Schmerzmedizin · Stufe WBJ 3

Interventionelle Schmerztherapie, CRPS und Neuromodulation

Eine Nadel beantwortet eine Frage; wer die Frage nicht kennt, kann die Antwort nicht deuten.

Lernziele
  • Vor jeder Intervention Mechanismus, Zielstruktur, erwarteten Nutzen und funktionelle Erfolgskriterien festlegen.
  • Die Fehlerquellen diagnostischer Blockaden benennen und den Vorhersagewert eines positiven Blocks abschätzen.
  • Die Evidenz zur Radiofrequenzdenervierung der Facettengelenke einschließlich der MINT-Studien kritisch darstellen.
  • Die Konsensusempfehlungen 2025 zum Iliosakralgelenkkomplex anwenden.
  • Nutzen und Risiken epiduraler Kortikosteroide nach Cochrane und FDA-Warnung wiedergeben.
  • Ein CRPS nach den Budapest-Kriterien diagnostizieren und die Pathophysiologie erklären.
  • Die Behandlung des CRPS nach der 5. Auflage der Empfehlungen begründen und mit der Cochrane-Evidenz abgleichen.
  • Indikation, Evidenz und Risiken von Rückenmark- und DRG-Stimulation sowie die Sicherheitsregeln bei Interventionen kennen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Sechs Lektionen mit einem Rechner und einer interaktiven Checkliste, sieben Übungen, einem klinischen Fall mit drei Fragen, vier Aufgaben und einem Abschlussquiz.
  2. Voraussetzung: Multimodale Therapie akuter und chronischer Schmerzen.
  3. Ergänzend: Psychologische und physiotherapeutische Schmerzstrategien und Aufsteigende Bahnen, absteigende Hemmung und das Opioidsystem.
  4. Sicherheit: Rückenmarksnahe Verfahren (Antikoagulation) und Praktischer Strahlenschutz.

Lektion 1

Grundsätze: Indikation vor Intervention

Die interventionelle Schmerztherapie umfasst Injektionen, Blockaden, Radiofrequenzverfahren und implantierte Systeme zur Neuromodulation. Sie ist Teil eines multimodalen Konzepts, das in der Einheit Multimodale Therapie akuter und chronischer Schmerzen beschrieben ist, und sie ersetzt weder Bewegungstherapie noch psychologische Behandlung, die die Einheit Psychologische und physiotherapeutische Schmerzstrategien vorstellt. Die neurobiologischen Grundlagen von Sensibilisierung und absteigender Hemmung stehen in der Einheit Aufsteigende Bahnen, absteigende Hemmung und das Opioidsystem. Diese Einheit fragt: Wann ist eine Intervention sinnvoll, was beweist sie, und was sagt die Evidenz?

Vier Fragen vor jeder Intervention

Eine Intervention ist sinnvoll, wenn vier Fragen hinreichend beantwortet sind. Erstens der Mechanismus: Ist der Schmerz überwiegend nozizeptiv, neuropathisch oder noziplastisch? Eine Nadel an einer umschriebenen Struktur kann nur helfen, wenn der Schmerz tatsächlich von einer umschriebenen Struktur ausgeht. Zweitens die Zielstruktur: Welches Gelenk, welcher Nerv, welche Wurzel soll erreicht werden, und wie gut ist belegt, dass sie den Schmerz erzeugt? Ein bildgebender Befund allein beantwortet diese Frage nicht, weil degenerative Veränderungen der Wirbelsäule auch bei schmerzfreien Menschen häufig sind; für die Facettengelenke fand der internationale Konsensus für Magnetresonanz- und Computertomographie keine oder nur schwache Evidenz, schmerzhafte Gelenke zu identifizieren.1 Drittens der erwartete Nutzen: Wie groß, wie lange, und im Vergleich wozu? Viertens die Erfolgskriterien: Neben der Schmerzintensität zählen Funktion, Alltagsaktivität, Schlaf, Arbeitsfähigkeit, Medikamentenverbrauch und die Dauer des Effekts. Die Empfehlungen zum Iliosakralgelenk betonen ausdrücklich, dass Ergebnisse über Schmerz hinaus erfasst werden sollen.2

Verschiedene Verfahren, verschiedene Fragen

Ein häufiger Denkfehler ist die Eskalationsleiter: erst Infiltration, dann Radiofrequenz, dann Stimulator, als wären das Stufen derselben Behandlung. Tatsächlich beantworten die Verfahren unterschiedliche Fragen. Ein diagnostischer Block prüft eine Hypothese über die Schmerzquelle. Ein prognostischer Block prüft, ob eine anschließende Denervierung wahrscheinlich hilft. Eine therapeutische Injektion, etwa mit einem Kortikosteroid, soll selbst lindern. Die Radiofrequenzdenervierung unterbricht die Leitung eines kleinen sensiblen Nervs für Monate. Die Neuromodulation verändert die Verarbeitung im Rückenmark und kommt bei ausgewählten neuropathischen Schmerzen in Betracht, wenn andere Maßnahmen versagt haben. Tabelle 1 ordnet die wichtigsten Verfahren.

