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Bei der Leber entscheidet die Vorbereitung auf die Reperfusion, bei der Niere der Perfusionsdruck des Transplantats.
Lernziele
Die Vorbereitung eines Leberempfängers mit Blick auf zirrhotische Kardiomyopathie, portopulmonale Hypertension und Nierenfunktion strukturieren.
Das Monitoring bei Lebertransplantation nach der systematischen Übersicht von 2022 begründen, einschließlich der Indikationen für TEE und Pulmonalarterienkatheter.
Präanhepatische, anhepatische und neohepatische Phase mit ihren Kreislauf- und Stoffwechselproblemen beschreiben und Piggyback-Technik und venovenösen Bypass vergleichen.
Das Postreperfusionssyndrom definieren, seine Mechanismen erklären und Vorbereitung und Behandlung planen.
Kalium, Calcium und Citrat intraoperativ steuern und Calciumlösungen korrekt umrechnen.
Die Gerinnung bei Lebertransplantation viskoelastisch gesteuert behandeln und die ILTS-Empfehlungen 2022 einordnen.
Einen Nierenempfänger nach Dialysestatus, Kalium und Volumen vorbereiten und die Narkose an die Niereninsuffizienz anpassen.
Flüssigkeitstherapie und Perfusionsdruck bei Nierentransplantation nach Konsens und Studienlage begründen und eine fehlende Diurese differenzialdiagnostisch abklären.
Analgesie, Wechselwirkungen der Immunsuppression und Besonderheiten der Lebendspende berücksichtigen.
Zu dieser Lerneinheit
Sechs Lektionen mit einer eigenen Abbildung der Transplantationsphasen, drei Tabellen, einem Rechner, zwei Rechenaufgaben, sechs Übungen, einem klinischen Fall mit drei Fragen, Merksätzen, vier Aufgaben und einem Abschlussquiz.
Eine Lebertransplantation ist ein Eingriff, in dem sich innerhalb weniger Stunden fast alles verändert, was Anästhesie steuert: Blutvolumen, Gerinnung, Kalium, Calcium, Säure-Basen-Status, Temperatur und Herzfunktion. Der Empfänger bringt die Physiologie der fortgeschrittenen Zirrhose mit, die in der Einheit Leber: Durchblutung, Zirrhose und hepatorenales Syndrom dargestellt ist: hyperdyname Zirkulation mit niedrigem Widerstand, begrenzte kardiale Reserve, neu austarierte Hämostase, oft eine Nierenfunktionsstörung und eine Enzephalopathie. Die Indikation, die Allokation und die Nachsorge ordnet die Leitlinie der Europäischen Lebergesellschaft.1 Die Organspende selbst, der Hirnfunktionsausfall und die Anästhesie bei Patienten, die bereits transplantiert sind, stehen in der Einheit Organspende und Transplantationsmedizin.
Vorbereitung des Empfängers
Die anästhesiologische Evaluation konzentriert sich auf Herz, Lunge und Niere. Die zirrhotische Kardiomyopathie ist heute über Ejektionsfraktion, globalen longitudinalen Strain und diastolische Kriterien definiert und wird in der Transplantationsabklärung gezielt gesucht, weil die Reperfusion das Herz maximal belastet.2 Eine koronare Herzkrankheit wird bei Risikopatienten, etwa bei nichtalkoholischer Fettlebererkrankung, Diabetes oder höherem Alter, weiter abgeklärt. Die portopulmonale Hypertension ist gefährlich, weil der rechte Ventrikel die Volumen- und Säurelast der Reperfusion nicht bewältigt; das hepatopulmonale Syndrom erklärt eine Hypoxämie, die sich nach der Transplantation oft über Monate zurückbildet. Ein hepatorenales Syndrom ist kein Hindernis, sondern eine Indikation: Die Transplantation ist seine einzige definitive Behandlung.3 Ob ein Patient bereits vor dem Eingriff ein Nierenersatzverfahren braucht, entscheidet über die intraoperative Strategie für Kalium und Volumen.
Monitoring nach systematischer Übersicht
Für das Monitoring liegt eine systematische Übersicht der Arbeitsgruppe zur verbesserten Erholung nach Lebertransplantation mit Empfehlungen eines Expertengremiums vor. Von 2 619 gesichteten Arbeiten gingen nur 16 in die Auswertung ein, überwiegend kleine, retrospektive Beobachtungsstudien.4 Die Empfehlungen sind deshalb vor allem Expertenkonsens. Die invasive arterielle Druckmessung gilt als Mindeststandard, der zentralvenöse Druck wird empfohlen, besonders bei instabilem Kreislauf, und bei hohem Vasopressorbedarf soll ein erweitertes Flussmonitoring erwogen werden. Transösophageale Echokardiographie und Pulmonalarterienkatheter werden ausdrücklich für Patienten mit instabilem Kreislauf, portopulmonaler Hypertension oder kardialer Funktionsstörung empfohlen, die TEE zudem zur raschen Diagnose eines Kreislaufzusammenbruchs. Die aufgenommenen Studien berichteten wenige Komplikationen der Katheteranlage und eine geringe Rate ösophagealer Blutungen unter TEE. Schließlich wird die Normothermie ausdrücklich gefordert, weil hypotherme Patienten mehr Blut benötigten und länger beatmet wurden.4
Tabelle 1: Monitoring bei Lebertransplantation nach Expertenempfehlung
Verfahren
Empfehlung
Wozu
Invasive arterielle Druckmessung
Mindeststandard4
Schlag-zu-Schlag-Druck, häufige Blutgasanalysen
Zentralvenöser Druck
empfohlen, besonders bei Instabilität4
Trend, Katecholamingabe, nicht als Volumenmaß allein
Erweitertes Flussmonitoring
erwägen bei hohem Vasopressorbedarf4
Herzzeitvolumen, Widerstand
TEE, Pulmonalarterienkatheter
bei Instabilität, portopulmonaler Hypertension, kardialer Funktionsstörung4
Füllung, Pumpfunktion, Rechtsherz, Thromben, Luft
Temperatur
Normothermie4
weniger Transfusion, kürzere Beatmung
Viskoelastischer Test, Blutgasanalyse
engmaschig in allen Phasen
Gerinnung, Kalium, Calcium, Laktat, Glucose
Übung 1.1
Lektion 2
Präanhepatisch, anhepatisch, neohepatisch
Die Transplantation gliedert sich in drei Phasen mit jeweils eigenen Risiken. Die Grenze zwischen ihnen markieren zwei chirurgische Ereignisse: die Unterbrechung der Blutzufuhr zur erkrankten Leber und die Freigabe des Blutstroms durch das Transplantat. Abbildung 1 zeigt den schematischen Verlauf der wichtigsten Messgrößen.
