Physiologie · Stufe PJ, Vertiefung ab WBJ 1

Selbstkontrolle Atmung und Kreislauf

Dreißig Fragen aus dem Manuskript des Autors, zwanzig Kurzfragen und zehn Essayfragen, jeweils mit Musterlösung und Verweis auf die Lerneinheit, in der die Antwort vertieft wird. Erst selbst antworten, dann vergleichen.

Aus dem Manuskript des Autors (Anhang, Fragen zur Selbstkontrolle); die Musterlösungen sind für das E-Learning neu geschrieben (Recherchestand September 2026). Die Fragen stehen zusätzlich im Prüfungsmodus.
So arbeiten Sie mit dieser Einheit
  • Antwort in das Notizfeld schreiben; es wird im Browser gespeichert.
  • Musterlösung aufklappen und vergleichen.
  • Lücken in der verlinkten Lerneinheit schließen, dann das Abschlussquiz lösen.

Teil 1

Atmung: zehn Kurzfragen

Frage 1

Erklären Sie den Mechanismus der Unterdruckatmung beim Menschen.

Musterlösung

Zwerchfell und äußere Interkostalmuskeln vergrößern den Thorax; über den Pleuraspalt folgt die Lunge, der intrapleurale Druck wird negativer (etwa −5 auf −8 cmH₂O), der Alveolardruck fällt unter den Atmosphärendruck, und Luft strömt ein. Maschinelle Beatmung kehrt das um: Überdruckbeatmung, mit Folgen für venösen Rückstrom und V/Q.

Frage 2

Was ist der Unterschied zwischen Brust- und Bauchatmung, und welche Muskeln sind beteiligt?

Musterlösung

Bauchatmung: Zwerchfell kontrahiert und tritt tiefer, der Bauch wölbt sich vor; in Ruhe der Hauptanteil. Brustatmung: äußere Interkostalmuskeln heben die Rippen; bei Belastung und Dyspnoe zusätzlich Atemhilfsmuskeln (Mm. scaleni, sternocleidomastoideus).

Frage 3

Welche Rolle spielt der Pleuraspalt mit seinem Flüssigkeitsfilm?

Musterlösung

Der Flüssigkeitsfilm koppelt Lunge und Thoraxwand durch Adhäsion, erlaubt Gleiten und überträgt den Unterdruck. Dringt Luft ein (Pneumothorax), geht die Kopplung verloren und die Lunge kollabiert durch ihre Eigenelastizität.

Frage 4

Warum ist die Ausatmung in Ruhe passiv?

Musterlösung

Die elastischen Rückstellkräfte von Lunge (Gewebe und Oberflächenspannung) und Thorax treiben die Luft ohne Muskelarbeit aus. Aktive Exspiration mit inneren Interkostal- und Bauchmuskeln braucht es bei Belastung oder Obstruktion.

Frage 5

Was ist der stärkste Atemreiz, und wie wird er erfasst?

Musterlösung

Der arterielle CO₂-Partialdruck, erfasst über den pH des Liquors an zentralen Chemorezeptoren der Medulla; periphere Chemorezeptoren tragen etwa 20 bis 30 % der CO₂-Antwort bei.

Frage 6

Worin unterscheiden sich zentrale und periphere Chemorezeptoren?

Musterlösung

Zentral: Medulla, reagieren langsamer auf CO₂ und H⁺ im Liquor, den Großteil der CO₂-Antwort. Peripher: Glomus caroticum und aorticum, schnell, reagieren auf PaO₂ (vor allem unter 60 mmHg), PaCO₂ und pH.

Frage 7

Nennen Sie die drei Transportwege für CO₂ im Blut mit Anteilen.

Musterlösung

Als Bikarbonat etwa 70 %, an Hämoglobin gebunden (Carbamino) etwa 20 bis 23 %, physikalisch gelöst etwa 7 bis 10 %.

Frage 8

Beschreiben Sie den Bohr-Effekt und seine Bedeutung.

