In keinem anderen Fach teilen sich Anästhesie und Operation so unmittelbar denselben Raum. Bei Eingriffen an Larynx, Pharynx und Trachea braucht der Operateur freie Sicht und Platz, die Anästhesie braucht einen offenen Weg für Sauerstoff und Kohlendioxid. Jede Entscheidung über den Atemweg ist deshalb zugleich eine Entscheidung über die Operationsbedingungen, und umgekehrt. Tumor, Stenose, Blutung, Schwellung oder eine vorausgegangene Bestrahlung verändern das Risiko, und ein routinemäßiges Einleitungsschema kann bei kritischer Obstruktion ungeeignet sein. Der Plan entsteht daher gemeinsam, bevor der Patient den Saal betritt: primäre Atemwegssicherung, Verfahren der Oxygenierung und Ventilation, Abbruchkriterien, Rückfallebene und der Notfallzugang über den Hals.
Die gemeinsame Planung
Die Planung beginnt mit der Lokalisation und dem Ausmaß der Einengung. Die flexible Nasenendoskopie der HNO, oft wach am Vortag, zeigt Tumor, Beweglichkeit der Stimmlippen und Restlumen; die Schnittbildgebung zeigt Länge und Tiefe einer Stenose und ihre Beziehung zur Membrana cricothyroidea. Klinisch zählen Stridor in Ruhe, Orthopnoe, Schlafen im Sitzen und eine veränderte Stimme mehr als jede Zahl. Aus diesen Befunden folgen drei Fragen: Kann der Patient sicher eingeleitet werden, oder wird der Atemweg wach gesichert? Wer übernimmt den Atemweg, wenn der erste Plan scheitert? Und wo liegt der Notfallzugang, wenn die Membran durch Tumor oder Bestrahlung nicht zugänglich ist?
Die DAS-Leitlinie 2025 fordert, dass die Atemwegsstrategie alle vier Pläne A bis D abdeckt, und empfiehlt eine Wachintubation zu erwägen, sobald in einem dieser Pläne eine Schwierigkeit zu erwarten ist; die sonographische Markierung der Membrana cricothyroidea vor der Einleitung ist dabei ausdrücklich empfohlen.1 Die amerikanische Leitlinie von 2022 stellt ein Entscheidungsschema zur Wachintubation vor die Einleitung.2 Für die Durchführung gliedert die britische Leitlinie zur Wachintubation das Verfahren in Sedierung, Topikalisierung, Oxygenierung und Durchführung.3 Bei Tumoren im Larynxeingang kann die Wachtracheotomie in Lokalanästhesie der sicherere erste Schritt sein, weil jede Instrumentierung von oben blutet und den Restweg verschließen kann (Expertenmeinung). Wie ein solcher Plan bei einer tiefen Halsinfektion aussieht, zeigt der Fall Der Atemweg, der sich schließt.
| Ort | Beispiele | Hauptrisiko | Typische Strategie |
|---|---|---|---|
| Supraglottisch | Zungengrund- und Epiglottistumor, Abszess | Maske und Laryngoskopie schwierig, Blutung | wache flexible Intubation, bei Verlegung des Eingangs Wachtracheotomie |
| Glottisch | Larynxkarzinom, Papillomatose, beidseitige Rekurrensparese | kleines Restlumen, Laryngospasmus | kleiner mikrolaryngealer Tubus, Jetventilation oder tubusfreies Verfahren nach Absprache |
| Subglottisch und tracheal | Stenose nach Langzeitbeatmung, Tumor | Tubus passiert nicht, Barotrauma bei Jet | Spontanatmung erhalten, starres Bronchoskop bereit, freier Exspirationsweg |
| Von außen | Struma, Hämatom nach Halsoperation | Kompression und Verlagerung der Trachea | Hämatom sofort entlasten, Intubation mit Rückfallebene, Koniotomie oft erschwert |
Die Tabelle fasst Lehrbuchwissen und die Grundsätze der Leitlinien zusammen.1, 2 Der wichtigste Unterschied liegt zwischen Einengungen oberhalb und unterhalb der Glottis. Oberhalb bietet der Hals noch einen Ausweg durch die Membran; unterhalb kann die Stenose gerade dort liegen, wo der Notfallzugang ankommen soll, und dann ist das starre Bronchoskop in der Hand eines erfahrenen Operateurs die eigentliche Rückfallebene.
Eine Einleitung mit Relaxierung bei kritischer Obstruktion kann den Atemweg schlagartig schließen, weil der Muskeltonus, der das Restlumen offen hielt, wegfällt. Die Entscheidung für eine Einleitung setzt voraus, dass der Plan für diesen Moment steht und die Personen im Raum sind, die ihn ausführen (Expertenmeinung).