Geburtshilfliche Anästhesie · Stufe WBJ 2

Geburtsanalgesie: PDA, CSE, PIEB und das versagende Katheterverfahren

Ein Katheter ist erst dann gut, wenn er auch in der Notsectio trägt: Diese Einheit zeigt, wie Sie das früh erkennen und sichern.

Lernziele
  • Die Segmente des Geburtsschmerzes den Zielen der Analgesie in früher und später Geburtsphase zuordnen.
  • Indikationen und Kontraindikationen begründen und Thrombozytengrenzen (SOAP 2021) sowie Zeitabstände bei Antikoagulation (ESAIC/ESRA 2022) anwenden.
  • Periduralanalgesie, CSE und Dural-Puncture-Epidural nach Stärke und Schwäche vergleichen.
  • Die Evidenz zu PIEB mit PCEA (Cochrane 2023) korrekt wiedergeben und die Stundenmenge eines Programms berechnen.
  • Die Überwachungsanforderungen bei Remifentanil-PCA benennen und Lachgas einordnen.
  • Hypotonie, Juckreiz, Fieber, fetale Bradykardie, hohe Blockade und Lokalanästhetikatoxizität erkennen und behandeln.
  • Den sekundär versagenden Katheter strukturiert beurteilen und nach der ESAIC-Leitlinie 2025 handeln.
  • Die Umwandlung zur Sectioanästhesie planen: Substanzen, Wirkeintritt, Risikofaktoren des Scheiterns und Alternativen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Sechs Lektionen mit einem Rechner, sieben Übungen, einem klinischen Fall mit drei Fragen, vier Aufgaben und einem Abschlussquiz.
  2. Voraussetzung: Anästhesie in der Geburtshilfe und Rückenmarksnahe Verfahren.
  3. Physiologie des Geburtsschmerzes: Geburt und Übergang zur neonatalen Zirkulation.
  4. Hypertensive Erkrankungen: Präeklampsie, Eklampsie und HELLP-Syndrom und Niere, Leber und Präeklampsie.

Lektion 1

Geburtsschmerz, Indikationen und Kontraindikationen

Diese Einheit setzt dort an, wo die Lerneinheit Anästhesie in der Geburtshilfe aufhört: Sie behandelt nicht die Grundzüge, sondern die Entscheidungen, die im Kreißsaal den Unterschied machen. Welches Verfahren passt zu welcher Situation, wie wird eine laufende Analgesie gepflegt, woran erkennen Sie früh, dass ein Katheter versagt, und wie wird aus einer Analgesie im Notfall eine Anästhesie für die Sectio? Die Physiologie des Geburtsschmerzes ist in der Einheit Geburt und Übergang zur neonatalen Zirkulation ausführlich dargestellt; hier folgt nur, was für die Steuerung eines Katheters unmittelbar zählt.

Zwei Schmerzen, zwei Segmentgruppen

Der Geburtsschmerz besteht aus zwei Anteilen. In der Eröffnungsperiode stammt er aus Uterus und Zervix. Die viszeralen Afferenzen laufen mit sympathischen Fasern und erreichen das Rückenmark in den Segmenten Th10 bis L1. Der Schmerz ist dumpf, schlecht lokalisiert und wird in Unterbauch, Leisten und unteren Rücken projiziert. In der späten Eröffnungsperiode und in der Austreibungsperiode kommt ein somatischer Anteil hinzu: Die Dehnung von Scheide, Beckenboden und Damm wird über den Nervus pudendus in die Segmente S2 bis S4 geleitet. Dieser Schmerz ist hell und gut lokalisierbar. Für die Praxis folgt daraus eine einfache Regel: In der frühen Phase genügt eine beidseitige sensible Blockade bis etwa Th10, in der späten Phase muss die Ausbreitung die sakralen Segmente erreichen. Eine Gebärende, die in der Eröffnungsperiode gut versorgt war und in der Austreibungsperiode plötzlich starke Schmerzen am Damm angibt, hat nicht zwingend zu wenig Lokalanästhetikum erhalten, sondern möglicherweise eine unzureichende sakrale Ausbreitung (Lehrbuchwissen).

Rückenmark: EintrittssegmenteTh6 bis Th9Th10 bis L1viszeralL2 bis S1S2 bis S4somatischUterus und ZervixEröffnungsperiodedumpf, schlecht lokalisiertScheide, Beckenboden, DammAustreibungsperiodehell, scharf, N. pudendusZiel frühe Phase:Th10 beidseitsZiel späte Phase:sakrale AusbreitungSchmerz trotz Block bis Th10 in der Austreibungsperiode:an fehlende sakrale Ausbreitung denken, nicht nur an zu wenig Dosis
Abbildung 1: Die zwei Anteile des Geburtsschmerzes und ihre Zielsegmente. Eigene Darstellung

Indikationen

Der Wunsch der Gebärenden nach Schmerzlinderung ist eine ausreichende Indikation; eine Mindestweite des Muttermunds ist nicht erforderlich. Ein früher Beginn erhöht die Sectiorate nicht, wie die Einheit zur Geburtsphysiologie mit den Daten der Cochrane-Übersicht zeigt. Darüber hinaus gibt es Situationen, in denen ein früh gelegter und geprüfter Katheter aus anästhesiologischer Sicht besonders wertvoll ist: erwarteter schwieriger Atemweg, ausgeprägte Adipositas, Präeklampsie, Mehrlingsschwangerschaft, Zustand nach Sectio mit Versuch einer vaginalen Geburt und kardiale Erkrankungen, bei denen Schmerz und Katecholamine schaden. Hier geht es nicht nur um Analgesie, sondern um Vorsorge: Ein funktionierender Katheter kann eine Allgemeinanästhesie im Notfall ersparen (Expertenmeinung, gestützt auf die unten besprochene Leitlinie zum proaktiven Management).1 Die Besonderheiten der hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen behandeln die Einheiten Präeklampsie, Eklampsie und HELLP-Syndrom und Niere, Leber und Präeklampsie.

Kontraindikationen und Gerinnung

Absolute Kontraindikationen sind die Ablehnung durch die Schwangere, eine Infektion an der Punktionsstelle, eine unkorrigierte Hypovolämie mit Schock, ein erhöhter Hirndruck mit Einklemmungsgefahr und eine relevante Gerinnungsstörung. Die Gerinnung ist in der Geburtshilfe die häufigste offene Frage, und hier sind zwei Dokumente maßgeblich.