Musterlösung

CO₂ und H⁺ senken die Sauerstoffaffinität des Hämoglobins und verschieben die Dissoziationskurve nach rechts. Im stoffwechselaktiven Gewebe wird dadurch mehr Sauerstoff abgegeben, in der Lunge mehr aufgenommen.

Frage 9

Was kennzeichnet eine obstruktive Lungenerkrankung funktionell?

Musterlösung

Erhöhter Atemwegswiderstand mit reduziertem FEV₁ und FEV₁/FVC unter 0,7 (bzw. unter der unteren Normgrenze); häufig Überblähung mit erhöhtem RV und TLC.

Frage 10

Was ist die Herausforderung großer Höhe, und welche Sofortreaktion folgt?

Musterlösung

Der fallende Luftdruck senkt PiO₂ und PAO₂ bei gleicher FiO₂; die sofortige Reaktion ist die Hyperventilation über periphere Chemorezeptoren mit respiratorischer Alkalose.

Teil 2

Atmung: fünf Essayfragen

Frage 11

Vergleichen Sie obstruktive und restriktive Lungenerkrankungen in der Lungenfunktion (TLC, RV, FEV₁/FVC, DLCO).

Musterlösung

Obstruktion: FEV₁/FVC erniedrigt, TLC normal oder erhöht, RV erhöht (Air Trapping), DLCO beim Emphysem erniedrigt, beim Asthma normal. Restriktion: FEV₁ und FVC proportional erniedrigt, FEV₁/FVC normal oder erhöht, TLC und RV erniedrigt, DLCO bei Fibrose erniedrigt, bei Thoraxwandrestriktion normal. Unter Narkose: Obstruktion verlangt lange Exspiration (Auto-PEEP vermeiden), Restriktion kleine Tidalvolumina und höhere Frequenz.

Frage 12

Erläutern Sie den Regelkreis der Atmungssteuerung von DRG und VRG bis zur Homöostase.

Musterlösung

Dorsale respiratorische Gruppe (Inspiration, Afferenzen über N. IX und X), ventrale Gruppe mit Prä-Bötzinger-Komplex (Rhythmusgenerator), pontine Zentren modulieren. Zentrale Chemorezeptoren messen den Liquor-pH, periphere PaO₂, PaCO₂ und pH. Steigt das CO₂, steigt das Minutenvolumen, bis das CO₂ normalisiert ist; Hypoxämie verstärkt die CO₂-Antwort. Bei chronischer Hyperkapnie puffert Bikarbonat den Liquor, die Antwort flacht ab (Lerneinheit COPD).

Frage 13

Beschreiben Sie akute und chronische Anpassungen an große Höhe.

Musterlösung

Akut: Hyperventilation, Tachykardie, HZV steigt, pulmonale Vasokonstriktion. Tage: renale Bikarbonatausscheidung erhält die Hyperventilation, 2,3-DPG steigt (Rechtsverschiebung, die Alkalose wirkt gegenläufig). Wochen: Erythropoetin, Hb steigt, Kapillarisierung, Mitochondrienanpassung; Plasmavolumen sinkt. Grenzen: Höhenlungenödem, Höhenhirnödem, chronische Bergkrankheit (Lerneinheit Höhe und Hypoxie).

Frage 14

Verfolgen Sie ein Sauerstoff- und ein CO₂-Molekül zwischen Atmosphäre und Zelle.

Musterlösung

Sauerstoff: Ventilation (PiO₂ 150), Alveole (PAO₂ 100), Diffusion (Fläche, Dicke, Gradient), Bindung an Hb (Sättigung, CaO₂), Transport (HZV, DO₂), Mikrozirkulation, Diffusion zur Mitochondrie (PO₂ wenige mmHg). CO₂: Zelle, Diffusion ins Blut, Bikarbonat über Carboanhydrase, Chloridverschiebung, Carbamino am desoxygenierten Hb (Haldane), Lunge: Rückreaktion, Diffusion (CO₂ diffundiert etwa 20-mal leichter), Ventilation bestimmt den PaCO₂ (Lerneinheit Sauerstoffversorgung als Systemkette).

