Die Allgemeinanästhesie zur Sectio ist selten geworden, und gerade deshalb ist sie gefährlich. Wer im Kreißsaal arbeitet, legt viele Spinalanästhesien und verhältnismäßig wenige Narkosen zur Sectio an, und diese wenigen fallen häufig in die Nacht, unter Zeitdruck, bei einer Schwangeren, die nicht nüchtern ist und deren Atemweg sich durch Ödem, Gewichtszunahme und Wehenarbeit verändert hat. Die deutsche S1-Leitlinie zur geburtshilflichen Analgesie und Anästhesie, deren Neufassung im Juni 2026 erschienen ist, nennt die Spinalanästhesie ohne liegenden Katheter und ohne Kontraindikation das Verfahren der Wahl zur Sectio und behandelt die Allgemeinanästhesie als eigenständige Option mit klaren Indikationen.1 Die Durchführung der Regionalanästhesie steht in der Schwestereinheit Sectio in Regionalanästhesie; hier geht es um den Fall, in dem die Entscheidung auf die Narkose fällt.
Wann die Allgemeinanästhesie das richtige Verfahren ist
Die klassischen Indikationen sind medizinisch. Bei einer Notsectio mit akuter Lebensgefahr für Mutter oder Kind, etwa bei anhaltender fetaler Bradykardie, Nabelschnurvorfall oder Uterusruptur, reicht die Zeit für eine Spinalanästhesie oft nicht, wenn kein wirksamer Periduralkatheter liegt. Kontraindikationen gegen ein rückenmarknahes Verfahren sind eine relevante Gerinnungsstörung, eine Antikoagulation innerhalb der Zeitgrenzen, eine schwere Hypovolämie bei Blutung, eine Infektion an der Punktionsstelle und die Ablehnung durch die Schwangere. Hinzu kommt die misslungene oder unzureichende Regionalanästhesie, die während des Eingriffs in eine Narkose umgewandelt werden muss. Die S1-Leitlinie 2026 nennt darüber hinaus ausdrücklich die psychosoziale Indikation, etwa massive Angst oder eine Traumatisierung, und den ausdrücklichen Wunsch der Schwangeren; in diesen Situationen kann die Allgemeinanästhesie das geeignetste Verfahren sein.1
Diese Aufwertung der Selbstbestimmung verlangt eine sorgfältige Aufklärung. Die Schwangere soll wissen, dass die Narkose zur Sectio mit häufiger schwieriger Intubation, einem Aspirationsrisiko, einer im Vergleich zu anderen Eingriffen höheren Rate an Wachheit während der Narkose und einem späteren ersten Kontakt mit dem Kind verbunden ist, und die Aufklärung wird mit diesen Inhalten dokumentiert. Die Einheit Organisation, Aufklärung und Risikoschwangerschaft behandelt die Aufklärung unter Wehen und die antepartale Vorstellung; die dort beschriebene frühe Anlage eines Periduralkatheters bei Risikoschwangeren ist die wirksamste Strategie, eine Notfallnarkose gar nicht erst zu brauchen.
Wie häufig die Intubation scheitert
Eine Literaturübersicht über geburtshilfliche Allgemeinanästhesien seit 1970 fand eine Rate misslungener Intubationen von 2,6 pro 1000 Narkosen (95-%-KI 2,0 bis 3,2), also etwa 1 zu 390, und von 2,3 pro 1000 bei der Sectio. Diese Rate blieb über die Jahrzehnte unverändert. Auf etwa 90 misslungene Intubationen kam ein mütterlicher Todesfall, und die Todesursachen waren Aspiration oder Hypoxämie infolge einer Verlegung des Atemwegs oder einer ösophagealen Intubation. Notfallkoniotomien waren selten und wurden meist als späte Rettung mit schlechtem Ergebnis für die Mutter durchgeführt.2 Daraus folgt der Grundsatz dieser Einheit: Schwangere sterben nicht an der fehlenden Intubation, sondern an fehlendem Sauerstoff und an Mageninhalt in der Lunge.