Für die Thrombozytenzahl hat die amerikanische Fachgesellschaft für geburtshilfliche Anästhesie 2021 einen interdisziplinären Konsensus vorgelegt. Bei bekannter Ursache der Thrombozytopenie (Schwangerschaftsthrombozytopenie, Immunthrombozytopenie, hypertensive Erkrankung) und ohne weitere Gerinnungsstörung ist ab 70 000/µl das Risiko eines spinalen epiduralen Hämatoms wahrscheinlich gering und ein neuraxiales Verfahren vertretbar. Zwischen 50 000 und 70 000/µl kann die Abwägung für ein neuraxiales Verfahren sprechen, etwa bei schwierigem Atemweg; unter 50 000/µl ist das Risiko erhöht, und ein Verzicht ist begründet. Beim HELLP-Syndrom soll die Thrombozytenzahl nicht älter als sechs Stunden sein, weil sie rasch fallen kann.2 Diese Schwellen gelten nicht für die Heparin-induzierte Thrombozytopenie, für Thrombozytenfunktionsstörungen oder für Patientinnen mit zusätzlicher Antikoagulation.

Für Antikoagulanzien und Thrombozytenfunktionshemmer gilt die gemeinsame Leitlinie von ESAIC und ESRA aus dem Jahr 2022. Sie empfiehlt für Schwangere dieselben Zeitabstände wie außerhalb der Schwangerschaft; nur bei ausgewählten Schwangeren mit sehr hohem thrombotischem Risiko und dringlichem Eingriff ist nach interdisziplinärer Abwägung ein Abweichen möglich.3 Tabelle 1 fasst die häufigsten Konstellationen zusammen. Die Zeiten gelten für die Punktion und ebenso für die Entfernung des Katheters.

Tabelle 1: Zeitabstände vor rückenmarknaher Punktion oder Katheterentfernung (Auswahl nach ESAIC/ESRA 2022)
Substanz und DosisAbstand vor Punktionnächste Gabe
niedermolekulares Heparin prophylaktisch (z. B. Enoxaparin 40 mg/Tag)12 hnach den Regeln der postoperativen Prophylaxe
niedermolekulares Heparin therapeutisch24 herst nach Entfernung des Katheters
unfraktioniertes Heparin prophylaktisch s. c. (bis 200 IE/kg/Tag)4 hnach den Regeln der Prophylaxe
unfraktioniertes Heparin therapeutischi. v. mindestens 6 h, s. c. mindestens 12 h, jeweils mit normaler aPTTerst nach Entfernung des Katheters
Acetylsalicylsäure unter 200 mgkein Absetzen erforderlichohne Pause
Clopidogrel5 bis 7 Tageje nach Dosis sofort bis 2 Tage danach
Fondaparinux 2,5 mg/Tag36 hnach den Regeln der Prophylaxe

Eine Besonderheit der Geburtshilfe ist die Dynamik. Wer eine Schwangere mit prophylaktischem Heparin betreut, sollte früh planen, wann die letzte Gabe vor der erwarteten Geburt erfolgt, damit das Zeitfenster für eine neuraxiale Analgesie offen bleibt. Wer eine Präeklampsie mit fallender Thrombozytenzahl betreut, sollte den Katheter eher früh legen, solange die Werte es erlauben, als abzuwarten, bis nur noch die Allgemeinanästhesie bleibt (Expertenmeinung, abgeleitet aus den genannten Grenzwerten).2 Die deutsche S1-Leitlinie zur geburtshilflichen Analgesie und Anästhesie ist im Juni 2026 in einer überarbeiteten Fassung erschienen; lokale Standards sollten mit ihr abgeglichen werden.4

Übung 1.1

Lektion 2

Periduralanalgesie, CSE und Dural-Puncture-Epidural

Drei neuraxiale Techniken stehen zur Verfügung: die klassische Periduralanalgesie, die kombinierte Spinal- und Periduralanalgesie (CSE) und die Dural-Puncture-Epidural (DPE). Sie unterscheiden sich weniger im Ziel als im Weg dorthin, und jede hat eine eigene Stärke und eine eigene Schwäche. Wie die Punktion technisch durchgeführt wird, behandelt die Einheit Rückenmarksnahe Verfahren.

Periduralanalgesie

Bei der Periduralanalgesie wird der Katheter nach Widerstandsverlust im Periduralraum platziert, und die Analgesie wird mit einer niedrig konzentrierten Lösung aus Lokalanästhetikum und Opioid aufgebaut. Die Idee dahinter ist die Selektivität: Dünne nozizeptive Fasern werden bei niedriger Konzentration blockiert, dicke motorische Fasern weitgehend geschont. Die englische Leitlinie zur Geburtsbetreuung empfiehlt für die Aufrechterhaltung Lösungen von 0,0625 bis 0,1 % Bupivacain oder Äquivalent mit 2 µg/ml Fentanyl und betont, dass bereits die erste Dosis wie eine Testdosis zu behandeln ist.5 In Deutschland werden häufig Ropivacain und Sufentanil in analog niedrigen Konzentrationen verwendet; die konkreten Mischungen folgen dem lokalen Protokoll. Der Vorteil der klassischen Periduralanalgesie ist, dass der Katheter von Anfang an geprüft wird: Wirkt die Analgesie, ist der Katheter bewiesen. Ihr Nachteil ist der langsamere Wirkeintritt und eine etwas höhere Rate einseitiger oder lückenhafter Blockaden.

Kombinierte Spinal- und Periduralanalgesie

Bei der CSE wird durch die liegende Periduralnadel eine feine Spinalnadel vorgeschoben, eine kleine intrathekale Dosis gegeben (Opioid mit oder ohne niedrig dosiertes Lokalanästhetikum) und danach der Periduralkatheter eingelegt. Die Analgesie setzt innerhalb weniger Minuten ein und erfasst oft auch sakrale Segmente, was bei fortgeschrittener Geburt ein Vorteil ist. Der Preis ist eine diagnostische Lücke: Die rasche Wirkung stammt aus der Spinalkomponente und sagt nichts darüber aus, ob der Katheter später zuverlässig funktioniert. Ein Katheter nach CSE bleibt ungeprüft, bis die intrathekale Wirkung abklingt. Hinzu kommen zwei typische Nebenwirkungen der intrathekalen Opioide: Juckreiz und eine vorübergehende fetale Bradykardie. In einer Übersicht zur modernen Geburtsanalgesie erhöhte der Zusatz eines intrathekalen Opioids im Rahmen der CSE das Risiko einer fetalen Bradykardie (Odds Ratio 1,8; 95 % KI 1,0 bis 3,1). Als Mechanismus gelten ein Druckabfall der Mutter und ein rascher Abfall des zirkulierenden Adrenalins, der das Gleichgewicht zugunsten einer uterinen Hypertonie verschiebt.6

