Allgemeinanästhesie, Pharmakologie vertieft · Stufe WBJ 1

Pharmakokinetik rechnen: Verteilungsvolumen, Clearance und Halbwertszeit

Die Formeln sind kurz, die Fehler stecken in den Einheiten: Wer Milligramm, Minuten und Prozent sicher umrechnet, dosiert sicherer.

Lernziele
  • Prozentangaben, Verdünnungen, µg und mg sowie Minuten und Stunden fehlerfrei ineinander umrechnen.
  • Eliminationskonstante und Halbwertszeit aus Verteilungsvolumen und Clearance berechnen und Kinetik erster und nullter Ordnung unterscheiden.
  • Aufsättigungs- und Erhaltungsdosis unter Berücksichtigung der Bioverfügbarkeit berechnen und gewichtsbezogene Dosen in Pumpenraten übertragen.
  • Hepatische Clearance aus Blutfluss und Extraktion berechnen und fluss- von kapazitätslimitierter Elimination abgrenzen.
  • Kontextsensitive Halbwertszeit, ke0 und TCI-Modelle rechnerisch einordnen und erklären, warum die TCI-Anzeige berechnet ist.
  • Gesamt-, Ideal-, Mager- und angepasstes Gewicht berechnen und je Wirkstoff und Phase die passende Bezugsgröße wählen.
  • Die Resorption von Lokalanästhetika nach Injektionsort einordnen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Sechs Lektionen mit Ein-Kompartiment-Simulator, Gewichtsrechner, fünf Rechenaufgaben und sechs Übungen, danach ein klinischer Fall mit drei Fragen, Aufgaben und ein Abschlussquiz. Alle Zahlenbeispiele sind Rechenbeispiele, keine Dosierungsempfehlungen.
  2. Setzt Pharmakokinetik, Pharmakodynamik und TCI voraus und vertieft sie rechnerisch; pharmakodynamische Grundlagen in Pharmakodynamik.
  3. Verwandt: Pharmakologie zentraler Anästhetika und Analgetika und Neuromuskuläre Blockade.

Lektion 1

Einheiten, Prozent und Verdünnungen

Die Formeln der Pharmakokinetik sind kurz. Fehler entstehen selten in der Formel, fast immer in den Einheiten: Mikrogramm statt Milligramm, Minute statt Stunde, Prozent statt Milligramm pro Milliliter. Ein Faktor 1000 oder 60 verschwindet im Kopf leicht und wird am Patienten zur Überdosis. Diese Lerneinheit ist deshalb als Rechentraining angelegt. Die Begriffe selbst, das Tankmodell der Kompartimente, die kontextsensitive Halbwertszeit und die Effektortsteuerung sind in Pharmakokinetik, Pharmakodynamik und TCI eingeführt und werden hier nur so weit wiederholt, wie es das Rechnen erfordert. Alle Zahlenbeispiele sind als Rechenbeispiel gekennzeichnet; sie erläutern Einheiten und Zusammenhänge und sind keine Dosierungsempfehlung.

Drei Regeln für jede Rechnung

Erstens: Einheiten immer mitschreiben und wie Zahlen kürzen. Wer „mg/l mal l/h“ schreibt, sieht sofort, dass mg/h herauskommt. Zweitens: vor dem Rechnen alles auf dieselbe Basis bringen, am besten Milligramm, Liter und Stunde, und erst am Ende in die gewünschte Ausgabe umrechnen. Drittens: das Ergebnis gegen eine bekannte Größenordnung prüfen. Eine Noradrenalinspritze mit 40 ml/h, eine Remifentanilrate von 8 mg/h oder eine Lokalanästhetikamenge, die ein ganzes Fläschchen übersteigt, sind Warnsignale, bevor irgendetwas infundiert wird.

Prozent, Promille und Verdünnungsangaben

Konzentrationsangaben in Prozent bedeuten bei Lösungen Gramm pro 100 ml. 1 % entspricht also 1 g in 100 ml, das sind 10 mg/ml. Lidocain 2 % enthält 20 mg/ml, Ropivacain 0,75 % 7,5 mg/ml, Bupivacain 0,5 % 5 mg/ml. Verdünnungsangaben wie 1:200 000 bei Adrenalinzusatz bedeuten 1 g in 200 000 ml, also 5 µg/ml; 1:100 000 entspricht 10 µg/ml und 1:1000 entspricht 1 mg/ml, der Konzentration der unverdünnten Adrenalinampulle. Die Umrechnung über „ein Gramm in so vielen Millilitern“ ist sicherer als jede Merkzahl, weil sie sich jederzeit neu herleiten lässt.

