Lungenisolation ist angewandte Anatomie. Wer einen Doppellumentubus oder einen Bronchusblocker platziert, bewegt sich mit dem Bronchoskop durch einen Baum, dessen Abstände wenige Zentimeter betragen und dessen Varianten über Erfolg oder Hypoxämie entscheiden. Diese Einheit vertieft die Anatomie und die bronchoskopische Orientierung. Evaluation vor Lungenresektion, Grundzüge von Doppellumentubus und Blocker, Analgesie und Mediastinaltumor stehen in der Einheit Thoraxanästhesie und werden hier vorausgesetzt.
Trachea und Carina
Die Trachea des Erwachsenen ist 10 bis 12 cm lang und teilt sich an der Carina in den rechten und den linken Hauptbronchus.1 Vorn und seitlich wird sie von hufeisenförmigen Knorpelspangen gestützt, hinten schließt die Pars membranacea ohne Knorpel ab. Diese Asymmetrie ist die wichtigste Orientierungshilfe im Bronchoskop: Die Knorpelringe markieren vorn, die glatte, längs gestreifte Membran markiert hinten. Die Pars membranacea ist zugleich die verletzlichste Stelle; Rupturen durch Doppellumentuben oder Führungsstäbe entstehen typischerweise hier (Lehrbuchwissen).
Zwei ungleiche Hauptbronchien
Der rechte Hauptbronchus folgt der Richtung der Trachea steiler, ist weiter und kurz; im Mittel misst er bis zum Abgang des Oberlappenbronchus etwa 2,7 cm. Der linke Hauptbronchus zweigt flacher ab, ist enger und mit im Mittel etwa 5,3 cm rund doppelt so lang.1 Daraus folgen zwei klinische Regeln. Erstens gelangen Fremdkörper, zu tief geschobene Tuben und Absaugkatheter bevorzugt nach rechts. Zweitens bietet der linke Hauptbronchus genug Länge für die bronchiale Manschette eines Doppellumentubus, ohne einen Lappenabgang zu verlegen, der rechte nicht. Deshalb ist der linksseitige Doppellumentubus der Standard, auch für viele rechtsseitige Eingriffe. Ein rechtsseitiger Tubus braucht ein seitliches Fenster in der bronchialen Manschette, das exakt vor dem Oberlappenabgang liegen muss, und verrutscht leichter aus dieser Position.
Varianten sind nicht selten. Ein Trachealbronchus, meist ein direkt aus der Trachea entspringender Oberlappen- oder Segmentbronchus, kommt bei bis zu 2 % der Bevölkerung vor, häufiger rechts.1 Er wird mit einem rechtsseitigen Tubus leicht verlegt und kann bei jeder Seitentrennung eine unerklärte Hypoxämie oder eine unvollständige Entlüftung erklären. Die Computertomographie vor dem Eingriff wird deshalb nicht nur vom Chirurgen gelesen.
Lappen und Segmente
Rechts gliedert sich die Lunge in Ober-, Mittel- und Unterlappen, links in Ober- und Unterlappen, wobei die Lingula dem Mittellappen entspricht. Der rechte Oberlappenbronchus teilt sich rasch in drei Segmentbronchien; im Bronchoskop erscheint diese Dreiteilung als Kleeblatt oder Mercedesstern und ist die sicherste Landmarke, um den rechten Oberlappen von der Carina oder vom Bronchus intermedius zu unterscheiden.1 Unterhalb des Oberlappens setzt sich der Bronchus intermedius fort, von dem vorn der Mittellappen und hinten der Unterlappen mit seinem Spitzensegment abgehen. Links teilt sich der Hauptbronchus in einer zweiten Carina in Ober- und Unterlappenbronchus; diese Gabel muss durch das bronchiale Lumen eines linken Doppellumentubus frei sichtbar sein.
| Lappen | Rechts | Links |
|---|---|---|
| Oberlappen | S1 apikal, S2 posterior, S3 anterior | S1+2 apikoposterior, S3 anterior |
| Mittellappen oder Lingula | S4 lateral, S5 medial | S4 superior, S5 inferior (Lingula, Teil des Oberlappens) |
| Unterlappen | S6 superior, S7 mediobasal, S8 anterobasal, S9 laterobasal, S10 posterobasal | S6 superior, S7+8 anteromediobasal, S9 laterobasal, S10 posterobasal |
| Summe für die ppo-Rechnung | 10 | 9 (so in der Einheit Thoraxanästhesie verwendet) |
Für die Anästhesie haben die Segmente zwei Bedeutungen. Sie sind die Recheneinheit der vorhergesagten postoperativen Lungenfunktion, die in der Einheit Thoraxanästhesie geübt wird, und sie sind die Adresse für eine selektive Blockade: Ein Bronchusblocker kann statt einer ganzen Lunge auch nur einen Lappen ausschalten, wenn die Restfunktion knapp ist oder die Gegenseite bereits operiert wurde.