Tabelle 1: Interventionelle Verfahren: Frage, Ziel und Evidenzlage (Übersicht)
Verfahrenbeantwortet die FrageZielstrukturEvidenzlage in Kürze
Medial-Branch-BlockKommt der Schmerz aus dem Facettengelenk?Ramus medialis des Ramus dorsalisprognostisch besser als intraartikuläre Injektion 1
Radiofrequenzdenervierung FacetteHält die Linderung Monate an?Ramus medialisKonsensus positiv bei guter Auswahl; MINT negativ 1, 3
Iliosakralgelenk, Ramus-lateralis-Denervierungextraartikulärer Schmerz des GelenkkomplexesRami laterales S1 bis S3starke Evidenz für mindestens 6 Monate 2
epidurale SteroidinjektionLindert sie radikulären Schmerz?Nervenwurzel, Periduralraumkleiner kurzfristiger Effekt 4
Sympathikusblock bei CRPSErmöglicht er Therapie?Ganglion stellatum, lumbaler Grenzstranggegenüber Placebo wahrscheinlich kein Effekt 5
RückenmarkstimulationModuliert sie neuropathischen Schmerz?Hintersträngebei Rückenschmerz kein anhaltender Nutzen gegenüber Placebo 6
DRG-Stimulationsegmentale NeuromodulationSpinalganglionbei CRPS der unteren Extremität besser als SCS 7

Aus diesen Unterschieden folgt, dass jede Intervention vorab ein messbares Ziel braucht, das mit dem Patienten vereinbart und danach überprüft wird. Ohne ein solches Ziel wird aus einer Intervention leicht eine Serie, deren Nutzen niemand mehr beurteilt (Expertenmeinung).

Übung 1.1

Lektion 2

Diagnostische Blockaden und ihre Fehlerquellen

Der diagnostische Block ist das Herzstück der interventionellen Schmerztherapie und zugleich ihre größte Fehlerquelle. Die Idee ist einfach: Wird eine vermutete Schmerzquelle mit einer kleinen Menge Lokalanästhetikum betäubt und verschwindet der gewohnte Schmerz für die Wirkdauer des Mittels, spricht das für diese Quelle. In der Praxis ist ein positiver Block jedoch weit weniger beweisend, als er erscheint.

Warum Blöcke falsch positiv sind

Der internationale Konsensus zu den Facettengelenken nennt eine falsch positive Rate von 30 %, wenn eine deutliche Linderung nach einem Medial-Branch-Block mit Kochsalzlösung als Maßstab gilt.1 Die Gründe sind vielfältig (Abbildung 1). Erwartung und Zuwendung wirken wie bei jeder Behandlung. Eine Sedierung oder ein Opioid während der Injektion verfälschen die Bewertung; der Konsensus empfiehlt deshalb, bei diagnostischen oder prognostischen Facetteninjektionen nicht routinemäßig zu sedieren und, falls nötig, niedrige Dosen kurz wirksamer Sedativa möglichst ohne Opioid zu verwenden.1 Ein zu großes Volumen breitet sich auf Nachbarstrukturen aus; für den lumbalen Medial-Branch-Block empfiehlt der Konsensus weniger als 0,5 ml Gesamtvolumen.1 Hinzu kommen der schwankende Spontanverlauf und eine Bewertung, die zu früh, nur in Ruhe oder ohne Tagebuch erfolgt.

„Block positiv“:Schmerz um 50 % gesenktErwartung, PlaceboKochsalz wirkt oft auchSedierung, Opioidverfälscht die BewertungVolumen, AusbreitungNachbarstrukturen mitbetäubtSpontanverlaufSchmerz schwankt ohnehinBewertung zu früh,nur in Ruhe gemessenGegenmittel: kleines Volumen,keine Sedierung, Schmerztagebuchbei der gewohnten Belastung
Abbildung 1: Quellen falsch positiver diagnostischer Blockaden und ihre Gegenmittel. Eigene Darstellung

Schwellen und Doppelblöcke

Welche Linderung als positiv gilt, ist uneinheitlich. Die Empfehlungen zum Iliosakralgelenk halten fest, dass die Schwelle für einen positiven diagnostischen oder prognostischen Block am häufigsten bei 50 % liegt und höhere Schwellen die Ergebnisse nicht nachweislich verbessern.2 Für die Facettengelenke fand eine prospektive Studie, die der Konsensus zitiert, bei Schwellen zwischen 50 und 100 % keinen Unterschied im Erfolg der Denervierung; Patienten mit weniger als 50 % Linderung schnitten schlechter ab.1 Strengere Auswahlkriterien, etwa zwei vergleichende Blöcke mit kurz und lang wirksamem Lokalanästhetikum, verbessern wahrscheinlich die Ergebnisse der Denervierung, erhöhen aber die Rate falsch negativer Ergebnisse: Patienten, die profitiert hätten, werden ausgeschlossen.1 Der Rechner macht diesen Zielkonflikt sichtbar.

Wie viel beweist ein positiver Block?