Abbildung 1: Schematischer Verlauf in den drei Phasen der Lebertransplantation: Blutdruckabfall bei Gefäßklemmung und stärker bei Reperfusion, Kaliumgipfel und Tiefpunkt des ionisierten Calciums unmittelbar nach Reperfusion, Laktatanstieg in der anhepatischen Phase mit Abfall bei funktionierendem Transplantat. Qualitative Darstellung ohne Maßstab. Eigene Darstellung
Präanhepatische Phase
Von der Inzision bis zur Klemmung der Lebergefäße wird die erkrankte Leber freigelegt. Bei portaler Hypertension verlaufen in Bauchwand und Ligamenten zahlreiche Kollateralen, Voroperationen hinterlassen Verwachsungen, und die Blutung kann erheblich sein. Das Ablassen großer Aszitesmengen senkt den Druck im Bauchraum schlagartig und verschiebt Volumen; Hypotonie ist die Folge. Mit jeder Transfusion erhält der Patient Citrat aus den Blutprodukten, und weil die kranke Leber es schlecht verstoffwechselt, fällt das ionisierte Calcium. Kalium steigt mit jeder Transfusion älterer Erythrozytenkonzentrate, besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion. In dieser Phase werden die Weichen gestellt: Normothermie, ein ausgeglichener Säure-Basen-Status, ein Kalium im unteren Normbereich und ein ausreichendes ionisiertes Calcium sind die Voraussetzungen, um die Reperfusion gut zu überstehen.
Anhepatische Phase
Mit der Klemmung von Pfortader, Leberarterie und Hohlvene oder der Lebervenen beginnt die anhepatische Phase. Es gibt zwei chirurgische Techniken mit sehr unterschiedlichen Folgen für den Kreislauf. Bei der klassischen Technik wird die untere Hohlvene ober- und unterhalb der Leber abgeklemmt und mit entfernt; der venöse Rückstrom aus der unteren Körperhälfte bricht ein, und das Herzzeitvolumen fällt erheblich. Ein venovenöser Bypass leitet dann Blut aus Pfortader und Femoralvene in eine Vene der oberen Körperhälfte zurück, erhält die Vorlast und entlastet Darm und Nieren, bringt aber eigene Risiken wie Luftembolie, Thromboembolie und Gefäßverletzung an den Zugängen. Bei der Piggyback-Technik bleibt die Hohlvene erhalten; die Lebervenen werden an ihrer Mündung abgeklemmt, die Hohlvene nur tangential ausgeklemmt, und der Rückstrom bleibt großenteils erhalten. Heute wird überwiegend in Piggyback-Technik operiert, ein Bypass ist die Ausnahme. Diese Aussagen sind Lehrbuchwissen; vergleichende randomisierte Daten mit harten Endpunkten fehlen.
Ohne Leber fehlen Clearance und Synthese. Laktat steigt, weil es nicht verwertet wird, Citrat aus Transfusionen reichert sich an und senkt das ionisierte Calcium, die Säurelast nimmt zu, und die Körpertemperatur fällt. Die Gerinnung verschiebt sich zur Hyperfibrinolyse, weil der Gewebeplasminogenaktivator nicht mehr abgebaut wird. Gleichzeitig ist Zurückhaltung bei Volumen geboten: Ein hoher zentralvenöser Druck erschwert die Venenanastomose und führt nach Reperfusion zur Stauung des Transplantats.
Neohepatische Phase
Mit der Freigabe des Pfortaderflusses erreicht das Blut aus dem Transplantat und dem gestauten Splanchnikusgebiet schlagartig den rechten Vorhof. Es ist kalt, sauer, kalium- und laktatreich und enthält vasoaktive Mediatoren und gelegentlich Luft oder Thromben. Die Folgen reichen von einer kurzen Hypotonie bis zu Bradykardie, Rechtsherzversagen und Kreislaufstillstand; diesem Postreperfusionssyndrom ist die nächste Lektion gewidmet. Nach der Reperfusion zeigt sich, ob das Transplantat arbeitet: Das Laktat fällt, das ionisierte Calcium erholt sich ohne weitere Gaben, der Glucosespiegel steigt, und Galle wird gebildet. Nach der arteriellen Anastomose gewinnt die arterielle Pufferantwort wieder Bedeutung; bei sehr hohem Pfortaderfluss, etwa bei kleinem Transplantat, kann sie die Arterie drosseln und muss dann durch Senkung des Pfortaderzuflusses behandelt werden.5
Tabelle 2: Phasen der Lebertransplantation und ihre typischen Probleme (Lehrbuchwissen)
Phase
Kreislauf
Stoffwechsel und Gerinnung
Schwerpunkt der Anästhesie
Präanhepatisch
Blutung, Aszitesentlastung, Hypotonie
Citrat aus Transfusionen, Hypocalcämie, Kalium steigt
Postreperfusionssyndrom, Kalium, Calcium und Citrat
Das Postreperfusionssyndrom ist das gefährlichste Einzelereignis der Lebertransplantation. Nach der klassischen Definition aus der Frühzeit der Transplantation liegt es vor, wenn der Mitteldruck innerhalb der ersten 5 Minuten nach Reperfusion um mehr als 30 Prozent fällt und mindestens eine Minute niedrig bleibt (Lehrbuchwissen). Es tritt je nach Definition und Spenderqualität bei einem erheblichen Teil der Empfänger auf; Transplantate mit längerer Ischämiezeit, Organe von Spendern nach Kreislaufstillstand und stark verfettete Organe gelten als Risikofaktoren.