Dural-Puncture-Epidural

Die DPE ist eine Zwischenform: Die Dura wird mit der Spinalnadel punktiert, es wird aber nichts intrathekal injiziert. Das Lokalanästhetikum wird anschließend wie üblich über den Periduralkatheter gegeben. Die Vorstellung ist, dass ein kleiner Übertritt durch die Duraöffnung die Ausbreitung, vor allem nach sakral, verbessert, ohne die hämodynamischen und fetalen Effekte einer echten Spinalkomponente. Eine Metaanalyse von 18 randomisierten Studien mit 2 144 Gebärenden fand für die DPE einen etwas schnelleren Wirkeintritt (mittlere Differenz 3,4 min; moderate Vertrauenswürdigkeit), weniger einseitige Blockaden, weniger motorische Blockade, eine bessere sakrale Ausbreitung und häufiger eine ausreichende Analgesie. Für Sectio und vaginal-operative Entbindung, Zusatzdosen und Hypotonie ergaben sich keine signifikanten Unterschiede.7 Der Katheter bleibt bei der DPE von der ersten Dosis an prüfbar, weil keine intrathekale Wirkung die Beurteilung überdeckt.

Tabelle 2: Verfahren der Geburtsanalgesie im Vergleich
VerfahrenStärkeSchwächebevorzugt bei
PeriduralanalgesieKatheter sofort geprüft, titrierbarlangsamerer Beginn, häufiger lückenhaftRisikoschwangeren, bei denen der Katheter sicher funktionieren muss
CSErascher Beginn, frühe sakrale WirkungKatheter zunächst ungeprüft; Juckreiz, fetale Bradykardiefortgeschrittener Geburt, starker Schmerz; Neuanlage nach Versagen
Dural-Puncture-Epiduralbessere Ausbreitung, weniger einseitig, Katheter prüfbarDurapunktion mit geringem KopfschmerzrisikoNeuanlage bei Risikoschwangeren, wenn eine CSE nicht gewünscht ist
Remifentanil-PCAohne Punktion, rasch verfügbarschwächere Analgesie, Atemdepression und ApnoeKontraindikation gegen neuraxiale Verfahren
Lachgas 50 %einfach, sofort verfügbarschwache Wirkung, Übelkeit, SchwindelÜberbrückung, Wunsch der Frau

Die ESAIC-Leitlinie von 2025 nutzt diese Unterschiede für die Neuanlage: Soll ein versagender Katheter ersetzt werden, schlägt sie die CSE vor, um den Wirkeintritt zu verkürzen und die Effizienz der Blockade zu verbessern, und nennt die DPE als wirksame Alternative besonders bei Risikoschwangeren, bei denen eine CSE nicht bevorzugt wird.1 Beide Empfehlungen sind Konsensusaussagen zur klinischen Praxis und nicht das Ergebnis großer vergleichender Studien zum Versagen.

Übung 2.1

Lektion 3

Aufrechterhaltung mit PIEB und PCEA, Remifentanil und Lachgas

Ist die Analgesie aufgebaut, entscheidet die Art der Aufrechterhaltung über Durchbruchschmerz, Motorik und den Arbeitsaufwand im Kreißsaal. Drei Grundformen werden kombiniert: die kontinuierliche Basalrate, programmierte intermittierende Boli (PIEB, im Cochrane-Review als automated mandatory bolus bezeichnet) und patientenkontrollierte Boli (PCEA).

Warum Boli sich anders verteilen

Eine langsame Basalrate tritt am Katheterende mit geringem Druck aus und folgt dem Weg des geringsten Widerstands; die Ausbreitung bleibt oft umschrieben. Ein Bolus aus derselben Gesamtmenge erzeugt kurz einen höheren Injektionsdruck und verteilt sich breiter im Periduralraum. Das ist die physikalische Erklärung dafür, dass programmierte Boli bei gleicher oder kleinerer Stundenmenge eine gleichmäßigere Analgesie erzeugen können. Der Rechner unten zeigt den entscheidenden Punkt: Die Stundenmenge eines PIEB-Programms lässt sich exakt in eine Basalrate übersetzen. Der Unterschied liegt nicht in der Menge, sondern im Muster der Gabe.

Aktuelle Evidenz

Der Cochrane-Review von 2023 schloss 18 randomisierte Studien mit 4 590 gesunden Gebärenden am Termin ein. Programmierte Boli senkten gegenüber einer Basalrate den Durchbruchschmerz (Risikoverhältnis 0,71; 95 % KI 0,55 bis 0,91; 16 Studien, 1 528 Teilnehmerinnen; moderate Vertrauenswürdigkeit) und den Verbrauch an Lokalanästhetikum (mittlere Differenz −0,84 mg/h Bupivacain-Äquivalent; 95 % KI −1,29 bis −0,38). Für Sectio (Risikoverhältnis 0,85; 95 % KI 0,69 bis 1,06), vaginal-operative Entbindung (0,85; 0,71 bis 1,01) und die Dauer der Analgesie ergaben sich keine sicheren Unterschiede.8

Die ESAIC-Leitlinie zum versagenden Katheter nennt PIEB als Weg zu weniger motorischer Blockade und mehr Mobilität und verweist darauf, dass das günstigste Intervall von der verwendeten Konzentration abhängt.1 Die englische Leitlinie lässt für die Aufrechterhaltung PCEA, PIEB oder intermittierende Boli durch geschultes Personal gleichrangig zu.5

Aus diesen Zahlen folgen zwei nüchterne Schlüsse. Erstens ist PIEB mit PCEA eine gut begründete Standardform der Aufrechterhaltung, deren Vorteil im Alltag vor allem in weniger ärztlichen Nachinjektionen wegen Durchbruchschmerz liegt. Zweitens ist der Effekt auf die Entbindungsart nicht belegt; PIEB ist kein Mittel, um die Sectiorate zu senken. Optimale Volumina, Intervalle und Konzentrationen sind nicht allgemeingültig, sondern hängen von Medikament, Konzentration und Pumpe ab. Wer ein Protokoll übernimmt, übernimmt es deshalb als Ganzes.

Rechenbeispiel: Lokalanästhetikum unter PIEB und PCEA

Rechenbeispiel, keine Dosierungsempfehlung. Das Modell addiert programmierte Boli und abgerufene PCEA-Boli zu einer Stundenmenge in Bupivacain-Äquivalenten. Es bildet weder die Verteilung im Periduralraum noch die Wirkung ab; Pumpenprogramme folgen dem lokalen Protokoll.

