Weiterbildung und Kompetenzen

Weiterbildungskonzept Marien Hospital Herne

Programm für die Weiterbildung in der Facharztkompetenz Anästhesiologie: 60 Monate in fünf Phasen, standortübergreifend in der St. Elisabeth Gruppe, mit Mentoring, strukturiertem Feedback und begleitendem E-Learning.

Tabelle 1: Die fünf Phasen
PhaseMonateInhalte
11 bis 12Allgemein- und Regionalanästhesie, Einführung, AFS 1 und 2, erste Simulationen
213 bis 24Geburtshilfe, Gefäßchirurgie, ZVK, Notfallmedizin, AFS 3, PFE 1, NEF-Einsätze
325 bis 36Intensivmedizin, ECMO, TTE und TEE, Dialyse, Weaning, Schockraumsimulation
437 bis 48Kinderanästhesie, FOI-Training, Regionalanästhesie (axillär, interskalenär), Zahnchirurgie
549 bis 60Thorax- und Neurochirurgie, Schmerztherapie, Facharztvorbereitung, Didaktikmodul

Das vollständige Konzept (22 Seiten) steht als PDF zum Herunterladen bereit (Medienpaket erforderlich) und in der Mediathek.

Kapitel 1

Einführung und organisatorischer Rahmen

Überblick

Die Weiterbildung in der Facharztkompetenz Anästhesiologie an der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin des Marien Hospital Herne (MHH) dauert 60 Monate. Sie folgt der Weiterbildungsordnung und den Empfehlungen der Fachgesellschaften.

Das MHH gehört zur St. Elisabeth Gruppe (SEG) mit dem St. Anna Hospital Wanne-Eickel (STA), dem Marienhospital Witten (MHW) und der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln. Die Weiterbildung verläuft standortübergreifend mit Kernrotationen und optionalen Hospitationen an universitären Kooperationskliniken. Rotiert wird durch Allgemein- und Viszeralchirurgie, Urologie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Gefäß- und Unfallchirurgie, Kinderanästhesie, Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin sowie Neuro- und Thoraxchirurgie.

Begleitend gibt es ein Curriculum mit Einarbeitungskonzepten, Simulationstrainings, zertifizierten Kursen (zum Beispiel AFS-Zertifikate, Strahlenschutz, Notfallmedizin) und digitalen Lernangeboten im E-Learning. Ziel sind kompetente, selbstständige Fachärztinnen und Fachärzte für Anästhesiologie mit Kenntnissen in allen Subdisziplinen, kritischer Reflexion und kollegialer Zusammenarbeit.

Verantwortliche und Mentoring

Die Gesamtverantwortung trägt der Klinikdirektor, Prof. Dr. med. Ulrich Frey, unterstützt von den beiden leitenden Oberärzten, von denen einer offizieller Vertreter des Weiterbildungsbefugten ist. Erfahrene Ober- und Fachärztinnen und -ärzte supervidieren die praktische Ausbildung und begleiten als Mentorinnen und Mentoren. Jede neue Kollegin und jeder neue Kollege erhält zu Beginn eine feste Mentorin oder einen festen Mentor als Ansprechperson für Feedback und Lernentwicklung.

Viermal jährlich stimmt die Oberarztkonferenz mit dem Klinikdirektor Fortschritt, Stärken und Förderbedarf ab; die Ergebnisse fließen in die Planung der nächsten Abschnitte ein und können zur Wiederholung von Inhalten führen.

Einsatzorte

Tabelle 2: Standorte
StandortSchwerpunkt
Marien Hospital Herne (MHH)universitäre Einrichtung mit breitem operativem Spektrum, interdisziplinärer Intensivstation und eigener Schmerz- und Palliativstation
St. Anna Hospital Wanne-Eickel (STA)Regionalanästhesie, orthopädische Großoperationen, Zwei-Höhlen-Eingriffe; komplexe Blockaden unter spezialisierter Supervision
Marienhospital Witten (MHW)Gynäkologie und Geburtshilfe; Perinatalzentrum Level 1 mit Versorgung von Neu- und Frühgeborenen und geburtshilflichen Notfällen
Vestische Kinder- und Jugendklinik DattelnKinderanästhesie, neonatologische und pädiatrische Patientinnen und Patienten
Partnerkliniken der Ruhr-Universität Bochumoptionale Hospitationen, etwa Neuro- oder Thoraxchirurgie

