NARKO.LAB

Integrierte klinische Physiologie

Am Patienten stört selten ein einzelner Regelkreis. Die Kachel übt das Denken über mehrere Systeme hinweg: Jede Einheit beginnt mit einem Leitbefund, ordnet ihn nach Mechanismen und führt zur ersten Handlung. Sie setzt die Kacheln 01 bis 09 voraus und verweist auf sie.

Lerneinheiten

  • 1Hypoxämie: wo ist die Sauerstoffkette unterbrochen?

    Der niedrige Sättigungswert als Leitbefund und der Weg zum Mechanismus: Prüfung von Pulskurve, Dyshämoglobinen und Messfehlern; Alveolargasgleichung und alveoloarterielle Differenz als erster Schnitt zwischen niedrigem inspiratorischem Partialdruck oder Hypoventilation und Störungen des Gasaustauschs; Ventilation-Perfusion-Ungleichgewicht, Diffusionsstörung und Shunt mit ihrer unterschiedlichen Antwort auf Sauerstoff; der niedrige gemischtvenöse Gehalt als Verstärker; Oxygenierungsindizes und Sauerstoffziele nach der aktuellen Studienlage.

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  • 2Hyperkapnie: Ventilation, Totraum oder Produktion?

    Der steigende Kohlendioxidwert als Leitbefund und seine drei Stellgrößen: die alveoläre Ventilationsgleichung mit Produktion, Minutenventilation und Totraumanteil; anatomischer, apparativer und alveolärer Totraum mit der Bohr-Gleichung und dem Totraumanteil als Prognosefaktor; Kapnogramm und arterioendexspiratorische Differenz als Werkzeuge der Unterscheidung; verminderter Atemantrieb gegenüber erschöpfter Atempumpe; gesteigerte Kohlendioxidproduktion und exogene Last bei Fieber, Sepsis, Ernährung, maligner Hyperthermie und Laparoskopie; permissive Hyperkapnie und ihre Grenzen.

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  • 3Hypotonie: Vorlast, Herz, Gefäßtonus oder Verteilung

    Vom Leitbefund des niedrigen Mitteldrucks über eine physiologische Differenzialdiagnose zur Handlung: der Blutdruck als Produkt aus Füllung, Pumpe, Frequenz und Gefäßtonus; Frank-Starling-Beziehung, gespanntes Volumen und Volumenreagibilität mit ihren Tests; Einleitungshypotonie und rückenmarknahe Blockade als Verlust von Tonus und venöser Füllung; vagale Reaktionen über den muskarinischen Signalweg; Koronarperfusion, Aortenstenose und dynamische Obstruktion; intraoperative Hypotonie, Organschaden und begründete Zielwerte.

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  • 4Schock: Makrozirkulation, Mikrozirkulation und Zelle

    Schock als Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und Sauerstoffbedarf vom Leitbefund der Hypoperfusion zur Handlung: die vier Schockformen an Füllung, Herzzeitvolumen und Widerstand; Kompensation über Baroreflex, Sympathikus und Hormone mit ihrem Preis; Laktat, Rekapillarisierungszeit, zentralvenöse Sättigung und venoarterielle Kohlendioxiddifferenz als Messgrößen der drei Ebenen; Entkopplung von Makrozirkulation und Mikrozirkulation; Noradrenalin, Vasopressin, Adrenalin, Dobutamin und Phenylephrin über ihre Rezeptoren.

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  • 5Blutung: Volumen, Sauerstofftransport und Hämostase

    Die Blutung als gleichzeitige Störung von Volumen, Sauerstofftransport und Hämostase vom Leitbefund zur Handlung: Kompensation über Baroreflex, Venenkonstriktion, Hormone und transkapilläre Auffüllung mit dem verzögerten Hämoglobinabfall; Schätzung des Verlusts über Schockindex, Laktat und Basendefizit; kritisches Sauerstoffangebot und Transfusionsschwellen nach Organrisiko; Gerinnungsstörung beim Trauma mit Fibrinogen, Hyperfibrinolyse und dem Zeitbezug der Tranexamsäure; tödliche Trias, permissive Hypotonie und Massivtransfusion.

