Die präoperative Evaluation schätzt das Risiko ein und verbessert das Ergebnis durch gezielte Vorbereitung. Pflichtbestandteile: Auskultation von Herz und Lunge, Gefäßstatus für Zugänge, Hinweise auf einen schwierigen Atemweg, Aspirationsrisiko und die Dauermedikation mit Blick auf Antikoagulanzien, kardiovaskuläre Medikamente und Antidiabetika.
| ASA | Definition | Beispiele |
|---|---|---|
| I | gesund | Nichtraucher, kein oder minimaler Alkohol |
| II | leichte Systemerkrankung ohne Funktionseinschränkung | gut eingestellte Hypertonie oder Diabetes, Raucher, Schwangerschaft, BMI 30 bis unter 40 |
| III | schwere Systemerkrankung mit Funktionseinschränkung | schlecht eingestellte Hypertonie oder Diabetes, COPD, BMI ab 40, mäßig reduzierte LVEF, Dialyse, Z. n. Myokardinfarkt, TIA oder Stent vor mehr als 3 Monaten |
| IV | schwere Systemerkrankung mit ständiger Lebensbedrohung | Myokardinfarkt, TIA oder Stent vor weniger als 3 Monaten, instabile Angina, Sepsis, schwer reduzierte LVEF |
| V | moribund, ohne Operation kein Überleben zu erwarten | rupturiertes Aortenaneurysma, intrakranielle Blutung mit Masseneffekt |
| VI | hirntot, Organspende |
Zusatz „E“ für Notfalleingriffe. Die ASA-Klasse korreliert mit Komplikationen und Sterblichkeit, ist aber keine Risikoberechnung für den Eingriff; sie steuert, welche Zusatzdiagnostik sinnvoll ist (Lerneinheit Präoperative Risikoeinschätzung).
Schwieriger Atemweg
Prädiktoren: Mallampati III und IV, eingeschränkte Mundöffnung und Reklination, kurzer thyreomentaler Abstand, BMI über 35 kg/m², kurzer dicker Hals, Schnarchen oder Schlafapnoe, frühere schwierige Intubation. Kein einzelner Test ist zuverlässig; Summenscores wie der Arné-Score sind besser. Besonders gefährlich ist der physiologisch schwierige Atemweg: Hypoxämie, Hypotonie und Azidose, bei dem der Patient an der Einleitung stirbt, nicht am Laryngoskop. Grundsatz: stabilisieren vor intubieren.
Aspirationsrisiko
Voller Magen (Nahrung vor weniger als 6 Stunden), gestörte Magenentleerung (Ileus, Diabetes mit Gastroparese, GLP-1-Rezeptoragonisten, Opioide), gastrointestinale Blutung, Schwangerschaft ab dem zweiten Trimenon, Notfall. Aspiration ist selten (etwa 1 bis 2 auf 10 000 elektive Narkosen, bei Notfällen häufiger), war aber in NAP4 die häufigste Todesursache unter den Atemwegskomplikationen. Konsequenz: Rapid Sequence Induction.