Volumen pro Stunde
Bupivacain-Äquivalent pro Stunde
Summe über die Dauer
gleiche Menge als Basalrate

Remifentanil-PCA

Ist ein neuraxiales Verfahren kontraindiziert oder nicht gewünscht, ist die patientenkontrollierte intravenöse Gabe von Remifentanil eine Alternative. Remifentanil wird durch unspezifische Esterasen abgebaut, wirkt rasch und kurz und passt damit grundsätzlich zum Rhythmus der Wehen; allerdings liegt das Wirkmaximum eines Bolus meist später als der Gipfel der Wehe, sodass die Gebärende den Bolus zu Beginn der Wehe oder vorausschauend abrufen muss (Lehrbuchwissen). Die englische Leitlinie nennt als Schema 40 µg pro Bolus mit einer Sperrzeit von zwei Minuten.5 Die zugehörige Evidenzbewertung zeigt gegenüber intramuskulärem Pethidin weniger Wechsel auf eine Periduralanalgesie, aber mehr Bedarf an zusätzlichem Sauerstoff und Hinweise auf mehr Entsättigungen.

Überwachung bei Remifentanil-PCA

Die Leitlinie verlangt eine kontinuierliche Eins-zu-eins-Betreuung durch eine darin geschulte Hebamme, die Beobachtung der Atmung mit kontinuierlicher Pulsoxymetrie, griffbereiten Sauerstoff, jederzeit erreichbare Anästhesie und eine kontinuierliche Kardiotokographie.5 Die S1-Leitlinie 2026 verlangt zusätzlich ein zwischen Anästhesie und Geburtshilfe abgestimmtes Konzept und die Aufklärung über den Off-Label-Use; eine Kapnographie nennt sie als fakultativ.4 Keine Remifentanil-PCA ohne diese Voraussetzungen, keine zusätzlichen Sedativa oder Opioide ohne Rücksprache, und nur die Gebärende selbst drückt den Knopf.

Lachgas

Ein Gemisch aus 50 % Lachgas und 50 % Sauerstoff wird von der Gebärenden selbst über ein Mundstück oder eine Maske mit Bedarfsventil eingeatmet. Die englische Leitlinie fordert, dass es in allen Geburtsbereichen verfügbar ist, weil es den Schmerz lindern kann.5 Die Wirkung ist deutlich schwächer als die einer neuraxialen Analgesie; typische Nebenwirkungen sind Übelkeit, Schwindel und Benommenheit. Wichtig für die Anästhesie ist die Kombination: Lachgas zusammen mit systemischen Opioiden verstärkt die Sedierung und die Atemdepression. Für die Raumluft gelten die Regeln des Arbeitsschutzes; eine Absaugung der Ausatemluft ist sinnvoll (Lehrbuchwissen).

Übung 3.1

Lektion 4

Nebenwirkungen und Komplikationen

Die meisten Nebenwirkungen der Geburtsanalgesie sind vorhersehbar, häufig und gut beherrschbar. Gefährlich werden sie, wenn sie nicht erwartet werden oder wenn ein seltenes Ereignis wie eine hohe Blockade oder eine systemische Lokalanästhetikatoxizität zu spät erkannt wird. Tabelle 3 ordnet die Ereignisse nach Häufigkeit und Mechanismus.

Tabelle 3: Nebenwirkungen und Komplikationen der neuraxialen Geburtsanalgesie
EreignisMechanismusErkennenHandeln
HypotonieSympathikolyse, aortokavale KompressionBlutdruck alle 5 min in den ersten 15 min und nach größeren BoliLinksseitenlage, Volumen, Vasopressor; CTG beachten
Juckreizintrathekale oder peridurale OpioideGesicht und Rumpf, meist mildmeist abwarten; Opioidantagonisten nur bei starker Ausprägung
Fieberwahrscheinlich sterile Entzündung, ThermoregulationTemperaturanstieg nach Stundenwie jedes Fieber abklären, Infektion nicht übersehen
fetale BradykardieHypotonie, uterine Hypertonie nach AdrenalinabfallCTG in den ersten 30 minLagerung, Blutdruck, Wehenhemmung nach Rücksprache
motorische Blockadezu hohe Konzentration oder intrathekale LageBromage-Skala, Beine hebenProtokoll anpassen, intrathekale Lage prüfen
hohe Blockadeintrathekale oder subdurale Lage, SummationAtemnot, Armschwäche, HypotonieAtemweg, Beatmung, Kreislauf, Uterus nach links
Lokalanästhetikatoxizitätintravasale Lage oder SummationUnruhe, Metallgeschmack, Krampf, ArrhythmieInjektion stoppen, Lipidemulsion, Reanimation
postpunktioneller KopfschmerzLiquorverlust nach Durapunktionlageabhängig, Tage 1 bis 3siehe Einheit Rückenmarksnahe Verfahren

Hypotonie und fetale Bradykardie

Die englische Leitlinie verlangt während des Aufbaus der Analgesie und nach jedem größeren Bolus (ab 10 ml niedrig dosierter Lösung) eine Blutdruckmessung alle fünf Minuten über 15 Minuten.5 Diese Regel hat ihren Grund in der Plazenta: Die uteroplazentare Durchblutung ist nicht autoreguliert und folgt dem mütterlichen Druck ohne Puffer. Die Reihenfolge der Behandlung lautet Lagerung mit Entlastung der Vena cava, Volumen und Vasopressor, dazu die gemeinsame Beurteilung des CTG. Tritt nach einer CSE eine fetale Bradykardie ohne Hypotonie auf, steht die uterine Hypertonie als Mechanismus im Vordergrund.6 Die Behandlung erfolgt gemeinsam mit der Geburtshilfe; ein reflexhafter Weg zur Notsectio ist selten nötig, weil sich die Herzfrequenz meist innerhalb weniger Minuten erholt (Lehrbuchwissen).

Fieber unter Periduralanalgesie

Etwa 15 bis 25 % der Gebärenden mit Periduralanalgesie entwickeln Fieber. Das Phänomen ist real und kein Artefakt der Auswahl, und alle gängigen Techniken, Lokalanästhetika und Aufrechterhaltungsformen sind betroffen. Diskutiert werden eine sterile Entzündung, bei der Bupivacain die Freisetzung des antipyretischen Interleukin-1-Rezeptorantagonisten hemmt, und thermoregulatorische Effekte der Blockade.9 Klinisch ist das peridurale Fieber von einer Chorioamnionitis nicht sicher zu unterscheiden; deshalb wird jedes Fieber unter der Geburt abgeklärt und bei Verdacht auf eine Infektion antimikrobiell behandelt. Eine systematische Übersicht mit 34 randomisierten Studien und 10 221 Teilnehmerinnen fand für keine einzelne Maßnahme ausreichende Belege zur Vorbeugung: Paracetamol war unwirksam, hoch dosierte Steroide senkten zwar die Fieberrate in drei kleinen Studien, sind aber wegen fraglicher Sicherheit nicht als Routine geeignet.10 Eine gut wirksame Analgesie wird wegen des Fiebers nicht vorenthalten.9

