Die interventionelle Schmerztherapie umfasst Injektionen, Blockaden, Radiofrequenzverfahren und implantierte Systeme zur Neuromodulation. Sie ist Teil eines multimodalen Konzepts, das in der Einheit Multimodale Therapie akuter und chronischer Schmerzen beschrieben ist, und sie ersetzt weder Bewegungstherapie noch psychologische Behandlung, die die Einheit Psychologische und physiotherapeutische Schmerzstrategien vorstellt. Die neurobiologischen Grundlagen von Sensibilisierung und absteigender Hemmung stehen in der Einheit Aufsteigende Bahnen, absteigende Hemmung und das Opioidsystem. Diese Einheit fragt: Wann ist eine Intervention sinnvoll, was beweist sie, und was sagt die Evidenz?
Vier Fragen vor jeder Intervention
Eine Intervention ist sinnvoll, wenn vier Fragen hinreichend beantwortet sind. Erstens der Mechanismus: Ist der Schmerz überwiegend nozizeptiv, neuropathisch oder noziplastisch? Eine Nadel an einer umschriebenen Struktur kann nur helfen, wenn der Schmerz tatsächlich von einer umschriebenen Struktur ausgeht. Zweitens die Zielstruktur: Welches Gelenk, welcher Nerv, welche Wurzel soll erreicht werden, und wie gut ist belegt, dass sie den Schmerz erzeugt? Ein bildgebender Befund allein beantwortet diese Frage nicht, weil degenerative Veränderungen der Wirbelsäule auch bei schmerzfreien Menschen häufig sind; für die Facettengelenke fand der internationale Konsensus für Magnetresonanz- und Computertomographie keine oder nur schwache Evidenz, schmerzhafte Gelenke zu identifizieren.1 Drittens der erwartete Nutzen: Wie groß, wie lange, und im Vergleich wozu? Viertens die Erfolgskriterien: Neben der Schmerzintensität zählen Funktion, Alltagsaktivität, Schlaf, Arbeitsfähigkeit, Medikamentenverbrauch und die Dauer des Effekts. Die Empfehlungen zum Iliosakralgelenk betonen ausdrücklich, dass Ergebnisse über Schmerz hinaus erfasst werden sollen.2
Verschiedene Verfahren, verschiedene Fragen
Ein häufiger Denkfehler ist die Eskalationsleiter: erst Infiltration, dann Radiofrequenz, dann Stimulator, als wären das Stufen derselben Behandlung. Tatsächlich beantworten die Verfahren unterschiedliche Fragen. Ein diagnostischer Block prüft eine Hypothese über die Schmerzquelle. Ein prognostischer Block prüft, ob eine anschließende Denervierung wahrscheinlich hilft. Eine therapeutische Injektion, etwa mit einem Kortikosteroid, soll selbst lindern. Die Radiofrequenzdenervierung unterbricht die Leitung eines kleinen sensiblen Nervs für Monate. Die Neuromodulation verändert die Verarbeitung im Rückenmark und kommt bei ausgewählten neuropathischen Schmerzen in Betracht, wenn andere Maßnahmen versagt haben. Tabelle 1 ordnet die wichtigsten Verfahren.
| Verfahren | beantwortet die Frage | Zielstruktur | Evidenzlage in Kürze |
|---|---|---|---|
| Medial-Branch-Block | Kommt der Schmerz aus dem Facettengelenk? | Ramus medialis des Ramus dorsalis | prognostisch besser als intraartikuläre Injektion 1 |
| Radiofrequenzdenervierung Facette | Hält die Linderung Monate an? | Ramus medialis | Konsensus positiv bei guter Auswahl; MINT negativ 1, 3 |
| Iliosakralgelenk, Ramus-lateralis-Denervierung | extraartikulärer Schmerz des Gelenkkomplexes | Rami laterales S1 bis S3 | starke Evidenz für mindestens 6 Monate 2 |
| epidurale Steroidinjektion | Lindert sie radikulären Schmerz? | Nervenwurzel, Periduralraum | kleiner kurzfristiger Effekt 4 |
| Sympathikusblock bei CRPS | Ermöglicht er Therapie? | Ganglion stellatum, lumbaler Grenzstrang | gegenüber Placebo wahrscheinlich kein Effekt 5 |
| Rückenmarkstimulation | Moduliert sie neuropathischen Schmerz? | Hinterstränge | bei Rückenschmerz kein anhaltender Nutzen gegenüber Placebo 6 |
| DRG-Stimulation | segmentale Neuromodulation | Spinalganglion | bei CRPS der unteren Extremität besser als SCS 7 |
Aus diesen Unterschieden folgt, dass jede Intervention vorab ein messbares Ziel braucht, das mit dem Patienten vereinbart und danach überprüft wird. Ohne ein solches Ziel wird aus einer Intervention leicht eine Serie, deren Nutzen niemand mehr beurteilt (Expertenmeinung).