Lernmodell nach dem Satz von Bayes. Annahmen: feste Sensitivität, feste Rate falsch positiver Blöcke, und beim Doppelblock zwei voneinander unabhängige Ergebnisse. Die Unabhängigkeit ist in der Wirklichkeit nicht gegeben, weil Erwartung und Placeboreaktion bei derselben Person wiederkehren; der Nutzen des zweiten Blocks wird deshalb überschätzt.

positiver Vorhersagewert, ein Block
zwei positive Blöcke (Modell)
von 100 Positiven nach einem Block falsch

Das Modell zeigt zwei Dinge. Bei niedriger Vortestwahrscheinlichkeit ist ein positiver Block oft falsch positiv, auch wenn der Block technisch perfekt gesetzt war. Und ein zweiter Block hebt den Vorhersagewert nur dann stark an, wenn die beiden Ergebnisse wirklich unabhängig sind, was bei derselben Person mit denselben Erwartungen nicht zutrifft. Eine gute Anamnese und Untersuchung, die die Vortestwahrscheinlichkeit erhöhen, sind deshalb mindestens so wichtig wie die Blockadetechnik (Expertenmeinung).

Praktische Regeln für diagnostische Blockaden
  • kleines Volumen, unter Durchleuchtung oder Ultraschall platziert, bei lumbalen Medial-Branch-Blocks unter 0,5 ml1
  • keine routinemäßige Sedierung, kein Opioid1
  • Schmerz vor dem Block bei der typischen Belastung messen und danach über die Wirkdauer im Tagebuch dokumentieren
  • Schwelle vorab festlegen, meist 50 % Linderung2
  • Ein Block prüft eine Hypothese; das Ergebnis wird mit Anamnese und Untersuchung zusammen bewertet

Übung 2.1

Übung 2.2, Rechenaufgabe

Bei einem Patienten schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass sein Schmerz aus den Facettengelenken stammt, auf 20 %. Der Block hat eine Sensitivität von 90 % und eine falsch positive Rate von 30 %. Wie hoch ist der positive Vorhersagewert eines positiven Einzelblocks in Prozent?

Lektion 3

Facettengelenke, Radiofrequenz und Iliosakralgelenk

Die lumbalen Facettengelenke werden von den Rami mediales der Rami dorsales der Spinalnerven versorgt, jedes Gelenk von zwei Ästen. Das erlaubt einen eleganten Weg: Die Äste werden zuerst mit einem kleinen Volumen Lokalanästhetikum geprüft und bei positivem Ergebnis mit Radiofrequenz thermisch unterbrochen. Die Nerven regenerieren, sodass der Effekt zeitlich begrenzt ist und das Verfahren wiederholt werden kann (Lehrbuchwissen).

Was der Konsensus sagt

Der multidisziplinäre internationale Konsensus von 2020 beantwortete 17 Fragen einstimmig. Seine Kernaussagen: Die Radiofrequenzdenervierung der Rami mediales kann gut ausgewählten Patienten nützen; Medial-Branch-Blocks haben einen besseren prognostischen Wert als intraartikuläre Injektionen; strengere Auswahlkriterien verbessern wahrscheinlich die Ergebnisse, erhöhen aber die Rate falsch negativer Auswahl.1 Für die Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie (SPECT) fand der Konsensus moderate Evidenz zur Identifikation schmerzhafter Gelenke vor Medial-Branch-Blocks, für Magnetresonanz- und Computertomographie nicht.1 Intraartikuläre Steroidinjektionen sind für den chronischen Rückenschmerz nicht ausreichend belegt; sie können in Einzelfällen gleichzeitig als prognostischer Block dienen.1

Die MINT-Studien

Dem steht eine große pragmatische Studie gegenüber. In den drei niederländischen MINT-Studien wurden Patienten mit chronischem Rückenschmerz aus dem Facettengelenk, dem Iliosakralgelenk oder beiden nach einem positiven diagnostischen Block randomisiert: Radiofrequenzdenervierung zusätzlich zu einem standardisierten Übungsprogramm oder das Übungsprogramm allein. Nach drei Monaten ergab die Denervierung entweder keine oder keine klinisch bedeutsame Verbesserung der Schmerzintensität.3 Die Studie ist älter als fünf Jahre, aber für die Prüfung zentral, weil sie den Konflikt zwischen Konsensus und pragmatischer Evidenz zeigt. Diskutiert werden die Auswahl nach nur einem diagnostischen Block, die Technik der Läsion und die Frage, ob eine pragmatische Studie mit breiter Auswahl eine Wirkung in gut selektierten Gruppen verdecken kann (Expertenmeinung). Für die Prüfung gilt: Die Wirksamkeit hängt entscheidend von der Auswahl ab, und die Evidenz ist uneinheitlich.