Was bei der Reperfusion geschieht
Mehrere Mechanismen wirken gleichzeitig. Das erste Blut aus dem Transplantat enthält Kalium aus der Konservierungslösung und aus geschädigten Zellen; der Kaliumgipfel kann Bradykardie, Leitungsstörungen und Kammerflimmern auslösen. Es ist kalt, was die Erregungsleitung weiter verlangsamt. Es ist sauer, weil sich im gestauten Darm und in der anhepatischen Phase Laktat und Kohlendioxid angesammelt haben, und die Säurelast senkt die Kontraktilität und die Wirkung der Katecholamine. Das ionisierte Calcium ist zu diesem Zeitpunkt oft auf dem Tiefpunkt, weil Citrat aus den Transfusionen nicht verwertet wurde. Vasoaktive Mediatoren erweitern die Gefäße, und Luft oder Thromben können die Lungenstrombahn verlegen. Für einen rechten Ventrikel, der bei portopulmonaler Hypertension ohnehin belastet ist, ist diese Kombination besonders gefährlich; die TEE zeigt dann den dilatierten, hypokinetischen rechten Ventrikel, eine Verlagerung des Septums, Luft oder Thromben.4
Vorbereitung und Behandlung
Die wichtigste Behandlung ist die Vorbereitung. Vor der Freigabe werden Kalium, ionisiertes Calcium, pH, Temperatur und Volumenstatus überprüft und korrigiert, der Chirurg spült das Transplantat nach Protokoll des Zentrums, und das Team spricht die Reperfusion an. Calcium, ein Vasopressor und Adrenalin in kleinen Boli liegen bereit. Genaue Zielwerte sind nicht durch randomisierte Studien belegt; verbreitet ist, das Kalium vor Reperfusion im unteren Normbereich und das ionisierte Calcium im Normbereich zu halten (Expertenmeinung). Kommt es zum Syndrom, stehen Calcium, Vasopressor, kleine Adrenalindosen und bei Bradykardie Atropin oder Adrenalin im Vordergrund; eine Hyperkaliämie wird zusätzlich mit Insulin und Glucose behandelt. Bei Kreislaufstillstand gelten die Regeln der Reanimation mit besonderem Augenmerk auf Kalium, Calcium und Lungenembolie.
Kalium, Calcium und Citrat
Kalium steigt intraoperativ aus drei Quellen: Transfusion gelagerter Erythrozyten, Freisetzung aus dem Transplantat und Azidose. Bei eingeschränkter Nierenfunktion fehlt die Ausscheidung. Strategien sind gewaschene oder frische Erythrozyten, ein Cell-Saver, Insulin mit Glucose, eine Korrektur der Azidose und bei präoperativem Nierenersatz ein intraoperativ fortgeführtes kontinuierliches Verfahren. Calcium fällt mit jeder Einheit Plasma oder Erythrozyten, weil das darin enthaltene Citrat ionisiertes Calcium bindet und ohne funktionierende Leber nicht abgebaut wird. Die Folgen sind Hypotonie, eine verminderte Kontraktilität und eine gestörte Gerinnung. Für die Substitution gilt dieselbe Umrechnung wie bei der Citratantikoagulation: Calciumchlorid 10 Prozent enthält 0,68 mmol/ml, Calciumgluconat 10 Prozent nur 0,226 mmol/ml.6 Die italienische Stellungnahme zur Citratantikoagulation nennt ausdrücklich die Phase der Ischämie und Reperfusion nach Lebertransplantation als Situation, in der die Citratverwertung vorübergehend gestört sein kann.6 Ein sich ohne Gaben normalisierendes ionisiertes Calcium nach Reperfusion ist deshalb eines der frühesten Zeichen eines funktionierenden Transplantats.
Rechner: Calciummenge und Volumen der Lösung
Umrechnung einer gewünschten Calciummenge in das Volumen von Calciumchlorid 10 Prozent (0,68 mmol/ml) oder Calciumgluconat 10 Prozent (0,226 mmol/ml). Rechenbeispiel, keine Dosierungsempfehlung: Die benötigte Menge richtet sich nach Messwert, Transfusionsmenge, Leberfunktion und Kreislauf; Calciumchlorid gehört wegen Gewebereizung in einen zentralen Zugang.
Calciumchlorid 10 Prozent
Calciumgluconat 10 Prozent
Übung 3.2, Rechenaufgabe
Rechenbeispiel, keine Dosierungsempfehlung: Nach 6 Einheiten Plasma beträgt das ionisierte Calcium 0,82 mmol/l. Sie möchten 6,8 mmol Calcium über den zentralen Zugang geben. Wie viele Milliliter Calciumchlorid 10 Prozent (0,68 mmol/ml) sind das?