Neuere Daten bestätigen die Größenordnung. In einer US-amerikanischen Kohorte aus mehreren Zentren mit 14 748 Allgemeinanästhesien zur Sectio lag die schwierige Intubation bei 1 zu 49 (95-%-KI 1 zu 55 bis 1 zu 44) und die misslungene Intubation bei 1 zu 808 (95-%-KI 1 zu 1276 bis 1 zu 511). Die Risikofaktoren waren überwiegend anatomisch und nicht geburtshilflich: höherer Körpermasseindex, Mallampati III oder IV, kurzer Abstand zwischen Zungenbein und Kinn, eingeschränkter Vorschub des Unterkiefers, eingeschränkte Mundöffnung und Befunde der Halswirbelsäule.3 Eine prospektive Erhebung aus 72 englischen Kliniken mit 3117 geburtshilflichen Narkosen berichtete eine schwierige Intubation bei 1 zu 19 und eine misslungene bei 1 zu 312. Adipöse Schwangere waren häufiger schwierig, aber nicht häufiger misslungen intubiert, und ein Videolaryngoskop kam nur bei 1,9 % zum Einsatz.4
| Quelle | Datenbasis | Schwierige Intubation | Misslungene Intubation | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Literaturübersicht 2015 | Veröffentlichungen seit 1970 | nicht einheitlich definiert | 2,6 pro 1000 (1 zu 390), Sectio 2,3 pro 1000 | ein mütterlicher Todesfall auf etwa 90 misslungene Intubationen2 |
| Kohorte USA 2022 | 14 748 Allgemeinanästhesien zur Sectio | 1 zu 49 | 1 zu 808 | Risikofaktoren überwiegend anatomisch3 |
| Prospektive Erhebung England 2021 | 3117 geburtshilfliche Narkosen in 72 Kliniken | 1 zu 19 | 1 zu 312 | Videolaryngoskop bei 1,9 %4 |
Die Unterschiede zwischen 1 zu 49 und 1 zu 19 bei der schwierigen Intubation zeigen vor allem, dass die Definition schwankt: Manche Erhebungen zählen jeden zweiten Versuch, andere nur einen Wechsel des Geräts oder einen schlechten Cormack-Lehane-Grad. Für die Prüfung genügt die Größenordnung. Die schwierige Intubation ist bei Schwangeren häufig, die misslungene selten, aber um ein Vielfaches häufiger als außerhalb der Geburtshilfe, nach der indischen Leitlinie etwa achtmal so häufig wie in der Allgemeinbevölkerung,5 und sie ist tödlich, wenn Oxygenierung und Aspirationsschutz nicht gelingen.
Warum der Atemweg der Schwangeren schwieriger ist
Die Physiologie steht ausführlich in der Einheit Atmung und Oxygenierung in der Schwangerschaft; hier genügt eine Zusammenfassung der Folgen. Die Schleimhaut des oberen Atemwegs ist ödematös, blutet leicht und schwillt unter Wehenarbeit, Pressen, Infusion und Präeklampsie weiter an. Die Brust behindert das Einführen des Laryngoskops. Die funktionelle Residualkapazität ist kleiner und der Sauerstoffverbrauch höher, sodass die Sättigung bei Apnoe rasch fällt. Der untere Ösophagussphinkter ist hormonell geschwächt, und unter Wehen und nach Opioiden entleert sich der Magen verzögert. Schließlich ist die Situation selbst ein Risiko: Zeitdruck, eine ängstliche Schwangere, ein besorgtes geburtshilfliches Team und eine atemwegsführende Person, die diese Narkose vielleicht selten durchführt.
Die Daten sind konsistent. Die misslungene Intubation liegt je nach Erhebung zwischen 1 zu 312 und 1 zu 808, die schwierige zwischen 1 zu 19 und 1 zu 49.3, 4 Die Rate misslungener Intubationen hat sich über vier Jahrzehnte nicht verändert, während sich die Todesfälle verlagert haben: Heute ist nicht die Intubation, sondern die fehlende Oxygenierung und die Aspiration der Mechanismus.2 Die Konsequenz der S1-Leitlinie ist eine Untersuchung des Atemwegs vor jeder Einleitung auf Prädiktoren für schwierige Maskenbeatmung, Laryngoskopie und Intubation, eine Blitzeinleitung mit Intubation und das Videolaryngoskop als primäres Gerät.1