Das Iliosakralgelenk: Konsensus 2025

Der Schmerz des Iliosakralgelenkkomplexes ist nach den internationalen Empfehlungen von 2025 eine unterschätzte Quelle; er betrifft 15 bis 30 % der Patienten mit axialem Schmerz, der überwiegend unterhalb von L5 liegt. Die Empfehlungen wurden von 25 Organisationen entwickelt und beantworten 21 Fragen.2 Sie unterscheiden konsequent zwischen intraartikulärem und extraartikulärem Schmerz, also dem Gelenk selbst und den Bändern und Weichteilen des Komplexes. Diese Trennung zieht sich durch alle Empfehlungen:

Tabelle 2: Iliosakralgelenkkomplex: Kernaussagen der Konsensusempfehlungen 2025
FrageAussage
UntersuchungEine Batterie von Provokationstests hat eine brauchbare Sensitivität, aber geringere Spezifität für intraartikulären, nicht für extraartikulären Schmerz
diagnostische InjektionIntraartikuläre Injektionen sind für intraartikulären, nicht für extraartikulären Schmerz diagnostisch aussagekräftig
Schwellemeist 50 % Linderung; höhere Schwellen verbessern die Ergebnisse nicht nachweislich
Steroidintra- und extraartikuläre Steroidinjektionen können bei guter Auswahl mindestens 4 Wochen lindern
Radiofrequenzstarke Evidenz, dass die Denervierung der Rami laterales bei extraartikulärem Schmerz mindestens 6 Monate lindert; größere Läsionen schneiden besser ab
Fusionschwache oder sehr schwache Evidenz für einen Nutzen minimalinvasiver Fusion über mindestens ein Jahr
Gesamtkonzeptinterdisziplinärer, multimodaler Behandlungsplan

Alle Aussagen der Tabelle stammen aus den Konsensusempfehlungen.2 Für die Praxis bedeutet das: Ein einzelner positiver Provokationstest beweist nichts, eine negative intraartikuläre Injektion schließt einen extraartikulären Schmerz nicht aus, und die Radiofrequenzdenervierung ist beim extraartikulären Schmerz am besten belegt.

Übung 3.1

Lektion 4

Epidurale Kortikosteroide

Epidurale Kortikosteroidinjektionen gehören zu den häufigsten Interventionen weltweit. Ihre Begründung ist die Entzündung der Nervenwurzel bei Bandscheibenvorfall oder Stenose. Sie zielen deshalb auf den radikulären Schmerz, also den ins Bein ausstrahlenden Schmerz im Versorgungsgebiet einer Wurzel, nicht auf den axialen Rückenschmerz (Lehrbuchwissen).

Zugänge

Drei Zugänge werden unterschieden. Der interlaminäre Zugang entspricht der Technik der Periduralanästhesie. Der transforaminale Zugang bringt die Nadel unter Durchleuchtung an das Foramen intervertebrale und das Medikament nahe an die betroffene Wurzel. Der kaudale Zugang über den Hiatus sacralis erreicht die unteren Segmente. Der transforaminale Weg liegt nahe an den Radikulararterien, die zum Rückenmark ziehen; eine intraarterielle Injektion partikulärer Steroidsuspensionen wird als Mechanismus schwerer ischämischer Komplikationen diskutiert. Deshalb werden dort Kontrastmittel unter Echtzeitdurchleuchtung und nicht partikuläre Präparate wie Dexamethason bevorzugt (Expertenmeinung und Lehrbuchwissen).

Aktuelle Evidenz

Der Cochrane-Review von 2020 schloss 25 Studien mit 2 470 Teilnehmern mit lumbosakralem radikulärem Schmerz ein. Epidurale Kortikosteroide waren kurzfristig wahrscheinlich etwas wirksamer als Placebo: Beinschmerz im Mittel 4,93 Punkte niedriger auf einer Skala von 0 bis 100 (8 Studien, 949 Teilnehmer), Behinderung 4,18 Punkte niedriger (12 Studien, 1 367 Teilnehmer), jeweils moderate Vertrauenswürdigkeit. Die Autoren halten diese Effekte für klein, überwiegend kurzfristig und möglicherweise klinisch nicht bedeutsam. Unerwünschte Ereignisse waren meist gering; ein Patient unter Antikoagulation erlitt ein retroperitoneales Hämatom.4

Die amerikanische Arzneimittelbehörde warnte 2014, dass epidurale Kortikosteroidinjektionen seltene, aber schwere Ereignisse wie Sehverlust, Schlaganfall, Lähmung und Tod verursachen können, und hielt fest, dass Wirksamkeit und Sicherheit für diese Anwendung nicht belegt sind und keine Zulassung dafür besteht.8

Wem eine Injektion nützen kann

Die Zahlen sprechen nicht gegen jede Injektion, wohl aber gegen die Routine. Sinnvoll erscheint eine Injektion bei akutem oder subakutem radikulärem Schmerz, der trotz konservativer Behandlung die Mobilisierung, den Schlaf oder die Arbeitsfähigkeit verhindert, als zeitlich begrenzte Hilfe, um eine aktive Therapie zu ermöglichen. Wenig sinnvoll ist sie beim axialen Rückenschmerz ohne radikuläre Komponente, bei chronischen Verläufen ohne entzündliche Komponente und als wiederholte Serie ohne Funktionsziel (Expertenmeinung auf Grundlage der genannten Evidenz). Da die Steroide off label eingesetzt werden, gehören eine sorgfältige Aufklärung über Nutzen und Risiken und die Dokumentation der Indikation dazu.8

Systemische Wirkungen

Auch lokal gegebene Steroide wirken systemisch. Blutzuckeranstiege bei Diabetes, eine Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse über Tage bis Wochen und Schlafstörungen sind zu erwarten; die Gesamtdosis mehrerer Injektionen innerhalb kurzer Zeit summiert sich (Lehrbuchwissen). Patienten mit Diabetes werden über Blutzuckerkontrollen in den Tagen nach der Injektion informiert.