Übung 3.1
Lektion 4
Gerinnung, TEE und verbesserte Erholung
Die Hämostase des Empfängers ist vor der Operation neu austariert: Pro- und antikoagulatorische Faktoren sind gleichermaßen vermindert, und die INR bildet die Blutungsneigung nicht ab. Die Leitlinie der Europäischen Lebergesellschaft rät, eine verlängerte INR nicht mit Plasma zu korrigieren, weil das Blutungen nicht verhindert.7 Für die Transplantation hat das zwei Konsequenzen. Erstens ist eine Plasmagabe allein nach Laborwerten zu vermeiden, weil das Volumen den Druck in Pfortader und Hohlvene erhöht und die Blutung aus dem Operationsgebiet verstärken kann. Zweitens verändert sich die Gerinnung im Verlauf dramatisch, und nur wiederholte Messungen im Vollblut folgen diesem Tempo.
Viskoelastisch gesteuerte Therapie
Viskoelastische Tests wie Thrombelastographie und Rotationsthrombelastometrie zeigen innerhalb von Minuten, ob ein Mangel an Gerinnungsfaktoren, an Fibrinogen oder an Thrombozyten vorliegt und ob eine Hyperfibrinolyse das Gerinnsel auflöst. In der anhepatischen Phase und unmittelbar nach Reperfusion ist die Hyperfibrinolyse häufig; sie wird mit einem Antifibrinolytikum behandelt, wenn sie nachgewiesen und klinisch relevant ist. Nach Reperfusion setzt das Transplantat heparinähnliche Substanzen aus dem Endothel und der Konservierung frei, was sich im Vergleich eines Tests mit und ohne Heparinase zeigt. Die Therapie folgt dem Befund: Fibrinogen bei niedriger Gerinnselfestigkeit durch Fibrinogenmangel, Thrombozyten bei thrombozytär bedingter Schwäche, Faktorenkonzentrate oder Plasma bei verlängerter Gerinnungszeit mit Blutung. Die allgemeine Methodik steht in der Einheit Perioperatives Gerinnungsmanagement.
Die Gegenseite verdient ebenso Aufmerksamkeit. Eine Thrombose der Leberarterie oder der Pfortader gefährdet das Transplantat, und Patienten mit Zirrhose haben ein erhöhtes Thromboserisiko.7 Prokoagulatorische Konzentrate und Antifibrinolytika werden deshalb nicht prophylaktisch nach Schema, sondern gezielt bei Blutung und passendem Befund eingesetzt. Diese Grundsätze sind weitgehend Expertenkonsens, randomisierte Studien mit harten Endpunkten sind selten.
TEE als Werkzeug für konkrete Fragen
Erweiterte Messverfahren sind nur so gut wie die Frage, die sie beantworten sollen. Die TEE unterscheidet bei Kreislaufinstabilität zwischen leerem Ventrikel, Pumpversagen links oder rechts, Obstruktion des Ausflusstrakts, Perikarderguss, Luftembolie und Thromben im rechten Herzen oder in der Pulmonalarterie. Die Expertenempfehlungen halten sie bei Instabilität, portopulmonaler Hypertension und kardialer Funktionsstörung für angezeigt und als Notfalldiagnostik bei Kreislaufzusammenbruch für angemessen.4 Ösophagusvarizen sind ein Grund zur Vorsicht bei der Sondenführung; in den ausgewerteten Studien waren ösophageale Blutungen selten.4
Verbesserte Erholung nach Lebertransplantation
Die Konsensuskonferenz der International Liver Transplantation Society von 2022 hat Empfehlungen zur verbesserten Erholung nach Lebertransplantation erarbeitet. Grundlage waren systematische Übersichten zu 32 Elementen des perioperativen Vorgehens; 273 Fachleute aus 30 Ländern bereiteten Stellungnahmen vor, eine unabhängige Jury von acht Mitgliedern bewertete sie nach dem dänischen Konsensmodell, und die Evidenz wurde nach GRADE eingestuft. Das Ergebnis sind 80 Empfehlungen zu Vorbereitung und Optimierung, zum chirurgischen und anästhesiologischen Vorgehen und zur postoperativen Versorgung für Empfänger von Organen verstorbener und lebender Spender und für Lebendspender selbst.8 Für die Anästhesie bedeutet das ein strukturiertes Konzept statt Einzelentscheidungen: Prähabilitation und Ernährung, ein zielgerichtetes Volumen- und Gerinnungsmanagement, Normothermie, eine Analgesie, die frühe Mobilisation erlaubt, und die frühe Extubation geeigneter Patienten. Nicht jede Empfehlung dieser Spezialdisziplin beruht auf hochsicherer randomisierter Evidenz; viele stützen sich auf Beobachtungsdaten und Expertenmeinung.8
Aktuelle Evidenz
Monitoring: 16 von 2 619 Arbeiten auswertbar, überwiegend klein und retrospektiv; arterielle Druckmessung als Mindeststandard, zentralvenöser Druck empfohlen, TEE und Pulmonalarterienkatheter bei Instabilität, portopulmonaler Hypertension oder kardialer Funktionsstörung, Normothermie.4 ILTS 2022: 80 Empfehlungen aus systematischen Übersichten zu 32 Elementen, 273 Fachleute aus 30 Ländern, GRADE.8 Nierentransplantation: BEST-Fluids als pragmatische, doppelblinde, randomisierte Studie zu balancierter Lösung gegenüber Kochsalz bei Organen verstorbener Spender9; Konsens der ASA: balancierte Kristalloide mit weniger Azidose und Hyperkaliämie, Hydroxyethylstärke vermeiden, zentralvenöser Druck als Volumenmaß ungeeignet.10 Übersicht 2024: Mitteldruck 80 bis 110 mmHg, Erythropoese stimulierende Substanzen bei Hämoglobin unter 9 bis 10 g/dl.11
Übung 4.1
Lektion 5
Nierentransplantation: Kalium, Volumen und Perfusionsdruck
Die Nierentransplantation ist der häufigste Transplantationseingriff und anästhesiologisch weniger dramatisch als die Lebertransplantation, aber sie hat ein eigenes Ziel: Das Transplantat soll nach der Reperfusion sofort durchblutet werden und Urin bilden. Fast jede anästhesiologische Entscheidung dient diesem Ziel, und die häufigsten Fehler entstehen, wenn Kalium, Volumen und Blutdruck isoliert statt im Hinblick auf das Transplantat betrachtet werden.