Hohe Blockade und Lokalanästhetikatoxizität

Beide Notfälle entstehen typischerweise beim Aufspritzen, entweder durch eine unerkannte Fehllage des Katheters oder durch Summation vieler Einzeldosen. Die hohe oder totale Blockade zeigt sich mit Atemnot, Sprechschwierigkeiten, Schwäche der Arme, Hypotonie und Bradykardie bis zum Bewusstseinsverlust. Die Behandlung ist unterstützend: Atemweg sichern, beatmen, Kreislauf mit Vasopressoren und Linksverlagerung des Uterus stützen, bei Kreislaufstillstand nach den Regeln der Reanimation in der Schwangerschaft handeln; die Blockade ist nach Abklingen vollständig reversibel. Die systemische Lokalanästhetikatoxizität beginnt oft mit zentralen Zeichen und kann rasch in Krampfanfall und Arrhythmie übergehen. Die Checkliste der amerikanischen Gesellschaft für Regionalanästhesie nennt für die Lipidemulsion 20 % bei über 70 kg einen Bolus von etwa 100 ml über zwei bis drei Minuten und eine Infusion von etwa 250 ml über 15 bis 20 Minuten, bei unter 70 kg etwa 1,5 ml/kg als Bolus und 0,25 ml/kg/min als Infusion, höchstens 12 ml/kg; Adrenalin wird in kleineren Dosen als üblich gegeben, beginnend unter 1 µg/kg.11

Postpunktioneller Kopfschmerz

Eine akzidentelle Durapunktion mit der Periduralnadel ist in der Geburtshilfe die typische Ursache eines postpunktionellen Kopfschmerzes. Diagnostik, Differenzialdiagnose und Behandlung bis zum epiduralen Blutpatch sind in der Einheit Rückenmarksnahe Verfahren dargestellt; Grundlage ist der internationale Konsensus mit 50 Empfehlungen, der selbst betont, dass für die meisten Behandlungsschritte Unsicherheit besteht.12 Für den Kreißsaal zählen zwei Punkte: Die Gebärende wird über die Punktion informiert, und ein nicht lageabhängiger Kopfschmerz, Fieber oder neurologische Zeichen verlangen eine erweiterte Abklärung.

Übung 4.1

Lektion 5

Der versagende Katheter: strukturiert beurteilen

Kaum eine Situation ist im Kreißsaal so häufig und zugleich so unterschätzt wie der Katheter, der nicht mehr ausreichend wirkt. Die ESAIC hat 2025 dazu eine fokussierte Leitlinie vorgelegt. Sie definiert den versagenden Katheter als Periduralanalgesie, die einer Gebärenden unabhängig von der Ursache keine ausreichende Analgesie bietet, und nennt Raten von 10 bis 25 %; der Durchbruchschmerz ist das klinische Zeichen.1

Primäres und sekundäres Versagen

Die Leitlinie grenzt ihren Gegenstand ausdrücklich ein: Sie behandelt das sekundäre Versagen, also den Katheter, der zunächst ausreichend gewirkt hat und später versagt. Das primäre Versagen in der Anlagephase schließt sie aus.1 Diese Trennung ist mehr als eine Formalie. Ein Katheter, der nie gewirkt hat, liegt wahrscheinlich nicht im Periduralraum; Nachspritzen ist hier selten sinnvoll, und die Neuanlage ist der naheliegende Schritt. Ein Katheter, der gewirkt hat, kann dagegen disloziert sein, einseitig liegen, gegen eine zunehmende Schmerzintensität bei fortgeschrittener Geburt zu schwach dosiert sein oder die sakralen Segmente nicht erreichen. Die Empfehlungen der Leitlinie gelten nicht unbesehen für jedes Problem in der Anlagephase.

Als Risikofaktoren für ein Versagen nennt die Leitlinie unter anderem eine sekundäre Migration des Katheters, frühere Versager, einen hohen BMI, niedrig konzentrierte Lösungen, anatomische Varianten des Periduralraums, eine Anlage bei einem Muttermund über 7 cm und einen raschen Geburtsfortschritt. Besonders aussagekräftig ist der Bedarf an Nachinjektionen: Mehr zusätzliche Boli während der Geburt waren mit einem etwa dreifach höheren Risiko verbunden (Odds Ratio 3,2; 95 % KI 1,8 bis 5,5), dass der Katheter später für eine Sectio nicht ausreicht.1

Strukturierte Beurteilung

Die erste Praxisaussage der Leitlinie verlangt, dass die zuständige Anästhesie bei unzureichender Analgesie die Lage des Katheters, das bisherige Management und die geburtshilfliche Situation beurteilt; die zweite, dass die Rettungsmaßnahme der wahrscheinlichen Ursache folgt und einem klaren Algorithmus entspricht.1 Als Gedächtnisstütze dient das Kürzel H.E.L.P.: Wie hat die Analgesie bisher gewirkt (Ausbreitung und Schmerzskala)? Welche Boli wurden bereits gegeben? Kann die Gebärende die Beine heben (sonst Verdacht auf intrathekale Lage)? Sind beide Beine gleich warm (Seitendifferenz der Sympathikolyse)?1 Hinzu kommen Schmerzlokalisation, Blasenfüllung, Geburtsfortschritt und die Frage, ob der Schmerz überhaupt zur Geburt passt. Ein plötzlicher Dauerschmerz zwischen den Wehen kann eine Uterusruptur oder eine vorzeitige Plazentalösung anzeigen und ist kein Katheterproblem.

Tabelle 4: Befund, wahrscheinliche Ursache und nächster Schritt beim sekundär versagenden Katheter
Befundwahrscheinliche Ursachenächster Schritt
beidseits Ausbreitung unter Th10, gute Wirkung zuvorDosis zu gering für die GeburtsphaseBolus 6 bis 10 ml Bupivacain 1,25 mg/ml oder Äquivalent, Neubewertung nach 15 bis 20 min
einseitige BlockadeKatheter lateral oder zu tiefKatheter zurückziehen, bis 3 bis 4 cm im Periduralraum liegen, dann Bolus
Ausbreitung ausreichend, Schmerz bleibtIntensität der späten Phase, sakrale Lückezweiter Bolus höher konzentriert, etwa Bupivacain 2,5 mg/ml
dichter motorischer Block, rasch aufsteigendintrathekale oder subdurale Lagekeine weiteren Boli über den Katheter, Lage klären
keine Linderung nach 15 bis 20 minKatheter nicht mehr periduralNeuanlage, bevorzugt als CSE oder DPE
Dauerschmerz zwischen den Wehengeburtshilfliche Ursachesofort geburtshilfliche Beurteilung

Die Dosen in Tabelle 4 sind die in der Leitlinie genannten Beispiele; zwischen zwei Boli liegen mindestens 20 bis 30 Minuten, und ein Bolus gilt als unwirksam, wenn nach 15 bis 20 Minuten keine Linderung eingetreten ist.1 Wiederholte blinde Nachinjektionen ohne Befund sind der typische Fehler: Sie summieren eine erhebliche Gesamtdosis, verschleiern eine Fehllage und verschieben die Neuanlage in eine Phase, in der jede Minute zählt.