Übung 4.1

Lektion 5

Komplexes regionales Schmerzsyndrom

Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) ist ein Schmerzsyndrom einer Extremität, das meist nach einer Verletzung oder Operation entsteht und in seiner Intensität und Dauer in keinem Verhältnis zum Auslöser steht. Unterschieden werden Typ 1 ohne und Typ 2 mit nachweisbarer Nervenläsion. Das CRPS ist eine klinische Diagnose: Kein Labor-, Röntgen-, Szintigraphie- oder Temperaturbefund bestätigt sie für sich allein (Lehrbuchwissen).9

Die Budapest-Kriterien

Die Budapest-Kriterien sind der von der IASP übernommene Standard. Die 5. Auflage der praxisbezogenen Empfehlungen beschreibt sie als breit angelegte, zugängliche Kriterien für die klinische Anwendung; gegenüber den ursprünglichen IASP-Kriterien von 1994 mit einer Sensitivität von 0,98 und einer Spezifität von 0,36 erreichen sie eine Sensitivität von 0,99 bei einer Spezifität von 0,68.9 Die Verbesserung beruht darauf, dass Symptome und Zeichen getrennt gefordert werden und mehrere Kategorien betroffen sein müssen.

Tabelle 3: Budapest-Kriterien (klinische Fassung)
KriteriumAnforderung
1. Schmerzanhaltend, unverhältnismäßig zum auslösenden Ereignis
2. Symptomemindestens ein berichtetes Symptom in drei der vier Kategorien
3. Zeichenmindestens ein bei der Untersuchung erhobenes Zeichen in zwei oder mehr der vier Kategorien
4. Ausschlusskeine andere Diagnose erklärt die Befunde besser
Kategoriensensorisch (Hyperalgesie, Allodynie); vasomotorisch (Temperatur, Hautfarbe); sudomotorisch und Ödem; motorisch und trophisch (Beweglichkeit, Schwäche, Tremor, Dystonie, Haar, Nägel, Haut)

Budapest-Kriterien: Checkliste

Klinische Kriterien nach der IASP in der Fassung der 5. Auflage der CRPS-Empfehlungen. Symptome sind Angaben der Patienten zu irgendeinem Zeitpunkt, Zeichen müssen bei der Untersuchung vorliegen. Die Checkliste ersetzt nicht die Untersuchung und nicht die Abgrenzung anderer Diagnosen.

2. Symptome (berichtet), mindestens eines in drei von vier Kategorien

3. Zeichen (untersucht), mindestens eines in zwei von vier Kategorien

Symptomkategorien
Zeichenkategorien
Auswertung

Zur Verlaufsbeurteilung dient der CRPS Severity Score mit 16 Elementen (acht Zeichen, acht Symptome); eine Änderung um fünf Punkte oder mehr gilt als klinisch bedeutsam.9 Für Patienten, die die Kriterien früher erfüllt haben und sich gebessert haben, aber noch Beschwerden zeigen, beschreibt die Empfehlung die Kategorie „CRPS mit Remission einiger Merkmale“.9

Pathophysiologie

Das CRPS ist kein einheitlicher Mechanismus, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Vorgänge, deren Gewicht zwischen Patienten und im Verlauf wechselt. In der frühen Phase stehen Zeichen einer Entzündung im Vordergrund: Schwellung, Überwärmung und Rötung, getragen von einer neurogenen Entzündung mit Freisetzung von Neuropeptiden aus nozizeptiven Fasern. Hinzu kommen eine gestörte autonome Regulation von Durchblutung und Schwitzen, eine periphere und zentrale Sensibilisierung, Veränderungen der kortikalen Repräsentation der betroffenen Extremität bis hin zu einem veränderten Körperbild, und bei einem Teil der Patienten autoimmune Mechanismen (Übersicht).10 Die Immobilisation, oft aus Angst vor Schmerz, verstärkt Ödem, Steifigkeit und kortikale Umbauvorgänge. Daraus erklärt sich, warum die Funktionswiederherstellung im Zentrum der Behandlung steht.

Behandlung

Die 5. Auflage der Empfehlungen stellt die Funktionswiederherstellung als Grundlage in den Mittelpunkt. Medikamente, Blockaden und Psychotherapie sollen vor allem eingesetzt werden, wenn Patienten in angemessener Zeit keine Fortschritte machen, mit Ausnahmen bei schweren Begleiterkrankungen.9 Für Graded Motor Imagery, eine Stufenfolge aus Lateralitätserkennung, vorgestellten Bewegungen und Spiegeltherapie, sehen die Autoren gute bis sehr gute Evidenz in Kombination mit medizinischer Behandlung.9 Die Cochrane-Übersicht von 2023 ist deutlich zurückhaltender: Sie fand für keine Behandlung Evidenz hoher Vertrauenswürdigkeit; für viele gängige Maßnahmen reicht die Evidenz sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit weder für noch gegen den Einsatz.5 Diese Spannung zwischen Expertenempfehlung und systematischer Bewertung ist typisch für das CRPS und gehört zur Prüfungsantwort.