Der Empfänger: Dialyse, Kalium und Volumen
Empfänger mit terminaler Niereninsuffizienz haben eine hohe kardiovaskuläre Last aus Hypertonie, Diabetes, koronarer Herzkrankheit und linksventrikulärer Hypertrophie, dazu eine renale Anämie, eine urämische Thrombozytenfunktionsstörung und oft eine verzögerte Magenentleerung. Die Übersicht von 2024 empfiehlt Erythropoese stimulierende Substanzen bei einem Hämoglobin unter 9 bis 10 g/dl und betont die präoperative Optimierung der Risikofaktoren.11 Bei Organen verstorbener Spender bleibt wenig Zeit. Entscheidend sind dann der Zeitpunkt der letzten Dialyse, das aktuelle Kalium, das Trockengewicht und die Restdiurese. Eine Dialyse unmittelbar vor der Operation senkt das Kalium, kann aber eine Hypovolämie hinterlassen, die nach Einleitung zur Hypotonie führt; eine ausgelassene Dialyse hinterlässt Hyperkaliämie und Überwässerung. Der Shuntarm wird geschützt: keine Blutdruckmanschette, keine Punktion, sorgfältige Lagerung. Die Einheit Dialysepatienten und mechanische Kreislaufunterstützung behandelt Shunt, Katheter und Hyperkaliämie im Notfall.
Narkoseführung
Für die Einleitung gelten die Regeln bei Niereninsuffizienz. Succinylcholin erhöht das Kalium; bei normalem Ausgangswert ist es nicht grundsätzlich verboten, bei Hyperkaliämie aber zu vermeiden. Cisatracurium wird organunabhängig abgebaut. Rocuronium wirkt bei Niereninsuffizienz länger; Sugammadex und der Sugammadex-Rocuronium-Komplex werden renal ausgeschieden, und die Fachinformation rät bei schwerer Niereninsuffizienz von der Anwendung ab. Die Übersicht von 2024 hält neuromuskuläres Monitoring und den überlegten Einsatz von Relaxanzien und Antagonisten für wesentlich.11 Morphin wird wegen seines aktiven, renal ausgeschiedenen Metaboliten Morphin-6-Glucuronid gemieden; Fentanyl, Sufentanil und Remifentanil sind besser steuerbar. Zur Aufrechterhaltung sind Propofol und die Inhalationsanästhetika geeignet.
Volumen, Lösungen und Perfusionsdruck
Die ASA-Arbeitsgruppe für Transplantationsanästhesie hat 2021 einen Konsens zum Flüssigkeitsmanagement vorgelegt. Hydroxyethylstärke soll wegen des Risikos einer Nierenschädigung vermieden werden, für einen routinemäßigen Einsatz von Albumin reichen die Daten nicht, und balancierte Kristalloide wie Ringer-Laktat führen im Vergleich zu Kochsalzlösung 0,9 Prozent zu weniger metabolischer Azidose und seltener zu Hyperkaliämie. Der zentralvenöse Druck korreliert nur schwach mit dem Volumenstatus und ist als alleinige Zielgröße ungeeignet; die Arbeitsgruppe befürwortet ein hämodynamisches Monitoring zur individuellen Steuerung.10 Die verbreitete Sorge, Ringer-Laktat oder andere kaliumhaltige balancierte Lösungen würden bei Niereninsuffizienz das Kalium erhöhen, ist nach diesen Daten unbegründet: Kochsalzlösung erzeugt eine hyperchlorämische Azidose, die Kalium aus den Zellen verschiebt, und hebt das Kalium dadurch eher stärker an als die geringe Kaliummenge der balancierten Lösung.
Die größte randomisierte Studie zu dieser Frage ist BEST-Fluids, eine pragmatische, doppelblinde Studie, die bei Transplantationen von Nieren verstorbener Spender eine balancierte Kristalloidlösung mit Kochsalzlösung verglich. Primärer Endpunkt war die verzögerte Transplantatfunktion, und sie trat unter der balancierten Lösung seltener auf.9 Weil die Studie doppelblind und pragmatisch angelegt war, lässt sich ihr Ergebnis gut auf die Routine übertragen: Die balancierte Lösung ist bei Nierentransplantation die Standardwahl, Kochsalz braucht eine besondere Begründung.
Der Blutdruck ist die zweite Stellgröße. Das frisch transplantierte Organ ist denerviert, seine Autoregulation ist gestört, und seine Durchblutung folgt weitgehend dem Perfusionsdruck. Die Übersicht von 2024 nennt einen Mitteldruck von 80 bis 110 mmHg als hämodynamisches Ziel.11 Das ist nicht durch große randomisierte Studien belegt, sondern beruht auf Beobachtungsdaten und Physiologie; bei Patienten mit chronischer Hypertonie liegt die individuelle Untergrenze eher höher. Die Antwort auf einen niedrigen Druck ist nicht automatisch mehr Volumen: Eine Überwässerung führt zu Lungenödem und Gewebeödem, auch im Transplantat, und verlängert die Erholung.