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  • 6Respiratorische Insuffizienz: Lunge, Pumpe und Herz

    Die respiratorische Insuffizienz vom Leitbefund Atemnot zum Mechanismus: Oxygenierungs- und Ventilationsversagen an Blutgasanalyse und Atemmuster; Compliance und Widerstand aus der Bewegungsgleichung mit Spitzen- und Plateaudruck am Beatmungsgerät; Atemarbeit als Gleichgewicht von Last und Kapazität; akutes Lungenversagen mit Baby Lung, Driving Pressure, Rekrutierung und Bauchlage; Obstruktion mit Überblähung und intrinsischem PEEP; die Herz-Lungen-Interaktion unter Spontanatmung und Beatmung.

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  • 7Niere, Elektrolyte und Säure-Basen als Folge und Ursache

    Oligurie, Hyperkaliämie, Hyponatriämie und metabolische Azidose als ein zusammenhängendes Problem am Bett: die Einordnung des akuten Nierenversagens nach Abfluss, Perfusion, Rückstau und Schädigung der Niere selbst; die kardiorenale Achse; die Hyperkaliämie vom Ruhepotenzial bis zum Elektrokardiogramm mit der Behandlung in der Reihenfolge Stabilisieren, Verschieben, Entfernen; Osmolalität und Tonizität beim Nierenversagen und unter Nierenersatz; die metabolische Azidose als Schock- und Nierenzeichen mit den Grenzen der Kompensation bei der Narkoseeinleitung.

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  • 8Sepsis und Multiorganversagen

    Sepsis als lebensbedrohliche Organdysfunktion durch eine dysregulierte Wirtsantwort: Definition, Organversagensscore in seiner überarbeiteten Fassung und Screening; überschießende Entzündung und Immunsuppression als gleichzeitige Anteile derselben Antwort; Endothel und Glykokalyx als gemeinsame Endstrecke von Kapillarleck, Vasoplegie und Mikrothrombose; Vasoplegie und septische Kardiomyopathie am Bett unterschieden; Mikrozirkulation, Zelle und Crosstalk der Organe bis zum Multiorganversagen; die zeitkritischen Schritte der ersten sechs Stunden mit Fokussanierung als Aufgabe der Anästhesie.

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  • 9Bewusstsein, Schmerz und Temperatur: das Gehirn als Anzeige des Ganzen

    Der veränderte Patient als Leitbefund: Bewusstseinsstörung in fester Reihenfolge abgeklärt über Perfusion, Oxygenierung, Kohlendioxid und Glucose, über Natrium, Organversagen und Temperatur, über Pharmaka und Entzug bis zu Schmerz und unscheinbaren Auslösern; das Delir als Organversagen und gemeinsame Endstrecke; akuter und chronischer Schmerz als Systemantwort; Hypothermie und Fieber als organübergreifende Störungen; Alpha-2-Agonisten als gemeinsamer Angriffspunkt mit aktueller Studienlage.

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  • 10Physiologie am Lebensende

    Die letzte Lebensphase als Erschöpfung der Reserven mehrerer Regelkreise und die Suche nach reversiblen Ursachen vor dieser Einordnung; Tumorkachexie im Unterschied zum Hungerstoffwechsel; Durst, Mundtrockenheit und die Studienlage zur parenteralen Flüssigkeit; Atemnot als Wahrnehmung, Cheyne-Stokes-Atmung und Rasselatmung; Kreislaufzentralisation und Zeichen des nahenden Todes; der Hirntod als irreversibler Ausfall der gesamten Hirnfunktion; Therapiezieländerung aus physiologischer Sicht, ohne Rechtsfragen.

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