Durchbruchschmerz unter zuvorwirksamer PeriduralanalgesieAnästhesie beurteilt: Blockhöhe beidseits, Motorik,bisherige Dosis, Katheter, Geburtsverlaufbeidseits zu niedrigBolus niedrig konzentriert,6 bis 10 mleinseitigKatheter auf 3 bis 4 cm imPeriduralraum, dann BolusHöhe ausreichend,Schmerz bleibt: höherkonzentrierter BolusNeubewertung nach 15 bis 20 Minuten:keine Linderung heißt NeuanlageNeuanlage früh, als CSE oder Dural-Puncture-Epidural,bevor eine Sectio dringlich wird
Abbildung 2: Vorgehen beim sekundär versagenden Katheter, vereinfacht nach der ESAIC-Leitlinie 2025. Eigene Darstellung

Verantwortung, Protokoll und Training

Die einzige starke Empfehlung der Leitlinie betrifft die Zuständigkeit: Die Anästhesie übernimmt durchgehend Verantwortung für Erkennung und Behandlung des versagenden Katheters (starke Empfehlung, sehr niedrige Evidenzqualität). Die Überwachung darf delegiert werden, dann aber mit geschultem Personal, dokumentierten Skalen für Schmerz, Blockhöhe und Motorik, bei Risikoschwangeren alle ein bis zwei Stunden, einem lokalen interdisziplinären Protokoll und regelmäßigem Simulationstraining.1 Die Evidenzqualität ist durchweg niedrig; die Leitlinie stützt sich vor allem auf Konsens nach GRADE und Delphi-Verfahren. Umso wichtiger ist, dass ihre Logik verstanden und nicht nur ihre Dosen übernommen werden.

Übung 5.1

Lektion 6

Umwandlung zur Sectioanästhesie

Die Sectio aus laufender Geburt ist der Moment, in dem sich die Qualität der Geburtsanalgesie zeigt. Die letzte Praxisaussage der ESAIC-Leitlinie empfiehlt ein proaktives, frühes Management des versagenden Katheters als bevorzugten Weg zu einer erfolgreichen Umwandlung in eine Anästhesie für die Sectio.1 Wer einen unzuverlässigen Katheter bis zur Notsectio mitführt, verlagert die Entscheidung in die ungünstigste Minute.

Wie oft die Umwandlung scheitert

In den Serien der Leitlinie musste bei 3,5 bis 38 % der Umwandlungen doch eine Allgemeinanästhesie durchgeführt werden.1 Eine Übersicht nennt drei durchgängig belegte Risikofaktoren: die Zahl ungeplanter Nachinjektionen (Odds Ratio 3,2), die Betreuung durch eine nicht geburtshilflich spezialisierte Anästhesie (4,6) und die Dringlichkeit der Sectio (40,4).13 Die Dringlichkeit lässt sich nicht beeinflussen, die beiden anderen Faktoren schon: durch frühe Neuanlage und durch klare Zuständigkeit. Eine gute Analgesie in den zwei Stunden vor der Entbindung ist der beste Hinweis darauf, dass die Umwandlung gelingen wird.

Substanzen und Zeit

Für eine chirurgische Anästhesie wird eine Ausbreitung bis etwa Th4 bis Th5 benötigt; als Kriterium nennt die Übersicht den Verlust der Berührungsempfindung bis einschließlich Th5.13 Die Substanzen unterscheiden sich vor allem im Wirkeintritt. Eine Bayes-Netzwerkmetaanalyse mit 24 randomisierten Studien und 1 280 Frauen fand für Bupivacain 0,5 % eine mittlere Zeit bis zur chirurgischen Blockade von 19,8 Minuten. Lidocain 2 % mit Bicarbonat war 6,4 Minuten schneller, Chloroprocain 3 % 5,7 Minuten und Lidocain 2 % ohne Bicarbonat 3,9 Minuten; Ropivacain und Levobupivacain lagen im Bereich von Bupivacain. Chloroprocain 3 % hatte die höchste Rate an Hypotonie und an intraoperativer Zusatzanalgesie.14 Adrenalin 5 µg/ml verkürzt den Wirkeintritt von Lidocain zusätzlich, der Zusatz von 50 bis 75 µg Fentanyl um mehr als zwei Minuten; Bicarbonat wird im Verhältnis 2 ml Natriumbicarbonat 8,4 % zu 20 ml Lidocain 2 % zugemischt.13 Beide Quellen sind älter als fünf Jahre, aber es gibt keine neueren vergleichenden Synthesen mit anderen Ergebnissen.

Tabelle 5: Aufspritzschemata zur Umwandlung in eine Sectioanästhesie, nur mit belegten Angaben
Lösungbelegte ZusammensetzungWirkeintrittHinweis
Lidocain 2 % mit Adrenalin und Bicarbonat20 ml Lidocain 2 % mit Adrenalin 5 µg/ml, dazu 2 ml Natriumbicarbonat 8,4 % 13etwa 6 min schneller als Bupivacain 0,5 % 14schnellste Option; Mischung vorbereiten kostet Zeit
Lidocain 2 % ohne Bicarbonatmit Adrenalin 5 µg/ml, optional Fentanyl 50 bis 75 µg 13etwa 4 min schneller als Bupivacain 0,5 % 14Fentanyl verkürzt um mehr als 2 min
Chloroprocain 3 %Konzentration 3 % 14etwa 6 min schneller als Bupivacain 0,5 % 14mehr Hypotonie und Zusatzanalgesie; Verfügbarkeit prüfen
Bupivacain, Levobupivacain oder Ropivacainjeweils in chirurgischer Konzentration 14Bupivacain 0,5 % im Mittel 19,8 min 14für Kategorie 1 zu langsam

Fraktioniert und unter Kreislaufüberwachung wird aufgespritzt; mit welcher Menge begonnen wird, legt das lokale Protokoll fest. Ob das Aufspritzen bereits im Kreißsaal beginnt oder erst im Operationssaal, hängt davon ab, ob dort die Überwachung und die Behandlung einer hohen Blockade oder einer Toxizität gesichert sind (Expertenmeinung).