Supervision, Feedback, Rotationsplanung

Zu Beginn jeder Phase überwiegt direkte Supervision mit engen Rückmeldungen; die Verantwortung wird schrittweise übertragen. Die Rotationen folgen einem phasenbezogenen Curriculum, berücksichtigen Ausbildungsstand und Interessen und wechseln in der Regel alle sechs bis zwölf Monate.

Tabelle 3: Feedbackstruktur
ZeitpunktGespräch
vor BeginnEinführungsgespräch mit dem supervidierenden Oberarzt (S-OA)
nach 4 WochenZwischengespräch mit der Mentorin oder dem Mentor
nach 3 MonatenFeedbackgespräch mit dem supervidierenden Oberarzt
nach 5 MonatenProbezeitgespräch mit dem Klinikdirektor
mindestens jährlichWeiterbildungsgespräch nach der Weiterbildungsordnung
vierteljährlichEvaluation in der Oberarztkonferenz, gegebenenfalls Empfehlung zur Wiederholung einer Phase

Alle Gespräche nutzen standardisierte Bewertungsbögen für Wissen, Professionalität, Kommunikation und Teamverhalten; die Ergebnisse gehen in die individuelle Förderplanung ein.

Hinweis zur RechtsgrundlageDas Konzept nennt die „WBO NRW“ und das jährliche Gespräch nach „§ 8 Abs. 2 WBO NRW“. Für Herne ist die Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Westfalen-Lippe maßgeblich; in Nordrhein-Westfalen gibt es zwei Ärztekammern mit eigenen Ordnungen. Bitte die Paragrafenangabe mit der gültigen Fassung abgleichen.

Kapitel 2

Phase 1 (Monate 1 bis 12): Allgemein- und Regionalanästhesie

Grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten in Allgemein- und Regionalanästhesie; Einsätze vor allem in Allgemeinchirurgie, Urologie und Augenheilkunde am Standort Herne.

  • Klinik: inhalative und intravenöse Allgemeinanästhesie; Maskenbeatmung, Larynxmaske, Intubation; Spinalanästhesie und erste periphere Blockaden (zum Beispiel TAP-Block); präoperative Anamnese und Risikoeinschätzung (ASA I bis II); Narkoseplanung, Einleitung, Aufrechterhaltung, Ausleitung; EKG, Röntgen-Thorax, Lungenfunktion.
  • Geräte: Dräger-Narkosegeräte (Primus, Fabius Tiro); Philips-Monitoring mit ST-Analyse, Relaxometrie, SedLine, TEG 6s; Simulation zu Reanimation, Atemweg und ultraschallgestützter Nadelführung; Medizinprodukteeinweisung.
  • Ultraschall und Regionalanästhesie: hausinterne AFS-Kurse 1 und 2; Nadelführung unter Supervision; anatomische Sonographie.
  • Theorie: Gasaustausch, Atemregulation, Kreislaufmechanik; Nerven, Gefäße, Atemwege; Narkotika, Opioide, Lokalanästhetika, Notfallmedikamente; Patient Blood Management und Gerinnung mit POC-Analytik.
  • E-Learning „Einführung in die Anästhesiologie“: Videotutorials zu Einleitung, Lagerung und Atemweg; Quizze zu Medikamenten, EKG und Anatomie; Checklisten, Einleitungsstandards und Gerätebedienung zum Herunterladen; Abschlusstest mit Teilnahmezertifikat.
  • Feedback: 4-Wochen-Gespräch, 3-Monats-Gespräch, Probezeitgespräch nach 5 Monaten.

Ziel: Grundfertigkeiten unter direkter Supervision sicher beherrschen, erste Maßnahmen unter Aufsicht eigenständig durchführen, die theoretischen Grundlagen beherrschen, mit Blick auf die selbstständige Standardnarkose.