Tabelle 1: Umrechnungen, die in der Anästhesie täglich gebraucht werden
AngabeBedeutungUmrechnungBeispiel
1 %1 g in 100 ml10 mg/mlLidocain 1 %, 10 ml enthalten 100 mg
1:10001 g in 1000 ml1 mg/mlAdrenalinampulle, unverdünnt
1:200 0001 g in 200 000 ml5 µg/mlAdrenalinzusatz zu Lokalanästhetika
1 mg1000 µgFaktor 10000,1 mg Fentanyl = 100 µg
1 µg/kg/min60 µg/kg/hFaktor 600,1 µg/kg/min bei 80 kg = 480 µg/h = 0,48 mg/h
1 l/hetwa 16,7 ml/minFaktor 60 und 1000Clearance 20 l/h = etwa 333 ml/min

Häufige Einheitenfehler

Drei Fehler kehren in Prüfungen und in Zwischenfallberichten immer wieder. Der Faktor 1000 zwischen Mikrogramm und Milligramm wird verwechselt, typischerweise bei Opioiden und Katecholaminen, deren Dosen in µg angegeben werden, die aber in mg aufgezogen werden. Der Faktor 60 zwischen Minute und Stunde wird vergessen, wenn eine Dosis in µg/kg/min auf eine Pumpe mit ml/h übertragen wird. Und eine Prozentangabe wird als Milligramm pro Milliliter gelesen, sodass sich die berechnete Menge um den Faktor 10 verschiebt. Ein einfacher Schutz ist die Gegenrechnung in die andere Richtung: Aus der berechneten Pumpenrate wird die Dosis pro Kilogramm und Minute zurückgerechnet und mit der Verordnung verglichen.

Übung 1.2, Rechenaufgabe

Rechenbeispiel: Für eine Infiltration werden 20 ml Lidocain 1 % mit Adrenalin 1:200 000 aufgezogen. Wie viele Milligramm Lidocain enthält die Spritze, und wie viele Mikrogramm Adrenalin enthält ein Milliliter?

Übung 1.1

Lektion 2

Verteilungsvolumen, Clearance, Halbwertszeit und Kinetikordnung

Das Ein-Kompartiment-Modell stellt den Körper als einen einzigen, gut durchmischten Behälter dar. Es ist für die meisten Anästhetika zu einfach, aber es enthält alle Grundgrößen, und an ihm lässt sich jede Einheit prüfen. Das Verteilungsvolumen V ist das Volumen, das nötig wäre, um die Menge im Körper bei der gemessenen Plasmakonzentration aufzunehmen: V gleich Menge geteilt durch Konzentration. Es ist ein Rechenvolumen und kann bei lipophilen Stoffen ein Vielfaches des Körperwassers betragen. Die Clearance Cl ist das Plasmavolumen, das pro Zeit vollständig vom Wirkstoff befreit wird, mit der Einheit Volumen pro Zeit. Aus beiden ergibt sich die Eliminationskonstante k gleich Cl durch V, mit der Einheit 1 pro Zeit, und die Halbwertszeit t½ gleich ln 2 durch k, also 0,693 mal V durch Cl.

Die Halbwertszeit ist damit keine eigenständige Eigenschaft, sondern eine abgeleitete Größe. Sie wird länger, wenn das Verteilungsvolumen wächst, etwa bei Adipositas für lipophile Stoffe oder bei Ödemen für hydrophile, und wenn die Clearance sinkt, etwa bei Leber- oder Niereninsuffizienz. Umgekehrt kann eine unveränderte Halbwertszeit eine gleichzeitig gestiegene Clearance und ein gestiegenes Volumen verbergen. Für Dosierungsentscheidungen sind deshalb Volumen und Clearance die eigentlichen Stellgrößen: Das Volumen bestimmt die Aufsättigung, die Clearance die Erhaltung.

Kinetik erster und nullter Ordnung

Bei Kinetik erster Ordnung wird pro Zeit ein konstanter Anteil der vorhandenen Menge eliminiert. Die Konzentration fällt exponentiell, auf halblogarithmischem Papier als Gerade, und nach jeder Halbwertszeit ist die Hälfte übrig: nach drei Halbwertszeiten 12,5 %, nach fünf gut 3 %. Die meisten Wirkstoffe in therapeutischer Dosis verhalten sich so, weil die abbauenden Enzyme weit unterhalb ihrer Sättigung arbeiten. Bei Kinetik nullter Ordnung wird pro Zeit eine konstante Menge eliminiert, weil das Enzym gesättigt ist. Die Konzentration fällt linear, und eine Halbwertszeit existiert nicht, weil die Zeit bis zur Halbierung von der Ausgangskonzentration abhängt. Ethanol ist das klassische Beispiel; Phenytoin und hochdosierte Salicylate gehen im oberen therapeutischen Bereich in eine Sättigungskinetik über, sodass kleine Dosissteigerungen unverhältnismäßig hohe Spiegel erzeugen (Lehrbuchwissen). Bei Sättigung versagen alle Formeln dieser Lerneinheit, die Linearität voraussetzen.

Bolus, Infusion und Gleichgewicht

Nach einem Bolus D beträgt die Anfangskonzentration D durch V; danach fällt sie mit k. Eine Dauerinfusion mit der Rate R erreicht im Gleichgewicht die Konzentration R durch Cl, unabhängig vom Volumen. Das Volumen bestimmt nur, wie lange es dauert: Nach einer Halbwertszeit sind 50 % des Gleichgewichts erreicht, nach 3,3 Halbwertszeiten 90 %, nach fünf knapp 97 %. Ein Wirkstoff mit langer Halbwertszeit braucht deshalb ohne Aufsättigung Stunden bis Tage bis zum Ziel. Der Simulator verbindet beide Anteile. Die Voreinstellung entspricht dem Rechenbeispiel aus Lektion 3: Volumen 40 l, Clearance 20 l/h, Zielkonzentration 2 mg/l, Bolus 80 mg, Infusion 40 mg/h. Die Linie bleibt dann waagerecht. Verändern Sie nur die Clearance oder nur das Volumen und beobachten Sie, welche Größe sich verschiebt.