Wenn der Katheter nicht reicht

Reicht der Katheter nicht, ist das Vorgehen nach der Leitlinie individuell zu wählen: Aufspritzen, neue Spinalanästhesie, CSE oder Allgemeinanästhesie können jeweils richtig sein (bedingte Empfehlung, sehr niedrige Evidenzqualität).1 Eine Spinalanästhesie wirkt schneller als das weitere Aufspritzen, trägt nach einem unzureichenden Periduralblock aber ein höheres Risiko einer hohen Blockade. Die Leitlinie berichtet hohe Blockaden bei hyperbarem Bupivacain über 7,5 mg (3 %), alle nach Umwandlung, und keine hohen Blockaden in einer Serie mit Dosen unter 7,5 mg.1 Daraus folgt keine feste Dosisregel, wohl aber die Pflicht, die Dosis bewusst zu wählen, die Ausbreitung engmaschig zu prüfen und auf eine hohe Blockade vorbereitet zu sein. Muss eine Allgemeinanästhesie folgen, gelten die Regeln des geburtshilflichen Atemwegs aus der Einheit Anästhesie in der Geburtshilfe.

Typische Fehlannahmen
  • „Die CSE hat sofort gewirkt, also funktioniert der Katheter.“ Die Wirkung stammt aus der Spinalkomponente; der Katheter ist noch ungeprüft.
  • „Mehr Volumen hilft bei einseitiger Blockade.“ Eine einseitige Blockade spricht für die Lage; zuerst wird der Katheter zurückgezogen.
  • „PIEB senkt die Sectiorate.“ Belegt sind weniger Durchbruchschmerz und weniger Lokalanästhetikum, nicht eine andere Entbindungsart.
  • „Fieber unter Periduralanalgesie ist immer harmlos.“ Es ist klinisch nicht von einer Infektion zu unterscheiden und wird abgeklärt.
  • „Ein schlecht wirkender Katheter reicht für die Sectio, wenn wir nur genug aufspritzen.“ Häufige Nachinjektionen sind der stärkste beeinflussbare Prädiktor für das Scheitern.

Übung 6.1

Übung 6.2, Rechenaufgabe

Rechenaufgabe zur Umwandlung: Es werden 20 ml Lidocain 2 % mit Adrenalin und 2 ml Natriumbicarbonat 8,4 % gemischt. Wie viel Milligramm Lidocain enthält die Mischung, und welche Lidocainkonzentration (mg/ml) ergibt sich nach dem Mischen?

Lektion 7

Fälle, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Der Katheter, der nachließ

Eine 31-jährige Erstgebärende, 39. Schwangerschaftswoche, 94 kg, erhält bei 4 cm Muttermundsweite eine Periduralanalgesie mit PIEB und PCEA. Die Analgesie ist zunächst gut, Kälteempfinden beidseits bis Th10 aufgehoben, Schmerzskala 1 von 10. Nach vier Stunden meldet sie zunehmende Schmerzen rechts. Innerhalb von zwei Stunden werden drei zusätzliche Boli gegeben, ohne dass die Blockhöhe dokumentiert wird. Bei der Beurteilung: links Kälte bis Th10 aufgehoben, rechts nur bis L1, beide Beine können gehoben werden, das linke Bein ist wärmer als das rechte, Schmerzskala 7 von 10. Blutdruck 118/72 mmHg, Herzfrequenz 96/min. Kurz darauf zeigt das CTG ein pathologisches Muster, und die Geburtshilfe meldet eine Sectio der Kategorie 2 an.

Fall 1, Frage 1

Fall 1, Frage 2

Fall 1, Frage 3

Merksätze

  • Frühe Phase Th10 bis L1, späte Phase S2 bis S4: Schmerz am Damm trotz guter Wirkung zuvor heißt sakrale Lücke.
  • Ab 70 000/µl Thrombozyten ist bei bekannter Ursache und ohne weitere Gerinnungsstörung ein neuraxiales Verfahren vertretbar; bei HELLP den Wert aktuell halten.2
  • Eine schnelle CSE beweist keinen funktionierenden Katheter.
  • PIEB mit PCEA senkt Durchbruchschmerz und Verbrauch, nicht die Sectiorate.8
  • Remifentanil-PCA nur mit Eins-zu-eins-Betreuung, Pulsoxymetrie und erreichbarer Anästhesie.5
  • Einseitig heißt Lage: Katheter auf 3 bis 4 cm zurückziehen, dann Bolus, nach 15 bis 20 Minuten neu beurteilen.1
  • Wer mehrfach nachspritzen muss, legt neu, bevor die Sectio dringlich wird.
  • Für die schnelle Umwandlung: Lidocain 2 % mit Adrenalin und Bicarbonat; Bupivacain 0,5 % braucht rund 20 Minuten.14

Aufgaben

Aufgabe 1: Beurteilung am Bett

Gegeben:
Gebärende, seit fünf Stunden Periduralanalgesie, jetzt Schmerz beidseits im Unterbauch, Kälte beidseits nur bis L1 aufgehoben, keine motorische Blockade, ein Bolus vor 90 Minuten.

Frage:
Wie ordnen Sie den Befund ein, und was tun Sie?

Lösung

Beidseits zu niedrige Ausbreitung nach zunächst guter Wirkung spricht für zu wenig Dosis in einer intensiveren Geburtsphase und nicht für eine Fehllage. Nach der ESAIC-Leitlinie folgt ein Bolus von 6 bis 10 ml Bupivacain 1,25 mg/ml oder Äquivalent mit Blutdruckkontrolle, dann die Neubewertung nach 15 bis 20 Minuten. Bleibt die Linderung aus, wird neu angelegt, bevorzugt als CSE oder DPE.1 Zusätzlich wird geprüft, ob die Blase gefüllt ist und ob der Schmerz zum Geburtsverlauf passt.

Aufgabe 2: Stundenmenge eines Pumpenprogramms

Gegeben:
PIEB 8 ml alle 45 Minuten, dazu im Mittel ein PCEA-Bolus von 5 ml pro Stunde, Lösung mit 0,625 mg/ml Bupivacain.

Frage:
Wie viel Volumen und wie viel Bupivacain erhält die Gebärende pro Stunde (Rechenbeispiel)?

Lösung

PIEB: 8 ml mal 60/45 = 10,7 ml/h. Dazu 5 ml PCEA ergibt 15,7 ml/h. Mal 0,625 mg/ml ergibt etwa 9,8 mg/h Bupivacain. Die gleiche Menge könnte als Basalrate von 15,7 ml/h laufen; der Unterschied programmierter Boli liegt im Muster der Gabe, das im Cochrane-Review mit weniger Durchbruchschmerz verbunden war.8 Rechenbeispiel, keine Dosierungsempfehlung.