HinweisDas Konzept nennt die „Medizinprodukteeinweisung gemäß MPG“. Das Medizinproduktegesetz wurde 2021 durch das Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetz (MPDG) abgelöst; die Einweisungspflicht regelt die Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV), die Kapitel 8 bereits nennt.

Kapitel 3

Phase 2 (Monate 13 bis 24): Geburtshilfe, Gefäßchirurgie, Notfallmedizin, Regionalanästhesie

Erweiterung der Basis in Geburtshilfe, Gefäßchirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie sowie Zahnchirurgie; Vorbereitung auf präklinische Notfälle und intensivmedizinische Grundfertigkeiten.

  • Klinik: Spinalanästhesie und lumbale Periduralkatheter in der Geburtshilfe; gefäßchirurgische Eingriffe (zum Beispiel Thrombendarteriektomie, Shuntanlage); robotisch assistierte Operationen; besondere Lagerungen und Komorbiditäten (ASA III); ZVK und arterielle Kanülen; Blutgasanalyse und hämodynamische Steuerung.
  • Notfallmedizin: Kurs „Arzt im Rettungsdienst“; Einsätze unter Supervision im NEF Herne; Erwerb der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin; Simulation geburtshilflicher Notfälle und Schockraumszenarien.
  • Regionalanästhesie: lumbale Periduralanästhesie als Einzeldosis und Katheter; Ultraschall kombiniert mit Nervenstimulation; periphere Katheter (Femoralis, interskalenär, Ischiadicus); ultraschalloptimierte Nadeln und Kathetersysteme.
  • Ultraschall: AFS 3 und PFE 1 (TTE); Sonographie in OP, Kreißsaal und Notfall; Vorbereitung auf die Intensivrotation (ZVK unter Ultraschall).
  • E-Learning „Geburtshilfe und Notfallmedizin“: fallbasierte Module zur Sectio und zu Sectio-Notfällen; Diskussion geburtshilflicher Szenarien im Forum; Vorbereitung auf Notarzteinsätze mit Algorithmen und Schemata (ABCDE, SAMPLER); TTE-Tutorials und Fragen zur hämodynamischen Beurteilung.
  • Feedback: Rotationsevaluation durch Geburtshilfe und Notfallmedizin; Fortschrittsgespräch mit der Mentorin oder dem Mentor am Ende des zweiten Jahres; Einträge in das elektronische Logbuch.

Ziel: eigenständiges Handeln in komplexeren Situationen, besonders im perioperativen Risikomanagement, bei geburtshilflichen Notfällen und in der präklinischen Erstversorgung.

Passende Inhalte im E-LearningEchokardiographie, TTE Modul 2, Neugeborenenversorgung.

Kapitel 4

Phase 3 (Monate 25 bis 36): Intensivmedizin

Zwölf Monate auf der interdisziplinären operativen Intensivstation unter anästhesiologischer Leitung: vertiefte Diagnostik und Therapie kritisch Kranker und sichere intensivmedizinische Techniken.

  • Klinik: volumen- und druckkontrollierte Beatmung, NIV, Weaning; Katecholamine und hämodynamisches Monitoring; Sepsis, Flüssigkeits- und Volumensteuerung; CVVHDF und intermittierende Dialyse; ECMO (vv und va) mit Indikation und Versorgung; enterale und parenterale Ernährung, Blutzuckerkontrolle.
  • Prozeduren: ZVK und arterielle Kanülen unter Ultraschall; flexible Bronchoskopie, BAL, Sputum, Blutkulturen; Punktionen und Drainagen (Pleura, Abdomen, Liquor); POCUS mit TTE, eFAST, VCI und Lungenultraschall; TEE-Grundfertigkeiten.
  • Monitoring: Blutgase, Laktat, Elektrolyte, Gerinnung; TEG, PiCCO, Edwards-HPI, BIS und SedLine; Multiorganversagen erkennen und behandeln.
  • E-Learning „Intensivmedizin und erweiterte Überwachung“: Fälle zu ARDS, Sepsis und akutem Nierenversagen; Videotutorials zu Dialyse, ECMO-Anlage und Tracheotomie; virtuelle Patientinnen und Patienten mit Entscheidungsbäumen; Quizze zu Beatmung, Pharmakologie und Infektionskontrolle.
  • Simulation: Intensivszenarien im Simulationszentrum; TTE und TEE am Simulator; Bronchoskopie- und Punktionstraining.
  • Feedback: Verlaufsgespräch nach 6 Monaten mit der Leitung Intensivmedizin; Beurteilung der Kernkompetenzen (Beatmung, Kreislauf, Diagnostik, Prozeduren); Abschlussgespräch mit Logbuchprüfung.