Ein-Kompartiment-Simulator

Modell: ein gut durchmischtes Kompartiment, Kinetik erster Ordnung, Bolus zum Zeitpunkt null und gleichzeitig begonnene Dauerinfusion. Keine Umverteilung, keine Sättigung, keine Wirkortverzögerung. Lernhilfe, keine Dosierungsgrundlage.

Eliminationskonstante k
Halbwertszeit
Anfangskonzentration
Gleichgewicht der Infusion
90 % des Gleichgewichts nach

Übung 2.2, Rechenaufgabe

Rechenbeispiel: Ein Wirkstoff hat ein Verteilungsvolumen von 40 l und eine Clearance von 20 l/h. Berechnen Sie die Eliminationskonstante in 1/h und die Halbwertszeit in Minuten (ganze Zahl).

Übung 2.1

Lektion 3

Aufsättigung, Erhaltung, Bioverfügbarkeit und Pumpenraten

Aus Volumen und Clearance folgen die beiden wichtigsten Dosierungsformeln. Die Aufsättigungsdosis bringt die Plasmakonzentration sofort auf das Ziel: Zielkonzentration mal Verteilungsvolumen, geteilt durch die Bioverfügbarkeit F. Die Erhaltungsrate hält das Ziel im Gleichgewicht: Zielkonzentration mal Clearance, geteilt durch F. Für intravenöse Gabe ist F gleich 1. Rechenbeispiel: Bei einem Ziel von 2 mg/l und einem Volumen von 40 l ergibt sich eine modellhafte Aufsättigung von 80 mg; bei einer Clearance von 20 l/h eine Erhaltungsrate von 40 mg/h. Das Beispiel erläutert Einheiten, es ist keine Dosierungsempfehlung für ein bestimmtes Medikament.

Für Anästhetika mit mehreren Kompartimenten stimmt die erste Formel nur grob. Welches Volumen in die Aufsättigung gehört, hängt davon ab, welches Ziel gemeint ist: Für eine rasche Wirkung zählt das kleine zentrale Volumen, für einen stabilen Spiegel nach Stunden das große Verteilungsvolumen im Gleichgewicht. Deshalb verlangen Einleitungsdosen eine andere Bezugsgröße als Erhaltungsraten, ein Punkt, der in Lektion 6 bei der Adipositas wiederkehrt.

Bioverfügbarkeit

Die Bioverfügbarkeit F ist der Anteil einer Dosis, der unverändert den großen Kreislauf erreicht. Nach oraler Gabe verringern ihn unvollständige Resorption und der First-Pass-Metabolismus in Darmwand und Leber. Die Umrechnung zwischen oraler und intravenöser Gabe folgt deshalb aus dem Verhältnis der Bioverfügbarkeiten, nicht aus einer festen Faustregel. Sublinguale, transdermale und nasale Wege umgehen den First-Pass-Effekt teilweise, haben aber eigene Verzögerungen und Depots. Ein Pflaster mit einem lipophilen Opioid lädt die Haut als Speicher, sodass die Konzentration nach dem Entfernen noch lange weiterläuft (Lehrbuchwissen).

Von µg/kg/min zur Pumpenrate

Die häufigste Rechnung im Saal ist die Übertragung einer gewichtsbezogenen Dosis auf eine Spritzenpumpe. Der sichere Weg hat vier Schritte: Dosis pro Minute berechnen (µg/kg/min mal kg), in Dosis pro Stunde umrechnen (mal 60), in dieselbe Masseneinheit wie die Spritze bringen (durch 1000 von µg zu mg) und durch die Konzentration der Spritze teilen. Rechenbeispiel: 0,1 µg/kg/min bei 80 kg ergeben 8 µg/min, 480 µg/h oder 0,48 mg/h; bei einer Spritze mit 5 mg in 50 ml, also 0,1 mg/ml, sind das 4,8 ml/h. Wer die Division durch 1000 vergisst, landet bei 4800 ml/h, wer die Multiplikation mit 60 vergisst, bei 0,08 ml/h. Beide Fehler sind so groß, dass eine Plausibilitätsprüfung sie abfängt, wenn sie denn stattfindet.

Tabelle 2: Formeln des Rechentrainings (lineare Kinetik)
GrößeFormelEinheitBemerkung
VerteilungsvolumenV = Menge / Cl oder l/kgRechenvolumen, nicht anatomisch
Eliminationskonstantek = Cl / V1/h oder 1/minAnteil, der pro Zeit eliminiert wird
Halbwertszeitt½ = 0,693 · V / Clh oder minabgeleitete Größe
AufsättigungLD = CZiel · V / Fmgmehrkompartimentell nur grob
ErhaltungsrateR = CZiel · Cl / Fmg/hgilt im Gleichgewicht
GleichgewichtCss = R / Clmg/lnach etwa 3,3 t½ zu 90 % erreicht
Hepatische ClearanceClH = QH · El/minLektion 4
Idealgewicht nach DevineMänner 50 kg, Frauen 45,5 kg, plus 0,91 kg je cm über 152,4 cmkgLektion 6

Übung 3.2, Rechenaufgabe

Rechenbeispiel: Verordnet sind 0,1 µg/kg/min Noradrenalin bei 80 kg. Die Spritze enthält 5 mg in 50 ml. Berechnen Sie die Dosis in mg/h und die Pumpenrate in ml/h.

