Die transurethrale Resektion der Prostata ist einer der häufigsten Eingriffe bei älteren Männern, und ihre Anästhesie gilt als Routine. Die typischen Patienten sind jedoch alt, oft kardial vorerkrankt und antithrombotisch behandelt, und der Eingriff hat eine Komplikation, die fast nur in diesem Fachgebiet vorkommt: das TUR-Syndrom. Es entsteht, wenn Spülflüssigkeit in größerer Menge in den Kreislauf gelangt. Die Grundlagen der Wasserräume und der Osmolalität stehen in der Einheit Wasser und Osmolalität; die Ordnung der Hyponatriämie in der Einheit Natrium und Kalium. Die Spinalanästhesie als Monitor des wachen Patienten ist in der Einheit Rückenmarknahe Verfahren eingeführt; diese Einheit vertieft Mechanismen, Messung und Behandlung.
Warum überhaupt elektrolytfreie Spülung?
Bei der klassischen monopolaren Resektion fließt der Strom von der Schlinge durch den Körper zur Neutralelektrode. Eine elektrolythaltige Spülung würde den Strom ableiten und die Schneidwirkung aufheben. Deshalb braucht die monopolare Technik eine nichtleitende Lösung, die zugleich klar ist und keine Hämolyse auslöst. Destilliertes Wasser erfüllt die ersten Bedingungen, verursacht bei Einschwemmung aber eine Hämolyse und wird deshalb nicht mehr verwendet. Üblich sind Glycin 1,5 Prozent und Gemische aus Sorbit und Mannit. Beide Lösungen sind hypoosmolar, ihre Osmolalität liegt deutlich unter der des Plasmas, und beide enthalten kein Natrium.1
Wie die Flüssigkeit in den Kreislauf kommt
Die Resektion eröffnet die venösen Sinus der Prostata. Solange der Druck der Spülflüssigkeit in der Blase den venösen Druck übersteigt, strömt Flüssigkeit direkt in die Venen. Der Druck hängt von der Höhe des Spülbeutels über dem Patienten und von der Blasenfüllung ab. Ein zweiter Weg öffnet sich bei einer Perforation der Prostatakapsel oder der Blase: Dann sammelt sich Flüssigkeit im periprostatischen und retroperitonealen Gewebe und wird verzögert aufgenommen, oft noch nach Ende der Operation. Risikofaktoren sind eine lange Resektionszeit, eine große Prostata, ein hoher Spüldruck, eine Kapselperforation und ein niedriger venöser Druck, zum Beispiel bei Hypovolämie oder nach einer Blutung.1 Die Aufnahme ist häufig gering, bei einem Teil der Patienten aber erheblich; Symptome sind vor allem dann zu erwarten, wenn mehr als etwa ein Liter aufgenommen wurde (Lehrbuchwissen).
Drei Mechanismen, ein Syndrom
Das TUR-Syndrom ist kein einzelner Laborbefund, sondern die Summe dreier Wirkungen. Die erste ist das Volumen: Ein rascher Einstrom von einem bis mehreren Litern erhöht Vorlast und Blutdruck, oft mit reflektorischer Bradykardie. Weil die hypoosmolare Lösung den Intravasalraum schnell wieder verlässt und Natrium mit Wasser ins Gewebe folgt, schlägt das Bild später in Hypovolämie und Hypotonie um, und ein Lungenödem kann beides begleiten. Die zweite ist die Verdünnung: Das Plasmanatrium fällt, und mit der Verstoffwechselung des gelösten Stoffs sinkt auch die Osmolalität. Dann tritt Wasser in die Zellen über, und das Gehirn schwillt. Die dritte sind die Wirkungen des gelösten Stoffs: Glycin ist ein inhibitorischer Neurotransmitter, auch in der Netzhaut, und erklärt die typischen Sehstörungen bis zur vorübergehenden Blindheit; sein Abbau erzeugt Ammoniak, das eine Enzephalopathie verstärken kann. Sorbit wird zu Fruktose und Glukose verstoffwechselt und kann Hyperglykämie und Laktatanstieg verursachen, Mannit wirkt osmotisch diuretisch.1
Ein Detail hilft beim Verstehen der Laborwerte. Unmittelbar nach der Einschwemmung von Glycin ist das Natrium bereits deutlich gefallen, die gemessene Osmolalität aber weniger, weil das Glycin selbst osmotisch wirksam ist. Erst wenn es in den folgenden Stunden verstoffwechselt wird, bleibt freies Wasser zurück, und die Osmolalität sinkt nach. Ein Patient kann deshalb nach der Operation schlechter werden als am Operationsende. Die Bestimmung der Osmolalität neben dem Natrium und die Nachbeobachtung sind daher sinnvoll (Lehrbuchwissen).1
| Lösung | Einsatz | Osmolalität | Besondere Risiken |
|---|---|---|---|
| Glycin 1,5 % | monopolare Resektion | hypoosmolar | Hyponatriämie, Sehstörung, Ammoniak |
| Sorbit und Mannit | monopolare Resektion | hypoosmolar | Hyponatriämie, Hyperglykämie, osmotische Diurese |
| Wasser | nicht mehr empfohlen | stark hypoton | Hämolyse, schwere Hyponatriämie |
| NaCl 0,9 % | bipolare Resektion, Laser | isoton | Volumenüberladung, hyperchlorämische Azidose |
| Glukose | selten | variabel | Hyperglykämie |