
BMI 41, Ellenbogenoperation; infraklavikulär gelingt keine sichere Nadeldarstellung.
Fall 2
Merksätze
Weiter distal am Plexus heißt seltener Phrenikusparese, aber die Schulter braucht den N. suprascapularis.
Supraklavikulär: Rippe als Endpunkt, corner pocket plus oberflächlich.
Kostoklavikulär: alle Faszikel lateral der Arterie.
Periklavikulär nicht bei gestörter Gerinnung; im Zweifel axillär.
Klavikula: Nn. supraclaviculares plus C5/C6, Phrenikus fast immer.
Skapula: Zervikalplexus plus interskalenär und ESP auf Th2.
Kein interskalenärer Block mit Standardvolumen. Truncus superior oder kostoklavikulär mit kleinem Volumen oder N. suprascapularis plus N. axillaris; keine Methode schließt eine Parese sicher aus. Aufklärung, Lungenfunktion vorher, Überwachung und Plan für eine respiratorische Verschlechterung.
Doppelinjektion: Zervikalplexus plus interskalenär (C3 bis C7 inklusive Nn. supraclaviculares) und ESP auf etwa Th2 oder Serratus-anterior-plane; Katheter interskalenär oder als ESP-Katheter je nach Operationsfeld; Gesamtdosis addieren.
Aufgabe 3: Rettungsblock
Gegeben: Nach axillärem Block ist der Daumenballen nicht taub.
Frage: Wo ergänzen Sie, und was vermeiden Sie?
Lösung
N. medianus nach distal verfolgen und am mittleren Oberarm oder Unterarm gezielt ergänzen, Stimulation möglich (Lokalanästhetikum liegt proximal). Gesamtdosis beachten. Nicht in Sulci injizieren.
Aufgabenblock abschließen
Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle drei Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.
Abschlussquiz, etwa 12 Minuten
Abschlussquiz
Zwölf Fragen. Bestanden ab 80 %.
Zum Nachschlagen
Begriffe und Literatur
Begriff
Bedeutung
STB
Truncus-superior-Block
CCB
kostoklavikulärer Block
SSNB
Block des N. suprascapularis
corner pocket
Winkel zwischen erster Rippe und A. subclavia
Erb-Punkt
Austritt der Hautäste des Zervikalplexus am Hinterrand des M. sternocleidomastoideus
forequarter amputation
interskapulothorakale Amputation
Literatur
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