Übung 3.1

Lektion 4

Hepatische Extraktion, renale Clearance und Organinsuffizienz

Die Gesamtclearance ist die Summe der Clearances aller Organe, vor allem von Leber und Niere. Für beide gibt es einfache Modelle, die erklären, warum dieselbe Organerkrankung manche Wirkstoffe stark und andere kaum beeinflusst.

Hepatische Clearance und Extraktion

Die hepatische Clearance ist das Produkt aus Leberblutfluss QH und Extraktionsverhältnis E, dem Anteil des Wirkstoffs, den die Leber bei einer Passage entfernt. Beim gesunden Erwachsenen beträgt der Leberblutfluss etwa 1,5 l/min (Lehrbuchwissen). Nach dem gut durchmischten Lebermodell hängt E von drei Größen ab: dem Blutfluss, der freien Fraktion fu und der intrinsischen Clearance der Enzyme, CLint. Es gilt E gleich fu mal CLint geteilt durch QH plus fu mal CLint. Daraus ergeben sich zwei Grenzfälle.

Bei hoher Extraktion, E über etwa 0,7, arbeitet die Leber schneller, als Blut herangeführt wird. Die Clearance ist flusslimitiert und folgt nahezu linear dem Leberblutfluss; Enzymhemmung oder Änderungen der Proteinbindung verändern sie kaum. Propofol, Lidocain, Morphin und Fentanyl werden zu dieser Gruppe gezählt (Lehrbuchwissen). Alles, was den Leberblutfluss senkt, verlangsamt deshalb ihren Abbau: niedriges Herzzeitvolumen, Blutdruckabfall unter Allgemeinanästhesie, Vasopressoren, Pneumoperitoneum und hohes Alter. Bei niedriger Extraktion, E unter etwa 0,3, ist die Leber der Engpass. Die Clearance ist kapazitätslimitiert, nahezu unabhängig vom Blutfluss und empfindlich gegenüber Enzymhemmung, Enzyminduktion und Änderungen der freien Fraktion. Ein weiterer Unterschied betrifft die orale Gabe: Wirkstoffe mit hoher Extraktion haben einen großen First-Pass-Effekt und damit eine geringe orale Bioverfügbarkeit.

0120,51,01,52,02,5Leberblutfluss in l/minhepatische Clearance in l/minhohe Extraktion: folgt dem Flussniedrige Extraktion: flussunabhängig
Abbildung 1: Hepatische Clearance nach dem gut durchmischten Lebermodell für einen Wirkstoff mit hoher intrinsischer Clearance (blau) und einen mit niedriger (orange). Schema mit didaktischen Parametern. Eigene Darstellung

Renale Clearance

Die renale Clearance ergibt sich aus glomerulärer Filtration der freien Fraktion, tubulärer Sekretion und tubulärer Rückresorption. Ein Wirkstoff, der nur filtriert wird, hat höchstens eine Clearance von freier Fraktion mal glomerulärer Filtrationsrate. Für die Anästhesie sind weniger die Ausgangssubstanzen als ihre aktiven Metaboliten bedeutsam: Morphin-6-Glucuronid und Morphin-3-Glucuronid reichern sich bei Niereninsuffizienz an, ebenso der Pethidinmetabolit Norpethidin; Rocuronium wird zum Teil renal ausgeschieden und wirkt dann länger. Remifentanil, Cisatracurium und Esmolol werden organunabhängig abgebaut und behalten ihre Kinetik (Lehrbuchwissen, ausführlich in Pharmakokinetik, Pharmakodynamik und TCI).

Alter und Organinsuffizienz im Rechenmodell

Im Rechenmodell lassen sich Alter und Organerkrankung als Änderungen von Volumen und Clearance übersetzen. Mit dem Alter sinken das zentrale Volumen, der Leberblutfluss und die glomeruläre Filtrationsrate, während der Fettanteil steigt; lipophile Stoffe verteilen sich in ein größeres Volumen und werden langsamer eliminiert, ihre Halbwertszeit wird dadurch doppelt verlängert. Zugleich reagiert das Gehirn empfindlicher, was eine pharmakodynamische und keine kinetische Änderung ist, siehe Pharmakodynamik. Bei Leberzirrhose sinken intrinsische Clearance und Leberblutfluss, Aszites vergrößert das Volumen hydrophiler Stoffe, und ein niedriges Albumin erhöht die freie Fraktion. Die Richtung jedes einzelnen Effekts lässt sich mit den Formeln dieser Lektion vorhersagen; das Ausmaß im Einzelfall nicht, weshalb auch hier nach Wirkung titriert wird.

Übung 4.2, Rechenaufgabe

Rechenbeispiel: Ein Wirkstoff hat ein Extraktionsverhältnis von 0,9. Der Leberblutfluss beträgt 1,5 l/min. Berechnen Sie die hepatische Clearance in l/min und in l/h.

Übung 4.1

Lektion 5

Mehrkompartimentmodelle, ke0 und TCI

Die Anästhetika verteilen sich in mehrere Räume mit unterschiedlicher Durchblutung. Drei-Kompartiment-Modelle beschreiben das mit einem zentralen Volumen V1, einem schnellen und einem langsamen peripheren Kompartiment sowie den Geschwindigkeitskonstanten k12, k21, k13, k31 und k10.1 Das Tankmodell dazu steht in Pharmakokinetik, Pharmakodynamik und TCI. Für das Rechnen sind drei Folgerungen wichtig.