Tabelle 3: Flüssigkeit und Kreislauf bei Nierentransplantation
Frage
Aussage
Beleg
Kochsalz oder balanciert?
balancierte Kristalloide: weniger Azidose und Hyperkaliämie
Konsens der ASA10, BEST-Fluids9
Hydroxyethylstärke?
vermeiden, Risiko der Nierenschädigung
Konsens der ASA10
Albumin?
für routinemäßigen Einsatz unzureichende Daten
Konsens der ASA10
Zentralvenöser Druck als Ziel?
schwache Korrelation mit Volumenstatus
Konsens der ASA10
Mitteldruck
80 bis 110 mmHg als Ziel genannt, individuelle Untergrenze beachten
Übersicht 202411
Anämie
Erythropoese stimulierende Substanzen bei Hb unter 9 bis 10 g/dl
Übersicht 202411
Verzögerte Transplantatfunktion
Eine verzögerte Transplantatfunktion liegt nach klassischer Definition vor, wenn in der ersten Woche nach Transplantation eine Dialyse nötig wird (Lehrbuchwissen). Sie ist bei Organen verstorbener Spender, nach langer kalter Ischämie und bei Spendern nach Kreislaufstillstand häufiger und verschlechtert die Langzeitfunktion. Bleibt nach Reperfusion die Urinproduktion aus, braucht es eine Differenzialdiagnose statt eines reflexhaften Bolus: Ist der Perfusionsdruck ausreichend? Ist die Arterie oder die Vene verschlossen oder abgeknickt, was die Doppler-Sonographie klärt? Ist der Harnleiter oder der Katheter verlegt? Liegt eine Hypovolämie vor, oder ist der Patient bereits überwässert? Und ist das Organ selbst durch Ischämie geschädigt, sodass nur Zeit hilft? Diuretika und die Einzelheiten ihres Einsatzes werden in der Übersicht als Teil des Managements diskutiert, ersetzen aber keine dieser Fragen.11
Die ersten Stunden nach der Operation
Nach der Nierentransplantation wird der Patient im Aufwachraum oder auf einer Überwachungsstation geführt, und die Anästhesie übergibt dort ein klares Ziel für Blutdruck, Bilanz und Urinausscheidung. Die Übersicht von 2024 nennt für diese Phase das Temperaturmanagement, eine multimodale Analgesie und die Vorbeugung eines Delirs als Bausteine einer guten Erholung und empfiehlt, die Prinzipien der verbesserten Erholung nach Operationen anzuwenden.11 Die Urinausscheidung wird stündlich gemessen und mit der zugeführten Flüssigkeit verglichen, denn ein gut funktionierendes Transplantat kann in den ersten Stunden sehr große Mengen ausscheiden, die ersetzt werden müssen, während ein ruhendes Transplantat jede Überwässerung schlecht verträgt. Kalium, Natrium, Glucose und Hämoglobin werden in kurzen Abständen kontrolliert. Ein plötzlicher Abfall der Urinausscheidung nach anfänglich guter Funktion ist ein Alarmsignal für eine Gefäßkomplikation oder eine Abflussstörung und wird sofort sonographisch abgeklärt. Die Anästhesie trägt damit über das Ende der Narkose hinaus Verantwortung für das Transplantat.
Übung 5.2, Rechenaufgabe
Nach Reperfusion der Transplantatniere beträgt der Mitteldruck 68 mmHg bei einem zentralvenösen Druck von 14 mmHg. Nach Beginn eines Vasopressors steigt der Mitteldruck auf 84 mmHg, der zentralvenöse Druck bleibt gleich. Um wie viel Prozent steigt der Perfusionsdruck, berechnet als Mitteldruck minus zentralvenöser Druck (Rechenbeispiel)?
Übung 5.1
Lektion 6
Immunsuppression, Analgesie und Lebendspende
Nach der Transplantation beginnt eine lebenslange Immunsuppression, und bereits intraoperativ werden die ersten Dosen gegeben. Die Anästhesie muss ihre Wirkungen und Wechselwirkungen kennen. Die Grundzüge für bereits transplantierte Patienten, die zu anderen Eingriffen kommen, stehen in der Einheit zur Organspende; hier geht es um die perioperative Phase der Transplantation selbst.
Immunsuppression und ihre Wechselwirkungen
Die Induktion erfolgt meist mit hochdosierten Glukokortikoiden und, je nach Protokoll, mit einem Antikörper gegen den Interleukin-2-Rezeptor oder einem polyklonalen Antithymozytenglobulin. Antithymozytenglobulin kann bei der ersten Gabe eine Zytokinfreisetzung mit Fieber, Hypotonie und Bronchospasmus auslösen; es wird langsam über einen zentralen Zugang infundiert. Die Erhaltung stützt sich auf Calcineurininhibitoren wie Tacrolimus und Ciclosporin, Antimetabolite wie Mycophenolat und Glukokortikoide. Calcineurininhibitoren sind selbst nephrotoxisch, verengen die zuführende Arteriole, erhöhen Kalium und senken Magnesium; sie werden über CYP3A abgebaut, und Hemmstoffe wie Azole und Makrolide erhöhen, Induktoren wie Rifampicin oder Carbamazepin senken ihre Spiegel. Glukokortikoide erhöhen den Blutzucker und fordern bei vorbestehender Dauertherapie eine perioperative Stressdosis. Diese Zusammenhänge sind Lehrbuchwissen der Transplantationsmedizin; die konkreten Protokolle legt das Transplantationszentrum fest.
Für die Anästhesie folgen daraus einige Regeln. Nephrotoxische Zusätze wie nichtsteroidale Antirheumatika, Aminoglykoside und Kontrastmittel werden vermieden oder streng abgewogen, weil sie mit dem Calcineurininhibitor und der frisch transplantierten Niere zusammenwirken. Der Blutzucker wird engmaschig gemessen. Bei Antibiotika und Antimykotika wird an Wechselwirkungen mit dem Spiegel des Calcineurininhibitors gedacht. Und jede Infektionsprophylaxe wird mit besonderer Sorgfalt umgesetzt.