Aufgabe 3: Heparin vor der Geburt

Gegeben:
Schwangere mit Enoxaparin 40 mg einmal täglich wegen Thrombophilie, letzte Gabe heute um 8 Uhr, Wehenbeginn um 14 Uhr, Wunsch nach Periduralanalgesie.

Frage:
Ab wann ist die Punktion nach ESAIC/ESRA möglich, und was bedeutet das für die Planung?

Lösung

Für prophylaktisches niedermolekulares Heparin gelten 12 Stunden, also ab 20 Uhr.3 Bis dahin werden andere Analgesieformen angeboten, etwa Lachgas oder, mit den geforderten Überwachungsbedingungen, eine Remifentanil-PCA.5 Für künftige Schwangerschaften gehört die Planung der letzten Gabe vor der erwarteten Geburt in die anästhesiologische Vorstellung. Die Katheterentfernung folgt denselben Zeitregeln.

Aufgabe 4: Entscheidung bei Kategorie 1

Gegeben:
Nabelschnurvorfall, Kategorie 1. Die Gebärende hat einen Katheter, der seit zwei Stunden beidseits bis Th10 wirkt, ohne Nachinjektion.

Frage:
Wie gehen Sie vor, und womit spritzen Sie auf?

Lösung

Ein gut wirkender Katheter ohne Nachinjektionen hat eine gute Aussicht auf eine erfolgreiche Umwandlung.13 Aufgespritzt wird mit der schnellsten verfügbaren Lösung, etwa 20 ml Lidocain 2 % mit Adrenalin 5 µg/ml und 2 ml Natriumbicarbonat 8,4 %, fraktioniert unter Kreislaufüberwachung; der Vorteil gegenüber Bupivacain 0,5 % liegt bei etwa 6 Minuten.14, 13 Parallel wird die Allgemeinanästhesie vorbereitet. Wird die erforderliche Ausbreitung nicht rechtzeitig erreicht, entscheidet die Dringlichkeit über den Wechsel zur Allgemeinanästhesie.1

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Abschlussquiz

Zehn Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
PIEBprogrammierter intermittierender periduraler Bolus, automatisch in festen Abständen
PCEApatientenkontrollierte peridurale Analgesie mit Bolus auf Abruf und Sperrzeit
CSEkombinierte Spinal- und Periduralanalgesie mit intrathekaler Anfangsdosis
Dural-Puncture-EpiduralDurapunktion mit Spinalnadel ohne intrathekale Injektion, danach Periduralkatheter
sekundäres VersagenKatheter, der zunächst ausreichend wirkte und später keine ausreichende Analgesie mehr bietet
H.E.L.P.Gedächtnisstütze der ESAIC zur Beurteilung: bisherige Wirkung, Boli, Beine heben, Temperatur beider Beine
UmwandlungAufspritzen eines Periduralkatheters von der Analgesie zur chirurgischen Anästhesie für die Sectio
Bromage-SkalaSkala zur Beurteilung der motorischen Blockade der Beine

Literatur

  1. Brogly N, Valbuena Gómez I, Afshari A, Ekelund K, Kranke P, Weiniger CF, Lucas N, Dewandre PY, Guasch Arevalo E, Ioscovich A et al. ESAIC focused guidelines for the management of the failing epidural during labour epidural analgesia. Eur J Anaesthesiol. 2025;42(2):96-112. doi:10.1097/EJA.0000000000002108
  2. Bauer ME, Arendt K, Beilin Y et al. The Society for Obstetric Anesthesia and Perinatology Interdisciplinary Consensus Statement on Neuraxial Procedures in Obstetric Patients With Thrombocytopenia. Anesth Analg. 2021;132(6):1531-1544. doi:10.1213/ANE.0000000000005355
  3. Kietaibl S, Ferrandis R, Godier A et al. Regional anaesthesia in patients on antithrombotic drugs: Joint ESAIC/ESRA guidelines. Eur J Anaesthesiol. 2022;39(2):100-132. doi:10.1097/EJA.0000000000001600
  4. Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Die geburtshilfliche Analgesie und Anästhesie. S1-Leitlinie, AWMF-Register 001-038, Version 2.0, Juni 2026. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/001-038
  5. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Intrapartum care. NICE guideline NG235. London: NICE; 2023 (29.09.2023). https://www.nice.org.uk/guidance/ng235
  6. Callahan EC, Lee W, Aleshi P, George RB. Modern labor epidural analgesia: implications for labor outcomes and maternal-fetal health. Am J Obstet Gynecol. 2023;228(5S):S1260-S1269. doi:10.1016/j.ajog.2022.06.017
  7. Singh PM, Monks DT, Bhat AD, Borle A, Kaur M, Yang P, Kanakaraj M. Epidural analgesia versus dural puncture epidural analgesia in labouring parturients: a meta-analysis of randomised controlled trials. Br J Anaesth. 2025;134(5):1402-1414. doi:10.1016/j.bja.2025.01.033
  8. Tan HS, Zeng Y, Qi Y, Sultana R, Tan CW, Sia AT, Sng BL, Siddiqui FJ. Automated mandatory bolus versus basal infusion for maintenance of epidural analgesia in labour. Cochrane Database Syst Rev. 2023;6:CD011344. doi:10.1002/14651858.CD011344.pub3
  9. Patel S, Ciechanowicz S, Blumenfeld YJ, Sultan P. Epidural-related maternal fever: incidence, pathophysiology, outcomes, and management. Am J Obstet Gynecol. 2023;228(5S):S1283-S1304.e1. doi:10.1016/j.ajog.2022.06.026
  10. Cartledge A, Hind D, Bradburn M et al. Interventions for the prevention or treatment of epidural-related maternal fever: a systematic review and meta-analysis. Br J Anaesth. 2022;129(4):567-580. doi:10.1016/j.bja.2022.06.022
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  12. Uppal V, Russell R, Sondekoppam RV, Ansari J, Baber Z, Chen Y et al. Evidence-based clinical practice guidelines on postdural puncture headache: a consensus report from a multisociety international working group. Reg Anesth Pain Med. 2024;49(7):471-501. doi:10.1136/rapm-2023-104817
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  14. Reschke MM, Monks DT, Varaday SS, Ginosar Y, Palanisamy A, Singh PM. Choice of local anaesthetic for epidural caesarean section: a Bayesian network meta-analysis. Anaesthesia. 2020;75(5):674-682. doi:10.1111/anae.14966

Standardwerke

  • Chestnut DH, Wong CA, Tsen LC et al. (Hrsg.). Chestnut’s Obstetric Anesthesia: Principles and Practice. 6. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2019.
  • Gropper MA et al. Miller’s Anesthesia. 10. Aufl. Elsevier; 2024

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