Kontextsensitive Halbwertszeit

Die terminale Eliminationshalbwertszeit beschreibt nur die letzte, langsamste Phase. Wie schnell die Konzentration nach einer Infusion fällt, hängt von ihrer Dauer ab, weil die peripheren Speicher sich füllen und danach Wirkstoff zurückliefern. Die Zeit bis zum Abfall auf die Hälfte nach dem Ende einer Infusion bestimmter Dauer heißt kontextsensitive Halbwertszeit; sie wurde 1992 aus Kompartimentmodellen für die gebräuchlichen intravenösen Anästhetika abgeleitet und unterscheidet sich zwischen den Stoffen erheblich, obwohl ihre terminalen Halbwertszeiten dies nicht vermuten lassen.2 Für das Aufwachen ist oft nicht die Halbierung, sondern ein stärkerer Abfall nötig. Im Ein-Kompartiment-Modell gibt es diesen Unterschied nicht; die Halbwertszeit ist dort immer dieselbe, und genau das macht es für lange Infusionen ungeeignet.

Effektkompartiment und ke0

Die Wirkung folgt dem Plasma mit Verzögerung. Das Effektkompartiment wird mit der Geschwindigkeitskonstante ke0 an das Plasma gekoppelt; die Halbwertszeit des Ausgleichs ist 0,693 durch ke0. Welche ke0 ein Modell verwendet, verändert die Steuerung erheblich. Für das Marsh-Modell war ursprünglich eine ke0 von 0,26/min angegeben, in manchen Pumpen wurde sie später auf 1,2/min erhöht.1 Rechenbeispiel: 0,693 durch 0,26/min ergibt eine Ausgleichshalbwertszeit von etwa 2,7 min, 0,693 durch 1,2/min etwa 0,6 min. Dieselbe Zielkonzentration am Effektort führt deshalb je nach ke0 zu sehr unterschiedlichen Anfangsboli.

TCI: berechnet, nicht gemessen

Eine TCI-Pumpe zeigt eine Konzentration an, die aus Modell und Patientendaten berechnet ist. Gemessen wird nichts. Wie gut die Berechnung passt, hängt davon ab, ob der Patient der Population ähnelt, aus der das Modell stammt. Das Marsh-Modell verwendet nur das Körpergewicht als Kovariate. Das Schnider-Modell berücksichtigt Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht und daraus die Magermasse nach James; diese Formel liefert oberhalb eines BMI von etwa 42 kg/m² bei Männern und 37 kg/m² bei Frauen paradox fallende Werte, weshalb viele Pumpen höhere Werte nicht zulassen. Das Eleveld-Modell wurde aus 30 pharmakokinetischen und fünf pharmakodynamischen Studien mit 1033 Personen im Alter von 0,5 bis 88 Jahren und mit 0,68 bis 160 kg entwickelt; seine systematische Abweichung lag bei Kindern, Erwachsenen und Adipösen unter 20 %, bei Älteren bei 27 %.1, 3 Auch ein gutes Modell weicht im Einzelfall ab. Die Anzeige ist deshalb eine Rechengröße zur Steuerung und wird an der klinischen Wirkung und, wo verfügbar, am prozessierten EEG geprüft.

Tabelle 3: Propofolmodelle für die TCI (nach Bidkar 2024 und Eleveld 2018)
ModellKovariatenGrundlageGrenze
MarshGewichtzentrales Volumen proportional zum Gewichthohe Anfangsdosen bei Adipositas, ohne Alterseffekt
SchniderAlter, Geschlecht, Größe, Gewicht, Magermasse nach James24 Probanden, arterielle ProbenJames-Formel paradox bei hohem BMI
EleveldAlter, Geschlecht, Größe, Gewicht, fettfreie Masse, Begleitmedikation1033 Personen aus 30 PK- und 5 PD-Studienbei Älteren größere Abweichung (27 %)

Übung 5.1

Lektion 6

Dosierungsgewichte bei Adipositas und Resorption von Lokalanästhetika

Fachinformationen geben Dosen meist pro Kilogramm an und meinen dabei stillschweigend normalgewichtige Erwachsene. Bei Adipositas, im Alter und bei Kachexie muss bewusst gewählt werden, auf welche Bezugsgröße sich das Kilogramm bezieht. Vier Gewichte stehen zur Wahl. Das Gesamtgewicht ist das gemessene Gewicht. Das Idealgewicht nach Devine hängt nur von Größe und Geschlecht ab. Die Magermasse (fettfreie Masse) wird nach Janmahasatian aus Gewicht und BMI geschätzt: bei Männern 9270 mal Gewicht geteilt durch 6680 plus 216 mal BMI, bei Frauen 9270 mal Gewicht geteilt durch 8780 plus 244 mal BMI.4 Das angepasste Gewicht ist das Idealgewicht plus 40 % der Differenz zum Gesamtgewicht (Lehrbuchwissen). Anders als die ältere Formel nach James steigt die Magermasse nach Janmahasatian auch bei ausgeprägter Adipositas plausibel weiter an.

Welches Gewicht für welchen Wirkstoff und welche Phase?