Analgesie
Nach Nierentransplantation ist eine multimodale Analgesie das Ziel.11 Nichtsteroidale Antirheumatika scheiden aus. Paracetamol ist die Basis, Opioide werden nach Wirkung titriert, bevorzugt Substanzen ohne aktive renale Metabolite. Regionalverfahren der Bauchwand wie Transversus-abdominis-Plane- oder Quadratus-lumborum-Blockaden ergänzen die Analgesie am Unterbauch; die Periduralanalgesie wird wegen Hypotonie und urämischer Thrombozytenfunktionsstörung sorgfältig abgewogen. Nach Lebertransplantation sind die Schnitte größer, die Gerinnung ist in den ersten Tagen oft noch verändert, und rückenmarksnahe Verfahren kommen meist nicht in Betracht; Opioide werden bei funktionierendem Transplantat zunehmend normal verstoffwechselt.
Lebendspende
Bei der Lebendspende ist ein gesunder Mensch der Patient, der keinen gesundheitlichen Nutzen von dem Eingriff hat. Daraus folgt der höchste Anspruch an Sicherheit. Die Empfehlungen der ILTS von 2022 schließen ausdrücklich den Lebendspender der Leber ein.8 Die Spenderhepatektomie, besonders die Entnahme des rechten Leberlappens, ist ein großer Lebereingriff mit dem Ziel geringen Blutverlustes; ein niedriger zentralvenöser Druck während der Parenchymdurchtrennung, eine sorgfältige Analgesie und eine enge Überwachung der Leberfunktion des Restorgans gehören dazu. Die Lebendnierenspende erfolgt heute meist laparoskopisch; die Anästhesie berücksichtigt das Pneumoperitoneum mit seiner Wirkung auf Nierendurchblutung und Urinproduktion und vermeidet nephrotoxische Substanzen, weil der Spender mit einer Niere weiterlebt. Diese Grundsätze sind Lehrbuchwissen und Expertenkonsens.
Typische Fehlannahmen
Bei Niereninsuffizienz sei Kochsalzlösung sicherer als eine kaliumhaltige balancierte Lösung. Kochsalz erzeugt eine hyperchlorämische Azidose und erhöht das Kalium eher.10
Ein hoher zentralvenöser Druck zeige eine gute Füllung des Transplantats an. Er korreliert nur schwach mit dem Volumenstatus.10
Fehlende Diurese nach Reperfusion der Niere verlange einen weiteren Volumenbolus. Zuerst Perfusionsdruck, Gefäße, Harnabfluss und Volumenstatus prüfen.
Eine hohe INR vor Lebertransplantation müsse mit Plasma korrigiert werden. Das erhöht Volumen und Pfortaderdruck, ohne Blutungen zu verhindern.7
Die TEE sei bei Ösophagusvarizen verboten. Sie verlangt Vorsicht; in den ausgewerteten Studien waren ösophageale Blutungen selten.4
Ein Postreperfusionssyndrom komme unangekündigt. Kalium, Calcium, pH, Temperatur und Volumen lassen sich vor der Freigabe vorbereiten.
Übung 6.1
Lektion 7
Fälle, Merksätze und Aufgaben
Fall 1: Kreislaufzusammenbruch nach Reperfusion
Ein 54-jähriger Mann mit Zirrhose bei Fettlebererkrankung (MELD 31) erhält eine Leber eines 67-jährigen Spenders nach 11 Stunden kalter Ischämie. Präoperativ Kreatinin 2,1 mg/dl ohne Dialyse. Bis zum Ende der anhepatischen Phase erhielt er 12 Erythrozytenkonzentrate und 10 Plasmen. Werte vor der Freigabe: Kalium 5,6 mmol/l, ionisiertes Calcium 0,86 mmol/l, pH 7,21, Basenüberschuss minus 8 mmol/l, Laktat 7,4 mmol/l, Temperatur 34,8 °C. Wenige Sekunden nach Freigabe der Pfortader fällt der Mitteldruck von 70 auf 32 mmHg, die Herzfrequenz auf 38 pro Minute mit breiten QRS-Komplexen. Die TEE zeigt einen dilatierten, hypokinetischen rechten Ventrikel mit Septumverlagerung, keine Luft.
Fall 1, Frage 1
Fall 1, Frage 2
Fall 1, Frage 3
Merksätze
Die invasive arterielle Druckmessung ist bei Lebertransplantation Mindeststandard; TEE und Pulmonalarterienkatheter gezielt bei Instabilität, portopulmonaler Hypertension oder kardialer Funktionsstörung.4
Die anhepatische Phase bedeutet: keine Clearance für Laktat und Citrat, fallendes ionisiertes Calcium, Hyperfibrinolyse, Auskühlung.
Das Postreperfusionssyndrom wird vorbereitet: Kalium senken, Calcium anheben, Azidose und Temperatur korrigieren, Adrenalin bereithalten.
Calciumchlorid 10 Prozent enthält 0,68 mmol/ml, Calciumgluconat 10 Prozent 0,226 mmol/ml.6
Gerinnung bei Lebertransplantation viskoelastisch gezielt behandeln, nicht nach INR.7
Bei Nierentransplantation balancierte Kristalloide statt Kochsalz, keine Hydroxyethylstärke, zentralvenöser Druck nicht als alleiniges Ziel.10
Perfusionsdruck des Transplantats sichern, Mitteldruck 80 bis 110 mmHg als genanntes Ziel; fehlende Diurese erst abklären, dann behandeln.11
Calcineurininhibitoren sind nephrotoxisch und CYP3A-abhängig; Azole und Makrolide erhöhen ihre Spiegel.
Aufgaben
Aufgabe 1: Kalium vor der Nierentransplantation
Gegeben: Ein 48-jähriger Dialysepatient wird nachts zur Nierentransplantation einbestellt. Letzte Dialyse vor 52 Stunden, Kalium 6,3 mmol/l, 2,5 kg über dem Trockengewicht, keine Restdiurese.
Frage: Wie gehen Sie vor?