Grundlage: FunktionswiederherstellungPhysio- und Ergotherapie, Graded Motor Imagery, EdukationMedikamentefrüh: KortikosteroidBisphosphonatneuropathisch wirksameSubstanzenPsychologieAngst, VermeidungBewältigungSchlaf, StimmungInterventionenSympathikusblock alsFenster für TherapieNeuromodulationbei TherapieresistenzAlles oberhalb dient dazu, die Grundlage möglich zu machen
Abbildung 2: Behandlung des CRPS: Funktionswiederherstellung als Grundlage, alles andere als Hilfe dazu. Eigene Darstellung

Zu den Einzelmaßnahmen: Bisphosphonate können nach der Cochrane-Übersicht die Schmerzintensität nach der Behandlung verringern (niedrige Vertrauenswürdigkeit, 4 Studien, 181 Teilnehmer), sind aber wahrscheinlich mit mehr unerwünschten Ereignissen verbunden (Risikoverhältnis 2,10; moderate Vertrauenswürdigkeit).5 Kortikosteroide werden in der frühen, entzündlich geprägten Phase als kurzer Versuch eingesetzt; die Studien dazu sind klein, und eine feste Empfehlung zu Dosis und Dauer lässt sich aus der Evidenz nicht ableiten (Expertenmeinung). Für Sympathikusblockaden mit Lokalanästhetikum fand die Cochrane-Übersicht mit moderater Vertrauenswürdigkeit, dass sie die Schmerzintensität gegenüber Placebo wahrscheinlich nicht senken.5 Die Expertenempfehlung sieht sie deshalb nicht als Heilverfahren, sondern als Möglichkeit, ein Fenster zu öffnen, wenn die Allodynie so stark ist, dass die Rehabilitation nicht möglich ist.9 Psychologische Mitbehandlung zielt auf Angst, Vermeidung und Bewältigung; die Einheit Psychologische und physiotherapeutische Schmerzstrategien beschreibt die Methoden.

Übung 5.1

Lektion 6

Neuromodulation und Sicherheit

Bei der Neuromodulation werden Elektroden in den Periduralraum über die Hinterstränge (Rückenmarkstimulation, SCS) oder an das Spinalganglion (DRG-Stimulation) gelegt und mit einem implantierten Generator verbunden. Vor der Implantation steht in der Regel eine Teststimulation über Tage; nur wenn sie ein vorab festgelegtes Ziel erreicht, wird dauerhaft implantiert (Lehrbuchwissen). Das Verfahren ist invasiv, teuer und hat eine relevante Rate an Revisionen; die Auswahl ist deshalb die wichtigste Entscheidung.

Rückenmarkstimulation beim Rückenschmerz

Der Cochrane-Review von 2023 schloss 13 randomisierte Studien mit 699 Teilnehmern mit chronischem Rückenschmerz ein. Nach sechs Monaten verbesserte die Rückenmarkstimulation Rücken- oder Beinschmerz, Funktion und Lebensqualität gegenüber einer Placebostimulation wahrscheinlich nicht; die Autoren folgern, dass die Daten den Einsatz beim Rückenschmerz außerhalb klinischer Studien nicht stützen. Unerwünschte Ereignisse wie Infektion, Elektrodendislokation und Nervenschäden betrafen 18 % der Teilnehmer, in der einzigen placebokontrollierten Studie über zwölf Monate war bei 8 % eine Revision nötig.6 Die meisten Studien hatten nur kurze Beobachtungszeiten, und zehn der 13 Studien hatten finanzielle Verbindungen zu Herstellern.6

DRG-Stimulation beim CRPS

Anders ist die Lage bei ausgewählten neuropathischen Schmerzen der unteren Extremität. In einer randomisierten Vergleichsstudie mit 152 Patienten mit CRPS oder Kausalgie der unteren Extremität erreichten nach drei Monaten 81,2 % mit DRG-Stimulation und 55,7 % mit Rückenmarkstimulation eine Linderung um mindestens 50 %; der Vorteil blieb über zwölf Monate bestehen, und die Parästhesien schwankten weniger mit der Körperhaltung.7 Die Studie verglich zwei aktive Verfahren ohne Placebokontrolle und ist älter als fünf Jahre; sie begründet die DRG-Stimulation als Option bei schwer beeinträchtigten Patienten mit fokalem CRPS, bei denen die Rehabilitation nicht vorankommt.9