Die Antwort folgt aus der Kinetik. Eine Einleitungsdosis soll das zentrale Kompartiment füllen; dessen Größe und das Herzzeitvolumen wachsen bei Adipositas eher mit der Magermasse als mit dem Gesamtgewicht. Eine Erhaltungsrate richtet sich nach der Clearance, die für manche Stoffe mit dem Gesamtgewicht steigt. Hydrophile Stoffe verteilen sich wenig ins Fett. Daraus ergeben sich die Bezugsgrößen der Übersichtsarbeit von Ingrande und Lemmens: Propofol zur Einleitung nach Magermasse, zur Erhaltung nach Gesamtgewicht; Fentanyl, Sufentanil und Remifentanil nach Magermasse; Succinylcholin nach Gesamtgewicht; Rocuronium und Vecuronium nach Idealgewicht.5 Neuere Modelle wie das Propofolmodell nach Eleveld und die Modelle für Remifentanil und Remimazolam, die adipöse Personen einschließen, bilden diese Zusammenhänge direkt ab; eine aktuelle Übersicht hält Simulationen oder TCI mit solchen Modellen bei schwerer Adipositas für entscheidend, um Unterdosierung mit Wachheit ebenso zu vermeiden wie Überdosierung mit verzögertem Erwachen.6

Für Sugammadex nennt die Fachinformation das tatsächliche Körpergewicht. Eine randomisierte Studie mit 188 behandelten Patienten mit einem mittleren BMI von 47 kg/m² verglich die Dosierung nach Gesamt- und nach Idealgewicht: Nach Gesamtgewicht war die Erholung im Mittel 1,5 min schneller, Erholungszeiten über 10 min waren in beiden Sugammadexgruppen selten (5,3 % und 2,7 %), unter Neostigmin häufig (84 %); eine erneute Relaxierung trat je einmal in der Gruppe mit 2 mg/kg nach Idealgewicht und in der Neostigmingruppe auf.7 Die Wahl der Bezugsgröße ist also nicht nur eine Rechenfrage, sondern bestimmt, ob eine Antagonisierung vollständig gelingt. Die Tiefe der Blockade vor der Gabe wird quantitativ gemessen, wie in Neuromuskuläre Blockade ausgeführt.

Tabelle 4: Bezugsgrößen bei Adipositas nach Wirkstoff und Phase (nach Ingrande und Lemmens 2010; Sugammadex nach Fachinformation und Horrow 2021)
WirkstoffPhaseBezugsgrößeBegründung
PropofolEinleitungMagermassezentrales Volumen und Herzzeitvolumen
PropofolErhaltungGesamtgewichtClearance steigt mit dem Gewicht
Fentanyl, Sufentanil, RemifentanilBolus und InfusionMagermasseGesamtgewicht führt zu Überdosierung
SuccinylcholinEinleitungGesamtgewichtPlasmacholinesterase und Extrazellulärraum nehmen zu
Rocuronium, VecuroniumEinleitungIdealgewichthydrophil, geringe Verteilung ins Fett
SugammadexAntagonisierungGesamtgewichtFachinformation; schnellere Erholung als nach Idealgewicht

Gewichtsrechner

Idealgewicht nach Devine, Magermasse nach Janmahasatian, angepasstes Gewicht als Idealgewicht plus 40 % des Übergewichts, zum Vergleich die Formel nach James. Formeln für Erwachsene; die Wahl der Bezugsgröße hängt von Wirkstoff und Phase ab.

Geschlecht
BMI
Idealgewicht (Devine)
Magermasse (Janmahasatian)
angepasstes Gewicht
Magermasse nach James

Lokalanästhetika: Resorption nach Injektionsort

Bei Lokalanästhetika bestimmt nicht nur die Gesamtdosis die systemische Konzentration, sondern die Geschwindigkeit, mit der der Wirkstoff aus dem Gewebe ins Blut gelangt. Die Resorption ist dort am schnellsten, wo das Gewebe am besten durchblutet ist. Die klassische Reihenfolge lautet: interkostal vor kaudal und epidural, vor Plexus brachialis, vor Nervus femoralis und ischiadicus, vor subkutaner Infiltration (Lehrbuchwissen). Adrenalinzusatz verlangsamt die Resorption und senkt die Spitzenkonzentration, Proteinbindung und Azidose beeinflussen die freie Fraktion. Eine aktuelle Übersicht betont, dass gerade die neuen Faszienblockaden, die mit großen Volumina arbeiten, pharmakokinetisch am wenigsten beschrieben sind; die Risikofaktoren für eine systemische Toxizität sollten deshalb für jede Technik bedacht werden.8 Die Erkennung und Behandlung einer systemischen Toxizität folgt der Checkliste der ASRA in der Fassung von 20209 und wird im Fall „Last im Aufwachraum“ an einem Verlauf durchgespielt.

Übung 6.2, Rechenaufgabe

Rechenbeispiel: Eine Frau wiegt 100 kg bei 165 cm. Berechnen Sie die Magermasse nach Janmahasatian und das angepasste Gewicht (Idealgewicht nach Devine plus 40 % des Übergewichts), jeweils in kg mit einer Nachkommastelle.