Lösung
Das Kalium ist vor einer Narkose mit anschließender Reperfusion und möglicher Transfusion zu hoch, und der Patient ist überwässert. Wenn die kalte Ischämiezeit es erlaubt, ist eine kurze Dialyse vor der Operation mit Ziel eines normalen Kaliums und moderatem Entzug sinnvoll, ohne den Patienten in eine Hypovolämie zu bringen. Ist das nicht möglich, wird das Kalium mit Insulin und Glucose gesenkt, Succinylcholin vermieden und eine balancierte Lösung statt Kochsalz verwendet, weil Kochsalz über die hyperchlorämische Azidose das Kalium eher erhöht.10 Shuntarm schützen, Relaxanz nach Nierenfunktion wählen und neuromuskulär überwachen.11
Aufgabe 2: Calcium umrechnen
Gegeben: Während der anhepatischen Phase fällt das ionisierte Calcium auf 0,78 mmol/l. Die Kollegin möchte 10 mmol Calcium geben; verfügbar sind Calciumchlorid 10 Prozent und Calciumgluconat 10 Prozent.
Frage: Wie viele Milliliter der jeweiligen Lösung entsprechen 10 mmol (Rechenbeispiel)?
Lösung
Calciumchlorid 10 Prozent: 10 / 0,68 = 14,7 ml. Calciumgluconat 10 Prozent: 10 / 0,226 = 44,2 ml.6 Der Unterschied um etwa den Faktor drei ist eine häufige Fehlerquelle. In der anhepatischen Phase wird das Citrat aus den Blutprodukten nicht abgebaut; der Bedarf bleibt deshalb hoch, bis das Transplantat arbeitet.
Aufgabe 3: Keine Diurese nach Reperfusion der Niere
Gegeben: Zwanzig Minuten nach Reperfusion einer Niere eines verstorbenen Spenders ist kein Urin im Beutel. Mitteldruck 66 mmHg, zentralvenöser Druck 16 mmHg, bisher 3,5 l Kochsalzlösung. Der Operateur fragt nach weiteren 1 000 ml.
Frage: Wie gehen Sie vor?
Lösung
Zuerst die Differenzialdiagnose: Der Perfusionsdruck ist mit 66 minus 16 = 50 mmHg niedrig, der Mitteldruck liegt unter dem in der Übersicht genannten Ziel von 80 bis 110 mmHg.11 Der hohe zentralvenöse Druck spricht nicht für einen Volumenmangel, auch wenn er nur schwach mit dem Volumenstatus korreliert.10 Sinnvoll sind ein Vasopressor zur Anhebung des Mitteldrucks, eine Doppler-Sonographie von Arterie und Vene des Transplantats, die Kontrolle von Harnleiter und Katheter und eine Blutgasanalyse mit Blick auf die hyperchlorämische Azidose nach 3,5 l Kochsalz. Weitere Flüssigkeit sollte, wenn überhaupt, eine balancierte Lösung sein.10 Eine verzögerte Transplantatfunktion ist bei Organen verstorbener Spender häufig und verlangt Geduld statt Überwässerung.
Aufgabe 4: Reperfusion vorbereiten
Gegeben: Lebertransplantation, 20 Minuten vor der geplanten Freigabe der Pfortader: Kalium 5,1 mmol/l, ionisiertes Calcium 0,94 mmol/l, pH 7,26, Temperatur 35,2 °C, zentralvenöser Druck 14 mmHg, Noradrenalin 0,15 µg/kg/min.
Frage: Welche Schritte planen Sie?
Lösung
Kalium senken mit Insulin und Glucose unter Blutzuckerkontrolle, ionisiertes Calcium in den Normbereich anheben, Azidose über Beatmung und gegebenenfalls Puffer mindern, aktiv wärmen und den zentralvenösen Druck nicht weiter anheben, um Transplantat und rechten Ventrikel nicht zu stauen. Calcium, Adrenalin in kleinen Boli und ein Vasopressor liegen bereit, die TEE-Sonde ist eingeführt, und die Freigabe wird im Team angesagt. Genaue Zielwerte sind Expertenmeinung; die Empfehlungen zum Monitoring halten die TEE bei Instabilität für angezeigt.4
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Zum Nachschlagen
Begriffe und Literatur
Begriff
Bedeutung
Präanhepatische Phase
Von der Inzision bis zur Klemmung der Lebergefäße; Blutung, Aszitesentlastung, Citrat aus Transfusionen.
Anhepatische Phase
Zeit ohne Leberfunktion zwischen Klemmung und Reperfusion; Laktat und Citrat steigen, Calcium fällt.
Neohepatische Phase
Beginnt mit der Reperfusion des Transplantats; Postreperfusionssyndrom, später Zeichen der Transplantatfunktion.
Piggyback-Technik
Implantation unter Erhalt der Hohlvene mit tangentialer Ausklemmung; der venöse Rückstrom bleibt großenteils erhalten.
Venovenöser Bypass
Rückleitung von Blut aus Pfortader und Femoralvene in eine obere Körpervene während der Hohlvenenklemmung.
Postreperfusionssyndrom
Abfall des Mitteldrucks um mehr als 30 Prozent für mindestens eine Minute in den ersten 5 Minuten nach Reperfusion.
Verzögerte Transplantatfunktion
Dialysebedarf in der ersten Woche nach Nierentransplantation.
Calcineurininhibitor
Immunsuppressivum wie Tacrolimus oder Ciclosporin; nephrotoxisch, CYP3A-abhängig, erhöht Kalium.
Literatur
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Standardwerke
Gropper MA, Cohen NH, Eriksson LI et al. (Hrsg.). Miller’s Anesthesia. 10. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2024
Wagener G (Hrsg.). Liver Anesthesiology and Critical Care Medicine. 2. Auflage. Cham: Springer; 2018