Ziel: komplexeres klinisches Denken, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eigenverantwortliches Management instabiler Patientinnen und Patienten unter fachärztlicher Supervision.

Passende Inhalte im E-LearningAlle Lerneinheiten des Moduls Intensivmedizin.

Kapitel 5

Phase 4 (Monate 37 bis 48): Kinderanästhesie und schwieriger Atemweg

  • Kinderanästhesie: Narkosen bei Kindern unter 5 Jahren mit Prämedikation und Einleitung; Besonderheiten bei Neugeborenen (Atemwege, Kreislauf, Volumen); intraossäre Zugänge und schwierige Venenverhältnisse; Zahn- und Augenchirurgie; Früh- und Neugeborene (Rotation Datteln oder Witten).
  • Atemweg und Notfalltechniken: fiberoptische Intubation in Lokalanästhesie; Videolaryngoskopie (zum Beispiel C-MAC); Training „cannot intubate, cannot ventilate“; Koniotomie am Simulator einmal im Monat (montags 16 bis 18 Uhr); Narkose bei schwieriger HWS (zum Beispiel Morbus Bechterew, Trauma).
  • Regionalanästhesie: axilläre, supra- und infraklavikuläre, Femoralis-, Ischiadicus- und interskalenäre Blockaden als Einzeldosis und Katheter, mit Nervenstimulation und Ultraschall.
  • E-Learning „Kinderanästhesie und schwieriger Atemweg“: Videotutorials zur FOI, zu Kinderanästhesie-Szenarien und zur Reanimation Neugeborener; Quizze zu Anatomie, Dosierung und Notfallprotokollen; Fälle, etwa Neugeborenenversorgung bei Sectio.
  • Optionale Rotationen: MHW (Geburtshilfe, Frühgeborene im Perinatalzentrum); Datteln (neonatologische Anästhesie, Kinderchirurgie, Kinder-OP-Dienste).
  • Nachweis: mindestens 15 fiberoptische Intubationen am Simulator; Abschlussgespräch mit den Oberärztinnen und Oberärzten der Kinderanästhesie; Logbuch und Mentoring-Feedback.

Ziel: sicherer Umgang mit besonders verletzlichen Patientengruppen und mit erschwerten Bedingungen (schwieriger Atemweg, instabiler Kreislauf, schwieriger Zugang).

Kapitel 6

Phase 5 (Monate 49 bis 60): Spezialisierung, Prüfungsvorbereitung, Schmerztherapie

  • Klinik: große abdominelle und thoraxchirurgische Eingriffe (zum Beispiel Ösophagusresektion, Thorakoskopie, Notfallsectio); Doppellumentuben und seitengetrennte Beatmung; paravertebrale, thorakal-epidurale und Trigonum-femorale-Blockaden; Schmerzmedizin mit pharmakologischen und nichtpharmakologischen Verfahren, Betreuung chronisch schmerzkranker und palliativer Patientinnen und Patienten; Notfallversorgung Neugeborener mit Reanimationstraining.
  • Spezialisierung: STA mit Regionalanästhesie bei orthopädischen Eingriffen (Top-5-Blöcke: PENG, interskalenär, axillär, Trigonum femorale, DISCH); Partnerkliniken der Ruhr-Universität Bochum für Neuroanästhesie und kardiovaskuläre Eingriffe mit Bypassverfahren; vier Wochen Schmerz- und Palliativstation mit multimodalen Konzepten, Kommunikation am Lebensende und Symptomkontrolle.
  • Prüfungsvorbereitung und Didaktik: Simulation mündlicher Facharztprüfungen (einschließlich EDAIC-relevanter Inhalte); Wiederholung von Pharmakologie, Monitoring, Regionalanästhesie und Kreislaufphysiologie; internes Didaktikmodul; Lehre im Studium sowie in Ultraschall- und Assistentenkursen.
  • E-Learning „Prüfungsvorbereitung und fortgeschrittene Verfahren“: Facharztprüfungssimulation mit MC- und mündlichen Fallfragen; Module zu Thorax-, Neuroanästhesie und Schmerztherapie; Videos zu Doppellumentuben, Reposition und Bronchoskopie; Abschluss mit Evaluationsbogen und Teilnahmebescheinigung.
  • Abschluss: letztes Weiterbildungsgespräch mit dem Klinikdirektor; Prüfung des vollständigen Logbuchs; Empfehlung zur Facharztprüfung durch die Weiterbildungskommission.