Aktuelle Evidenz

TCI-Modelle: Das Eleveld-Modell beruht auf 1033 Personen von 0,5 bis 88 Jahren und 0,68 bis 160 kg; die systematische Abweichung lag bei Kindern, Erwachsenen und Adipösen unter 20 %, bei Älteren bei 27 %, die Präzision überall unter 30 %. Weltweit sind rund 60 000 TCI-Pumpen in mehr als 90 Ländern verkauft.1

Adipositas: Modelle der „zweiten Generation“ für Propofol, Remifentanil und Remimazolam schließen adipöse Personen ein; für das Eleveld-Modell ist die externe Validierung als klinisch akzeptabel beschrieben.6

Sugammadex bei BMI 47 kg/m²: Dosierung nach Gesamtgewicht 1,5 min schnellere Erholung als nach Idealgewicht; Erholung über 10 min bei 5,3 % gegenüber 2,7 %, unter Neostigmin 84 %.7

Regionalanästhesie: Faszienblockaden mit großen Volumina sind pharmakokinetisch am wenigsten charakterisiert.8

Typische Fehlannahmen
  • „Die Halbwertszeit ist eine feste Eigenschaft des Wirkstoffs.“ Sie folgt aus Volumen und Clearance und ändert sich mit beiden.
  • „Die TCI-Anzeige ist ein Spiegel.“ Sie ist berechnet, nicht gemessen.
  • „Bei Adipositas immer nach Gesamtgewicht dosieren.“ Die Bezugsgröße hängt von Wirkstoff und Phase ab.
  • „Eine Infusion erreicht ihr Ziel sofort.“ Ohne Aufsättigung dauert es etwa 3,3 Halbwertszeiten bis 90 %.
  • „1 % sind 1 mg/ml.“ 1 % sind 10 mg/ml.
  • „Leberzirrhose verlängert alles gleich.“ Flusslimitierte und kapazitätslimitierte Stoffe reagieren verschieden.

Übung 6.1

Lektion 7

Fälle, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: TIVA bei ausgeprägter Adipositas

Eine 46-jährige Patientin, 128 kg, 160 cm (BMI 50 kg/m²), soll zur laparoskopischen Schlauchmagenbildung eine totale intravenöse Anästhesie mit Propofol und Remifentanil erhalten. Beim Eingeben der Daten für eine Propofol-TCI nach Schnider meldet die Pumpe, das Gewicht liege außerhalb des zulässigen Bereichs. Ein Kollege schlägt vor, „einfach 100 kg einzugeben“. Die Relaxierung erfolgt mit Rocuronium nach Idealgewicht; das Idealgewicht nach Devine beträgt etwa 52 kg. Am Ende der Operation, 50 Minuten nach der letzten Rocuroniumgabe, zeigt die kalibrierte quantitative Messung eine TOF-Zahl von 2.

Fall 1, Frage 1

Fall 1, Frage 2

Fall 1, Frage 3

Merksätze

  • 1 % sind 10 mg/ml; 1:200 000 sind 5 µg/ml.
  • k = Cl / V und t½ = 0,693 · V / Cl: Die Halbwertszeit ist abgeleitet, nicht fest.
  • Aufsättigung = Ziel · V / F, Erhaltung = Ziel · Cl / F.
  • Ohne Aufsättigung sind nach 3,3 Halbwertszeiten 90 % des Gleichgewichts erreicht.
  • Hohe Extraktion folgt dem Leberblutfluss, niedrige der Enzymkapazität.
  • Die TCI-Anzeige ist berechnet, nicht gemessen.1
  • Bezugsgröße nach Wirkstoff und Phase: Propofol zur Einleitung nach Magermasse, Rocuronium nach Idealgewicht, Sugammadex nach Gesamtgewicht.5, 7
  • Pumpenraten immer gegenrechnen: zurück auf µg/kg/min.

Aufgaben

Aufgabe 1: Aufsättigung und Erhaltung

Gegeben:
Rechenbeispiel: Zielkonzentration 4 mg/l, Verteilungsvolumen 0,5 l/kg, Clearance 0,05 l/kg/h, Gewicht 70 kg, intravenöse Gabe.

Frage:
Berechnen Sie Aufsättigungsdosis und Erhaltungsrate.

Lösung

V = 0,5 l/kg mal 70 kg = 35 l; Aufsättigung = 4 mg/l mal 35 l = 140 mg. Cl = 0,05 l/kg/h mal 70 kg = 3,5 l/h; Erhaltung = 4 mg/l mal 3,5 l/h = 14 mg/h. Halbwertszeit = 0,693 mal 35/3,5 = 6,9 h; ohne Aufsättigung wären 90 % des Ziels erst nach etwa 23 h erreicht. Rechenbeispiel, keine Dosierungsempfehlung.

Aufgabe 2: Orale und intravenöse Gabe

Gegeben:
Rechenbeispiel: Ein Wirkstoff hat eine orale Bioverfügbarkeit von 0,25. Intravenös werden 10 mg gegeben.

Frage:
Welche orale Dosis führt zur gleichen systemischen Exposition, und warum ist die Bioverfügbarkeit bei hoher hepatischer Extraktion gering?

Lösung

Orale Dosis = 10 mg geteilt durch 0,25 = 40 mg. Bei hoher Extraktion entfernt die Leber schon bei der ersten Passage nach der Resorption einen großen Teil (First-Pass-Effekt). Die Umrechnung gilt nur bei linearer Kinetik und vergleichbarer Resorption.

Aufgabe 3: Einheitenfalle Remifentanil

Gegeben:
Rechenbeispiel: Verordnet sind 0,15 µg/kg/min Remifentanil für 90 kg. Die Spritze enthält 2 mg in 40 ml.

