Die Grundlagen der Verbrennung, ihre Tiefeneinteilung und die präklinische Erstversorgung stehen in der Einheit Hitze, Kälte, Strom und Wasser; das Vorgehen im Schockraum in der Einheit Schockraum und Traumamanagement. Diese Einheit vertieft, was für die Anästhesie in den ersten Tagen entscheidend ist: die Einschätzung von Fläche und Tiefe als Grundlage jeder Rechnung, die Flüssigkeitstherapie nach der aktuellen Leitlinie, den Atemweg beim Inhalationstrauma, die Vergiftungen mit Kohlenmonoxid und Cyanid und die Narkose.
Fläche: drei Werkzeuge, drei Fehlerquellen
Die verbrannte Körperoberfläche (VKOF) ist der wichtigste Einzelwert für Prognose, Verlegung und Flüssigkeit. Gezählt werden nur Verbrennungen ab Grad 2; eine Rötung vom Grad 1 zählt nicht. Die Neunerregel teilt den Körper des Erwachsenen in Abschnitte von 9 % oder einem Vielfachen davon: Kopf und Hals 9 %, jeder Arm 9 %, Rumpf vorn 18 %, Rumpf hinten 18 %, jedes Bein 18 %, Genitale 1 %. Für kleine und verstreute Flächen dient die Handfläche des Patienten einschließlich der Finger als Maß für etwa 1 %. Bei Kindern versagt die Neunerregel, weil der Kopf relativ größer und die Beine relativ kleiner sind; hier wird die Tabelle nach Lund und Browder verwendet, die die Anteile nach Altersstufen angibt (Lehrbuchwissen).
| Körperregion | unter 1 Jahr | 1 Jahr | 5 Jahre | 10 Jahre | 15 Jahre | Erwachsene |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kopf | 19 % | 17 % | 13 % | 11 % | 9 % | 7 % |
| ein Oberschenkel | 5,5 % | 6,5 % | 8 % | 8,5 % | 9 % | 9,5 % |
| ein Unterschenkel | 5 % | 5 % | 5,5 % | 6 % | 6,5 % | 7 % |
Drei Fehler sind typisch. Erstens wird Grad 1 mitgezählt, was die Fläche und damit jede Formel aufbläht. Zweitens wird die Fläche früh geschätzt und nicht korrigiert, obwohl sich die Tiefe in den ersten Tagen erst demarkiert. Drittens wird bei Kindern mit der Neunerregel gerechnet. Jede Rechnung ist deshalb nur so gut wie die Flächenangabe, und bei jeder Übergabe wird sie neu geprüft (Lehrbuchwissen).
Tiefe und warum sie für die Anästhesie zählt
Oberflächliche Verbrennungen (Grad 2a) sind feucht, rot, schmerzhaft und rekapillarisieren; tiefe Verbrennungen (Grad 2b und 3) sind blasser, weniger schmerzhaft bis schmerzlos und heilen nicht ohne Operation. Für die Anästhesie hat die Tiefe drei Folgen: Tiefe Flächen werden in den folgenden Tagen exzidiert und gedeckt, mit Blutverlust und Wärmeverlust; zirkuläre tiefe Verbrennungen an Extremitäten und Rumpf können eine Escharotomie verlangen; und die Schmerzen verändern sich mit der Tiefe, sodass die Analgesie regelmäßig neu eingestellt wird.1
Verbrennungsschock
Ab einer gewissen Fläche wird aus der lokalen Verletzung eine systemische Erkrankung. Mediatoren aus dem verbrannten Gewebe erhöhen die Kapillarpermeabilität auch in unverletzten Regionen; Plasma verschiebt sich in das Interstitium, und es entsteht ein hypovolämischer Schock mit Hämokonzentration, zu dem sich eine verteilungsbedingte Komponente und eine Beeinträchtigung der Myokardfunktion gesellen. Die Verschiebung ist in den ersten Stunden am stärksten und nimmt über die folgenden ein bis zwei Tage ab (Lehrbuchwissen). Daraus folgen zwei Aufgaben, die sich widersprechen: Zu wenig Volumen führt zu Organminderperfusion und Nierenversagen, zu viel Volumen vergrößert das Ödem, weil jede Infusion in das offene Kapillarbett ebenfalls austritt. Die aktuelle Leitlinie definiert die akute Flüssigkeitsphase als die ersten 48 Stunden nach dem Unfall.2 Die Balance zwischen diesen beiden Fehlern ist das Thema der nächsten Lektion.