Die Difficult Airway Society hat ihre Leitlinie zur unerwartet schwierigen Intubation Erwachsener nach zehn Jahren neu gefasst. Die Fassung trägt die Jahreszahl 2025, erschien online im November 2025 und im Heft im Januar 2026.1 Wer sie nur als neue Grafik mit den vertrauten Plänen A bis D liest, übersieht den eigentlichen Wechsel. Die Autoren schreiben ausdrücklich, dass sie den Schwerpunkt von der Vermeidung und Bewältigung des Scheiterns auf die Maximierung des Erfolgs verlagern. Die Leitlinie beginnt deshalb nicht beim misslungenen Versuch, sondern bei Beurteilung, Lagerung, Präoxygenierung, Überwachung, Teamaufstellung und Material, also bei allem, was vor dem ersten Blick in den Rachen geschieht.1
Methodisch beruht die Fassung auf einer systematischen Literatursuche ab 2012 mit 1241 eingeschlossenen Arbeiten und einem dreistufigen Delphi-Verfahren; eine Empfehlung wurde aufgenommen, wenn mindestens 70 % der Beteiligten zustimmten. Zwölf Mitglieder der Arbeitsgruppe trafen sich über drei Jahre in 65 Sitzungen, und die Evidenz wurde nach einem modifizierten System des Oxford Centre for Evidence-Based Medicine in die Stufen A bis D eingeteilt, nicht nach GRADE. Am Ende stehen 65 Empfehlungen.1 Für die Prüfung ist wichtig, was daraus folgt: Randomisierte Studien gibt es für Teilfragen wie Videolaryngoskopie und Präoxygenierung, nicht für die Reihenfolge der Pläne und nicht für die Technik der Notfallkoniotomie. Diese Teile sind Expertenkonsens, der auf Fallserien, Simulationsstudien und den großen britischen Registerauswertungen beruht.
Was bleibt, was ist neu
Geblieben ist das lineare Gerüst: Plan A ist die tracheale Intubation, Plan B die Oxygenierung über einen supraglottischen Atemweg, Plan C ein letzter Versuch mit der Gesichtsmaske und Plan D der Notfallzugang über die Vorderseite des Halses, im Englischen emergency front-of-neck airway (eFONA). Geblieben ist auch die Obergrenze von drei Intubationsversuchen und einem vierten durch eine erfahrenere Person, die schon 2015 galt.2, 1 Neu ist die Gewichtung. Die Videolaryngoskopie soll bei der Intubation eingesetzt werden, wann immer das möglich ist. Die Sauerstoffzufuhr soll während des gesamten Atemwegsmanagements nicht unterbrochen werden, also auch während der Laryngoskopie über eine Nasenbrille. Die Tubuslage wird mit einer Zwei-Punkte-Kontrolle bestätigt. Erstmals ausführlich behandelt werden der physiologisch schwierige Atemweg, Adipositas, der Ultraschall des Atemwegs, Human Factors mit der Rolle der Atemwegsassistenz, die Dokumentation und das Training. Für die Notfallkoniotomie ist die vertikale Hautinzision jetzt Standard, sobald nicht sicher feststeht, dass die Membran tastbar ist.1
| Merkmal | DAS 2015 | DAS 2025 | ASA 2022 | S1 Atemwegsmanagement 2023 |
|---|---|---|---|---|
| Leitgedanke | Scheitern erkennen und beherrschen | Erfolg maximieren, Oxygenierung durchgehend | Planung vor der Einleitung, Zeit und Sättigung im Blick | Oxygenierung, Kapnographie, begrenzte Versuche |
| Intubationsversuche | höchstens 3, ein 4. durch Erfahrenere | unverändert 3 plus 1, als Obergrenze, nicht als Ziel | je Technikklasse 3 plus 1 | direkte Laryngoskopie höchstens 2 |
| Laryngoskop | Videolaryngoskop als Option | Videolaryngoskop, wann immer möglich | Videolaryngoskop bei vorhergesagter Schwierigkeit | nicht Gegenstand dieser Übersicht |
| Oxygenierung | Nasenbrille bis 15 l/min, High-Flow bis 70 l/min | durchgehend, High-Flow über 30 l/min als Begriff | Sauerstoff während des gesamten Vorgehens | High-Flow über 60 l/min zur Apnoeoxygenierung |
| Supraglottischer Atemweg | höchstens 3 Versuche | zweite Generation, höchstens 3 Versuche | als Rettungsverfahren | nicht Gegenstand dieser Übersicht |
| Notfallkoniotomie | Skalpell, Bougie, Tubus; vertikal nur bei nicht tastbarer Membran | Skalpell, Bougie, Tubus; vertikaler Hautschnitt als Standard bei Unsicherheit | invasiver Zugang, Technik nach Training | chirurgische Technik den perkutanen überlegen |
Die Tabelle beruht auf den Originalen.2, 1, 3, 4 Sie zeigt, dass sich die Leitlinien in den Grundsätzen einig sind und in den Zahlen unterscheiden. Die deutsche S1-Leitlinie begrenzt die direkte Laryngoskopie auf zwei Versuche, die britische und die amerikanische nennen drei plus einen. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Frage der Obergrenze: Keine Leitlinie verlangt, das Kontingent auszuschöpfen, und alle verlangen, dass jeder weitere Versuch etwas verbessert.4, 1
ASA 2022 als Planungsrahmen
Die amerikanische Leitlinie von 2022 ist weniger ein Rettungsalgorithmus als ein Planungswerkzeug. Sie stellt vor die Einleitung ein Entscheidungsschema, das fragt, ob eine Wachintubation angezeigt ist, und sie betont zwei Größen, die im Stress verloren gehen: die verstrichene Zeit und die Sauerstoffsättigung. Beide sollen laut verfolgt werden, damit das Team nicht in einer Fixierung auf den nächsten Versuch hängen bleibt. Versuche werden je Technikklasse auf drei plus einen durch eine erfahrenere Person begrenzt, und für Kinder gibt es erstmals einen eigenen Algorithmus, der bei aussichtsloser Lage früh an extrakorporale Verfahren denken lässt.3 Die britische Leitlinie 2025 übernimmt den Gedanken der Planung vor der Einleitung: Ist in einem der Pläne A bis D eine Schwierigkeit zu erwarten, soll eine Wachintubation erwogen werden.1
Die Grundlagen zu Prädiktoren, Plan A bis D, DEVICE und PREOXI stehen in der Einheit Schwieriger Atemweg. Diese Einheit setzt dort an und vertieft die Neuerungen, die Übergänge zwischen den Plänen, die Extubation und die Notfallkoniotomie.