Frage 15

Diskutieren Sie die belastungsinduzierte arterielle Hypoxämie bei Hochleistungssportlern.

Musterlösung

Bei sehr hohem HZV sinkt die Kontaktzeit in der Lungenkapillare unter die für den Diffusionsausgleich nötige Zeit; dazu V/Q-Ungleichgewicht, relative Hypoventilation und intrapulmonale Shunts. Extreme Kapillardrücke können die Blut-Gas-Schranke mechanisch belasten (Stressversagen, bei Pferden bis zur Blutung). Die Sättigung kann unter 90 % fallen, besonders bei Frauen und in Höhe.

Teil 3

Kreislauf: zehn Kurzfragen

Frage 16

Was ist das Prinzip der arteriellen Pulskonturanalyse?

Musterlösung

Das Schlagvolumen wird aus der Fläche oder Form der systolischen Druckkurve berechnet, geteilt durch die aortale Impedanz, die kalibriert (Thermodilution) oder aus Algorithmen und Demografie geschätzt wird.

Frage 17

Worin liegt die Herausforderung, Druck in Volumen umzurechnen?

Musterlösung

Compliance und Impedanz der Aorta ändern sich mit Tonus, Alter, Medikamenten und Kreislaufzustand; unkalibrierte Systeme nehmen sie an und irren bei schnellen Änderungen. Dazu kommen Messartefakte (Dämpfung, Schleuderzacke).

Frage 18

Definieren Sie das Herzzeitvolumen.

Musterlösung

HZV = Schlagvolumen × Herzfrequenz; das Schlagvolumen hängt von Vorlast, Nachlast und Kontraktilität ab (Lerneinheit Bauplan des Kreislaufs).

Frage 19

Welchen Zweck hat die transpulmonale Thermodilution?

Musterlösung

Sie misst das HZV mit einem Kältebolus über den ZVK und einer arteriellen Thermistorkanüle, liefert GEDVI und extravasales Lungenwasser und kalibriert die Pulskonturanalyse.

Frage 20

Wann sind unkalibrierte Pulskontursysteme besonders ungenau?

Musterlösung

Bei starken Tonusänderungen: Sepsis, hochdosierte Vasopressoren, Leberzirrhose, nach kardiopulmonalem Bypass; bei Arrhythmien und schlechter Kurvenqualität.

Frage 21

Definieren Sie die Schlagvolumenvariation und ihre Bedeutung.

Musterlösung

SVV = (SVmax − SVmin)/SVmittel über einen Atemzyklus; über etwa 10 bis 13 % Hinweis auf Volumenreagibilität, nur bei kontrollierter Beatmung, Sinusrhythmus und ausreichendem Tidalvolumen verwertbar.

Frage 22

Was unterscheidet Genauigkeit von Trendfähigkeit?

Musterlösung

Genauigkeit: Übereinstimmung des Absolutwerts mit der Referenz (Bland-Altman, prozentualer Fehler unter 30 %). Trendfähigkeit: Das Gerät erkennt Richtung und Größe von Änderungen richtig (Konkordanz, Polarplot); klinisch oft wichtiger.

Frage 23

Beschreiben Sie die Pathophysiologie der Hypotonie bei Sepsis.

Musterlösung

Vasodilatation durch NO und Mediatoren (SVR sinkt), relative und absolute Hypovolämie (Kapillarleck, Venenpooling), septische Kardiomyopathie, Mikrozirkulationsstörung; Katecholaminresistenz und Vasopressinmangel (Lerneinheiten Schock und Sepsis).

Frage 24

Was beschreibt das extravasale Lungenwasser?

Musterlösung

Die Flüssigkeit außerhalb der Gefäße im Lungengewebe (EVLWI, normal unter 10 ml/kg); erhöhte Werte zeigen Lungenödem an und sind mit höherer Sterblichkeit assoziiert; Grenze für Volumengabe.