Ziel: Kompetenzfestigung, Ausrichtung auf Schwerpunkte, Vorbereitung auf die Facharztprüfung und auf eine spätere Rolle als Oberärztin oder Oberarzt mit didaktischer, klinischer und organisatorischer Verantwortung.

Hinweis„DISCH“ in der Liste der Top-5-Blöcke ist im Konzept nicht erläutert; bitte die gemeinte Blockade ausschreiben.

Kapitel 7

Didaktik, Lehre und Forschung

Vor allem im letzten Drittel werden didaktische und wissenschaftliche Kompetenzen aufgebaut, als Vorbereitung auf Lehr-, Supervisions- und Forschungsaufgaben.

  • Didaktik und Supervision: internes Didaktikmodul (zum Beispiel „Teaching on the job“); Hospitation in Assistentenfortbildung, PJ-Unterricht und Skills-Lab; eigene Lehreinheiten unter Supervision (Ultraschallkurse, Moderation im E-Learning, Kleingruppen); Feedback zur didaktischen Entwicklung.
  • Studentische Lehre: Anleitung von Studierenden in OP und Intensivstation; Prüfungssimulationen, OSCE, Bedside-Teaching; Lehrmaterialien wie Videos, interaktive Module und Quizze.
  • Forschung: Mitarbeit an klinischen Studien (zum Beispiel Regionalanästhesie, Kreislaufmonitoring, TTE); GCP-Kurse; Zugang zum klinikeigenen Forschungslabor; Vorstellung eigener Projekte im Journal Club und in Kolloquien.
  • E-Learning: eigene Lerneinheiten erstellen oder pflegen; Foren und Online-Sprechstunden moderieren; Zertifikat für eigene Lehreinheiten.

Ziel: Theorie und Praxis eigenständig vermitteln, Nachwuchs strukturiert anleiten und sich an wissenschaftlichen Diskursen beteiligen.

Kapitel 8

Strukturierte Einarbeitung und Qualitätssicherung

Vor Beginn der fachlichen Weiterbildung steht eine strukturierte Einarbeitung, die auch die gesetzlich vorgeschriebene Unterweisung nach der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) umfasst.

  • Einarbeitung: Begrüßung durch den Klinikdirektor, Vorstellung im Team, Rundgang; Einarbeitungsordner mit Zugängen, Checklisten, SOPs und Geräteübersichten; EDV-Systeme (ICCA, MedLinq, JiveX, XTOP, Outlook); Medizinprodukte (Narkosegeräte, Ultraschall, Bronchoskopie, Defibrillatoren, PCA-Pumpen, Edwards-HPI); Pflichtunterweisungen zu Brandschutz, Hygiene, Arbeitssicherheit, Datenschutz und Transfusion.
  • Gespräche: Einführungsgespräch, 4 Wochen, 3 Monate, 5 Monate (siehe Tabelle 3).
  • Dokumentation: schriftliche Protokolle aller Gespräche mit Erwartungen, Selbsteinschätzung und Zielvereinbarung; vollständige Einarbeitungscheckliste vor Ende der Probezeit; zentrale Ablage im Sekretariat und in der Personalakte.
  • E-Learning im Onboarding: Einführungskurs zu OP-Abläufen, Geräteeinweisungen, Checklisten und Ansprechpersonen; Quizze zu Sicherheitsthemen (Reanimation, Hygiene, Strahlenschutz); Handbücher, Ablaufpläne und SOPs zum Herunterladen.