Sicherheit: Gerinnung, Infektion, Strahlung

Tiefe Blockaden und Verfahren im Periduralraum unterliegen denselben Zeitabständen für Antikoagulanzien und Thrombozytenfunktionshemmer wie rückenmarknahe Anästhesieverfahren; die gemeinsame Leitlinie von ESAIC und ESRA ordnet tiefe Blockaden ausdrücklich der Gruppe mit hohem Blutungsrisiko zu.11 Für oberflächliche Injektionen gelten geringere Einschränkungen.11 Die Zeitabstände im Einzelnen stehen in der Einheit Rückenmarksnahe Verfahren. Implantationen von Stimulationssystemen verlangen eine konsequente Infektionsprophylaxe; eine Infektion kann die Explantation erzwingen (Lehrbuchwissen) und gehörte im Cochrane-Review zu den berichteten unerwünschten Ereignissen.6 Die meisten Wirbelsäuleninterventionen erfolgen unter Durchleuchtung: Strahlenschutz für Patienten und Team, Dosisdokumentation und Rechtfertigung jeder Anwendung behandeln die Einheiten zum Strahlenschutz, etwa Praktischer Strahlenschutz.

Tabelle 4: Sicherheitscheck vor einer Intervention
PunktFrage
IndikationMechanismus, Zielstruktur, erwarteter Nutzen, vereinbartes Funktionsziel
GerinnungAntikoagulanzien und Thrombozytenfunktionshemmer nach ESAIC/ESRA pausiert, tiefe Blockade wie neuraxial
Infektionkeine lokale oder systemische Infektion, Asepsis, bei Implantation Prophylaxe
Allergie und KontrastmittelKontrastmittel, Lokalanästhetika, Latex
SteroidDiabetes, Glaukom, kurz zurückliegende Steroidgaben
StrahlungSchwangerschaft ausgeschlossen, Schutzmittel, Dosis dokumentiert
AufklärungNutzen realistisch, Off-Label-Gebrauch, seltene schwere Komplikationen
Typische Fehlannahmen
  • „Die Magnetresonanztomographie zeigt die Schmerzquelle.“ Degenerative Befunde sind häufig; bildgebende Befunde identifizieren schmerzhafte Facettengelenke nicht zuverlässig.
  • „Ein positiver Block beweist die Diagnose.“ Falsch positive Raten um 30 % sind beschrieben.
  • „Mehr Linderung als Schwelle ist immer besser.“ Höhere Schwellen verbessern die Ergebnisse nicht nachweislich und schließen mehr Patienten aus.
  • „Epidurale Steroide helfen beim Rückenschmerz.“ Belegt ist ein kleiner kurzfristiger Effekt beim radikulären Schmerz.
  • „Sympathikusblockaden heilen das CRPS.“ Gegenüber Placebo wahrscheinlich kein Effekt; sie können ein Fenster für Therapie öffnen.
  • „Ruhigstellen schützt beim CRPS.“ Immobilisation verstärkt die Mechanismen; Funktion ist die Grundlage der Behandlung.

Übung 6.1

Lektion 7

Fälle, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Die Hand nach dem Gips

Eine 52-jährige Frau stellt sich acht Wochen nach einer konservativ behandelten distalen Radiusfraktur rechts vor. Der Gips wurde vor zwei Wochen entfernt, die Fraktur ist knöchern verheilt. Sie berichtet über brennenden Dauerschmerz der ganzen Hand (7 von 10), Schmerz schon bei Berührung durch den Ärmel, eine wechselnd rötliche Verfärbung, Schwellung, vermehrtes Schwitzen und Steifigkeit der Finger. Befund: Allodynie bei leichter Berührung am Handrücken, Hauttemperatur rechts 1,6 °C höher als links, sichtbares Ödem, Faustschluss unvollständig. Keine Fieberzeichen, Entzündungswerte normal, Nervenleitung ohne Befund. Sie hält die Hand seit Wochen ruhig, weil jede Bewegung schmerzt.

Fall 1, Frage 1

Fall 1, Frage 2

Fall 1, Frage 3

Merksätze

  • Vor jeder Nadel: Mechanismus, Zielstruktur, erwarteter Nutzen, Funktionsziel.
  • Bildgebung zeigt Befunde, nicht Schmerzquellen.1
  • Diagnostische Blocks: kleines Volumen, keine Routinesedierung, Tagebuch; falsch positiv um 30 %.1
  • Radiofrequenz wirkt nur bei guter Auswahl; MINT zeigt die Grenzen.3
  • Iliosakralgelenk: Denervierung der Rami laterales bei extraartikulärem Schmerz am besten belegt.2
  • Epidurale Steroide: kleiner, kurzer Effekt bei radikulärem Schmerz, off label.4, 8
  • CRPS ist klinisch: Budapest-Kriterien, Funktion als Grundlage, Blockaden nur als Fenster.9
  • Rückenmarkstimulation beim Rückenschmerz: wahrscheinlich kein anhaltender Nutzen gegenüber Placebo.6

Aufgaben

Aufgabe 1: Budapest am Bett

Gegeben:
Patient nach Sprunggelenksdistorsion vor zehn Wochen: berichtet Allodynie, Kältegefühl und bläuliche Verfärbung, Schwitzen; bei der Untersuchung Allodynie und Temperaturdifferenz von 1,2 °C, keine Schwellung, Beweglichkeit frei.