Frage 25

Was ist eine Schleuderzacke, und welche Probleme macht sie?

Musterlösung

Ein überschießender systolischer Druckgipfel durch ein unterdämpftes Messsystem; der Algorithmus erkennt das Ende der Systole falsch, das Schlagvolumen wird falsch berechnet, die Systole zu hoch angezeigt (Lerneinheit arterielle Druckkurve).

Teil 4

Kreislauf: fünf Essayfragen

Frage 26

Vergleichen Sie Pulmonalarterienkatheter, PiCCO und Bioreaktanz.

Musterlösung

PAK: Thermodilution in der Pulmonalarterie, pulmonale Drücke, SvO₂; invasiv, Komplikationen, kein Überlebensvorteil; Rechtsherz- und pulmonale Hypertonie. PiCCO: transpulmonale Thermodilution plus Pulskontur, volumetrische Vorlast und Lungenwasser; ZVK und arterielle Kanüle. Bioreaktanz: nichtinvasiv, einfach, Validität nicht in allen Situationen belegt (Lerneinheit Hypotonie und prädiktives Monitoring).

Frage 27

Diskutieren Sie Frank-Starling und die Nutzung der SVV.

Musterlösung

Auf dem steilen Teil der Frank-Starling-Kurve steigert mehr Vorlast das Schlagvolumen deutlich; die Beatmung verändert zyklisch die Vorlast, und große Schwankungen des Schlagvolumens zeigen diesen steilen Teil an. Voraussetzungen: kontrollierte Beatmung, Sinusrhythmus, Vt mindestens 8 ml/kg oder Tidalvolumen-Challenge, geschlossener Thorax, kein Rechtsherzversagen.

Frage 28

Erläutern Sie MAD − ZVD = SVR × HZV in verschiedenen Szenarien.

Musterlösung

Sepsis: SVR niedrig, HZV hoch. Kardiogen: HZV niedrig, SVR hoch. Aortenstenose: fixierter Auswurf, Hypotonie bedroht die Koronarperfusion, früh Vasopressor. Mitralinsuffizienz: Nachlast senken erhöht den Vorwärtsfluss (Lerneinheit Hypotonie).

Frage 29

Beschreiben Sie die Validierungsstudie zur Pulskonturanalyse aus der Arbeitsgruppe des Autors.

Musterlösung

Diese Frage bezieht sich auf eine experimentelle Arbeit aus der Arbeitsgruppe des Autors, die in den Quellen des Manuskripts genannt, aber nicht beigelegt ist. Eine Musterlösung wird ergänzt, sobald die Arbeit vorliegt. Allgemein gilt: Referenz Thermodilution, induzierte Zustände wie Vasodilatation, Vasokonstriktion, Hypovolämie; Fehlerquellen Schleuderzacke und falsche Erkennung der dikroten Inzisur.

Frage 30

Bewerten Sie das hämodynamische Monitoring in der zielgerichteten Therapie.

Musterlösung

Zielparameter: Schlagvolumen oder Herzindex, SVV und PPV, ScvO₂, GEDVI, Laktat. Perioperativ senkt zielgerichtete Therapie in Metaanalysen Komplikationen (vor allem ältere Studien, Risikochirurgie), die Sterblichkeit weniger sicher; in der Sepsis zeigten ProCESS, ARISE und ProMISe keinen Vorteil der protokollierten ScvO₂-Steuerung gegenüber guter Standardtherapie. Nach Herzchirurgie reduziert zielgerichtete Therapie in kleinen Studien Komplikationen und Liegedauer.

Selbstkontrolle abschließen

Markieren Sie die Einheit als bearbeitet, wenn Sie alle Fragen beantwortet und verglichen haben.

Abschlussquiz, etwa 8 Minuten

Abschlussquiz

Zehn Fragen aus den Kurzfragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Wo steht die Antwort?

© 2026 Ulrich Frey. Alle Rechte vorbehalten. Fragen aus dem Manuskript des Autors, Musterlösungen für das E-Learning neu geschrieben.