Frage:
Berechnen Sie die Rate in ml/h und prüfen Sie das Ergebnis durch Gegenrechnung.

Lösung

0,15 mal 90 = 13,5 µg/min; mal 60 = 810 µg/h = 0,81 mg/h. Spritzenkonzentration 2 mg/40 ml = 0,05 mg/ml. Rate = 0,81 durch 0,05 = 16,2 ml/h. Gegenrechnung: 16,2 ml/h mal 50 µg/ml = 810 µg/h, durch 60 = 13,5 µg/min, durch 90 kg = 0,15 µg/kg/min.

Aufgabe 4: Leberblutfluss unter Pneumoperitoneum

Gegeben:
Rechenbeispiel: Ein Wirkstoff mit einem Extraktionsverhältnis von 0,9 wird bei einem Leberblutfluss von 1,5 l/min eliminiert. Unter Pneumoperitoneum und Blutdruckabfall sinkt der Fluss auf 1,0 l/min; das Extraktionsverhältnis bleibt annähernd gleich.

Frage:
Um wie viel Prozent sinkt die hepatische Clearance, und was bedeutet das für eine laufende Infusion?

Lösung

Vorher 1,5 mal 0,9 = 1,35 l/min, nachher 1,0 mal 0,9 = 0,9 l/min, also ein Abfall um ein Drittel (33 %). Bei unveränderter Rate steigt die Gleichgewichtskonzentration um den Faktor 1,35/0,9 = 1,5. Bei flusslimitierter Clearance kann die Infusionsrate daher bei niedrigem Fluss angepasst werden müssen, nach klinischer Wirkung.

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Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
VerteilungsvolumenMenge im Körper geteilt durch Plasmakonzentration; Rechenvolumen
Clearancepro Zeit vollständig vom Wirkstoff befreites Plasmavolumen
EliminationskonstanteClearance geteilt durch Verteilungsvolumen, Einheit 1 pro Zeit
BioverfügbarkeitAnteil einer Dosis, der unverändert den großen Kreislauf erreicht
ExtraktionsverhältnisAnteil, den ein Organ bei einer Passage entfernt
Kinetik nullter OrdnungElimination einer konstanten Menge pro Zeit bei Enzymsättigung
ke0Geschwindigkeitskonstante des Ausgleichs zwischen Plasma und Effektort
Magermassefettfreie Masse, nach Janmahasatian aus Gewicht und BMI geschätzt
Angepasstes GewichtIdealgewicht plus 40 % des Übergewichts

Literatur

  1. Bidkar PU, Dey A, Chatterjee P, Ramadurai R, Joy JJ. Target-controlled infusion: past, present, and future. J Anaesthesiol Clin Pharmacol. 2024;40(3):371-380. doi:10.4103/joacp.joacp_64_23
  2. Hughes MA, Glass PS, Jacobs JR. Context-sensitive half-time in multicompartment pharmacokinetic models for intravenous anesthetic drugs. Anesthesiology. 1992;76(3):334-341. doi:10.1097/00000542-199203000-00003 (Grundlagenarbeit)
  3. Eleveld DJ, Colin P, Absalom AR, Struys MMRF. Pharmacokinetic-pharmacodynamic model for propofol for broad application in anaesthesia and sedation. Br J Anaesth. 2018;120(5):942-959. doi:10.1016/j.bja.2018.01.018 (Modellpublikation)
  4. Janmahasatian S, Duffull SB, Ash S, Ward LC, Byrne NM, Green B. Quantification of lean bodyweight. Clin Pharmacokinet. 2005;44(10):1051-1065. doi:10.2165/00003088-200544100-00004 (Grundlagenarbeit)
  5. Ingrande J, Lemmens HJM. Dose adjustment of anaesthetics in the morbidly obese. Br J Anaesth. 2010;105 Suppl 1:i16-i23. doi:10.1093/bja/aeq312 (Grundlagenarbeit)
  6. Obara S, Yoshida K, Inoue S. How obesity affects the disposition of intravenous anesthetics. Curr Opin Anaesthesiol. 2023;36(4):414-421. doi:10.1097/ACO.0000000000001280
  7. Horrow JC, Li W, Blobner M et al. Actual versus ideal body weight dosing of sugammadex in morbidly obese patients offers faster reversal of rocuronium- or vecuronium-induced deep or moderate neuromuscular block: a randomized clinical trial. BMC Anesthesiol. 2021;21:62. doi:10.1186/s12871-021-01278-w
  8. Leite-Moreira AM, Correia A, Vale N, Mourão JB. Pharmacokinetics in regional anesthesia. Curr Opin Anaesthesiol. 2024;37(5):520-525. doi:10.1097/ACO.0000000000001398
  9. Neal JM, Neal EJ, Weinberg GL. American Society of Regional Anesthesia and Pain Medicine local anesthetic systemic toxicity checklist: 2020 version. Reg Anesth Pain Med. 2021;46(1):81-82. doi:10.1136/rapm-2020-101986

Standardwerke

  • Gropper MA et al. Miller’s Anesthesia. 10. Aufl. Elsevier; 2024
  • Barash PG, Cullen BF, Stoelting RK et al. (Hrsg.). Clinical Anesthesia. 9. Aufl. Wolters Kluwer; 2023

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