Frage:
Sind die Budapest-Kriterien erfüllt? Begründen Sie.

Lösung

Symptome: sensorisch (Allodynie), vasomotorisch (Temperatur, Farbe), sudomotorisch (Schwitzen), also drei Kategorien erfüllt. Zeichen: sensorisch (Allodynie) und vasomotorisch (Temperaturdifferenz), also zwei Kategorien erfüllt. Wenn der Schmerz unverhältnismäßig ist und keine andere Diagnose, etwa eine Gefäßerkrankung oder eine Nervenkompression, die Befunde besser erklärt, sind die klinischen Kriterien erfüllt.9

Aufgabe 2: Vorhersagewert eines Blocks

Gegeben:
Vortestwahrscheinlichkeit 40 %, Sensitivität 90 %, falsch positive Rate 30 %.

Frage:
Wie hoch ist der positive Vorhersagewert eines Einzelblocks, und was ändert sich gegenüber einer Vortestwahrscheinlichkeit von 20 %?

Lösung

Richtig positiv 0,4 mal 0,9 = 0,36; falsch positiv 0,6 mal 0,3 = 0,18. Vorhersagewert 0,36 geteilt durch 0,54 = 67 %. Bei 20 % Vortestwahrscheinlichkeit lag er bei etwa 43 %. Die Anamnese, die die Vortestwahrscheinlichkeit hebt, verbessert die Aussagekraft des Blocks mehr als jede Verfeinerung der Technik. Die falsch positive Rate von 30 % entspricht der Angabe im Konsensus.1

Aufgabe 3: Rückenmarkstimulator bei Rückenschmerz

Gegeben:
Patient, 55 Jahre, seit vier Jahren axialer Rückenschmerz ohne radikuläre Komponente, keine Voroperation, Physiotherapie und Medikamente ohne ausreichenden Erfolg, wünscht einen Stimulator.

Frage:
Wie beraten Sie ihn?

Lösung

Die Cochrane-Evidenz 2023 zeigt gegenüber Placebo nach sechs Monaten wahrscheinlich keinen Nutzen und rät vom Einsatz außerhalb von Studien ab; unerwünschte Ereignisse betrafen 18 %.6 Der Patient wird ehrlich darüber informiert. Sinnvoller ist ein interdisziplinäres multimodales Programm mit aktiver Bewegungstherapie und psychologischer Behandlung; gegebenenfalls wird geprüft, ob eine umschriebene Quelle wie das Iliosakralgelenk mit gutem Vorhersagewert in Frage kommt.2

Aufgabe 4: Blockade unter Antikoagulation

Gegeben:
Patientin mit Apixaban wegen Vorhofflimmerns soll eine Stellatumblockade bei CRPS erhalten.

Frage:
Was ist vor der Blockade zu klären?

Lösung

Die Stellatumblockade ist eine tiefe Blockade; nach ESAIC/ESRA gelten für tiefe Blockaden dieselben Zeitabstände wie für neuraxiale Verfahren.11 Zuerst wird der Nutzen kritisch geprüft: Gegenüber Placebo senken Sympathikusblockaden den Schmerz wahrscheinlich nicht, sie sind allenfalls ein Fenster für die Rehabilitation.5, 9 Wird die Blockade dennoch geplant, folgt die Pause von Apixaban nach Leitlinie und in Abstimmung mit der behandelnden Kardiologie.

Aufgabenblock abschließen

Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.

Abschlussquiz, etwa 10 Minuten

Abschlussquiz

Zehn Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
Medial-Branch-BlockBetäubung der Rami mediales der Rami dorsales zur Prüfung einer Facettengelenksquelle
Radiofrequenzdenervierungthermische Unterbrechung eines sensiblen Nervenastes mit Hochfrequenzstrom
positiver VorhersagewertAnteil der positiven Testergebnisse, die tatsächlich richtig positiv sind
Budapest-Kriterienklinische Diagnosekriterien des CRPS mit Symptomen und Zeichen in vier Kategorien
Graded Motor ImageryStufenfolge aus Lateralitätserkennung, vorgestellten Bewegungen und Spiegeltherapie
CRPS Severity ScoreSkala mit 16 Elementen zur Verlaufsbeurteilung; Änderung ab 5 Punkten bedeutsam
Rückenmarkstimulationelektrische Stimulation der Hinterstränge über peridurale Elektroden
DRG-Stimulationelektrische Stimulation des Spinalganglions für segmentale Schmerzen

Literatur

  1. Cohen SP, Bhaskar A, Bhatia A, Buvanendran A, Deer T, Garg S et al. Consensus practice guidelines on interventions for lumbar facet joint pain from a multispecialty, international working group. Reg Anesth Pain Med. 2020;45(6):424-467. doi:10.1136/rapm-2019-101243
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Standardwerke

  • Fishman SM, Ballantyne JC, Rathmell JP (Hrsg.). Bonica’s Management of Pain. 5. Auflage. Philadelphia: Wolters Kluwer; 2018.
  • Gropper MA et al. Miller’s Anesthesia. 10. Aufl. Elsevier; 2024

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