Ziel: zeitgerechte, rechtssichere und transparente Einführung neuer Kolleginnen und Kollegen in Systeme, Verantwortlichkeiten und Abläufe.

Kapitel 9

Vereinbarkeit von Weiterbildung und Familie

  • Teilzeit: anerkannte Teilzeitmodelle mit mindestens 50 % der Regelarbeitszeit; Rotationen werden so angepasst, dass die Abschnitte vollständig bleiben; auch Zusatzbezeichnungen wie Notfallmedizin sind in Teilzeit möglich.
  • Flexible Planung: Rotationen und OP-Einteilung berücksichtigen individuelle Wünsche (feste Wochentage, Schulferien, keine Rufdienste für Alleinerziehende); Pflichtfortbildungen werden zeitlich abgestimmt.
  • Wiedereinstieg nach Auszeiten wie der Elternzeit: gezielte Re-Einarbeitung mit persönlicher Supervision, individuelle Ziele in den ersten Wochen, Auffrischung im E-Learning.
  • Betreuung: Die Mentorin oder der Mentor bleibt auch in Elternzeit oder Teilzeit ansprechbar; bei besonderen Situationen begleitet zusätzlich der Weiterbildungsbeauftragte.

Ziel: familienfreundliche, flexible Weiterbildung ohne Abstriche an Qualität und Struktur.

Kapitel 10

Zusammenfassung und Kompetenzmatrix

Tabelle 4: Kompetenzbereiche und Zuordnung im Konzept
KompetenzbereichPhasen und Kapitel
Allgemeine AnästhesiologiePhasen 1 bis 5, vor allem 1 und 5
RegionalanästhesiePhasen 1, 2, 4, 5
IntensivmedizinPhase 3
NotfallmedizinPhasen 2, 3, 4
SchmerzmedizinPhase 5 (Rotation Schmerzstation)
KinderanästhesiePhase 4
Perioperative MedizinPhasen 1, 2, 5
Ultraschall und Diagnostikdurchgehend; AFS 1 bis 3, PFE 1, TTE und TEE
Pharmakologie und TransfusionPhasen 1, 3
Wissenschaft, Lehre, QualitätPhasen 2 und 5, Kapitel 7
Strahlenschutz und RechtskundePhasen 1 und 2, Einarbeitung (Kapitel 8)
KorrekturIm Konzept steht für Wissenschaft, Lehre und Qualität „Phasen 2, 5, 7“. Eine Phase 7 gibt es nicht; gemeint ist Kapitel 7 (Didaktik, Lehre und Forschung).

Jede Phase ist mit Angeboten des E-Learnings verknüpft: Videotutorials, fallbasierte Module, Quizze und Tests, Materialien zum Herunterladen und Teilnahmezertifikate für das Logbuch. Das Curriculum sichert eine praxisnahe, strukturierte und kompetenzbasierte Weiterbildung mit klaren Lernzielen, regelmäßiger Evaluation und digitaler Unterstützung, hin zur eigenverantwortlich tätigen Fachärztin und zum eigenverantwortlich tätigen Facharzt für Anästhesiologie mit klinischer, didaktischer und wissenschaftlicher Qualifikation.

Abkürzungen

AbkürzungBedeutung
AFSAnästhesiologische Fokussierte Sonographie (Kursreihe der DGAI)
PFEPerioperative Fokussierte Echokardiographie (Kursreihe der DGAI)
FOIfiberoptische Intubation
NEFNotarzteinsatzfahrzeug
EDAICEuropean Diploma in Anaesthesiology and Intensive Care
GCPGood Clinical Practice
S-OAsupervidierender Oberarzt
MHH, STA, MHW, SEGMarien Hospital Herne, St. Anna Hospital Wanne-Eickel, Marienhospital Witten, St. Elisabeth Gruppe

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