Die Formeln der Pharmakokinetik sind kurz. Fehler entstehen selten in der Formel, fast immer in den Einheiten: Mikrogramm statt Milligramm, Minute statt Stunde, Prozent statt Milligramm pro Milliliter. Ein Faktor 1000 oder 60 verschwindet im Kopf leicht und wird am Patienten zur Überdosis. Diese Lerneinheit ist deshalb als Rechentraining angelegt. Die Begriffe selbst, das Tankmodell der Kompartimente, die kontextsensitive Halbwertszeit und die Effektortsteuerung sind in Pharmakokinetik, Pharmakodynamik und TCI eingeführt und werden hier nur so weit wiederholt, wie es das Rechnen erfordert. Alle Zahlenbeispiele sind als Rechenbeispiel gekennzeichnet; sie erläutern Einheiten und Zusammenhänge und sind keine Dosierungsempfehlung.
Drei Regeln für jede Rechnung
Erstens: Einheiten immer mitschreiben und wie Zahlen kürzen. Wer „mg/l mal l/h“ schreibt, sieht sofort, dass mg/h herauskommt. Zweitens: vor dem Rechnen alles auf dieselbe Basis bringen, am besten Milligramm, Liter und Stunde, und erst am Ende in die gewünschte Ausgabe umrechnen. Drittens: das Ergebnis gegen eine bekannte Größenordnung prüfen. Eine Noradrenalinspritze mit 40 ml/h, eine Remifentanilrate von 8 mg/h oder eine Lokalanästhetikamenge, die ein ganzes Fläschchen übersteigt, sind Warnsignale, bevor irgendetwas infundiert wird.
Prozent, Promille und Verdünnungsangaben
Konzentrationsangaben in Prozent bedeuten bei Lösungen Gramm pro 100 ml. 1 % entspricht also 1 g in 100 ml, das sind 10 mg/ml. Lidocain 2 % enthält 20 mg/ml, Ropivacain 0,75 % 7,5 mg/ml, Bupivacain 0,5 % 5 mg/ml. Verdünnungsangaben wie 1:200 000 bei Adrenalinzusatz bedeuten 1 g in 200 000 ml, also 5 µg/ml; 1:100 000 entspricht 10 µg/ml und 1:1000 entspricht 1 mg/ml, der Konzentration der unverdünnten Adrenalinampulle. Die Umrechnung über „ein Gramm in so vielen Millilitern“ ist sicherer als jede Merkzahl, weil sie sich jederzeit neu herleiten lässt.
| Angabe | Bedeutung | Umrechnung | Beispiel |
|---|---|---|---|
| 1 % | 1 g in 100 ml | 10 mg/ml | Lidocain 1 %, 10 ml enthalten 100 mg |
| 1:1000 | 1 g in 1000 ml | 1 mg/ml | Adrenalinampulle, unverdünnt |
| 1:200 000 | 1 g in 200 000 ml | 5 µg/ml | Adrenalinzusatz zu Lokalanästhetika |
| 1 mg | 1000 µg | Faktor 1000 | 0,1 mg Fentanyl = 100 µg |
| 1 µg/kg/min | 60 µg/kg/h | Faktor 60 | 0,1 µg/kg/min bei 80 kg = 480 µg/h = 0,48 mg/h |
| 1 l/h | etwa 16,7 ml/min | Faktor 60 und 1000 | Clearance 20 l/h = etwa 333 ml/min |
Häufige Einheitenfehler
Drei Fehler kehren in Prüfungen und in Zwischenfallberichten immer wieder. Der Faktor 1000 zwischen Mikrogramm und Milligramm wird verwechselt, typischerweise bei Opioiden und Katecholaminen, deren Dosen in µg angegeben werden, die aber in mg aufgezogen werden. Der Faktor 60 zwischen Minute und Stunde wird vergessen, wenn eine Dosis in µg/kg/min auf eine Pumpe mit ml/h übertragen wird. Und eine Prozentangabe wird als Milligramm pro Milliliter gelesen, sodass sich die berechnete Menge um den Faktor 10 verschiebt. Ein einfacher Schutz ist die Gegenrechnung in die andere Richtung: Aus der berechneten Pumpenrate wird die Dosis pro Kilogramm und Minute zurückgerechnet und mit der Verordnung verglichen.
Übung 1.2, Rechenaufgabe
Rechenbeispiel: Für eine Infiltration werden 20 ml Lidocain 1 % mit Adrenalin 1:200 000 aufgezogen. Wie viele Milligramm Lidocain enthält die Spritze, und wie viele Mikrogramm Adrenalin enthält ein Milliliter?